Sonntag, 29. Mai 2011
B-Movie
Ein schlechtes Gefühl durch ein gutes ersetzen, eine Erzählung durch eine andere Erzählung ersetzen. Erzählen von der Begebenheit vom Donnerstagabend (siehe Fremde). Davon erzählen, worüber ich am liebsten hinweggehe, weil es mir peinlich ist von den Umständen des Eingehacktseins der anderen Seite zu erzählen und davon, was dabei im Einzelnen passiert. Peinlich, weil ich fürchte, damit als Spinner dazustehen, weil es sich darstellt wie Paranoia-Stoff. Aber es ist nun mal die Voraussetzung für das, was zwischen dort drüben und hier geschieht seit eineinhalb Jahren, es ist die Infrastruktur der Romanze, von der ich im Blog erzählt habe, und es kann sein, dass damit überhaupt alles angefangen hat: mit dem Eingehacktsein der anderen Seite. Und danach erst kam es zu der Episode, die bis heute die einzige unzweifelhafte Realität ist: die Begegnung mit der Frau im Hallenbad, die ich Contessa genannt habe, die dann – auch unzweifelhaft – in der Wohnung gegenüber auftauchte oder auch nur sichtbar wurde für mich (weil sie vorher schon da war) und mit der ich eine Kommunikation haben sollte, die basiert darauf, dass sie in meine Rechner eingehackt ist. Dass das technisch geht, ist keine Frage, ich habe es in BzB beschrieben in einem der ersten Postings. Trotzdem hatte ich immer eine Scheu, darüber zu schreiben wegen der Peinlichkeit (siehe oben: Spinner) und weil ich diesen Teil der Geschichte nie mochte, weil mir das Material stilistisch nicht gefällt, weil es B-Movie-Material ist, so wie billige Science Fiction, und weil ich es immer schon am liebsten hinter mir gelassen hätte, auf diese Art verbunden (connected) zu sein mit ihr, statt mit ihr telefonieren, ihr Mails schreiben zu können, sie zu sehen auf der Straße. Darum ist es immer gegangen, den Schritt zu tun weg vom B-Movie in die Realität. Es ist jetzt so lange nicht gelungen, diesen Schritt zu tun, dass ich nicht mehr daran glaube, dass es je dazu kommen wird. Trotzdem hänge ich immer noch drin in der Geschichte: sie geht mir nicht aus dem Kopf, ich komme nicht los davon mit meinen Gefühlen und die andere Seite ist immer noch eingehackt in meine Rechner und hat zuletzt eingegriffen in das, was ich auf meinen Rechner mache, wie noch nie zuvor. So massiv und destruktiv, dass ich mir nicht mehr sicher bin, es auf der anderen Seite noch mit der gleichen Person zu tun zu haben. Entweder die Person hat sich geändert, sie ist kühner und frecher geworden, glaubt, sich mehr herausnehmen zu können als vorher, oder es ist eine andere Person. Deshalb: die andere Seite – und nicht sie aka Contessa. Denn ich muss es für möglich halten, dass sie da gar nicht mehr wohnt und eine andere Person jetzt sich ihrer Infrastruktur (des Eingehacktseins bei mir) bedient. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Person der Nachbar in der Wohnung gegenüber ist. Hat der nichts Besseres zu tun? – Denkbare Motive: Er will es mir heimzahlen, was ich an abfälligen Phantasien über seine Person in BzB verbreitet habe. Oder er will mich kontrollieren, weil er besorgt ist, dass ich durchknalle in meinem enttäuschten Liebeswahn und ich seine Identität preisgebe. Nur um das noch einmal festzustellen: das werde ich nicht tun. Das werde ich voraussichtlich nicht einmal tun, wenn ich tatsächlich Anzeige erstatten sollte wegen des Eingehacktseins, denn ich habe so gut wie keine Beweise, also würde mir nichts anderes übrig bleiben als Anzeige gegen unbekannt zu erstatten. Ich bin auch nicht versessen darauf, ihn zu identifizieren mit dem, was ich die andere Seite nenne. Viel lieber wäre es mir, es wäre weiterhin die Person, die ich einmal Contessa genannt habe, mit der ich es dort drüben zu tun habe, und er wäre nur ihr eifersüchtiger Freund, was er aber nach allem nicht mehr sein muss, eifersüchtig, meine ich, denn sie ist immer noch dort und nicht hier; wie es aussieht, hat sie nur ein Spiel gespielt, aus Langeweile oder Gründen, die sich mittlerweile erledigt haben. Aber da er die Person ist, mit der ich offen kommunizieren kann (besuchen, telefonieren, mailen), was ich mit ihr nicht kann, überlege ich, ob ich mich an ihn wenden, an ihn schreiben soll, wenn ich nun über das Eingehacktsein der anderen Seite schreibe, mit dem Ziel, dass es ein Ende hat. Darüber schreiben, indem ich an ihn schreibe, erscheint mir im Augenblick als die angemessenste Form. Doch vorher erst einmal Stoffsammlung - Beweisaufnahme. Das Eingehacktsein, wie es sich dargestellt hat bei der Begebenheit vom letzten Donnerstagabend und was davor und danach geschah. - Fortsetzung folgt.
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