Am Sonntagnachmittag war ich so unzufrieden, dass es weh getan hat. Leben, Schreiben, Blog – alles in einem heillosen Zustand und keine Aussicht, dass es sich ändert. Keine Idee, nur der Zustand, Ohnmacht. Alles falsch. Und niemand anderer ist verantwortlich für das Falsche, nur ich. – Fürs Protokoll. Noch keine Idee, wie ich das eklige Gefühl produktiv machen kann, um zu verhindern, dass es zurückkehrt.
Wie weiter? – Mit Leuten und Läden. Wer, welcher Laden als nächster? – Kein Angebot. Nichts erzwingen. – Weiter mit meinem (öffentlichen) Roman. Wie? Kapitel B-Movie. Geschrieben an den Nachbarn? Gestern, während ich über einen anderen Neinsager geschrieben habe, hat es rumort, da hätte ich viel lieber an den Nachbarn geschrieben als über Tim. Duplizität. Der schwere Fall da drüben gespiegelt in einer Posse. Gemeinsames Thema: Man kann niemanden zwingen (mit friedlichen Mitteln). Wie damit umgehen. Bei Tim war die Lösung: Mir meine Fragen selbst beantworten. So wird es auch im schweren Fall ausgehen. Da allerdings die Komplikation, dass die andere Seite nicht gleichgültig ist, sondern hochmanipulativ, wenn es stimmt, wie ich es mir inzwischen zurechtgelegt habe, womit ich es zu tun habe da drüben. Mittlerweile nicht nur mit ihr (wenn sie noch da ist; wenn die neuesten Eindrücke nicht täuschen, ist sie da), sondern mit ihm. Er reagierend auf meine Provokation. Deshalb darf ich mich nicht beklagen. Was will er? Es mir zeigen. Konkret: dass er den gleichen Zugriff hat auf meine Rechner wie sie, vielleicht sogar noch weitergehend. Passwort für meinen Google-Account. Hat sie es? Hat er es? Haben sie es beide? Zumindest einer von beiden hat es. Sie nicht destruktiv. Er versteckt agierend. Zugleich Signale aussendend. – Zwei Notebooks liegen auf dem Tisch im Wohnzimmer bei meinem Besuch letzte Woche. Botschaft? – Was will er? – Es herausfinden? Friedensverhandlungen einleiten? Eine Kommunikation einleiten? – Wie sich verständigen mit jemandem, der manipulativ agiert aus der Verborgenheit; am Ende ist er es nicht gewesen und niemand kann es ihm beweisen, ich schon gar nicht mit meinen Skrupeln, die vielleicht auch nur eine Scheu sind, ein Gezetere anzustimmen.
Begriff outcry. Gelernt heute Morgen in einem Artikel über die Polizei-Abteilung in New York, die mit Fällen von Vergewaltigung und sexueller Nötigung befasst ist und jetzt auch ermittelt im Fall von Strauss-Kahn. Outcry im ermittlungstechnischen Sinn ist das, was nach außen dringt von einer Straftat. Wenn eine Frau Opfer eines Gangbang im Central Park wird, dann gibt es wahrscheinlich Nichtbeteiligte, die etwas gehört oder gesehen haben. Outcry kann auch im übertragenen Sinn verstanden werden. Im Fall des Zimmermädchens aus dem Sofitel wird als outcry verstanden, dass sie nach der Tat, allen, mit denen sie gesprochen hat, Hotelangestellten wie Polizisten, das Gleiche erzählt hat.
Begriff Einhandklatschen. Daran gedacht beim Schreiben über Tim. Ironischer Satz im Posting: Warum mit Leuten reden, wenn man seine Fragen auch mit Nachdenken über sie beantworten kann. Der Dreh beim Einhandklatschen ist ganz einfach. Man muss nur wissen, dass die andere Hand da ist. Im Augenblick nicht sichtbar, aber es gibt sie, nur im Moment nicht anklatschbar. Der Glücksmoment, wenn es gelingt, wenn deutlich das Geräusch des Klatschens zu vernehmen ist. Wie das Aufschlagen des (imaginären) Tennisballs in der Pantomime-Szene am Ende von Michelangelo Antonionis Blow up. (*) Wie David Hemmings werden. Mit 15 gab es kein höheres Ziel für mich. Aber will ich so eine Geschichte erzählen? Jetzt das Kapitel B-Movie erzählen, will ich das? Es war ein Thema in der Unzufriedenheit am Sonntag, dass diese Geschichte jetzt vor mir liegt, dass es das gibt und nichts anderes.
(*) die existentielle Alternative im gleichen Film:Yardbirds Scene.