Heute hat es endlich geklappt: Besuch bei der Dame in der Galerie. Schreiben darüber gleich im Anschluss abgebrochen. Gemerkt, dass sich die Eindrücke erst setzen müssen. Bis morgen wird es vielleicht eine Geschichte. Heute war es noch keine. Wovon könnte die Geschichte handeln? - Von der Dame oder von mir? - Ich war nicht hinterhältig, was ich sein kann, wenn es fürs Schreiben ist. Da würde ich meine Schwestern auf dem Sklavenmarkt in Timbuktu verkaufen, wenn ich Schwestern hätte, wenn es in Timbuktu noch einen Sklavenmarkt gäbe und wenn es nötig wäre, um an Informationen heran zu kommen für einen Text. - Ich habe allerdings auch nicht offen darüber gesprochen, dass ich neugierig bin, was mit ihr war und wie es ihr noch ergangen ist an dem Nachmittag nach ihrem Sturz. Ich habe den Eindruck erweckt, dass ich mir später Vorwürfe gemacht habe, weil ich nicht mit der hilfsbereiten Frau zu ihr gegangen bin, um nachzusehen, was mit ihr ist. Das war nicht geheuchelt. Aber es war nur die halbe Wahrheit. Dass ich über den Vorfall geschrieben habe und sie nun aufsuche, um die Geschichte weiter erzählen zu können, habe ich nicht erwähnt. Hätte ich es tun sollen? - Ich habe ihr meinen Namen und meine Adresse notiert, damit sie mir für ihre nächste Ausstellung eine Einladung schicken kann. Sie sitzt da mit ihrem iBook (*). Sie hat mir das Archiv der Website gezeigt mit all den Ausstellungen, die sie gemacht hat in der Galerie (30 Ausstellungen in vier Jahren). Anzunehmen, dass sie hinterher meinen Namen gegoogelt hat. Dann hat sie meinen Blog gefunden und dann wird sie auch gelesen haben, was ich an dem Samstag ihres Sturzes gepostet habe. Dann kann ich doch, wenn ich über meinen Besuch bei ihr geschrieben habe, ihr das schicken, und endlich mal aufhören damit, immer so verdeckt (konspirativ) umzugehen mit dem Blog. Das zu ändern, das gehört auch dazu: mit dem Blog zu den Leuten hinzugehen, sie zu verwickeln, sie hineinzuziehen in mein Schreiben. So offensiv wie ich beim Schreiben bin, es auch im Leben sein - wenigstens im Leben mit dem Blog.
(*) Weißes iBook. Ist jedes iBook weiß? - Das iBook weiß wie alles in der Galerie. Nur die Bilder sind in Gold gehalten. Passend zur 30. Ausstellung. Allerdings nicht so gewollt; passender Zufall. - Wird das iBook aktiviert, leuchtet das Apfel-Icon auf der Rückseite auf. Das ist Tineff, Mr. Jobs! Die Dame kann dafür nichts.
Notiz für morgen: Dass sie mich für einen möglichen Käufer gehalten hat. Wie ich wirke auf andere. Das unterstrichen noch mit meinem Verhalten, als ich ihr die Hand gegeben habe zur Begrüßung und mich förmlich vorgestellt habe. - Die Geschichte wird von mir handeln. Mich ehrlich machen.
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