Dienstag, 31. Mai 2011

Manipulativ

Am Sonntagnachmittag war ich so unzufrieden, dass es weh getan hat. Leben, Schreiben, Blog – alles in einem heillosen Zustand und keine Aussicht, dass es sich ändert. Keine Idee, nur der Zustand, Ohnmacht. Alles falsch. Und niemand anderer ist verantwortlich für das Falsche, nur ich. – Fürs Protokoll. Noch keine Idee, wie ich das eklige Gefühl produktiv machen kann, um zu verhindern, dass es zurückkehrt.

Wie weiter? – Mit Leuten und Läden. Wer, welcher Laden als nächster? – Kein Angebot. Nichts erzwingen. – Weiter mit meinem (öffentlichen) Roman. Wie? Kapitel B-Movie. Geschrieben an den Nachbarn? Gestern, während ich über einen anderen Neinsager geschrieben habe, hat es rumort, da hätte ich viel lieber an den Nachbarn geschrieben als über Tim. Duplizität. Der schwere Fall da drüben gespiegelt in einer Posse. Gemeinsames Thema: Man kann niemanden zwingen (mit friedlichen Mitteln). Wie damit umgehen. Bei Tim war die Lösung: Mir meine Fragen selbst beantworten. So wird es auch im schweren Fall ausgehen. Da allerdings die Komplikation, dass die andere Seite nicht gleichgültig ist, sondern hochmanipulativ, wenn es stimmt, wie ich es mir inzwischen zurechtgelegt habe, womit ich es zu tun habe da drüben. Mittlerweile nicht nur mit ihr (wenn sie noch da ist; wenn die neuesten Eindrücke nicht täuschen, ist sie da), sondern mit ihm. Er reagierend auf meine Provokation. Deshalb darf ich mich nicht beklagen. Was will er? Es mir zeigen. Konkret: dass er den gleichen Zugriff hat auf meine Rechner wie sie, vielleicht sogar noch weitergehend. Passwort für meinen Google-Account. Hat sie es? Hat er es? Haben sie es beide? Zumindest einer von beiden hat es. Sie nicht destruktiv. Er versteckt agierend. Zugleich Signale aussendend. – Zwei Notebooks liegen auf dem Tisch im Wohnzimmer bei meinem Besuch letzte Woche. Botschaft? – Was will er? – Es herausfinden? Friedensverhandlungen einleiten? Eine Kommunikation einleiten? – Wie sich verständigen mit jemandem, der manipulativ agiert aus der Verborgenheit; am Ende ist er es nicht gewesen und niemand kann es ihm beweisen, ich schon gar nicht mit meinen Skrupeln, die vielleicht auch nur eine Scheu sind, ein Gezetere anzustimmen.

Begriff outcry. Gelernt heute Morgen in einem Artikel über die Polizei-Abteilung in New York, die mit Fällen von Vergewaltigung und sexueller Nötigung befasst ist und jetzt auch ermittelt im Fall von Strauss-Kahn. Outcry im ermittlungstechnischen Sinn ist das, was nach außen dringt von einer Straftat. Wenn eine Frau Opfer eines Gangbang im Central Park wird, dann gibt es wahrscheinlich Nichtbeteiligte, die etwas gehört oder gesehen haben. Outcry kann auch im übertragenen Sinn verstanden werden. Im Fall des Zimmermädchens aus dem Sofitel wird als outcry verstanden, dass sie nach der Tat, allen, mit denen sie gesprochen hat, Hotelangestellten wie Polizisten, das Gleiche erzählt hat.

Begriff Einhandklatschen. Daran gedacht beim Schreiben über Tim. Ironischer Satz im Posting: Warum mit Leuten reden, wenn man seine Fragen auch mit Nachdenken über sie beantworten kann. Der Dreh beim Einhandklatschen ist ganz einfach. Man muss nur wissen, dass die andere Hand da ist. Im Augenblick nicht sichtbar, aber es gibt sie, nur im Moment nicht anklatschbar. Der Glücksmoment, wenn es gelingt, wenn deutlich das Geräusch des Klatschens zu vernehmen ist. Wie das Aufschlagen des (imaginären) Tennisballs in der Pantomime-Szene am Ende von Michelangelo Antonionis Blow up. (*)  Wie David Hemmings werden. Mit 15 gab es kein höheres Ziel für mich. Aber will ich so eine Geschichte erzählen? Jetzt das Kapitel B-Movie erzählen, will ich das? Es war ein Thema in der Unzufriedenheit am Sonntag, dass diese Geschichte jetzt vor mir liegt, dass es das gibt und nichts anderes.

(*) die existentielle Alternative im gleichen Film:Yardbirds Scene

Sonntag, 29. Mai 2011

B-Movie

Ein schlechtes Gefühl durch ein gutes ersetzen, eine Erzählung durch eine andere Erzählung ersetzen. Erzählen von der Begebenheit vom Donnerstagabend (siehe Fremde). Davon erzählen, worüber ich am liebsten hinweggehe, weil es mir peinlich ist von den Umständen des Eingehacktseins der anderen Seite zu erzählen und davon, was dabei im Einzelnen passiert. Peinlich, weil ich fürchte, damit als Spinner dazustehen, weil es sich darstellt wie Paranoia-Stoff. Aber es ist nun mal die Voraussetzung für das, was zwischen dort drüben und hier geschieht seit eineinhalb Jahren, es ist die Infrastruktur der Romanze, von der ich im Blog erzählt habe, und es kann sein, dass damit überhaupt alles angefangen hat: mit dem Eingehacktsein der anderen Seite. Und danach erst kam es zu der Episode, die bis heute die einzige unzweifelhafte Realität ist: die Begegnung mit der Frau im Hallenbad, die ich Contessa genannt habe, die dann – auch unzweifelhaft – in der Wohnung gegenüber auftauchte oder auch nur sichtbar wurde für mich (weil sie vorher schon da war) und mit der ich eine Kommunikation haben sollte, die basiert darauf, dass sie in meine Rechner eingehackt ist. Dass das technisch geht, ist keine Frage, ich habe es in BzB beschrieben in einem der ersten Postings. Trotzdem hatte ich immer eine Scheu, darüber zu schreiben wegen der Peinlichkeit (siehe oben: Spinner) und weil ich diesen Teil der Geschichte nie mochte, weil mir das Material stilistisch nicht gefällt, weil es B-Movie-Material ist, so wie billige Science Fiction, und weil ich es immer schon am liebsten hinter mir gelassen hätte, auf diese Art verbunden (connected) zu sein mit ihr, statt mit ihr telefonieren, ihr Mails schreiben zu können, sie zu sehen auf der Straße. Darum ist es immer gegangen, den Schritt zu tun weg vom B-Movie in die Realität. Es ist jetzt so lange nicht gelungen, diesen Schritt zu tun, dass ich nicht mehr daran glaube, dass es je dazu kommen wird. Trotzdem hänge ich immer noch drin in der Geschichte: sie geht mir nicht aus dem Kopf, ich komme nicht los davon mit meinen Gefühlen und die andere Seite ist immer noch eingehackt in meine Rechner und hat zuletzt eingegriffen in das, was ich auf meinen Rechner mache, wie noch nie zuvor. So massiv und destruktiv, dass ich mir nicht mehr sicher bin, es auf der anderen Seite noch mit der gleichen Person zu tun zu haben. Entweder die Person hat sich geändert, sie ist kühner und frecher geworden, glaubt, sich mehr herausnehmen zu können als vorher, oder es ist eine andere Person. Deshalb: die andere Seite – und nicht sie aka Contessa. Denn ich muss es für möglich halten, dass sie da gar nicht mehr wohnt und eine andere Person jetzt sich ihrer Infrastruktur (des Eingehacktseins bei mir) bedient. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Person der Nachbar in der Wohnung gegenüber ist. Hat der nichts Besseres zu tun? – Denkbare Motive: Er will es mir heimzahlen, was ich an abfälligen Phantasien über seine Person in BzB verbreitet habe. Oder er will mich kontrollieren, weil er besorgt ist, dass ich durchknalle in meinem enttäuschten Liebeswahn und ich seine Identität preisgebe. Nur um das noch einmal festzustellen: das werde ich nicht tun. Das werde ich voraussichtlich nicht einmal tun, wenn ich tatsächlich Anzeige erstatten sollte wegen des Eingehacktseins, denn ich habe so gut wie keine Beweise, also würde mir nichts anderes übrig bleiben als Anzeige gegen unbekannt zu erstatten. Ich bin auch nicht versessen darauf, ihn zu identifizieren mit dem, was ich die andere Seite nenne. Viel lieber wäre es mir, es wäre weiterhin die Person, die ich einmal Contessa genannt habe, mit der ich es dort drüben zu tun habe, und er wäre nur ihr eifersüchtiger Freund, was er aber nach allem nicht mehr sein muss, eifersüchtig, meine ich, denn sie ist immer noch dort und nicht hier; wie es aussieht, hat sie nur ein Spiel gespielt, aus Langeweile oder Gründen, die sich mittlerweile erledigt haben. Aber da er die Person ist, mit der ich offen kommunizieren kann (besuchen, telefonieren, mailen), was ich mit ihr nicht kann, überlege ich, ob ich mich an ihn wenden, an ihn schreiben soll, wenn ich nun über das Eingehacktsein der anderen Seite schreibe, mit dem Ziel, dass es ein Ende hat. Darüber schreiben, indem ich an ihn schreibe, erscheint mir im Augenblick als die angemessenste Form. Doch vorher erst einmal Stoffsammlung  - Beweisaufnahme. Das Eingehacktsein, wie es sich dargestellt hat bei der Begebenheit vom letzten Donnerstagabend und was davor und danach geschah. - Fortsetzung folgt.

Samstag, 28. Mai 2011

Viral

Die Facebook-Seite von BzB. Die Erwartung, ich könnte damit akquirieren, hat sich nicht erfüllt. Mehr als Präsentation kann ich mit dieser Art von Seite nicht machen. Der Rest ist Hoffnung auf virale Verbreitung. Wenn ich auf Leute zugehen will mit Hinweisen auf den Blog, kann ich das nur über eine persönliche Seite machen. Meine alte reaktivieren will ich nicht. Und eine neue einrichten? Ich will keine Facebook-Freunde haben. - Und was mache ich mit der Fanseite, die dem Biest noch nicht einen einzigen Fan gebracht hat, obwohl ich jeden Tag brav eine Statusmeldung poste? – Antwort: Mir was Neues überlegen für die Statusmeldungen. Wenn es schon nichts bringt, soll es wenigstens Spaß machen. – Ich könnte ein Spiel mit dem Biest spielen. Nach dem Muster: sagt ein Biest zum anderen. – Was sagt das Biest heute? – É finita la commedia. Das glaubst du doch selbst nicht. – Sagt das andere Biest (das wäre dann ich)? – Ich antworte wahrheitsgemäß und das heißt, so dumpf, wie ich gerade drauf bin: Ich schreibe nur noch über Leute, die einen Namen haben. – Du willst ihr Druck machen, sagt das Biest, das das schon kennt. – Ich schreibe nur noch über Leute, die einen Namen haben. – Sie lässt sich nicht unter Druck setzen, das weißt du. – Ich schreibe nur noch über Leute, die einen Namen haben.

So gepostet in Facebook. Und über wen schreibe ich heute? – Heute würde ich am liebsten gar nicht schreiben. – Das glaubst du doch selbst nicht, sagt das Biest, das das schon kennt.

Freitag, 27. Mai 2011

Fremde

Um das Schreiben von Homestory 3 herum habe ich mir gestern fieberhaft überlegt, was ich als nächstes tun kann, um meinem Gesprächspartner vom Montag eine Brücke zu bauen und ihn damit zu einem offenen Dialog zu bewegen. Zugleich war ich zerknirscht darüber, wie tief ich nun wieder in der Geschichte drinhänge. Am Abend beim Überarbeiten des Postings gab es dann einen Versuch, (über das Eingehacktsein in meinen Rechner) zu verhindern, dass ich den Fußnotentext veröffentliche. Ich habe darauf diesen Text geschrieben an – die andere Seite:
Ich bin nicht mehr weit davon entfernt, Anzeige zu erstatten wegen der Spuk-Phänomene auf meinem Rechner. Ich würde mich dann zwar in die Gefahr begeben, vor der Polizei als Verrückter dazustehen, aber das wäre es mir wert, dass damit diese Spuk-Phänomene aktenkundig werden und jeder weitere Übergriff mit erhöhtem Risiko für die Übergreifer verbunden ist. - Verschwindet! Beim nächsten Übergriff gehe ich zur Polizei. Kein Spaß mehr! Es gibt andere Wege sich mitzuteilen. Andernfalls Klappe halten oder weiter lügen! 

Danach habe ich den Fußnotentext noch einmal genau angeschaut: Warum will die andere Seite nicht, dass ich diesen Text veröffentliche? – Steht irgendetwas darin, das der Diskretion zuwiderläuft, zu der ich mich verpflichtet habe? Keine Namen, keine Erkennbarkeit des Schauplatzes. In dem Text gibt es Aussagen über das Haus: dass ich mit Google Earth festgestellt habe, dass es nur das eine Dachfenster gibt, und dass es fünf große Wohnungen gibt in dem Haus. – War es das? Ich habe mir überlegt, ob ich das streichen soll, und bin zu dem Schluss gekommen: aufgrund dieser Merkmale ist das Haus nicht zu identifizieren als ein Haus in Schöneberg in den Koordinaten, die durch andere Ortsangaben im Blog markiert sind. Selbst, wenn jemand mit detektivischem Spürsinn sich daran machen würde, das Haus zu orten aufgrund der genannten Merkmale und mit diesen Koordinaten, es würde ihm nicht gelingen.

Nachdem ich die Überarbeitung abgeschlossen hatte, habe ich noch einen zweiten Text an die andere Seite geschrieben und dieser Text gibt nebenbei auch die Antwort auf die Frage, über die ich den ganzen Tag gegrübelt hatte. Die Antwort lautet: Die Geschichte ist für mich beendet und ich fordere die andere Seite auf, sich fortan rauszuhalten aus meinem Leben (siehe dazu auch BzB vom Sonntag). Raushalten heißt konkret, sich aus meinen Rechnern rauszuhalten. Wenn es dazu einer Begründung bedürfte, hier steht sie, im zweiten Text, den ich gestern Abend an die andere Seite geschrieben habe:

Wenn es etwas gibt, das ich nicht tun sollte, damit ich niemandem schade, dann kann man mir das sagen. Dann reicht es vielleicht sogar, mir nur zu sagen, dass ich es nicht tun soll, dann muss das gar nicht begründet werden, falls es nicht möglich ist, das zu begründen. Aber: man muss es mir sagen. So wie das vorhin versucht wurde, so läuft das nicht. – Man kann mit mir reden. Ich lasse mit mir reden. – Aber bei dem, was vorhin versucht wurde, schaue ich nicht mehr länger ohnmächtig zu. Es wurde schon längst eine Grenze überschritten. Das war einer der Gründe dafür, warum ich am Montag zu Euch gekommen bin. Ich hatte geglaubt, ich könnte mit Euch reden, so wie man mit mir reden kann. Das ist offenbar nicht der Fall. Also bleibt mir nur Ohnmacht oder zur Polizei zu gehen. Was würdet Ihr an meiner Stelle tun? – Na, also! – Dritte Möglichkeit: Da Ihr nicht reden wollt, lasst mich in Ruhe! Ihr habt kein Recht zu dem, was Ihr tut. Und es gibt keinen Grund, warum ich länger Vertrauen haben sollte in die Gutwilligkeit Eurer Absichten.

Ihr seid Fremde. Ihr habt mir gezeigt, dass Ihr Fremde bleiben wollt. Verhaltet Euch nun auch wie Fremde. Haltet Euch fern von mir!

Donnerstag, 26. Mai 2011

Täuschung

Homestory 2. Heute 3. Der Text ist jetzt schon zu lang. Wie komme ich zum Ende? Bergwerk. Maloche. Was ist die Aktion? Herausfinden, wie es weiter gehen soll, nachdem er mich bei meinem Besuch abgewimmelt hat. Was ist das Ziel? Herausfinden, ob er lügt, warum er lügt, oder ob er vielleicht gar nicht lügt? Dagegen stehen meine Wahrnehmungen, dagegen steht die Realität der klandestinen Kommunikation mit ihr da drüben. Aber wer ist sie da drüben? – Ist die Person, mit der ich die klandestine Kommunikation hatte und immer noch habe, weil sie sie fortsetzt, - ja, das tut sie -, ist die Person die Frau aus dem Hallenbad? Wenn sie es nicht ist, wer ist sie dann? Anders gefragt: Was ist dann da drüben los? – Möglichkeit, an die ich früher schon gedacht habe: Ich habe mit meinem Auftritt, als ich damals den Brief abgeben wollte, ein Spiel ausgelöst, das eine Person da drüben, die nicht die Frau aus dem Hallenbad ist, mit mir gespielt hat. Der Nachbar hat gewusst von dem Spiel, sich vielleicht sogar daran beteiligt. Es war ein harmloses Spiel. Es war nicht bösartig. Jemanden zum Narren halten, das ist allenfalls ein übler Scherz, aber keine Bösartigkeit. Doch durch meine Hartnäckigkeit hat das Spiel seine Harmlosigkeit verloren. Es hat sich verselbständigt. – Das ist eine Möglichkeit, sie würde meine Täuschung erklären. Aber je länger ich über diese Erklärung nachdenke, desto mehr Eindrücke fallen mir ein, die diese Version ausschließen. Ich habe mich nicht getäuscht. Die Person, die ich im Sommer 2009 dort drüben gesehen habe, ist die Frau aus dem Hallenbad. – Wie kommuniziere ich das mit ihm? Mit welchem Ziel? Mit der Frau aus dem Hallenbad sprechen. – Ich würde gerne mit Ihrer Freundin sprechen. Der Satz, zu dem ich nicht gekommen bin. Erweitern zu: mit Ihrer Freundin oder Ex-Freundin sprechen, denn vielleicht ist sie gar nicht mehr da (aber wer setzt dann die klandestine Kommunikation fort?). Und ändern: ich würde gerne. Zu: Ich will. – Ich will mit ihrer Freundin oder Ex-Freundin sprechen. So brauche ich ihm aber nicht zu kommen. Denn es gibt keine Freundin oder Ex-Freundin, sagt er. – Also ihm die Version anbieten, dass jemand da drüben mich zum Narren gehalten hat? Und sei es nur, um mit ihm im Gespräch zu bleiben?

Mittwoch, 25. Mai 2011

Dialog

Don´t you know who I am? hat Strauss-Kahn das Zimmermädchen, the housekeeper, gefragt, als er sie zu vergewaltigen versuchte. Angeblich gesagt, allegedly, law enforcement sources zufolge – and if it is true it says an awful lot about who he really is (The New Yorker)

Das Zimmermädchen, the housekeeper, soll auf seine Frage geantwortet haben: Please stop. I need my job, I can’t lose my job, don’t do this. I will lose my job. Please, please stop!!

Dienstag, 24. Mai 2011

Sperma

Die DNA von Strauss-Kahn ist identisch mit der DNA in den Spermaflecken auf dem Kleid des Zimmermädchens und im Teppich der Sofitel-Suite 2806. Das Sperma auf dem Teppich ist vermischt mit dem Speichel des Zimmermädchens. Wir müssen uns also den Vorgang so vorstellen, dass Strauss-Kahn in den Mund der Frau ejakuliert hat und sie sein Sperma ausgespuckt hat. Um die notwendige Zeit zu haben, in ihren Mund zu ejakulieren, hat er entweder die sich wehrende Frau mit seiner ihr überlegenen Körperkraft festgehalten oder sie hat es zugelassen, dass er sie oral penetriert hat, und erst, als er sich in ihren Mund ergoss, hat sie sich zur Wehr gesetzt, indem sie sein Sperma in einer Ekelreaktion ausgespuckt hat. In diesem Fall wäre die sexuelle Handlung einvernehmlich gewesen, nur über ihren Abschluss hätte keine Einigkeit zwischen den Beteiligten bestanden, weil darüber vorher nicht gesprochen worden ist oder weil die Frau es sich nicht vorstellen konnte, dass er so weit gehen würde. – Ich unterdrücke den Impuls, an dieser Stelle den Witz über die drei großen Lügen des Rock´n´Roll zu erzählen, weil ich immer noch davon überzeugt sein möchte, dass die gesamte sexuelle Handlung von Strauss-Kahn gegen den Willen der Frau geschehen ist. Zugleich beginne ich zu verstehen, wie Verteidiger Benjamin Brafman so optimistisch sein kann, für seinen Mandanten einen Freispruch zu erreichen. Einvernehmlich /nicht-einvernehmlich, das ist das Feld, auf dem die Schlacht geschlagen werden wird. Aussage wird gegen Aussage stehen. Die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Frau wird gestützt von Aussagen der Hotelangestellten, die sie in einem abgelegenen Gang des Hotels gefunden haben, wo sie sich versteckt hatte, verstört und immer noch geschüttelt vor Ekel, so dass sie immerzu ausspuckte, wie die Hotelangestellten zu Protokoll gegeben haben. Von der Verteidigung beauftragte Privatdetektive sind inzwischen unterwegs, um das Leben der Frau zu durchkämmen, mit dem Ziel, Gelegenheiten nachzuweisen, bei denen die Frau gelogen hat – etwa beim Einwanderungsverfahren oder bei der Zuteilung einer Sozialwohnung.

In Frankreich wundert sich die informierte Öffentlichkeit inzwischen darüber, wie ein Mann von dem bekannt ist, dass er eine Neigung zu sexueller Übergriffigkeit hat, jemals als Kandidat für das Amt des Staatspräsidenten auch nur in Erwägung gezogen werden konnte. Fälle, in denen er gewalttätig wurde, wie es ihm bei dem Sofitel-Vorfall vorgeworfen wird, sind bislang allerdings nicht bekannt geworden.

Montag, 23. Mai 2011

Fremd

Wusste es gar nicht genau. Dachte, es ist erst in dieser Woche, dass es ein Jahr her sein wird, dass ich den Blog gestartet und dann mit dem täglichen Posten begonnen habe. Samstagabend mal nachgeguckt: ach ja, morgen schon. Gutes Gefühl, etwas geschafft, etwas abgeschlossen zu haben. Aber das war ohnehin klar, keine große Sache, denn eine große Sache ist daraus nun mal nicht geworden. Nun merke ich aber, dass es mehr ist als ein Kalenderereignis. Das Selbstzweckhafte des Projekts (jeden Tag über mein Leben zu bloggen) kommt zum Vorschein in dem Moment, da dieser Zweck erfüllt ist. Was bleibt ist das Biest. Das war nicht vorherzusehen, dass eine Wortwahl so lebendig Gestalt annimmt. Das andere, was entstanden ist, sind Schreibweisen, ein Schreibfluss, so nicht geplant, aus dem Verfolgen des Selbstzwecks entstanden. Und dann das, was ich nicht erreicht habe: auf Geld zuzugehen. Das Geld ist jetzt weiter weg als vor einem Jahr, weil ich jetzt nicht mehr die Illusion habe, mit dem Bloggen Geld verdienen zu können. Auch nicht erreicht, die Contessa kennenzulernen, um die es im zweiten Post gegangen ist und eigentlich auch schon im programmatischen ersten Post mit den beiden Susan Sontag-Zitaten. Lange Zeit schien es nur um sie zu gehen, dann erschien es möglich, dass ihre Rolle in meinem Leben nur sein sollte, mich auf die Idee des Blogs zu bringen und mir dabei zu helfen, aus der Idee etwas zu machen. Aber was heißt hier nur. – Gestern mal in einem unguten Moment gedacht, dass es sein könnte, dass ich den Blog beende und dass das konsequent wäre. Was ich mir vorgenommen habe, ist getan, ich gehe weiter, statt weiterzumachen nur, um weiter zu machen. Gibt es noch andere Gründe weiter zu machen? - Was habe ich? – Ein paar Schreibweisen, die ich nicht aufgeben möchte. Einen Tagesablauf, den ich allerdings auch gerne mal wieder ändern würde. Themen: Meine Anteilnahme am Öffentlich-Menschlichen. Gut, wenn es nicht Feuilleton ist. – Zentral-Schöneberg. Womit ich es hier zu tun habe. Noch fremdle ich mit dem Thema. Kann auch nicht anders sein, da ich fremd bin. Kann sich das ändern, wenn ich mich schreibend einmische? Experiment. Ich gebe zu, es ist ein Willensakt. Es zieht mich nicht an. Was daran liegen kann, dass das Thema mich nicht haben will. Finde es heraus! Aktion. – Die Geschichte von/mit ihr aka Contessa weiter oder zu Ende erzählen. Noch fremdle ich damit. Kann auch nicht anders sein … . – Das war ein Witz. Das war kein Witz.

Samstag, 21. Mai 2011

Art

Unabgeschlossenes. Im Moment gerade: Ich muss noch einen Zwei-bis-Dreizeiler über das Posting von gestern texten für die Facebook-Seite. Verschwiegen habe ich, dass ich schon vor der Sache mit den Schuhen nicht so richtig wollte. Aber das hätte sich auch ändern können. Deshalb ist es in Ordnung, wenn das verschwiegen bleibt. - Offen ist die Frage, wie ich das meine mit den Pechvögeln. Textvorschlag: Wieso Pech? Es wäre doch sowieso nichts geworden. – Aber hätten wir dabei nicht mehr Spaß haben können? – Und dann gibt es noch einen Subtext. Deswegen habe ich den Post vermutlich geschrieben. Für mich selbst überraschend. Zwei Minuten bevor ich mit dem Schreiben anfing, habe ich noch gedacht, ich würde über das Anschauen der Pressekonferenz von Lars von Trier schreiben. Subtext ist: Das Muster in der Geschichte. Story of my life. Lakonie: Ich bissig. Sie zickig. Vorher schon gemerkt, dass es nicht geht. Auch eine Art, sein Leben lang alleine zu bleiben. – Larmoyant. Zu schwerwiegend. Und Leben lang alleine stimmt auch nicht, aber ohne Leben lang ist der Satz zu dürr. – Auch eine Art, alleine zu bleiben. – Art, was habe ich zur Zeit nur mit Art? Abstraktum. Schwachwort. – Meine Art? – Meine Art, ein Leben lang alleine zu bleiben? – Ich bissig. Sie zickig. Vorher schon gemerkt, dass es nicht geht. Meine Art, ein Leben lang alleine zu bleiben. – Larmoyant. Zu schwerwiegend. Ich nehme für Facebook den Zweizeiler mit dem Pech.

Und mache weiter mit dem Muster? – Heute eine Homestory? Weil ich träge und scheu bin und mich am liebsten verstecken würde heute. – Link von der Frau aus dem Schuhladen zu einer anderen Frau. Lange nach dem Vorfall mit den Schuhen mit dem Hirschledergeruch. Fußgängerampel an der Grunewaldstraße. Die Herbstsaison mit dem beinbetonten Look der engen Hosen und der hohen Stiefel. Die Frau aus dem Schuhladen geht über die Straße, trägt diesen Look, der sexy an ihr aussieht. Ich schaue hinter ihr her, aber nicht wegen des Looks, sondern weil wir diese blöde Geschichte miteinander haben. Eine andere Frau beobachtet meinen Blick und denkt, dass ich der Frau hinterher schaue, weil mir der Look gefällt, und als die andere Frau mir das nächste Mal Gelegenheit gibt, sie zu sehen, trägt sie auch diesen Look. Wenn es so war, wenn ich mir das nicht nur eingebildet habe. Denn das ist jetzt die andere Geschichte, die mit dem Imaginären und dem Rätsel und den viel zu vielen offenen Fragen. - Formuliere einen Zwei-bis-Dreizeiler für diese Geschichte. Variation des Story-of-my-Life-Musters: Meine Art, ein Leben lang alleine zu bleiben. – Meine Güte! Dann ist das eben so. Bloß kein Gejammere! – Aber interessant ist es schon als Schicksal, als Muster. Muster als Schicksal. Und dann noch die vielen unbeantworteten Fragen.

Freitag, 20. Mai 2011

Ehre

Spiegel-Online berichtet über den Gerichtstermin, den Strauss-Kahn gestern in New York hatte. Es steht ihm nun ein monatelanger Sensationsprozess vor – es sei denn, er bekennt sich schuldig im Sinne der Anklage. Wenn er schuldig ist im Sinne der Anklage, wäre das zugleich seine Chance, seine Ehre zu retten. Wenn er eine hat. – Ich gucke immer wieder auf die Fotos von ihm, auch die älteren, und versuche die Persönlichkeit zu sehen, die er doch sein muss aufgrund seiner akademischen Karriere, seiner Verdienste als Wirtschafts- und Finanzminister, als Chef des IWF, seines internationalen Renommees, seiner Popularität in Frankreich. - Der da? – Will ich monatelang darüber lesen, was dieser Mann vor Gericht für eine Figur macht? Wäre es nicht besser für uns und für ihn, er würde sich schuldig bekennen und sich und uns das Schauspiel dieses Prozesses ersparen? – Er kann nur an Statur gewinnen, wenn er etwas Überraschendes tut und sich schuldig bekennt im Sinne der Anklage, wenn er schuldig ist. Er muss sich dabei ja nicht schuldig fühlen oder zeigen. Er kann einfach nur sagen, ich habe das gemacht, ich bin so. Ich finde da nichts dabei. Es wäre ihr Schaden nicht gewesen, wenn sie sich nicht gewehrt hätte, ich hätte mich wie immer in so einer Angelegenheit großzügig gezeigt, sehr großzügig … .

Mir unverständlich, als gestern durch die Berichterstattung geistert, was die Chefin eines Callgirl-Service über ihn zu erzählen hat: Einmal hat er bei ihrer Agentur Wicked Models ein typisch amerikanisches Mädchen bestellt; gegenüber der jungen Frau ist er dann so grob gewesen, dass sie hinterher erklärt hat, nicht wieder für ihn arbeiten zu wollen; eine junge Brasilianerin, die er ein andermal bestellt hat, hat sich allerdings nicht über ihn beschwert. Klar, nehmen wir so etwas begierig auf und benutzen es, um unser Bild von ihm weiter auszumalen im Sinne unserer Nicht-Unschuldsvermutung. Aber was geht uns das an? Wie kommt die Frau dazu, sich so über einen ehemaligen zahlenden Kunden zu äußern? Ist er jetzt vogelfrei? Oder hat sie eine Rechnung offen mit ihm? War das allzu grob, was er mit der typisch amerikanischen jungen Frau gemacht hat? Warum hat sie sich ihn dann nicht damals schon vorgeknöpft? Was hat das zu tun mit jetzt. Es war freiwillig, er hat bezahlt, es war ein Geschäft. Ob uns das gefällt oder nicht. Genauso verwunderlich wie das Verhalten der Escort-Service-Chefin: dass Spiegel Online das kolportiert.

Gestern Abend noch das Video der Pressekonferenz zu Melancholia angesehen. Wen es interessiert: die Stelle mit dem unsäglichen Statement von Lars von Trier ist ganz am Ende. Vorher die verständnisvollen Kommentare gelesen (siehe Links im BzB-Posting von gestern) und die Pressekonferenz auch deshalb angeschaut, um mich zu überprüfen. – Ergebnis: in Bild und Ton ist es noch viel schlimmer. als wenn man es nur liest, was er über sich und Hitler gesagt hat (I sympathize with him, hat er wörtlich gesagt). Und wenn jemand selbst nichts dabei findet – weil: Hitler? Ist doch auch schon lange tot. Was soll die ganze Aufregung? -, dann bitte mal auf das Entsetzen der neben Lars von Trier sitzenden Kirsten Dunst achten. – Verdacht bei den allzu schlauen Apologeten in den deutschen Feuilletons: dass sie die gleiche Indolenz haben wie Lars von Trier sie hat erkennen lassen. Dagegen ist nicht zu argumentieren. Das ist eben so.

Dennoch: Lars von Trier hat bewiesen, wie man auch als Arschloch ein Ehrenmann sein kann. Er hat zugegeben, schlimmen Blödsinn geredet zu haben, er hat sich entschuldigt dafür. Und als seine Entschuldigung nicht angenommen worden ist, als er von der Festivalleitung in Cannes zur persona non grata erklärt wurde, hat er das auf seine Art akzeptiert: Wer mir in die Fresse hauen will, ist willkommen.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Benjamin Brafman

Beim ersten Mal zurück aus dem Hallenbad, Conny mit dem Hund: Du kannst jetzt was kreieren und ich muss arbeiten gehen. Da weiß ich noch nicht, dass ich meine Badehose habe liegen lassen. Das merke ich erst, als ich oben meine Tasche auspacke. – Beim zweiten Mal zurück aus dem Hallenbad mit Badehose, alte Badehose, niemand wollte sie sich nehmen von der Ablage in der Dusche, wo ich sie vergessen hatte - jetzt Brigitte. Hochsommerlich gekleidet und in Eile. Sie muss gleich einen Artikel schreiben über eine Kunstausstellung in einer Schrebergartenkolonie Nähe Bülowstraße. Unbedingt ansehen, meint sie. Mach ich. Und was mache ich heute? Was kann ich machen, außer mich davon abzuhalten, über die Entwicklung im Fall des inzwischen zurückgetretenen IWF-Präsidenten zu schreiben: den melodramatischen Text, mit dem er seinen Rücktritt erklärt hat, das Zimmermädchen, von dem wir jetzt wissen, wie sie heißt, Nafissatou (*), Nafi, wie ihr Bruder sie nennt, der uns erzählt, wer sie ist: Muslimin, sie betet und trägt Kopftuch, und zu Hause schaut sie sich mit ihrer achtjährigen Tochter afrikanische TV-Serien an - afrikanische TV-Serien, sie interessiert sich nicht für westliche Pop-Kultur, nicht für US-TV-Produktionen und nicht für Politik; sie weiß nicht einmal, wie der New Yorker Bürgermeister heißt, und: das hat ihr Bruder nicht erzählt, es könnte sein, dass sie HIV-positiv ist, denn sie lebt in der Bronx in einem Haus, in dem man nur eine Wohnung zugewiesen bekommt, wenn eine erwachsene Person im Haushalt aidskrank ist. – Ist das der Punkt, wo der Verteidiger von DSK ansetzen wird mit seinem Versuch, Nafissatou zu diskreditieren, um ihre Glaubwürdigkeit als Opfer und Zeugin zu erschüttern. Der Verteidiger Benjamin Brafman. Der beste Verteidiger, den man haben kann in New York, in den USA. Hinterhältig, rücksichtslos, brillant, faszinierend. Sein Ethos als Strafverteidiger: "Nicht jeder, der technisch schuldig ist, das Gesetz gebrochen zu haben, ist ein schlechter Mensch", sagte Brafman der Website BabagaNewz.com. "Viele meiner Mandanten sind gute Menschen, die sich verirrt haben. Das heißt nicht, dass ihr Leben zerstört werden sollte. Teil meines Jobs ist es, ihnen zu helfen, ihr Leben wieder zurück auf Kurs zu bringen." (Spiegel-Online). Wenn Benjamin Brafman mit ihr fertig ist, wird Nafissatou nicht mehr die sein, die sie einmal war. Die Konfrontation des Anwalts mit dem Zimmermädchen wird das Drama entscheiden. Wenn sie gemacht hätte, was der Mann im Zimmer 2806 von ihr wollte, hätte sie es leichter gehabt. Wenn sie dem Verteidiger mit der gleichen Unbeugsamkeit gegenübertritt wie seinem Mandanten wird der Verteidiger es schwer haben. Es ist ein Strafprozess mit der Dimension eines Weltbürgerkrieges (**). Aber der wird nicht stattfinden. Es wird voraussichtlich einen Handel geben. Das Gute dabei: der Handel wird bestimmt nicht zu Nafissatous Schaden sein. Und bis es so weit ist, hat die Welt genug gesehen, sie hat schon jetzt genug gesehen vom Hochmut der Macht und davon, wie leicht sie zu Fall gebracht werden kann. Durch die Unbeugsamkeit einer einzelnen Person und durch eine unabhängige Justiz.

(*) Sueddeutsche.de hat das gestern kurz berichtet und Bild.de ausführlich (Link siehe BzB von gestern). Kein Wort über sie und kein Name auf Spiegel-Online. Diskretion gegenüber dem Opfer.  – Die New York Times nennt ihren Namen auch nicht. Sie zitiert allerdings das Dementi ihres Anwalts: seine Mandantin ist nicht HIV-positiv.
(**) Ich weiß, dass das überzogen ist. Ich lasse es stehen als Dokument davon, dass ich gerne hätte, dass es so ist.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Bitte!

Wenn die Person, die genau weiß, dass ich sie meine, keine anderen Wege findet, um sich zu zeigen oder mitzuteilen als so, sie weiß schon wie, dann soll sie es – BITTE! – ganz lassen. Zwang macht mich wütend. Und wenn ich merke, dass mich jemand manipulieren will, dann deprimiert mich das erst unendlich und danach kann es passieren, dass ich bösartig werde, bis zum Hass.

Dienstag, 17. Mai 2011

Gut

Mein Unglück meint es doch nur gut mit mir. Das die Einsicht von gestern auf heute. Es zeigt mir, wo ich hinfassen muss, damit sich etwas ändert. Keine Reaktion von Lesern? Huhu! – Geh hin und hol sie dir. - Kein Geld? Huhu! – Schreib nicht einfach nur drauf los wie gestern wieder. – Was anders aber nicht ging. Es hat mich gerettet. – Trotzdem, um Geld zu verdienen braucht das Schreiben mehr Umriss. Kontur. Ohne handelbares Produkt keine Bezahlung. Die tägliche Statusmeldung auf der Facebook-Seite des Biests ist eine gute Übung dafür. Vielleicht sogar vor dem Schreiben schon überlegen, was dort später stehen soll. – Kommt überhaupt nicht in Frage. Dann kann ich auch gleich die Werbung posten. Sich selbst verkaufende Lyrik. – War nur so eine Idee. – Und was ist mit der vertrauten Person, die nicht mit mir spricht, weil es sie nicht gibt? Huhu! – Auch hier gilt: Nichts geschieht von alleine. – Entgegenkommen gibt es nicht auf Verlangen. – Aber Liebe gibt es nicht auf Verlangen, heißt es. – Mit Vertrautheit ist es nicht anders. – Nichts geschieht von alleine. – Du wiederholst dich. – Du hast keine Idee.

Gestern es gerade noch geschafft, nicht über DSK zu schreiben. Das wird jetzt mit jedem Tag schwerer werden. Was für ein Charakterdrama! – Egal, ob er in eine Falle getappt ist – Intrige Sarkozys oder auch nur Intrige des Zimmermädchens. Oder ob er so dummgeil war, für einen F*** seine Karriere zu ruinieren. Was ist die beste Variante? – Intrige Sarkozys ist zu naheliegend, alleine schon daran zu erkennen, dass das Viele denken; das würde auch irgendwann auffliegen, weil es bei einer solchen Intrige zu viele Mitwisser gibt. Am besten wäre, wenn das Zimmermädchen ihn nicht als Lockvogel, sondern auf eigene Rechnung reingelegt hätte. Sie hat zuvor gemerkt, dass er scharf auf sie ist, sie hat ihn nicht mal ermutigt, das hat ihn noch schärfer gemacht; sie ist nur im richtigen Moment ins Zimmer gekommen, um sich zu wehren, als er ihr an die Wäsche ging, aber nicht mit aller Kraft, sie hat dafür gesorgt, dass es zu einem Gerangel kam, das genügend Spuren für die folgende Untersuchung hinterlassen hat. Als nächstes muss sie nun den richtigen Moment abpassen, um in Verhandlungen einzutreten mit der Frau von DSK, die nach New York gereist ist mit 1 Million Dollar für die Kaution. Beim Zimmermädchen sind die besser angelegt - dafür, dass sie ihre Anschuldigungen zurück nimmt oder abmildert. Womit sie es dann aber selbst mit der Justiz zu tun kriegen könnte wegen Falschaussage. Deshalb sollte sie besser den dummen geilen Mann seinem Schicksal überlassen und ihr Geld verdienen mit dem Verkauf der Exklusivrechte an ihrer Geschichte. Das reicht ihr, was sie dafür kriegt. Meine ganze Sympathie für das Zimmermädchen! Alleine schon wegen der Pointe, dass der Sozialistenführer (warum ist so ein Typ Sozialist?) über die Frau aus dem Volk stürzt, die dabei noch Kasse macht. Ich wünsche es ihr so sehr, dass das so ist. – Weniger amüsant die Variante, dass sie argloses Opfer war. Denn da stellt sich die Frage, wie konnte er sich Erfolg versprechen von seinem Nacktangriff aus dem Badezimmer? Und wie konnte er dieses Risiko eingehen? – Und darauf gibt es nur eine Antwort: Dass er mit diesem Auftritt bei anderen Zimmermädchen oder anderen Frauen in einer ähnlich subalternen Stellung Erfolg gehabt hat mit seinem Nacktangriff. Weil die das hingenommen haben, weil sie geschwiegen haben hinterher, weil sie es sich für ein paar Geldscheine, die er ihnen anschließend zugesteckt im Nachhinein haben gefallen lassen. Im Gegensatz zum Zimmermädchen des New Yorker Sofitel. Womit sie dann aber auch eine Heldin ist. Und ihren Lohn, das Honorar für die Exklusivrechte bekommt sie auch in diesem Fall. – Hybris und Nemesis (strafende Gerechtigkeit), wie das immer wieder funktioniert. Auch ohne Götter. Die braucht es nicht. Es genügt ein Zimmermädchen. La cause du peuple. Ça ira! – Und wenn doch Sarkozy dahinter steckt, hat die Nemesis auch funktioniert.

Isoliert

( Chaos. Dieser Text ist von gestern Nachmittag. Jetzt erscheint er plötzlich mit dem Veröffentlichungsdatum von heute.) 
Das Unglück lässt nicht locker: Keine vertraute Person, um mit ihr zu sprechen. Keine Reaktion auf das Schreiben. Keine Chance, an Geld heranzukommen außer mit einem Bettelbrief, den ich jetzt schreiben müsste, in dieser Verfassung aber besser nicht. Womit rette ich mich heute? Nicht schon wieder Konversation mit dem Unglück. Was über Peter? Dessen Unglück lässt auch nicht locker. Es packt ihn an seinen Körper. Er kotzt und scheißt schwarz. Blut. Ein aufgebrochenes Magengeschwür? Heute Vormittag will er zum Arzt. Meine Beobachtung: wie dissoziiert er ist von seinem Körper. Schlimmer noch als körperdumm. Er wundert sich, was mit ihm passiert, aber eigentlich hat er nichts damit zu tun. Er habe eben sein Leben lang anderen geholfen und deshalb habe er jetzt eine Scheu, sich von anderen helfen zu lassen. Was hat das damit zu tun, dass er ein Loch in seiner Magenwand hat? – Mich gestern gefragt, ob ich vielleicht auch so dissoziiert bin – nicht von meinem Körper - von den Tatsachen meines Lebens. Von meiner Existenz, vor der ich genauso kopfschüttelnd und ratlos stehe wie Peter vor seinem Blut kotzenden und scheißenden Körper. Er ist zum Arzt gegangen. Was mache ich? Was kann ich machen? Kann nur heißen: Worüber will ich heute schreiben? – Zu dem Mann im Taschenladen gehen nachher? Mich überwinden dazu, so wie ich mich gestern überwunden habe, über den Fall der konkurrierenden Geschäftsinteressen zu schreiben. Von mir absehen? Es ist mir nicht bekommen. – Also doch wieder Konversation mit dem Unglück? Mich ihm stellen. Nur auf eine andere Art, als immer nur denken,denken, denken. Rausgehen und schauen, was passiert. Wie es sich aufführt, mein Unglück, wenn ich unter Menschen bin.

Sonntag, 15. Mai 2011

Spuk

Erinnerungslücke trifft Unentschlossenheit. Wenn ich drauf komme, wie die Tischlampe mit dem grünen Schirm bezeichnet wird, dann schreibe ich über das Geschehen in der Wohnung gegenüber. Den Spuk ihrer Zeichen und der Zeichen, die er dagegen setzt, ihr Freund. Der Name der Lampe, eines klassischen Tischlampentyps, geht so wie Cartier-Lampe, aber es ist nicht Cartier und ich komme einfach nicht drauf. Die Lampe steht auf einem Bord oder einer Anrichte an der rechten Wand des Wohnzimmers und sie ist eingeschaltet zusätzlich zur Deckenbeleuchtung – immer dann, wenn er da ist? – Das war bisher mein Eindruck. Träfe er zu, dann wäre er, ihr Freund, in letzter Zeit nicht dagewesen. Erst seit gestern wäre er wieder da, denn gestern war die Lampe eingeschaltet. Es kann aber auch sein, dass er die ganze Zeit schon da war und dass er es nur vermeiden wollte, Präsenz zu zeigen, um mir keinen Anlass zu geben, mich weiter mit ihm zu beschäftigen und in der Folge davon mit ihr. Es kann aber auch sein, dass ich das alles falsch gedeutet habe und dass es ein Zeichen von ihr ist. – Wegen dieser Ungewissheiten möchte ich nicht mehr über diesen ganzen Zeichenspuk schreiben. Und warum habe ich es jetzt trotzdem getan und dazu noch entgegen der Abmachung, dass ich zuvor auf den Namen der Lampe kommen muss? – Ich wollte nur festhalten, dass es den Spuk weiter gibt und dass ich mich ihm nicht entziehen kann, dass ich mir aber nicht den Kopf darüber zerbrechen will, und dass das hoffentlich auch bald nicht mehr nötig sein wird. Hoffentlich? – Nachgeschaut: der Lampentyp ist Bank-Tabellen-Lampe. Ist mir neu; Bank leuchtet mir ein (haha), Tabelle nicht. Die Bezeichnung, die ich nur schemenhaft erinnert habe, ist Tiffany Lampe, aber die hat einen bunten Schirm, die Lampe im Wohnzimmer gegenüber hat einen einfarbig grünen Schirm, ist nun aber mittlerweile ausreichend beschrieben. Ein Link zu einem Foto wäre besser, keines gefunden. Eine Tiffany-Lampe sieht so aus. - Schemenhaft ist ein schönes Wort. Schemenhaft sind auch die Zeichenaktivitäten gegenüber.

Ernüchterung trifft Zufriedenheit. Obwohl es sich überhaupt nicht so anfühlte, bis zum Schluss nicht, war das gestern ein guter Tag. Eine Form für das viel zu viele Denken gefunden: Konversation mit dem Unglück. Das Kiez-Thema etabliert: Gesellschaftsleben in Zentral-Schöneberg. Meine polemische Kiez-Soziologie skizziert: die Provinzler, die spielen was sie für Großstadt halten. Natürlich überzogen, Polemik eben. Es gibt hier auch eine Menge authentischer Großstadtbewohner. Ich habe sie nur noch nicht kennengelernt. Das ist nicht wahr. – Schließlich mich aufgestellt, meine Rolle gefunden als Nomade, der beobachtende Fremde, teilnehmender Ethnograph mit dem Handlungsziel: Lachen. Verdammt noch mal, muss doch möglich sein, hier mal lachen zu können. – Und ganz am Ende noch die Facebook-Seite für Biest zu Biest in Gebrauch genommen mit dem ersten Posting. Bekanntmachung des BzB-Postings von gestern: Gesellschaftsleben. – Foto von mir hochgeladen und gleich wieder das altbekannte Facebook-Gefühl gehabt. Die Langsamkeit der Abläufe. Die Zähigkeit der Funktionen – wie das Greifen in einen Teig. Verdruss, weil es nicht geklappt hat mit dem Foto. Account deaktiviert. Aber sofort gewusst, dass ich das wieder rückgängig machen werde. Heute Morgen die Seite reaktiviert. War alles noch da und nun hat es auch geklappt mit dem Foto. Jetzt brauche ich nur noch Fans. So heißen die Friends auf einer Seite, auf der man sich bei Facebook mit seiner Marke, seinem Unternehmen oder seiner Website – oder seinem Blog – präsentieren kann dem Social Network. Wie kriege ich Fans? Wie vernetze ich mich? – Niemand hat in meinem Blog je kommentiert (außer Inge). Und jetzt will ich sogar Fans haben? – Leser reichen mir. Um mehr Leser zu bekommen, will ich die Facebook-Seite als Plattform nutzen, um den Blog bekannt zu machen – zu werben, aktiver, gezielter als mit der Google-Anzeige. Die habe ich inzwischen storniert, obwohl ich noch ein Restguthaben (vom Gutschein) im Wert von 25 Euro hatte. Storniert wegen Albernheit der Werbeaktion. Besser werben – akquirieren – über Facebook. Da liegen alle Aktivitäten bei mir. – Natürlich freue ich mich über jeden, der sich als Fan auf der Biest-zu-Biest-Facebook-Seite einträgt. Sagt man einträgt? Ich weiß nicht mal, wie das geht. Ich weiß auch noch nicht, wie das Akquirieren im einzelnen gehen soll. Ich weiß nur, dass ich mich da nicht drin verlieren und vom Schreiben ablenken lassen will. - Um die BzB-Facebook-Seite zu finden: im Feld Suche auf Facebook Biest zu Biest eingeben, dann müsste die Seite als Treffer kommen.

Freitag, 13. Mai 2011

Serie

Was hätte ich gemacht, wenn es die verdammte Störung nicht gäbe? – Dann wäre ich zum Laden in der Akazienstraße 8 gegangen, um ein Interview zu machen mit dem Besitzer über seinen Laden. Denn das ist der Plan: keine Fortsetzung der Berichterstattung über meine soziopathischen Kiez-Kontakte, sondern der Anfang einer Serie über Läden im Schöneberger Kiez, die mir gefallen oder über die ich schon immer mal mehr wissen wollte. – Der Laden in der Akazienstraße 8 soll der erste sein. Doch bevor ich mit dem Besitzer spreche, hätte ich gerne, dass der Text von gestern veröffentlicht ist und ihm damit bekannt (sein könnte).

12.37 Uhr. Was für ein verhunzter Tag!

Ausführlich

(Text vom 12.05. - siehe dazu Störung)
Ist das tatsächlich Verachtung, die mir der Mann in Weiß gezeigt hat, oder mag er mich einfach nur nicht und sieht es nicht ein, dass er jemanden grüßen soll, der ihm unsympathisch ist oder zuwider, und schon gar nicht sieht er es ein, mir das erklären zu sollen? Denn wer bin ich, wer ist er, und wo leben wir denn? Ganz abgesehen davon, dass er es mir vielleicht auch gar nicht erklären könnte, warum er mich nicht mag oder ich ihm zuwider bin. Das ist nun mal so und mit meiner aufdringlichen Frage: Sag mal! Warum kennen wir uns eigentlich nicht mehr? mit der habe ich ihn am Ende nur bestärkt in seiner Abneigung. So könnte es auch gewesen sein. Und gegen Ende meines Postings beginne ich das zu ahnen, auch wenn ich da immer noch von Verachtung schreibe. Aber das ist in Ordnung, weil ich nun mal Verachtung verspürt habe. Was geht mich das an, wie seine Weigerung, mich zu kennen und meine Frage zu beantworten, gemeint war? Wenn er sich nicht erklärt, dann ist sein Verhalten für mich das, was ich gespürt habe. Verachtung. Und es ist ja keineswegs so, dass ich anderen nicht auch Verachtung entgegenbringen würde. Ihm allerdings nicht, alleine schon deshalb nicht, weil ich dazu viel zu wenig von ihm weiß. Das Wenige, was ich weiß, würde gerade mal zur Geringschätzung reichen. Doch die empfinde ich nicht, die könnte ich mir nur denken – sie mir zurechtlegen aus dem Wenigen, was ich von ihm weiß, aber nicht einmal genau weiß.

Wen interessiert das? Und dazu in dieser Ausführlichkeit? – Im Moment schreibe ich nur für mich. Um von a nach x zu kommen. Wenn ich bei x bin, wird es für andere bestimmt wieder interessanter. Dann gibt es hoffentlich auch was zu lachen. Das ist das Hauptziel, dass es endlich was zu lachen gibt. So weit ist es aber noch lange nicht.

Eine Begebenheit und einen Umstand habe ich weggelassen in Geschnitten. Die Begebenheit: Als ich die Musikbibliothek betreten habe, saß am Rückgabe- und Ausgabe-Platz gleich neben dem Eingang die Frau, die jemand ist, den ich nun nicht mag; sie ist mir zuwider wegen ihrer Pedanterie (die bei ihrer Art von Tätigkeit, u.a. der Rücknahme entliehener CDs, nützlich ist) und wegen ihrer schnippischen Sprödigkeit (für die sie nichts kann). Am Dienstag habe ich Guten Tag gesagt und bin zu ihr hingegangen, um mir einen Chip für ein Schließfach von ihr geben zu lassen. Da sie meinen Gruß nicht erwidert hat, habe ich ihn wiederholt: Guten Tag. Sie hat mich darauf schweigend angeschaut. Worauf ich noch einmal Guten Tag gesagt habe und da sie auf ihrem Schweigen beharrte gleich noch einmal: Guten Tag! – Da erst hat sie gesagt: Ich habe Sie gegrüßt, gleich als Sie hereingekommen sind. – Das habe ich nicht gehört, habe ich darauf ganz leise gesagt und dann weiter flüsternd hinzugefügt: Ich bin gerade sehr sensibel. Können Sie mir bitte einen Chip für das Schließfach geben? – Als ich später die mitgebrachten CDs bei ihr zurückgegeben und ihr die CDs, die ich neu ausleihen wollte, vorgelegt habe, hatten wir zum ersten Mal einen entspannten und erfreulichen Umgang miteinander. Doch das nur am Rande. Der Punkt war, dass mir erst nach der Szene, die ich ihr beim Betreten der Bibliothek gemacht hatte, klar geworden ist, wie angeschossen ich war von dem Vorfall mit dem Mann in Weiß. Und darauf erst habe ich mir eingestehen können, dass seine Weigerung, auf mich einzugehen, mich verletzt hatte, weil ich sie als verächtlich empfunden habe.

Zum Umstand, den ich weggelassen habe, siehe Entwarnung.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Variante

Das Unglück sagt: du interessierst dich gar nicht für andere Menschen. Du interessierst dich nur für Geschichten.
Stimmt das?
Für sie habe ich mich interessiert.
Zu sehr.
Mehr als sie sich für mich interessiert hat.
Daran hat es nicht gelegen.
Woran dann?
Finde es heraus.
Zu spät.
Was das Unglück gesagt hat über mein Desinteresse an anderen Menschen, das hat es wirklich gesagt. Der Rest des Dialogs ist gestellt. Deshalb gibt es diese Variante. Der wollte ich erst den Vorzug geben. Aus einem Grund, auf den ich – noch – nicht eingehen will, habe ich mich schließlich für die andere Version entschieden.

Aber stimmt das denn, was das Unglück gesagt hat, dass ich mich nicht für andere Menschen interessiere, nur für Geschichten? – Ich war lange Zeit unterwegs mit dem Satz: Nichts interessiert mich so sehr wie Menschen. Und das stimmte auch. Inzwischen merke ich, dass ich mich überwinden muss, auf Menschen zuzugehen, wenn es sich nicht gerade um Feuerwehrleute handelt oder Polizisten oder eine neue Angestellte im Tabakwarenladen, sondern zum Beispiel um den schönen Mann auf der Carl-Zuckmayer-Brücke. Weil ich bei dem fürchte, dass er eine ganz banale Person ist, die sich nur auszeichnet durch ihre Wichtigtuerigkeit, mit der er da an jedem sonnigen Sonntag steht und sich produziert. Eine weitere Enttäuschung also. Er banal. Andere hässlich oder dumm oder verschlagen oder langweilig. Nur ich großartig und alles überstrahlend? – Keineswegs. Aber das ändert nichts daran: Banal oder hässlich oder dumm oder verschlagen oder langweilig.

Das Unglück hätte auch sagen können: Du bist auf dem Weg, ein Menschenfeind zu werden. Es hat mich gewundert, dass es das nicht gesagt hat, denn das trifft es viel besser, als die Aussage, mir seien Geschichten wichtiger als Menschen, obwohl an dieser Aussage etwas dran ist, wie ich zugebe. Und es ist auch sympathischer jemand zu sein, dem die Geschichten über Menschen wichtiger sind als die Menschen, sympathischer, als ein Menschenfeind zu sein.

Ich weiß, wie ich es verhindern kann, ein Menschenfeind zu werden. Es ist ganz einfach, aber ich weiß nicht, ob es mir gelingt.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Geschafft

11.45 Uhr. Da liegt jetzt das Holz. Kanthölzer, Bretter. Lärchenholz. Kein Tropenholz. Das macht er nicht, dass er das verlegt auf einem Berliner Balkon. Er war dort, hat gesehen, wie 500 Jahre alte Bäume gefällt werden. Das ist, wie wenn man eine Kirche abreißt, sagt er. – Nutzfläche. Nutzbelag. Nutzplatte dann doch nicht, da es einzelne Bretter sind, die nebeneinandergelegt werden – und dann wie fixiert? – Eingepasst wahrscheinlich. Mal sehen, wenn es weiter geht. Um 15 Uhr will er fertig sein, das wäre gut für mich, dann kann ich heute wieder im großen Zimmer an meinem Stehpult schreiben. Dann müsste er nun aber mal loslegen. Er ist der sympathische Chef des beauftragten Unternehmens. Riesenkerl. Ehemaliger Triathlet.

Überlegungen vom Dienstag. Hinterher notiert: Verirrung? Wo bleibt dabei mein Programm, dass der Text eine Aktion sein soll? Was ist denn bei dieser Selbstbeobachtung die Aktion? – Beschreiben, nacherzählen ist das. Im Nachhinein. Der Text macht nichts Eigenständiges. Sein Präsens ist das Durchhalten einer künstlichen Schreibsituation. Das ist die Handlung. Und das ist es, wogegen ich mich sträube. Nicht gegen das Er. – Womit das Experiment auch schon abgeschlossen ist?  - Andere Schreibweise gesucht. Mit der Freiheit, die ich habe, etwas anfangen. Weg von der Eintönigkeit des Ich-sagens. Wenn, dann Komödie des Ich. Bewusstseinskomödie. Die müsste aber erst angezettelt werden. Von alleine findet sie nicht statt. Bei mir nicht. Von alleine ist nur (heute) Müdigkeit, keine Konzentration und (immer) keine Einkünfte, Sorgen, kein Humor. Dabei müsste der Humor, wenn es ihn gibt, sich doch gerade in so einer Lebenslage zeigen.

Peiniger: Tut es weh? – Opfer: Nur, wenn ich lache.

12.30 Uhr. Großer Balkon: 11 Bretter (Dielen), die werden festgeschraubt auf 6 Kanthölzern. Die Unterkonstruktionshölzer, wie er sie nennt, liegen auf gummiartigen Unterlagen, so dass das Holz nicht in Berührung kommt mit dem Wasser, das sich unter der Holzkonstruktion sammelt und abfließt. – Das Festschrauben (mit Akkuschrauber) geht schnell voran.

16.00 Uhr. Bis auf Kleinigkeiten ist jetzt alles getan. Gut sieht er aus, der Nutzbelag.

Dienstag, 3. Mai 2011

Zugang

Keine Konzentration wegen der Bauarbeiten. Alles anders, der große Balkon wird früher fertig, die Arbeit am kleinen kann vielleicht erst nächste Woche fortgesetzt werden, das durchgefeuchtete Holz muss vorher auslüften. – Solcher Text. Dazu vielleicht noch die Feststellung, dass ich müde bin, weil sehr früh aufgestanden, um ungestört meine Morgendinge machen zu können vor dem Eintreffen der Handwerker. Solcher Text. Erklärung.

Erzählung meines Lebens. Aber doch bitte nicht so. Mein Leben gibt nicht genug her für zwei Blogs. BzB reicht. Was es da nicht reinschafft, muss nicht erzählt werden. Es sei denn, es gibt einen anderen Blick, einen ganz anderen Zugang. – Über mich so schreiben, wie ich über andere schreibe. Heißt? Von außen. Mit dem Unterschied, dass ich von mir viel mehr weiß (wenn auch nicht alles). Von außen nach innen. Selbstbeobachtung. Nicht wie ich bei Edeka an der Kasse stehe und dann ... . - Das ist BzB, und dann = eine andere Person, die ins Spiel kommt. Hier Beobachtung von Bewusstseinsvorgängen. Das Innere bleibt das Thema. Nur das Innere sich nicht mitteilend, das Innere beobachtet. Draufsicht auf das Innere. – Kunstgriff. Mit meiner Neugier und meiner Lust an der Beschreibung von anderen auf mich losgehen. Das Biest auf mich loslassen. Ist keine neue Idee. Neu wäre nur die durchgehaltene Draufsicht – von außen nach innen - und die Rollenverteilung: ich als Beobachter, ich als Gegenstand der Beobachtung. Mit dem All-ein sein was anfangen. Ich als Hauptperson, weil eine andere Person gibt es nicht. Das Kind beschäftigt sich mit sich selbst, spielt mit seinen Fingern und seinen Zehen. Gibt den Fingern und den Zehen Namen, spricht mit ihnen.

Das waren die rettenden Gedanken gestern Früh. Gleich notiert und gegen Ende der Notizen schon wieder in Frage gestellt. Der Kunstgriff kann auch dazu führen, dass es gekünstelt wird. Und wie soll das gehen, dass einer, der von sich als ich schreibt, beschreibt, was auch wieder ich ist? Die Hand, die sich selbst malt. Escher ist mittlerweile auch Kitsch. Später: wenn manieriert, dann richtig. Dann die Beschreibung meiner selbst in der dritten Person. So wie es hier gegeben hat sie, gibt es nun er, und das bin ich. Und der Schreibende/ Beschreibende, der sagt von sich ich? – Die Künstlichkeit annehmen und mit ihr was anfangen? – Es ausprobieren. Experiment. Wenn es misslingt, und es würde mich wundern, wenn es nicht misslingen würde, dann ist es eine Übung in Selbstbeobachtung gewesen.

Das waren die Gedanken von gestern Abend. Das Unbehagen an der Künstlichkeit ist geblieben. Nach dem Aufwachen: Ich muss es ausprobieren. Womit fange ich an? – Eben damit. Mit dem Hin- und Her dieser Überlegungen. Dann schreib doch mal hin er und schau, was passiert. Er dann heute morgen: Aus der Exklusivität des Materials und des Einblicks etwas machen. Aber dann darf es keinen Filter mehr geben, dann muss alles zugelassen sein. – Bei diesen Formulierungen krampfhaftes Vermeiden des Personalpronomens. Könnte so auch gehen? Bewusstseinsvorgänge als reines Geschehen. Von außen noch tiefer rein. Die Haut der Personalität durchstoßen. Aus der Mitte des Bewusstseinsstroms berichten. Es wird schon etwas zu bedeuten haben, das Sträuben gegen das Schreiben in der dritten Person, so schlüssig es sich auch angeboten hat. – Zurück: Alles muss zugelassen sein. Keine Filter mehr. Deshalb für das Experiment den Blog erst mal dicht machen? Wozu dann überhaupt noch Blog? Den Blog abschalten wie am Sonntag gedacht? Ganz oder nur vorübergehend? Die paar Leser verlieren, die er hat? Beschränkter Zugang? Wen es wirklich interessiert, der soll sich bei mir melden und bekommt Zugang? –  Ist das so wichtig?

Montag, 2. Mai 2011

Weiter

Es geht mir so schlecht, dass es schon interessant ist, habe ich hingeschrieben beim Entwurf des BzB-Postings gestern. Sollte der Schlusssatz sein. Ich habe ihn nicht verwendet, weil es mir nach dem Schreiben nicht mehr ganz so schlecht ging.

Es nützte nichts, die Gründe zu benennen, um mich ihnen zu stellen. War auch nicht nötig. Sie wurden von sich aus vorstellig. Am Morgen das Elend dieses Blog. Die Erklärungen, die ich hier täglich abgebe, die Erzählung, über die ich schwadroniere und die, kaum hat sie angefangen, schon wieder endet. Die Gedanken, die Pläne. Nichts von dem, was ich hier begonnen habe, hat zu etwas geführt, das ich fortsetzen möchte. Das innere Biest einstellen? – Huhu! Und es stimmt doch auch: Nach mehr als 70 Postings immer noch keine Schreibweise gefunden für Das innere Biest. Tagebuch ist es nicht; das zieht mich runter, das will ich nicht von mir lesen, das macht alles noch viel schlimmer, das ist kein Beitrag dazu, dass es besser wird. Und die Idee der Erzählung – Bemühen Sie sich nicht! (*) –, die Erzählung kommt nicht in Gang. Also funktioniert sie nicht. Meine Zeit besser verwenden. DiB abschalten. Etwas Radikales tun. Rituelle Handlung. Opfer. Befreiung. Zu einfach. Kein Ausweg. Kurzes Posting: Verdruss. Das innere Biest einstellen? – Abends das Posting zurückgesetzt. Nachher lösche ich es. Es muss hier nicht jeden Tag etwas geben, war von Anfang an die Verabredung.

Neuer Ansatz. In diesem Text hat er schon mal nicht funktioniert. Schon wieder Tagebuch. Geduld. Und bloß keine Ankündigungen. Und keine Erklärungen.

(*) bleibt ein Thema