Freitag, 18. März 2011

Hemmung

Morgen, allerspätestens übermorgen will ich die Google-Anzeige schalten für den Blog und zugleich habe ich das Gefühl, von Tag zu Tag mehr in Schwierigkeiten zu geraten mit meinem kleinen Schreibunternehmen. Gestern: Die Passage über den Story-Journalismus. Dass es nur den Bannas gibt in Deutschland, der anders schreibt, ist eine unhaltbare Behauptung. Er ist ein hervorragendes Beispiel für das andere Schreiben. Aber weniger hervorragend gibt es das doch bestimmt auch im Schwarzwaldboten. Nun steht es da, weil ich den Textfluss brauche an der Stelle, weil ich den Übergang brauche und zu faul gewesen bin.  es zu ändern. Pfusch! – Den hätte ich vermeiden können, wenn ich auf die Meinungsabsonderung verzichtet hätte. – Das einzig Gute ist: Ich kann es jeden Tag besser machen. – Keine Meinungsabsonderungen mehr ab heute!

Zu Peter gestern: Dass er sein Reden mit der Realität verwechselt. So wie ich mein Denken mit der Realität verwechsle. – Und dann auch noch lügen. – Plötzlich spricht er gestern wieder vom Radiologen, bei dem er einen Termin hat heute. – Radiologe? Meint er die medizintechnische Praxis, wo er die MRT gemacht hat am Montag? Heute soll doch die Biopsie gemacht werden. Bei seinem HNO-Arzt. – Nein, der ist in Urlaub, da könne er erst nächste Woche hin. – Und die machen auch eine Biopsie in der Apparate-Praxis? – Ja, sagt er und ich denke, da stimmt doch was nicht. – Dann noch: Am Montag ist er beim Amtsarzt (Psychiater). – Der hat doch gesagt, dass er erst mal den Knubbel-Befund abwarten will. – Jetzt ist das auf einmal nicht mehr so. Es ist es auch nicht mehr so, dass heute Biopsie gemacht wird und nächste Woche gibt es erst den Befund. Er erweckt den Eindruck, dass er heute schon was erfahren wird. – Peter, du eierst schon wieder herum. Hast du wieder geflunkert? – Nein. – Er hat wieder geflunkert. So wie es aussieht, war er nicht bei der MRT am Montag. Er hat den Termin auf heute verschoben. Deshalb auch am Montag diese merkwürdige Bemerkung, dass da so ein Krach ist in der Röhre. Das hat er irgendwo gelesen und mir erzählt, um seine Lüge zu illustrieren, um sie glaubwürdiger zu machen. – Also heute MRT-Termin. Was macht er heute in seiner panischen Angst, Todesangst eines Feiglings? Hat er jetzt genug Druck, um sich zu überwinden? Oder drückt er sich wieder? – Heute Früh gedacht, wenn er wieder nicht da war, dann gehe ich raus mit dem Blog aus seiner Geschichte. – Persönlich nehme ich es ihm nicht krumm, wenn er so ein Feigling und ein Lügner ist. Aber im Blog will ich ihn dann nicht mehr haben. Oder anders? Dann muss es um die Feigheit gehen und die Verlogenheit? Dann kann ich mir allerdings noch nicht vorstellen, wie das kommuniziert werden soll bei der Art von Gespräch, die wir haben. Dann braucht es mehr Distanz. Dann nehme ich vielleicht doch mal Kontakt auf mit seiner Freundin Caro. - Mal sehen, wie es heute ausgeht. Wenn es sich bestätigt, dass er gelogen hat und wieder nicht bei der MRT war, dann erlaube ich mir die schlicht-menschliche Reaktion, die Schnauze von ihm voll zu haben. Erst mal. Und blogtechnisch ist er dann auf jeden Fall draußen. Keine Lust, die Geschichte eines bei lebendigem Leib verwesenden Alkoholikers zu erzählen. Dann evakuiere ich ihn nach hier. Dann kommt er wahrscheinlich auch gar nicht mehr so oft vor. Weil es dann besser ist für mich, nicht mehr täglich mit ihm zu telefonieren. Ich stagniere selbst. Da sollte ich nicht auch noch ein ganz besonders elendes Stagnations-Schicksal in meiner Nähe haben.

Es geht nicht weiter. Die konzeptionellen Impulse greifen nicht. Keine überfallartigen Interviews. – Ist nicht wahr. Gestern habe ich eines gemacht. Mit der Dame in der Galerie. Aber es hat mir nicht gefallen. Die Dame hat mir nicht gefallen. Ich habe mir nicht gefallen. Was dabei herausgekommen ist, gefällt mir nicht. – Aber es ist nun mal passiert. Darüber habe ich heute zu schreiben. Wieder so ein Text, vor dem es mir graut, wenn ich ihn überarbeite? – Bin ich nur erschöpft? Oder stoße ich an eine Grenze in meiner Persönlichkeit? - Hemmung! – Hemmung ist ein großes, vernachlässigtes Thema bei mir. – Ein Fall für die beiden Jungianischen Therapeuten in Los Angeles, die Schreibblockaden und andere Fälle von Kreativitätsbehinderung therapieren. Artikel im New Yorker. Das von Jung via Joseph Campbell inspirierte Erzählparadigma von der Reise des Helden – mit dem Ergebnis, dass alle Filnplots gleich aussehen. Jetzt die Formatierung der Kreativität durch zwei Jungianische Scharlatane. – Keine kritische Stimme in dem Text, nur Staunen und Bewunderung. Bis gegen Ende Sharon Stone bei einer Essenseinladung von Brett Easton Ellis auftaucht (mitgebracht von dem Mann, den er eingeladen hat; sie wollte wahrscheinlich mal B.E.Ellis kennenlernen). Sharon Stone voller Geringschätzung für die beiden Scharlatane und ihre Kreativitätsrezepte, die anscheinend augenblicklich die herrschende Ideologie sind in der amerikanischen Filmindustrie. Von Sharon Stone muss man wissen, dass sie in dem Ruf hoher Intelligenz steht.

These: Wenn du keinen eigenen Weg findest, deine Kreativitätsprobleme zu lösen, dann wirst du auch nie etwas Eigenes schaffen.

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