Die Nachbarin mit dem schönen Hund ist Sternzeichen Stier. Ist das klar geworden? – Und mit Stierfrauen und mir wird es nichts. Insofern war es auch von meiner Seite kein Bewerbungsgespräch, obwohl es sich zwischendurch tatsächlich mal so anfühlte. Sie ist übrigens nur wenige Tage älter als die langjährige Freundin, mit der ich den letzten ernsthaften Paarversuch gemacht habe. Vor 13 Jahren zu Ende gegangen. Die ehemalige Freundin geboren im schönen Mai 1968, die Nachbarin geboren Ende April, als die 68er Mai-Ereignisse sich anbahnten. – Glaube ich denn an so etwas: Sternzeichen Stier etc.? – So peinlich es mir ist: ja. – Das kriege ich auch nicht mehr weg in diesem Leben. Weglassen kann ich nur die Beschäftigung damit. Heute damit begonnen. Kein Nachlesen des täglichen Planeten-Transitgeschehens mehr auf www.astro.com. – Weglassen die Großaktion im Moment. Nächster Schritt: kein Feuilleton mehr lesen? – Denn solange ich es tue, wird es mich auch immer wieder beschäftigen, werde ich auch wieder darüber schreiben müssen. – Das will ich nicht mehr, habe ich hier schon mehrfach erklärt, habe ich Anneli eben am Telefon gesagt. – Sie darauf: Och! – Sie hat diese Texte immer gerne gelesen. – Hm. Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Hatte eher angenommen, dass ich damit Leser angeödet und vertrieben habe. – Andere Wege finden, von der Feuiletonbeschäftigung zu erzählen. Lebensnah.
Unabhängig von diesen Überlegungen, vorher schon überlegt, etwas zu machen über Sasha Grey, mit der ich ein Interview gelesen habe auf The Daily Beast heute Morgen. Pornodarstellerin. Mittlerweile auf dem Sprung ins – wie es nennen? - narrative Kino. Also das richtige Kino. Sie berühmt geworden dadurch, dass sie so früh, gerade mal mit 18, ihre Pornokarriere gestartet hat, dass sie sehr draufgängerisch ist als Pornodarstellerin und sehr intelligent. Aber auf die gleiche Art intelligent wie sie sexy ist. Ihr Sexappeal. Es ist alles da, aber es geht nicht los. So wie ihre hohe Intelligenz sehr beeindruckend ist, aber ohne Esprit. – Und warum ist sie dann so erfolgreich? Weil sie aus dem Kreis von Pornodarstellerinnen herausragt mit ihrer Intelligenz. Und weil sie aus der Grundgesamtheit intelligente Frauen herausragt damit, dass sie Pornodarstellerin ist. Weil man das nicht erwartet, dass eine intelligente Frau diesen Beruf wählt? – Es wird schon wieder feuilletonistisch. Dabei bin ich noch gar nicht beim Wichtigsten, das Sasha Grey auszeichnet: ihr Ehrgeiz. – Mein Ehrgeiz: Wenn Feuilleton, dann auf meine Art. Eigenproduktion. Die könnte in diesem Fall sein: das Interview nehmen, einen neueren Film von ihr nehmen – und sie porträtieren als diese ehrgeizige junge Frau mit einem stumpfen Sexappeal und einer espritfreien hohen Intelligenz. – Extrem hoher Schwierigkeitsgrad dabei: über Hardcore-Porno-Aktion zu schreiben in einer nicht-expliziten Sprache, so dass auch die kleinen aufgeweckten Mädchen das lesen können. Kann es mir eigentlich nicht vorstellen, dass das geht. Will es trotzdem versuchen, wenn das Thema mich morgen noch interessiert. Geht es schief, kann ich es immer noch hier posten.
Was mir alles einfällt! Was ich mir damit auflade und welche Umwege ich deswegen machen muss! Statt meinem aktuellen Thema zu folgen: Menschen im Frühling. Frühling in Berlin. – Noch keine Ahnung, was ich heute dazu machen werde. – Oder lasse ich das Thema ruhen an Tagen, an denen der Himmel bedeckt und grau ist wie heute?
Donnerstag, 31. März 2011
Mittwoch, 30. März 2011
Bemühen
Eine Person auf der anderen Straßenseite will, dass ich mich wieder / weiter mit ihr beschäftige. - Das tue ich doch unentwegt. Nur schreibe ich nicht mehr darüber. Weil es außer Empfindungen und huschigen Wahrnehmungen nichts zu beschreiben gibt. Und weil ich über meine Empfindungen und über die huschigen Wahrnehmungen schon so viel geschrieben habe, dass jedes weitere Schreiben nur die soundsovielte Wiederholung wäre. – Ich würde sehr gerne wieder / weiter schreiben über die Person auf der anderen Straßenseite. Dann muss sie aber was tun, worüber ich schreiben kann. Nur signalisieren: mach doch! und verhuscht Anlass geben zu huschigen Wahrnehmungen, das reicht nicht. – Worte für Worte!
Lutscher ist auch ein Schimpfwort. Keines aus meinem Repertoire. Trotzdem mit dem Titel des Postings von gestern darauf angespielt. Der Text auch eine Botschaft an Peter. Denk dir was Besseres aus, um deine Lebenskrise aufzuführen. – Damit kann ich daneben liegen - wenn die Biopsie ergeben sollte doch maligne. – Peter hat das schon mal erlebt. Erste Diagnose seines Zungenknubbels: gutartig; zweite Diagnose: Bingo, wie die Onkologin sagte. Krebs! – Das geht ihm nicht aus dem Kopf. Deshalb will er es jetzt unbedingt genau wissen. Sein Anruf vorhin. Er kann den MRT-Befund nicht verstehen. Undurchdringliche medizinische Fachsprache. – Frag deinen Hausarzt. - Der hat heute keine Sprechstunde. Und die anderen fünf Ärzte, Altfreunde und Bekannte, die erreicht er nicht. – Ich schlage vor, dass er seine Angst mal reflektiert und erkundet, ob es auch noch andere Gründe für sie geben könnte. Erschütterung durch die Lebenskrise? – Das erreicht ihn nicht. Es ist ein herzloser Ratschlag. Die Angst äußert sich nun mal als Todesangst. Und so lange ihm die nicht genommen ist durch einen definitiven Befund: benigne, kann er sie nicht reflektieren. Ich kann ihm nicht helfen. Ich kann ihm nur zuhören.
Nachtrag zu gestern. Frage, warum ich so alleine dastehe. Erklärung, die ich Peter gegeben habe im Gespräch am Sonntag, als es ging um Lebenskrisen und ihre Bewältigung, um die einzige Möglichkeit, die es gibt sie zu bewältigen: indem man sich radikal verändert. – Das habe ich zweimal gemacht in meinem Leben. Lebenskrise um die 40, klassische Midlifecrisis. Und die Lebenskrise, deren Höhepunkt ich vor vier Jahren erlebt habe und die ich bis heute noch nicht ganz verstanden habe; aber verändert habe ich mich durch sie, noch radikaler als damals mit 40. – In beiden Fällen war es so, dass ich mich durch die Veränderung entfernt habe von dem Freundes- und Bekanntenkreis, den ich bis dahin hatte. Bei der ersten Lebenskrise war das ein großer, vielfältiger und zu mir passender Kreis von Menschen. Trotzdem habe ich mich entfernt von ihnen (bis auf wenige Ausnahmen). Warum? – Das ist mir, während ich darüber gesprochen habe am Sonntag deutlich geworden: Weil ich der, der ich geworden war durch die Veränderungen und der ich auch sein wollte, weil ich der nur sein konnte, indem ich keine Kompromisse machte, indem ich mich nicht den Erwartungen fügte, die die andere an mich hatten – Erwartungen, die daraus hinausliefen, der zu sein, als der sie mich kennen, schätzen, bewundern und lieben gelernt hatten. Indem ich mich zurückgezogen habe von den Leuten, habe ich mich ihren Erwartungen entzogen. Meine Authentizität war mir wichtiger als die Leute. Damit habe ich es mir (zu) einfach gemacht. Ich hätte schließlich auch den Leuten mein Anderssein vermitteln können. Dass ich das nicht getan habe, das ist bei den Leuten, die ich bei der ersten Lebenskrise hinter mir gelassen habe, sehr schade. Um die Leute, von denen ich mich bei der Krise vor vier Jahren zurückgezogen habe, ist es nicht schade. Das waren die falschen Leute für mich. Der Krisengewinn bestand unter anderem darin, dass ich mich von diesen Leuten abgewandt habe. – Unterschied zwischen dem ersten, zu mir passenden Personenkreis, zum zweiten, nicht zu mir passenden: um die Leute des ersten Personenkreises hatte ich mich nie bemüht, die hatte ich gefunden, ohne sie zu suchen. – Die Leute des zweiten Personenkreises hatte ich teilweise gesucht oder ich hatte gedacht, ich sollte mit ihnen zu tun haben, weil es nötig ist, Menschen um mich herum zu haben. – Ein weiterer Krisengewinn war die Erkenntnis: lieber allein sein, als mit Leuten zu tun zu haben, die nicht zu mir passen. – Bei der ersten Krise ging es darum, etwas anderes zu machen. Bei der zweiten darum, anders zu leben. – Abschließend habe ich zu Peter gesagt: Dass mein Alleinsein eigentlich ein Anfang ist. Ich bin bereit für neue Leute. Aber: mit 58 trifft man nicht so leicht neue Leute wie mit 18, 28 oder noch mit 38. Zweites aber: die zu mir passenden Leute finde ich nicht, indem ich mich um Leute bemühe. Leute, die zu einander passen, finden sich (finden einander) von alleine. – Stimmt das? – Heute stimmt es. Heute Morgen denke ich: ich will mich nicht mehr um jemanden bemühen. Und dabei denke ich an die Frau auf der anderen Straßenseite. Zwei Jahre lang habe ich mich um sie bemüht. Es hat zu nichts geführt; nicht einmal ihren Namen kenne ich. Jetzt gibt es nur noch die Möglichkeit ohne Bemühen. Mit Leichtigkeit.
Lutscher ist auch ein Schimpfwort. Keines aus meinem Repertoire. Trotzdem mit dem Titel des Postings von gestern darauf angespielt. Der Text auch eine Botschaft an Peter. Denk dir was Besseres aus, um deine Lebenskrise aufzuführen. – Damit kann ich daneben liegen - wenn die Biopsie ergeben sollte doch maligne. – Peter hat das schon mal erlebt. Erste Diagnose seines Zungenknubbels: gutartig; zweite Diagnose: Bingo, wie die Onkologin sagte. Krebs! – Das geht ihm nicht aus dem Kopf. Deshalb will er es jetzt unbedingt genau wissen. Sein Anruf vorhin. Er kann den MRT-Befund nicht verstehen. Undurchdringliche medizinische Fachsprache. – Frag deinen Hausarzt. - Der hat heute keine Sprechstunde. Und die anderen fünf Ärzte, Altfreunde und Bekannte, die erreicht er nicht. – Ich schlage vor, dass er seine Angst mal reflektiert und erkundet, ob es auch noch andere Gründe für sie geben könnte. Erschütterung durch die Lebenskrise? – Das erreicht ihn nicht. Es ist ein herzloser Ratschlag. Die Angst äußert sich nun mal als Todesangst. Und so lange ihm die nicht genommen ist durch einen definitiven Befund: benigne, kann er sie nicht reflektieren. Ich kann ihm nicht helfen. Ich kann ihm nur zuhören.
Nachtrag zu gestern. Frage, warum ich so alleine dastehe. Erklärung, die ich Peter gegeben habe im Gespräch am Sonntag, als es ging um Lebenskrisen und ihre Bewältigung, um die einzige Möglichkeit, die es gibt sie zu bewältigen: indem man sich radikal verändert. – Das habe ich zweimal gemacht in meinem Leben. Lebenskrise um die 40, klassische Midlifecrisis. Und die Lebenskrise, deren Höhepunkt ich vor vier Jahren erlebt habe und die ich bis heute noch nicht ganz verstanden habe; aber verändert habe ich mich durch sie, noch radikaler als damals mit 40. – In beiden Fällen war es so, dass ich mich durch die Veränderung entfernt habe von dem Freundes- und Bekanntenkreis, den ich bis dahin hatte. Bei der ersten Lebenskrise war das ein großer, vielfältiger und zu mir passender Kreis von Menschen. Trotzdem habe ich mich entfernt von ihnen (bis auf wenige Ausnahmen). Warum? – Das ist mir, während ich darüber gesprochen habe am Sonntag deutlich geworden: Weil ich der, der ich geworden war durch die Veränderungen und der ich auch sein wollte, weil ich der nur sein konnte, indem ich keine Kompromisse machte, indem ich mich nicht den Erwartungen fügte, die die andere an mich hatten – Erwartungen, die daraus hinausliefen, der zu sein, als der sie mich kennen, schätzen, bewundern und lieben gelernt hatten. Indem ich mich zurückgezogen habe von den Leuten, habe ich mich ihren Erwartungen entzogen. Meine Authentizität war mir wichtiger als die Leute. Damit habe ich es mir (zu) einfach gemacht. Ich hätte schließlich auch den Leuten mein Anderssein vermitteln können. Dass ich das nicht getan habe, das ist bei den Leuten, die ich bei der ersten Lebenskrise hinter mir gelassen habe, sehr schade. Um die Leute, von denen ich mich bei der Krise vor vier Jahren zurückgezogen habe, ist es nicht schade. Das waren die falschen Leute für mich. Der Krisengewinn bestand unter anderem darin, dass ich mich von diesen Leuten abgewandt habe. – Unterschied zwischen dem ersten, zu mir passenden Personenkreis, zum zweiten, nicht zu mir passenden: um die Leute des ersten Personenkreises hatte ich mich nie bemüht, die hatte ich gefunden, ohne sie zu suchen. – Die Leute des zweiten Personenkreises hatte ich teilweise gesucht oder ich hatte gedacht, ich sollte mit ihnen zu tun haben, weil es nötig ist, Menschen um mich herum zu haben. – Ein weiterer Krisengewinn war die Erkenntnis: lieber allein sein, als mit Leuten zu tun zu haben, die nicht zu mir passen. – Bei der ersten Krise ging es darum, etwas anderes zu machen. Bei der zweiten darum, anders zu leben. – Abschließend habe ich zu Peter gesagt: Dass mein Alleinsein eigentlich ein Anfang ist. Ich bin bereit für neue Leute. Aber: mit 58 trifft man nicht so leicht neue Leute wie mit 18, 28 oder noch mit 38. Zweites aber: die zu mir passenden Leute finde ich nicht, indem ich mich um Leute bemühe. Leute, die zu einander passen, finden sich (finden einander) von alleine. – Stimmt das? – Heute stimmt es. Heute Morgen denke ich: ich will mich nicht mehr um jemanden bemühen. Und dabei denke ich an die Frau auf der anderen Straßenseite. Zwei Jahre lang habe ich mich um sie bemüht. Es hat zu nichts geführt; nicht einmal ihren Namen kenne ich. Jetzt gibt es nur noch die Möglichkeit ohne Bemühen. Mit Leichtigkeit.
Dienstag, 29. März 2011
Diagnose
Peter war gestern mit den Bildern der MRT bei seinem Hausarzt. Er hat nun eine erste Diagnose. Entwarnung. Der Knubbel ist ein geschwollener Lymphknoten. Kein Lymphknotenkrebs. Nur geschwollen. Eine Biopsie soll letzte Gewissheit bringen. Doch jetzt schon kann Peter sich mal fragen, ob es nicht noch andere Möglichkeiten gibt, mit seiner Lebenskrise umzugehen, als sie zu somatisieren über dramatische Darmprobleme (*), Lymphknotenschwellung, Nasenbluten und: Krebsangst. Mehr als drei Monate war er überzeugt davon, Krebs zu haben, den hochaggressiven Halsknubbelkrebs, bei dem man es sich bekanntlich schenken kann, ihn diagnostizieren und behandeln zu lassen, da es sowieso keine Rettung gibt und man sich die verbleibende Lebenszeit nicht von Ärzten verderben lassen sollte.
(*) Die Psychosomatiker spielen gerne mit Analogien. Zum Beispiel: Jemand hat einen chronischen Katarrh. Er hat die Nase voll. Buchstäblich und wie sich dann bei näherem Hinsehen zeigt auch sonst in seinem Leben. – Peter hatte eine Art explosionsartigen Durchfall, der jeweils so plötzlich kam, dass er es nicht mehr zum Klo geschafft hat. Wochenlang hat er sich regelmäßig in die Hosen geschissen. Analogie? – Er macht sich in die Hosen. / Er hat die Hosen voll. Vor Angst. - Weil sein bisheriges Leben nicht mehr funktioniert? Vor den Veränderungen, die seine Lebenskrise ihm abverlangt?
Gestern Abend konnte er sich gar nicht richtig freuen über die gute Nachricht. Wie ein mäkeliger Kunde, hat er gefragt, warum man ihm bei der Operation seines Zungenbodenkarzinoms nicht alle Lymphknoten im Hals entfernt hat. – Ich habe mich mehr gefreut über die gute Nachricht als er. Wir sprechen zur Zeit immer wieder darüber, dass er so gerne in seine Vergangenheit zurückgeht, sich erinnert, Kontakt mit Leuten aufnimmt von früher. Während mich nur die Gegenwart interessiert und ich Leuten von früher lieber aus dem Weg gehe. Unser zweites großes Thema ist Veränderung. Mein zweites großes Thema. Bei meinem Bemühen, ihm Mut zu machen. Krise als Chance etc. - Am Sonntag beim Einreden auf ihn nebenbei eine plausible Erklärung dafür gefunden, warum ich so alleine dastehe. – Die trage ich hier noch nach oder ich schreibe sie auf im BzB-Posting von heute. Über die gute Nachricht vom Arztbesuch Peters. Und wenn ich es dann bitte schaffen könnte im Text, von der Beschäftigung mit Peter zur Beschäftigung mit mir zurückzukommen. – Wachsendes Unbehagen an meiner überlegenen Ratgeberrolle. Dein Leben ist völlig in Unordnung, hat mir neulich eine nahestehende Person geschrieben und ich konnte nicht widersprechen. Ein Ratschlag, wie ich es ändern könnte, war dem nicht beigefügt. Wahrscheinlich aus der Überzeugung, dass ich das selbst herausfinden muss. Und ist es so nicht auch bei Peter?
Das Posting über Peter heute noch. Mit dem Übergang von seinem Elend zu meinem Elend. – Und wenn ich es dabei bitte schaffen könnte, vom Gedanklichen weg zum Anschaulichen zu kommen. Das ist nämlich auch so eine der Verirrungen der letzten Wochen im Schreiben des Blogs. Der Feuilletonismus. Das Überhandnehmen der Peter-Geschichte. Die viel zu vielen Gedanken.
Peter soll seine Geschichte selbst weiter erzählen. Er soll sich ein neues Fotoprojekt überlegen. So was wie Nackte Wände oder etwas ganz anderes. Die Fotos veröffentliche ich dann im Blog. Ausgewählte Fotos der Nackte-Wände-Serie werden übrigens nächsten Monat bei einer Langen Nacht der Museen in Mannheim ausgestellt, in der Alten Feuerwache. Auch darüber habe ich mich mehr gefreut als er.
Später: Lasse den Text stehen trotz Übernahme mehrerer Passagen in das BzB-Posting. Die Hinwendung im Text zu mir hat nicht geklappt. Reicht, dass ich den Peter-Erzählstrang für beendet erklärt habe. Mal gespannt, ob ich das durchhalte.
(*) Die Psychosomatiker spielen gerne mit Analogien. Zum Beispiel: Jemand hat einen chronischen Katarrh. Er hat die Nase voll. Buchstäblich und wie sich dann bei näherem Hinsehen zeigt auch sonst in seinem Leben. – Peter hatte eine Art explosionsartigen Durchfall, der jeweils so plötzlich kam, dass er es nicht mehr zum Klo geschafft hat. Wochenlang hat er sich regelmäßig in die Hosen geschissen. Analogie? – Er macht sich in die Hosen. / Er hat die Hosen voll. Vor Angst. - Weil sein bisheriges Leben nicht mehr funktioniert? Vor den Veränderungen, die seine Lebenskrise ihm abverlangt?
Gestern Abend konnte er sich gar nicht richtig freuen über die gute Nachricht. Wie ein mäkeliger Kunde, hat er gefragt, warum man ihm bei der Operation seines Zungenbodenkarzinoms nicht alle Lymphknoten im Hals entfernt hat. – Ich habe mich mehr gefreut über die gute Nachricht als er. Wir sprechen zur Zeit immer wieder darüber, dass er so gerne in seine Vergangenheit zurückgeht, sich erinnert, Kontakt mit Leuten aufnimmt von früher. Während mich nur die Gegenwart interessiert und ich Leuten von früher lieber aus dem Weg gehe. Unser zweites großes Thema ist Veränderung. Mein zweites großes Thema. Bei meinem Bemühen, ihm Mut zu machen. Krise als Chance etc. - Am Sonntag beim Einreden auf ihn nebenbei eine plausible Erklärung dafür gefunden, warum ich so alleine dastehe. – Die trage ich hier noch nach oder ich schreibe sie auf im BzB-Posting von heute. Über die gute Nachricht vom Arztbesuch Peters. Und wenn ich es dann bitte schaffen könnte im Text, von der Beschäftigung mit Peter zur Beschäftigung mit mir zurückzukommen. – Wachsendes Unbehagen an meiner überlegenen Ratgeberrolle. Dein Leben ist völlig in Unordnung, hat mir neulich eine nahestehende Person geschrieben und ich konnte nicht widersprechen. Ein Ratschlag, wie ich es ändern könnte, war dem nicht beigefügt. Wahrscheinlich aus der Überzeugung, dass ich das selbst herausfinden muss. Und ist es so nicht auch bei Peter?
Das Posting über Peter heute noch. Mit dem Übergang von seinem Elend zu meinem Elend. – Und wenn ich es dabei bitte schaffen könnte, vom Gedanklichen weg zum Anschaulichen zu kommen. Das ist nämlich auch so eine der Verirrungen der letzten Wochen im Schreiben des Blogs. Der Feuilletonismus. Das Überhandnehmen der Peter-Geschichte. Die viel zu vielen Gedanken.
Peter soll seine Geschichte selbst weiter erzählen. Er soll sich ein neues Fotoprojekt überlegen. So was wie Nackte Wände oder etwas ganz anderes. Die Fotos veröffentliche ich dann im Blog. Ausgewählte Fotos der Nackte-Wände-Serie werden übrigens nächsten Monat bei einer Langen Nacht der Museen in Mannheim ausgestellt, in der Alten Feuerwache. Auch darüber habe ich mich mehr gefreut als er.
Später: Lasse den Text stehen trotz Übernahme mehrerer Passagen in das BzB-Posting. Die Hinwendung im Text zu mir hat nicht geklappt. Reicht, dass ich den Peter-Erzählstrang für beendet erklärt habe. Mal gespannt, ob ich das durchhalte.
Montag, 28. März 2011
Style
Um nicht als Spinner dazustehen mit meiner Vermutung über Robert und Cynthia im Post von gestern, müsste ich jetzt erzählen von den Beobachtungen, die dazu geführt haben, dass ich mir fast sicher bin, dass meine Vermutung zutrifft und ich müsste mehr von dem Paar erzählen. Wie Cynthia aussieht, wie alt sie ist, wie alt Robert ist und was Robert macht - nicht Kant und Heidegger lesen wie Bob in Modern Saint # 271, sondern - kein Wort darüber wegen Anonymisierung. Und anonymisieren, indem ich um-erfinde, das will ich nicht. Ich habe auch anderes zu tun, als bei den beiden zu verweilen. Das Unausgeprochene ist ausgesprochen in Andeutungen. Der Impuls ist gegeben. Bin gespannt, wie sie reagieren, wenn ich ihnen wieder begegne. Ob sie überhaupt reagieren. Das ist die Geschichte. Die werde ich weiter erzählen. Gegenwart. Ereignis. Das ist der Blog. Anstrengend war das gestern. Aber hinterher das gute Gefühl, dass der Blog damit endlich wieder in der Spur ist. Und mit dem Titel Neugier ist das Zeichen gesetzt dafür, wie es weiter gehen soll. – Es gibt wieder einen Plot. Das, was ich will, auch machen. Meiner Neugier auf Menschen folgen. Aus meiner Verhocktheit in mir selbst herauskommen, aus meiner Befindlichkeit, meiner öden, und dazu meine Hemmungen überwinden im Zugehen auf Menschen. Das wird nicht leicht. Auch deshalb, weil ich noch gar nicht genau weiß, was ich mit ihnen anfangen soll, wenn ich auf sie zugegangen bin. Überfallartige Interviews. Aber zu welchem Thema? Über sie, klar. Aber ich weiß doch noch gar nichts über sie in dem Moment. Das kann sich schnell ändern. Also keine Widerrede. Meine Leutseligkeit instrumentalisieren, meiner Neugier folgen. Improvisierte Szenen. Interviews. Porträts. Das ist das Ziel. Das ist verbarrikadiert von meinen Hemmungen. Wie ich die überwinde, das ist der Plot.
Der elende Feuilletonismus im Blog, das war auch Faulheit. Nicht immer nur über mich reden, aber dazu das Haus nicht verlassen wollen. – Jetzt: Weiter über mich wie bisher – Roman meines Lebens, Zeitung über mich, Zeitung von mir. Aber Zeitung von mir nicht mehr darüber, was ich in anderen Zeitungen lese. Zeitung von mir über Menschen, die mich interessieren, die ich beobachte. Im Idealfall Menschen, die ich entdecke in der Öffentlichkeit. Paradigma des street style photographer´s. Nur, dass ich es nicht so leicht habe. Ich kann nicht einfach nur abdrücken und Klick-Klack habe ich das Bild. Ich muss auf die Leute zugehen, sie verwickeln in eine Szene, sie verwickeln in ein Gespräch. Aber Style ist auch mein Thema. Persönlichkeitsstil. Wie Leute sind. So einfach. Nicht leicht ranzukommen. Doch das wird jetzt gemacht. – Jeder Tag ein neuer Versuch. Gestern hat es nicht geklappt. Dieses Mal hat es nicht an mir gelegen. Der schöne Mann stand nicht da.
Der elende Feuilletonismus im Blog, das war auch Faulheit. Nicht immer nur über mich reden, aber dazu das Haus nicht verlassen wollen. – Jetzt: Weiter über mich wie bisher – Roman meines Lebens, Zeitung über mich, Zeitung von mir. Aber Zeitung von mir nicht mehr darüber, was ich in anderen Zeitungen lese. Zeitung von mir über Menschen, die mich interessieren, die ich beobachte. Im Idealfall Menschen, die ich entdecke in der Öffentlichkeit. Paradigma des street style photographer´s. Nur, dass ich es nicht so leicht habe. Ich kann nicht einfach nur abdrücken und Klick-Klack habe ich das Bild. Ich muss auf die Leute zugehen, sie verwickeln in eine Szene, sie verwickeln in ein Gespräch. Aber Style ist auch mein Thema. Persönlichkeitsstil. Wie Leute sind. So einfach. Nicht leicht ranzukommen. Doch das wird jetzt gemacht. – Jeder Tag ein neuer Versuch. Gestern hat es nicht geklappt. Dieses Mal hat es nicht an mir gelegen. Der schöne Mann stand nicht da.
Sonntag, 27. März 2011
Bewunderung
Das Leben ist zu lang, ist der Titel des Films von Dani. Vorhin den Trailer angeschaut. Ein Mann und die Stationen seines Unglücks. Eine davon: Er sitzt seinem Banker gegenüber und der erklärt ihm – schlecht gespielt – weinend, dass die Bank pleite ist und das Geld des Mannes damit weg. Komödiantischer Nachhall der Bankenkrise. Das mit dem Therapeuten, der ihm rät sich umzubringen, habe ich gestern schon erwähnt (Dynamik). Der unglückliche Mann befolgt den Rat. Aber auch der Selbstmord geht schief, er wird wiederbelebt mit neuen Medikamenten, die auch schon bei Michael Jackson zum Einsatz kamen. Was für ein Witz! – Wie ich vorhergesehen habe, gibt es eine gute Szene mit der wunderbaren Meret Becker. Sie spielt die Frau des unglücklichen Mannes. Sie liegt neben ihm im Bett und beklagt den Verlust ihrer Attraktivität - die beiden gemeinsamen Kinder hätten sie ausgelutscht. Danach dreht sie sich von dem Mann weg und das Gute an der Szene ist vorbei, denn nun sagt er, wenn das Licht aus ist, dann sei sie immer noch so wie früher. Was für ein Witz! – Ich will nicht ausschließen, dass ich mir den Film noch anschaue. Ich habe auch schon Notizen gemacht darüber, dass ich mich daran erinnere, dass Dani in den Interviews zum Film nie gesprochen hat über das, was dem Mann alles an Unglück zustößt, sondern im wesentlichen über jüdischen Humor, und dass er den jetzt haben will in dem Film, nachdem das in seinem vorhergehenden Film mit Helge Schneider als Hitler nicht geklappt hat, weil es da nämlich eigentlich um schwarze Pädagogik gegangen ist, was jedoch niemand gemerkt hat, weil der Film Erfolg beim falschen Publikum hatte. - Bei den Fans von Helge Schneider nehme ich mal an, den er dann eben nicht hätte besetzen dürfen, wenn er ein anderes Publikum haben wollte. - So wäre das gegangen, wenn ich über den Film geschrieben hätte – indem ich dargelegt hätte, warum ich ihn mir lieber nicht angeschaut habe. So hätte ich dann doch noch mein Rachegelüst befriedigen können und zugleich wäre deutlich geworden, wie neidisch ich bin auf Dani, der es seit etwa zwanzig Jahren schafft, mit den Mitteln der Filmförderung alle zwei, drei Jahre einen Film zu machen. Schwache, schlechte, misslungene Filme. Aber das macht nichts, denn damit hat er sich in die Lage gebracht, zwischendurch einen Film zu machen, der ein kleines Meisterwerk ist, das, was von Dani bleiben wird: Alles auf Zucker. – Die schwachen, schlechten, misslungenen Filme waren die notwendige Voraussetzung für das kleine Meisterwerk. Und dafür muss man ihn nun wirklich nicht beneiden, dass er diese Mühsal auf sich genommen hat, sondern kann ihn nur bewundern für sein Geschick beim Ranschaffen der Filmförderung und für die Unbeirrbarkeit, mit der er die Häme der Filmkritik weggesteckt hat. Da muss ich ihm nicht auch noch ans Bein pinkeln in einem Blog, den er mit Sicherheit nie lesen wird, weil er dazu gar keine Zeit hat, so wie er auch keine Zeit hatte, mein Exposé zu lesen. Gut, dass ich das noch rechtzeitig erkannt habe und mir den Impuls, über Das Leben ist zu lang herzuziehen, nun auf diese Art aus dem Kopf geschrieben habe. Wobei der Entschluss, nicht in Biest zu Biest darüber zu bloggen, vor der Erkenntnis kam. Als ich mich darauf besonnen habe, mich um meine Angelegenheiten zu kümmern. Die Erkenntnis hat sich erst danach, beim Schreiben, eingestellt. Und geschrieben habe ich über den Entschluss, weil mir zu meinen Angelegenheiten nur Gedanken eingefallen sind und nur ein brauchbarer Satz: Das, was ich will, auch tun! - Einer meiner ältesten Sätze. Fortsetzung folgt.
Samstag, 26. März 2011
Dynamik
Nichts über den Vorhang der Nachbarin. Bildgeschichte oder keine Geschichte. Ohne Worte. Worte über die Nachbarin erst wieder, wenn es Worte von ihr gibt. Wenn ich dann nicht so sprachlos bin (überwältigt), dass es erst recht keine Worte geben wird, oder Schweigen aus Diskretion. Tagtraum.
Mail Peters zum Posting von gestern. Beschwerde: So verlogen ist er auch wieder nicht, wie ich es darstelle. Und nachsichtig sei er auch – indem er es erträgt, was ich alles über in schreibe. Das stimmt, das bewundere ich auch und habe es reichlich ausgenutzt. Nicht, weil ich ihn vorführen wollte. Aus Faszination darüber, wie er ist. Und auch, weil ich die Gelegenheit genutzt habe, einen anderen Menschen aus solcher Nähe betrachten zu können. In einer exemplarischen Situation. Gestern Früh noch gedacht, dass ich nichts anderes machen könnte, als Peter zu beobachten in dieser exemplarischen Situation: Krankheit, Misstrauen gegenüber der Medizin, Todesangst; drohender Verlust der Arbeit, dramatischer Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand; dramatisch, weil früher als erwartet; und dazu noch der Verlust der jungen Geliebten, der er immer noch nachweint, buchstäblich, bitterlich. Das sind dann die Momente, wo ich sanft und liebevoll und – vergessen das Wort im Posting – verständnisvoll sein kann zu ihm. – Ihn lieb haben und mich lieb haben kann dafür, dass ich so sein kann. Nicht so sein zu können, ein noch größerer Mangel, als entgegengebrachtes Verständnis und Liebevolles zu entbehren. Scheint so. Denke ich mir so auch aus Pragmatismus. – Mich darauf beschränken gegenüber Peter. Ihn nicht mehr beschreiben? – Wenn ich konsequent bin, war das gestern der Schlusspunkt der Peter-Beobachtung und –Beschreibung in Biest zu Biest. Nicht geplante Wendung. Gekommen aus dem wachsenden Unbehagen beim Schreiben des Textes, Gefühl der Unstimmigkeit. – Mal sehen, was daraus wird.
Der Blog hat immer schon seine eigene Dynamik gehabt und seine Regeln selbst aufgestellt. Dazu gehört es, Sujets abzuarbeiten und dann für immer gut. Kann sein, dass die verstärkte Pressebeobachtung, kritische Auseinandersetzung mit meinen Quellen, in den letzten Wochen sein musste (so peinlich sie mir im Nachhinein ist). Sein musste auch, um mir die Einsicht zu ermöglichen, das ist nicht mein Thema. Geh zurück zu dem Thema, das sonst niemand hat, und wenn Leute sich für den Blog interessieren, dann dafür und nicht für etwas, das sie anderswo substanzieller und ausgewogener kriegen. – Aber da das nun mal meine Interessen sind und damit Teil meines Lebens? – Vorläufige Antwort: Ich schreibe auch nicht über die Beobachtung meiner Scheiße. – Nachsatz: Noch nicht.
Und wie ist es mit selbstkreiertem Feuilleton? – Wenn ich mir den letzten Film von Dani Levy angucke, in dem es u.a. um einen impotenten Mann geht, der geplagt ist von seinen unerfüllbaren erotischen Phantasien? Wenn ich darüber dann schreibe, um das über Peter eingeführte Thema Impotenz fortzusetzen? – Dann ist das im Grunde gar kein Feuilleton, dann ist das eine Reaktion darauf, dass Dani nun schon ein Jahr lang nicht reagiert auf den Schicksenplot, den ich ihm zum Lesen und Begutachten gegeben habe. Dann ist es eine Art Rache für seine mich wurmende Achtlosigkeit mir gegenüber, dass ich mir nun seinen letzten Film anschaue, von dem ich annehme, dass er ein künstlerischer Reinfall ist, und darüber schreibe. Eine geeignete Wochenendbeschäftigung wäre es außerdem. Bedürfnis nach Wochenende. Und heute mal nicht so viel Text. – Wenn nichts passiert, dann einen Text, der an der bevorstehenden Zeitumstellung aufgehängt ist, der verhassten. Aber nur unter der Bedingung: keine Sottisen über die neoliberale Verschwörung, die nach meiner Überzeugung hinter der Einführung der Sommerzeit in den 80er Jahren stand.
Später: Wie gut, dass ich nichts über die Zeitumstellung gemacht habe. Und bei Videoworld den Film von Dani lieber nicht mitgenommen. Nach dem Lesen der Inhaltsangabe gedacht, dass meine Rachsucht so groß nun auch wieder nicht. Der Held der Geschichte heißt Alvy, wie Alvy Singer bei Woody Allen, und nachdem alle sich von ihm abgewandt haben, rät ihm auch noch sein Psychiater zum Selbstmord. - Einzige Verlockung: als seine Ehefrau ist Meret Becker zu sehen. Aber wie lange? Vielleicht fünf Minuten. - Sowieso schon verzagt und dann auch noch so ein Film. Das wollte es nicht riskieren.
Mail Peters zum Posting von gestern. Beschwerde: So verlogen ist er auch wieder nicht, wie ich es darstelle. Und nachsichtig sei er auch – indem er es erträgt, was ich alles über in schreibe. Das stimmt, das bewundere ich auch und habe es reichlich ausgenutzt. Nicht, weil ich ihn vorführen wollte. Aus Faszination darüber, wie er ist. Und auch, weil ich die Gelegenheit genutzt habe, einen anderen Menschen aus solcher Nähe betrachten zu können. In einer exemplarischen Situation. Gestern Früh noch gedacht, dass ich nichts anderes machen könnte, als Peter zu beobachten in dieser exemplarischen Situation: Krankheit, Misstrauen gegenüber der Medizin, Todesangst; drohender Verlust der Arbeit, dramatischer Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand; dramatisch, weil früher als erwartet; und dazu noch der Verlust der jungen Geliebten, der er immer noch nachweint, buchstäblich, bitterlich. Das sind dann die Momente, wo ich sanft und liebevoll und – vergessen das Wort im Posting – verständnisvoll sein kann zu ihm. – Ihn lieb haben und mich lieb haben kann dafür, dass ich so sein kann. Nicht so sein zu können, ein noch größerer Mangel, als entgegengebrachtes Verständnis und Liebevolles zu entbehren. Scheint so. Denke ich mir so auch aus Pragmatismus. – Mich darauf beschränken gegenüber Peter. Ihn nicht mehr beschreiben? – Wenn ich konsequent bin, war das gestern der Schlusspunkt der Peter-Beobachtung und –Beschreibung in Biest zu Biest. Nicht geplante Wendung. Gekommen aus dem wachsenden Unbehagen beim Schreiben des Textes, Gefühl der Unstimmigkeit. – Mal sehen, was daraus wird.
Der Blog hat immer schon seine eigene Dynamik gehabt und seine Regeln selbst aufgestellt. Dazu gehört es, Sujets abzuarbeiten und dann für immer gut. Kann sein, dass die verstärkte Pressebeobachtung, kritische Auseinandersetzung mit meinen Quellen, in den letzten Wochen sein musste (so peinlich sie mir im Nachhinein ist). Sein musste auch, um mir die Einsicht zu ermöglichen, das ist nicht mein Thema. Geh zurück zu dem Thema, das sonst niemand hat, und wenn Leute sich für den Blog interessieren, dann dafür und nicht für etwas, das sie anderswo substanzieller und ausgewogener kriegen. – Aber da das nun mal meine Interessen sind und damit Teil meines Lebens? – Vorläufige Antwort: Ich schreibe auch nicht über die Beobachtung meiner Scheiße. – Nachsatz: Noch nicht.
Und wie ist es mit selbstkreiertem Feuilleton? – Wenn ich mir den letzten Film von Dani Levy angucke, in dem es u.a. um einen impotenten Mann geht, der geplagt ist von seinen unerfüllbaren erotischen Phantasien? Wenn ich darüber dann schreibe, um das über Peter eingeführte Thema Impotenz fortzusetzen? – Dann ist das im Grunde gar kein Feuilleton, dann ist das eine Reaktion darauf, dass Dani nun schon ein Jahr lang nicht reagiert auf den Schicksenplot, den ich ihm zum Lesen und Begutachten gegeben habe. Dann ist es eine Art Rache für seine mich wurmende Achtlosigkeit mir gegenüber, dass ich mir nun seinen letzten Film anschaue, von dem ich annehme, dass er ein künstlerischer Reinfall ist, und darüber schreibe. Eine geeignete Wochenendbeschäftigung wäre es außerdem. Bedürfnis nach Wochenende. Und heute mal nicht so viel Text. – Wenn nichts passiert, dann einen Text, der an der bevorstehenden Zeitumstellung aufgehängt ist, der verhassten. Aber nur unter der Bedingung: keine Sottisen über die neoliberale Verschwörung, die nach meiner Überzeugung hinter der Einführung der Sommerzeit in den 80er Jahren stand.
Später: Wie gut, dass ich nichts über die Zeitumstellung gemacht habe. Und bei Videoworld den Film von Dani lieber nicht mitgenommen. Nach dem Lesen der Inhaltsangabe gedacht, dass meine Rachsucht so groß nun auch wieder nicht. Der Held der Geschichte heißt Alvy, wie Alvy Singer bei Woody Allen, und nachdem alle sich von ihm abgewandt haben, rät ihm auch noch sein Psychiater zum Selbstmord. - Einzige Verlockung: als seine Ehefrau ist Meret Becker zu sehen. Aber wie lange? Vielleicht fünf Minuten. - Sowieso schon verzagt und dann auch noch so ein Film. Das wollte es nicht riskieren.
Freitag, 25. März 2011
Fenster
Die Frau von gegenüber (fka Tess fka Contessa) zeigt Anteilnahme wegen des Dämpfers oder sie will wieder mitmachen im Blog. Oder beides. Und dass sie wieder mitmachen will, ist ihr Vorschlag dazu, wie ich die Attraktivität des Blogs steigern kann. Gute Idee. Trifft sich mit meinen Überlegungen. Zurück zu den Anfängen. Konzentration auf das Thema, das ich exklusiv habe: mein Leben. Fortsetzungsgeschichte. Erzählung. – Nur, was gibt es Neues zu erzählen von der Frau von gegenüber? – Was sich mit Hilfe eines geschlossenen weißen Vorhanges alles machen lässt in einer Nachbarschaftsromanze. – Viel lässt sich damit machen, wenn der Beobachter aufmerksam ist und registriert die Veränderungen in der Breite des Spaltes, der offen gelassen wurde, und darauf achtet, ob sich der Spalt in der Mitte des Vorhangs befindet oder am Rande oder es mit einem Mal keinen offenen Spalt mehr gibt. Oh! Was ist jetzt? Was habe ich falsch gemacht? – Dazu das Licht. Beleuchtung des Vorhangs also. Zur Zeit jeden Abend. Gerne gesehen von mir, aber nicht ohne Bedenken: denn Licht schließt auch immer ein die Möglichkeit des ausbleibenden Lichts. Unausweichlich, irgendwann kommt der Abend, an dem es kein Licht gibt und damit die Enttäuschung, das Rätseln, warum heute Abend kein Licht. – Schließlich der Faltenwurf des Vorhangs. Die Varianten des Faltenwurfs. Die nehme ich wahr, habe allerdings bis heute nicht gelernt, sie zu lesen. Gestern war der Faltenwurf von einer solchen Komplexität, dass ich immer wieder hinschauen musste, ohne allerdings auch nur ansatzweise einzudringen in die Textur des kunstvollen Arrangements. Mir gedacht, wenn ich doch nur einen Fotoapparat hätte und das Fenster jetzt fotografieren könnte mit diesem Faltenwurf! – Von da ausgehend die Vorstellung, dass ich das Fenster regelmäßig fotografieren könnte – das Fenster bildfüllend, nur das Fenster – und dann würde es in Biest zu Biest jeden Tag mindestens ein solches Foto des Fensters geben. Das wäre dann die angemessene Art, die Liebesgeschichte, die den Blog über viele Monate getragen hat, fortzusetzen. Angemessen, weil so eins zu eins wiedergegeben würde, was von der Liebesgeschichte geblieben ist. Eine Bildgeschichte wäre das und zugleich wäre die Bildgeschichte eine reizvolle visuelle Komponente im Blog. Das sieht nämlich schön aus, das Fenster mit dem zugezogenen weißen Vorhang. Aber ich habe keinen Fotoapparat. Ich war auch nie gut als Fotograf (allerdings nicht gut mit analogen Fotoapparaten). Ich sollte mich auch nicht verzetteln und mich aufs Schreiben konzentrieren. Aber, aber: Ich würde schon gerne Fotos im Blog haben. Und ich würde schon gerne die Erzählung von der Frau von gegenüber im Blog fortsetzen.
Donnerstag, 24. März 2011
Dämpfer
Brief an die Gönnerin. Wie jedes Mal auch ein Geschäftsbericht: Kein Geschäft. Nach wie vor nur Pläne für ein Geschäft. Den Dämpfer von gestern habe ich nicht erwähnt. Weil es immer noch zu früh ist. Noch verarbeite ich. Schwere Enttäuschungsreaktion gestern Nachmittag, nach dem Aufwachen heute Früh anhaltend. Doch nach den Morgenseiten war es ausgestanden und der Blick ging wieder nach vorne. – Immer wieder: Schreibt Morgenseiten!
Die Zahl der Page Impressions, die mir den Dämpfer versetzt hat, verrate ich nicht. Nur ein Auswertungsergebnis: Wenn all die Leute, die meinen Blog aufgesucht haben, seit es ihn gibt, geblieben, wenn aus ihnen regelmäßige Leser geworden wären, dann wäre ich gestern nach dem Lesen der Blog-Statistik sehr, sehr zufrieden gewesen, weil das meine Erwartungen weit übertroffen hätte.
Heute Morgen der Impuls, die Google-Anzeigen-Kampagne zu stornieren. Symbolische Handlung. Ritual. So was brauche ich ab und zu. Reinigung, Demutsgeste gegenüber der Realität. Und damit der Animismus auch schon im Übergang zu einer rationalen Einschätzung: Du hast kein Produkt. Also ist es lächerlich zu werben. Leute zu locken zu etwas, das noch gar keine Umrisse hat, noch gar nicht fassbar ist. – An der Stelle der Wendepunkt in den Morgenseiten. Hin zu Überlegungen, wie ich aus dem, was ich habe, ein Produkt formen kann.
Alternative: Den Hauptblog, Biest zu Biest, so lassen wie er ist, ihn weiter treiben (driften) und sich dabei entwickeln lassen, unbelastet von der Absicht, damit ein Geschäft machen zu wollen. Mein Blog; was für ein Glück, dass ich ihn habe! Einen zweiten Blog brauche ich dann nicht. Das innere Biest geht auf in BzB. Und das dringend benötigte Geld hole ich mir auf eine andere Art. Frühling. Die Parks füllen sich mit Menschen. Raubüberfälle auf alte Frauen und Schulkinder. – Geld bar auf die Hand. Variante des überfallartigen Interviews.
Später: Ich storniere die Anzeige nicht. Und das mit den alten Frauen war selbstverständlich nur ein schlechter Witz. Aber worüber ich inzwischen ernsthaft nachdenke: Raubüberfälle auf bekiffte Schulkinder.
Die Zahl der Page Impressions, die mir den Dämpfer versetzt hat, verrate ich nicht. Nur ein Auswertungsergebnis: Wenn all die Leute, die meinen Blog aufgesucht haben, seit es ihn gibt, geblieben, wenn aus ihnen regelmäßige Leser geworden wären, dann wäre ich gestern nach dem Lesen der Blog-Statistik sehr, sehr zufrieden gewesen, weil das meine Erwartungen weit übertroffen hätte.
Heute Morgen der Impuls, die Google-Anzeigen-Kampagne zu stornieren. Symbolische Handlung. Ritual. So was brauche ich ab und zu. Reinigung, Demutsgeste gegenüber der Realität. Und damit der Animismus auch schon im Übergang zu einer rationalen Einschätzung: Du hast kein Produkt. Also ist es lächerlich zu werben. Leute zu locken zu etwas, das noch gar keine Umrisse hat, noch gar nicht fassbar ist. – An der Stelle der Wendepunkt in den Morgenseiten. Hin zu Überlegungen, wie ich aus dem, was ich habe, ein Produkt formen kann.
Alternative: Den Hauptblog, Biest zu Biest, so lassen wie er ist, ihn weiter treiben (driften) und sich dabei entwickeln lassen, unbelastet von der Absicht, damit ein Geschäft machen zu wollen. Mein Blog; was für ein Glück, dass ich ihn habe! Einen zweiten Blog brauche ich dann nicht. Das innere Biest geht auf in BzB. Und das dringend benötigte Geld hole ich mir auf eine andere Art. Frühling. Die Parks füllen sich mit Menschen. Raubüberfälle auf alte Frauen und Schulkinder. – Geld bar auf die Hand. Variante des überfallartigen Interviews.
Später: Ich storniere die Anzeige nicht. Und das mit den alten Frauen war selbstverständlich nur ein schlechter Witz. Aber worüber ich inzwischen ernsthaft nachdenke: Raubüberfälle auf bekiffte Schulkinder.
Mittwoch, 23. März 2011
Statistik
Biest zu Biest hat einen LeserIn in Saudi Arabien und einen in Singapur. In USA hat der Blog mehrere LeserInnen und auch in Australien. Sehr schwach allerdings die Resonanz im europäischen Ausland. Für die Veröffentlichung des Schicksenplots in Das alte Biest hat sich niemand – niemand! – interessiert. Und Das innere Biest, von mir vorläufig absichtlich im Verborgenen gehalten, hat inzwischen acht LeserInnen. Willkommen!
Nachdem ich nachgesehen hatte, wie sich meine Anzeigen-Kampagne entwickelt (zwei Platzierungen, einmal 0 Klicks, bei der zweiten Anzeige zwei Klicks), habe ich mir zum allerersten Mal die Statistiken meiner Blogs angeschaut. Darauf hatte ich bisher verzichtet, ich könnte auch sagen, ich habe mich davor gedrückt. Weil ich mich nicht entmutigen wollte, denn mir war schon klar, dass ich die 100 000-Leser-Linie noch nicht überschritten habe. Der andere Grund, die Rationalisierung: Ich wollte mich beim Schreiben nicht beirren lassen.
Bin ich jetzt beirrt? – Um das zu beantworten, ist es noch zu früh. Erst einmal bin ich erleichtert, die Zahlen (Page Impressions) gesehen zu haben und künftig die Resonanz auf den Blog verfolgen zu können, nachdem ich das selbstauferlegte Tabu gebrochen habe. Und sonst kommt der Realitätsschub gerade recht, um die laufenden Überlegungen zu den Blogs zu unterstützen. Die Überlegungen von heute Morgen: Das Ichschreiben noch mehr in Das innere Biest verlagern und mir in Biest zu Biest mehr Disziplin auferlegen in der Form: Näher ran gehen, noch erzählerischer schreiben. Meinungsabsonderung und Gedanken zurücknehmen. Grässlich das Geholpere im Post von gestern an der Stelle, an der ich – rein denkerisch – nicht ausschließen kann, dass es auch noch andere Gründe für das Augenniederschlagen gibt als schlechte Erfahrungen mit Männern im Vorübergehen. Ich war kurz davor, die Passage zu streichen heute Morgen. Wegen der Authentizität habe ich sie stehen lassen – denn das war es nun mal, was ich mir in der Szene gestern gedacht habe. Und ist das nicht mein Genre, die Bewusstseinskomödie? Da gehörte die Überlegung unbedingt hinein. Komisch war sie allerdings nicht, die Handlung hat sie auch nicht vorangetrieben, sie blieb folgenlos, deshalb steht sie scheinbar isoliert da und das führt dazu, dass der Text an der Stelle holpert. – Wie könnte die Überlegung aber auch die Handlung vorantreiben, da es doch überhaupt keine Handlung gibt. Nur Sehen und Denken gibt es und am Ende einen Entschluss zu einer Handlung. – Besser wäre es gewesen, mit dem Thema zu warten, bis es eine Handlung dazu gegeben hat. Doch warten war nicht möglich, weil ich sonst über Peter und die Lügerei hätte schreiben müssen, und das wollte ich nicht, da ich das Gefühl hatte, Peter schonen zu sollen.
Folgerung, zu der ich schon gekommen war, bevor ich die Statistik gesehen habe: Es muss mehr äußeres Geschehen geben. Gedanken müssen zu Handlungen werden. Sie sollen sich ereignen, nicht ausgesprochen werden. – Unzählige Male habe ich mir das gesagt beim Plotentwickeln und Drehbuchschreiben. Jetzt, beim Bloggen, bin ich in einer deutlich besseren Position. Denn ich muss mir nichts ausdenken. Es ist alles schon da. Ich muss nur selbst aktiver werden. Mehr handeln als denken.
Nachdem ich nachgesehen hatte, wie sich meine Anzeigen-Kampagne entwickelt (zwei Platzierungen, einmal 0 Klicks, bei der zweiten Anzeige zwei Klicks), habe ich mir zum allerersten Mal die Statistiken meiner Blogs angeschaut. Darauf hatte ich bisher verzichtet, ich könnte auch sagen, ich habe mich davor gedrückt. Weil ich mich nicht entmutigen wollte, denn mir war schon klar, dass ich die 100 000-Leser-Linie noch nicht überschritten habe. Der andere Grund, die Rationalisierung: Ich wollte mich beim Schreiben nicht beirren lassen.
Bin ich jetzt beirrt? – Um das zu beantworten, ist es noch zu früh. Erst einmal bin ich erleichtert, die Zahlen (Page Impressions) gesehen zu haben und künftig die Resonanz auf den Blog verfolgen zu können, nachdem ich das selbstauferlegte Tabu gebrochen habe. Und sonst kommt der Realitätsschub gerade recht, um die laufenden Überlegungen zu den Blogs zu unterstützen. Die Überlegungen von heute Morgen: Das Ichschreiben noch mehr in Das innere Biest verlagern und mir in Biest zu Biest mehr Disziplin auferlegen in der Form: Näher ran gehen, noch erzählerischer schreiben. Meinungsabsonderung und Gedanken zurücknehmen. Grässlich das Geholpere im Post von gestern an der Stelle, an der ich – rein denkerisch – nicht ausschließen kann, dass es auch noch andere Gründe für das Augenniederschlagen gibt als schlechte Erfahrungen mit Männern im Vorübergehen. Ich war kurz davor, die Passage zu streichen heute Morgen. Wegen der Authentizität habe ich sie stehen lassen – denn das war es nun mal, was ich mir in der Szene gestern gedacht habe. Und ist das nicht mein Genre, die Bewusstseinskomödie? Da gehörte die Überlegung unbedingt hinein. Komisch war sie allerdings nicht, die Handlung hat sie auch nicht vorangetrieben, sie blieb folgenlos, deshalb steht sie scheinbar isoliert da und das führt dazu, dass der Text an der Stelle holpert. – Wie könnte die Überlegung aber auch die Handlung vorantreiben, da es doch überhaupt keine Handlung gibt. Nur Sehen und Denken gibt es und am Ende einen Entschluss zu einer Handlung. – Besser wäre es gewesen, mit dem Thema zu warten, bis es eine Handlung dazu gegeben hat. Doch warten war nicht möglich, weil ich sonst über Peter und die Lügerei hätte schreiben müssen, und das wollte ich nicht, da ich das Gefühl hatte, Peter schonen zu sollen.
Folgerung, zu der ich schon gekommen war, bevor ich die Statistik gesehen habe: Es muss mehr äußeres Geschehen geben. Gedanken müssen zu Handlungen werden. Sie sollen sich ereignen, nicht ausgesprochen werden. – Unzählige Male habe ich mir das gesagt beim Plotentwickeln und Drehbuchschreiben. Jetzt, beim Bloggen, bin ich in einer deutlich besseren Position. Denn ich muss mir nichts ausdenken. Es ist alles schon da. Ich muss nur selbst aktiver werden. Mehr handeln als denken.
Dienstag, 22. März 2011
Gebremst
Was werde ich heute zu erzählen haben? Von der Langsamkeit? Meiner extremen Langsamkeit an diesem Morgen. - Beim Denken an den Blog: Näher ran, geh näher ran beim Schreiben! Form, finde damit eine Form, eine andere als die des Geplapperes, wie gestern wieder. Nichts dagegen. Nur soll es auch anderes geben. Das wird zustande kommen, indem ich näher rangehe. Nahaufnahme, Ausschnitt, Detail. – So ist das Denken während der Langsamkeit.
Nahaufnahme von vorhin. Die ganze Packung Zigaretten, die ich zu haben glaube, ist nicht auffindbar. Suchen. Sie ist nicht da. Nirgends zu finden. Gibt es sie gar nicht? Bilde ich mir das nur ein, dass ich noch eine ganze Packung Zigaretten habe? Gestern Nachmittag gekauft bei Sinan. Habe ich sie liegen lassen im Laden, abgelenkt vom Gespräch mit dem Wiener? Oder habe ich sie geraucht? Bis auf eine Zigarette, die noch in der (alten) Packung war von gestern. Dann hätte ich zwischen 16 und 22.30 Uhr 18 Zigaretten geraucht. Das kann nicht sein. Dann würde ich mich beschissener fühlen. Auf eine andere Art beschissen als mit der Langsamkeit, die auch gar kein Beschissenfühlen ist, sondern ein Gebremstsein.
Happiness is a warm gun (John Lennon). Das Saufen ist ja auch ein Trost (Peter). Und Rauchen ist? – Primitiv. – In den Morgenseiten über Primitivität in meinem Leben: Primitivismen. Welche, bleibt das Geheimnis der Morgenseiten. Rauchen gehört dazu. Aufhören damit primitiv zu sein, indem damit aufhöre Primitives zu tun, war die kleine Erkenntnis. – Alleinsein ist auch primitiv. Als solches nicht gleich erkennbar. Primitiv in diesem Fall: zu einfach. – Mein Alleinsein ist nichts, was mir angetan wird, es ist selbst gewählt. Inzwischen allerdings nicht mehr so leicht zu ändern. Insofern schon Schicksal.
Peter, mit dem ich seit einem Vierteljahr täglich telefoniere. Dadurch bin ich weniger alleine. Aber schon geht es wieder los. Ich ertrage nicht mehr seine immer gleichen Geschichten. Die Monotonie seines Charakters. Erscheint nicht jeder Charakter irgendwann monoton? – Wenn es immer nur Reden ist, wenn man sonst nichts macht miteinander. Bloß nicht Peter abservieren. Das tue ich ihm nicht an. Er braucht mich. Soll er haben. Was können wir miteinander machen außer Reden? Gestern war die Vorstellung, jetzt allerdings erlahmt wegen Langsamkeit: dass ich ihn in ein Drama verwickle, indem ich seine Lügerei nicht mehr akzeptiere und sie zum Thema mache. – Wie soll das gehen? – Gestern war er beim Psychiater, um sich begutachten zu lassen wegen Arbeitsfähigkeit. Während er davon erzählt, wird mir klar, dass er nicht zum zweiten Mal beim Psychiater ist, wie es sein müsste aufgrund seiner bisherigen Darstellung, dass er also den vorigen Termin geschmissen hat. Erinnerung daran, wie er mir damals davon berichtet hat und ich darüber geschrieben habe mit der Aussage, dass er Termine wegen Begutachtung der Arbeitsfähigkeit pünktlich wahrnimmt, im Gegensatz zu Terminen, bei denen es um seine Gesundheit geht. Er kann sich nicht mehr an seine Lügengeschichte erinnern. Nein, er war nicht schon mal beim Psychiater, sagt er und entlarvt damit seine Lüge von damals. Ich insistiere, dass er es mir erzählt hat. und folgere, dass er damals gelogen hat. Jetzt kann er sich doch wieder daran erinnern. Denn als Lügner will er nicht dastehen. Neue Lügengeschichte, warum er sich nicht mehr daran erinnern kann, obwohl er da war. - Wenn man ein notorischer Lügner ist, sollte man ein gutes Gedächtnis haben, was aber bei chronischem Saufen einfach nicht hinzukriegen ist. Wenn man ein chronischer Lügner ist, dann ist die Kardinallüge, dass man kein Lügner ist. – Ist deshalb jeder Versuch, im Gespräch mit einem Lügner sein Lügen zum Thema zu machen, eine Überforderung des Lügners, an der eher das Gespräch scheitert, als dass er aufhört zu lügen? – Mein Reflex, auf Distanz zu gehen zu, mich schließlich abzuwenden von einer Person, die ich als konstitutionell verlogen durchschaut habe. Aus Verachtung, weil ich mich dem Niedrigen und Schmierigen des Lügens nicht aussetzen will. Die Verachtung ist ästhetisch, nicht moralisch. Wenn einer es hinkriegen würde, eine gute Figur zu machen beim Lügen würde ich vielleicht damit zurecht kommen. Einmal hat Peter es geschafft, eine gute Figur zu machen beim Lügen. Von mir zur Rede gestellt wegen einer Lüge, hat er mich verblüfft mit seiner Schlagfertigkeit, mit der er sich mit einer kurzen Bemerkung herausgeredet hat. Zu umständlich, den Vorfall darzustellen. Nur soviel: dass ich damals zum ersten Mal gemerkt habe, dass Peter lügt, und die Schlagfertigkeit, mit der er gekontert hat, als ich es ihm vorhielt, die hat mir gezeigt, dass er ein versierter = notorischer Lügner ist. – Dass ich nicht moralisch bin, könnte dabei helfen, die Verlogenheit Peters im Gespräch mit ihm zum Thema zu machen. Helfen könnte auch, wenn er erkennt, dass ich ihn nicht in die Enge treibe, um ihn vorzuführen. Wenn er versteht, dass nur mit einer offenen Aussprache über seine Verlogenheit unser Gespräch fortgesetzt werden kann, an dem ihm so viel liegt. Wie mir auch. Und deshalb wende ich mich nicht ab in der mir eigenen zu einfachen (primitiven) Art und versuche stattdessen mich einzulassen auf das, was mich abstößt.
Das über das Lügen heute oder morgen posten, um den Konflikt zu verschärfen – ihn in die Enge treiben. – Wozu? Um ihm sein Lügen abzugewöhnen? Wenigstens mir gegenüber? – Das wird nicht gehen. Bescheideneres Ziel: Unserem Gespräch, eine neue Qualität zu geben. Die Monotonie ist nicht die Monotonie seines Charakters. Es ist die Monotonie unseres Gesprächs. Zu der ich beitrage u.a., indem ich über seine Verlogenheit hinwegsehe. – Uns das nicht länger antun!
Später. Die Packung Zigaretten habe ich gestern im Laden bei Sinan liegen lassen.
Satz des Tages: Ausländische Beobachter zeichnen das Bild eines chaotischen Haufens, der teilweise mit dem Taxi an die Front fährt und unter Beschuss gleich wieder kehrtmacht.
Nahaufnahme von vorhin. Die ganze Packung Zigaretten, die ich zu haben glaube, ist nicht auffindbar. Suchen. Sie ist nicht da. Nirgends zu finden. Gibt es sie gar nicht? Bilde ich mir das nur ein, dass ich noch eine ganze Packung Zigaretten habe? Gestern Nachmittag gekauft bei Sinan. Habe ich sie liegen lassen im Laden, abgelenkt vom Gespräch mit dem Wiener? Oder habe ich sie geraucht? Bis auf eine Zigarette, die noch in der (alten) Packung war von gestern. Dann hätte ich zwischen 16 und 22.30 Uhr 18 Zigaretten geraucht. Das kann nicht sein. Dann würde ich mich beschissener fühlen. Auf eine andere Art beschissen als mit der Langsamkeit, die auch gar kein Beschissenfühlen ist, sondern ein Gebremstsein.
Happiness is a warm gun (John Lennon). Das Saufen ist ja auch ein Trost (Peter). Und Rauchen ist? – Primitiv. – In den Morgenseiten über Primitivität in meinem Leben: Primitivismen. Welche, bleibt das Geheimnis der Morgenseiten. Rauchen gehört dazu. Aufhören damit primitiv zu sein, indem damit aufhöre Primitives zu tun, war die kleine Erkenntnis. – Alleinsein ist auch primitiv. Als solches nicht gleich erkennbar. Primitiv in diesem Fall: zu einfach. – Mein Alleinsein ist nichts, was mir angetan wird, es ist selbst gewählt. Inzwischen allerdings nicht mehr so leicht zu ändern. Insofern schon Schicksal.
Peter, mit dem ich seit einem Vierteljahr täglich telefoniere. Dadurch bin ich weniger alleine. Aber schon geht es wieder los. Ich ertrage nicht mehr seine immer gleichen Geschichten. Die Monotonie seines Charakters. Erscheint nicht jeder Charakter irgendwann monoton? – Wenn es immer nur Reden ist, wenn man sonst nichts macht miteinander. Bloß nicht Peter abservieren. Das tue ich ihm nicht an. Er braucht mich. Soll er haben. Was können wir miteinander machen außer Reden? Gestern war die Vorstellung, jetzt allerdings erlahmt wegen Langsamkeit: dass ich ihn in ein Drama verwickle, indem ich seine Lügerei nicht mehr akzeptiere und sie zum Thema mache. – Wie soll das gehen? – Gestern war er beim Psychiater, um sich begutachten zu lassen wegen Arbeitsfähigkeit. Während er davon erzählt, wird mir klar, dass er nicht zum zweiten Mal beim Psychiater ist, wie es sein müsste aufgrund seiner bisherigen Darstellung, dass er also den vorigen Termin geschmissen hat. Erinnerung daran, wie er mir damals davon berichtet hat und ich darüber geschrieben habe mit der Aussage, dass er Termine wegen Begutachtung der Arbeitsfähigkeit pünktlich wahrnimmt, im Gegensatz zu Terminen, bei denen es um seine Gesundheit geht. Er kann sich nicht mehr an seine Lügengeschichte erinnern. Nein, er war nicht schon mal beim Psychiater, sagt er und entlarvt damit seine Lüge von damals. Ich insistiere, dass er es mir erzählt hat. und folgere, dass er damals gelogen hat. Jetzt kann er sich doch wieder daran erinnern. Denn als Lügner will er nicht dastehen. Neue Lügengeschichte, warum er sich nicht mehr daran erinnern kann, obwohl er da war. - Wenn man ein notorischer Lügner ist, sollte man ein gutes Gedächtnis haben, was aber bei chronischem Saufen einfach nicht hinzukriegen ist. Wenn man ein chronischer Lügner ist, dann ist die Kardinallüge, dass man kein Lügner ist. – Ist deshalb jeder Versuch, im Gespräch mit einem Lügner sein Lügen zum Thema zu machen, eine Überforderung des Lügners, an der eher das Gespräch scheitert, als dass er aufhört zu lügen? – Mein Reflex, auf Distanz zu gehen zu, mich schließlich abzuwenden von einer Person, die ich als konstitutionell verlogen durchschaut habe. Aus Verachtung, weil ich mich dem Niedrigen und Schmierigen des Lügens nicht aussetzen will. Die Verachtung ist ästhetisch, nicht moralisch. Wenn einer es hinkriegen würde, eine gute Figur zu machen beim Lügen würde ich vielleicht damit zurecht kommen. Einmal hat Peter es geschafft, eine gute Figur zu machen beim Lügen. Von mir zur Rede gestellt wegen einer Lüge, hat er mich verblüfft mit seiner Schlagfertigkeit, mit der er sich mit einer kurzen Bemerkung herausgeredet hat. Zu umständlich, den Vorfall darzustellen. Nur soviel: dass ich damals zum ersten Mal gemerkt habe, dass Peter lügt, und die Schlagfertigkeit, mit der er gekontert hat, als ich es ihm vorhielt, die hat mir gezeigt, dass er ein versierter = notorischer Lügner ist. – Dass ich nicht moralisch bin, könnte dabei helfen, die Verlogenheit Peters im Gespräch mit ihm zum Thema zu machen. Helfen könnte auch, wenn er erkennt, dass ich ihn nicht in die Enge treibe, um ihn vorzuführen. Wenn er versteht, dass nur mit einer offenen Aussprache über seine Verlogenheit unser Gespräch fortgesetzt werden kann, an dem ihm so viel liegt. Wie mir auch. Und deshalb wende ich mich nicht ab in der mir eigenen zu einfachen (primitiven) Art und versuche stattdessen mich einzulassen auf das, was mich abstößt.
Das über das Lügen heute oder morgen posten, um den Konflikt zu verschärfen – ihn in die Enge treiben. – Wozu? Um ihm sein Lügen abzugewöhnen? Wenigstens mir gegenüber? – Das wird nicht gehen. Bescheideneres Ziel: Unserem Gespräch, eine neue Qualität zu geben. Die Monotonie ist nicht die Monotonie seines Charakters. Es ist die Monotonie unseres Gesprächs. Zu der ich beitrage u.a., indem ich über seine Verlogenheit hinwegsehe. – Uns das nicht länger antun!
Später. Die Packung Zigaretten habe ich gestern im Laden bei Sinan liegen lassen.
Satz des Tages: Ausländische Beobachter zeichnen das Bild eines chaotischen Haufens, der teilweise mit dem Taxi an die Front fährt und unter Beschuss gleich wieder kehrtmacht.
Montag, 21. März 2011
Schulden
Peter versteht nicht, was das soll mit der Google-Anzeige. Antwort: Da ich nun mal einen Gutschein dafür bekommen habe (75 Euro), nutze ich ihn auch, um meinen Blog bekannter zu machen und mich meinem Ziel näher zu bringen, mehr Leser zu haben als die Bild-Zeitung. Und davon wirst dann auch du was haben, denn dann verdiene ich so viel Geld mit der Werbung in meinem Blog, dass ich deine Schulden bezahlen kann und du dir keine Sorgen mehr machen musst um deine Arbeitsfähigkeit. – Wird er nämlich in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, dann verringern sich seine monatlichen Bezüge um 700 Euro und es bleibt ihm nicht mehr viel übrig für die Lebenshaltung, nachdem sich das Kreditinstitut am Monatsersten genommen hat, was dem Kreditinstitut gehört. - Offenbar hohe Schulden. Das also auch noch.
Fortsetzung des Textes in Biest zu Biest. Werbung.
An die anonyme Person, die in einem gestern bei mir eingegangenen Kommentar zu Zögern gefragt hat, ob ich den Kommentar nicht bekommen habe: Nein, einen anderen Kommentar habe ich nicht bekommen. Würde mich aber interessieren. Noch mal abschicken?
Fortsetzung des Textes in Biest zu Biest. Werbung.
An die anonyme Person, die in einem gestern bei mir eingegangenen Kommentar zu Zögern gefragt hat, ob ich den Kommentar nicht bekommen habe: Nein, einen anderen Kommentar habe ich nicht bekommen. Würde mich aber interessieren. Noch mal abschicken?
Sonntag, 20. März 2011
Geduld
Gegen 10 Uhr Anruf Peters. Er hat die Bild am Sonntag vor sich und will sich lustig darüber machen, dass der Eisbär Knut gestorben ist. Ich sage ihm, dass ich das schon weiß und dass er mit seinem Hohn bei mir an der falschen Adresse ist, weil ich den Bären persönlich kennengelernt habe und seinen Tod sehr bedaure. Da ich Rasierschaum im Gesicht habe, können wir nicht länger telefonieren. Peter sagt, dann bis heute Abend. Und das war wohl der zweite und eigentliche Grund, weswegen er angerufen hat. Er wollte sicherstellen, dass wir unsere – exzessiven – Telefongewohnheiten fortsetzen und alles wieder gut ist. Gestern Mail von ihm, in der er seine Lügerei erklärt damit, dass er als Heranwachsender ein Zimmer mit drei jüngeren Geschwistern geteilt und dabei eine Tendenz zu Heimlichkeiten entwickelt hat. Das leuchtet mir nicht ganz ein, wird aber von mir hingenommen. Ich schreibe zurück, signalisiere Versöhnung. Kurz darauf sein Anruf: Es ist, wie ich schon ahnte. Dass er vergangenen Montag bei der MRT war, gelogen. Dass er am Freitag da war stimmt. – Er weint, weint, wie er noch nie geweint hat. Mit ganz heller Stimme, wie ein kleiner Junge. Ich bin nicht gerührt. Aber auch nicht etwa abgestoßen. Lasse nur im weiteren Gespräch mal einfließen, dass er jetzt mal – seine Rede – seinen Mann stehen könnte. Eine leichte Aversion verspüre ich bei der refrainartigen Wiederholung der Erklärung, dass er sich immer nur um andere gekümmert, anderen geholfen hat, und dass er nun, da er sich um sich selbst kümmern muss und die Hilfe anderer braucht, damit nicht umgehen kann. Das leuchtet ein. Allerdings leuchtet das nun auch schon seit bald einem halben Jahr ein; er könnte allmählich mal Fortschritte machen im Umgang mit sich selbst. – Das ist ein Zeichen von Ungeduld von mir. Es signalisiert einen Überdruss am Immergleichen des Geredes von Peter und daran, wie er sich im Gerede erschöpft, statt etwas zu ändern. Dafür sollte ich Verständnis haben. Wie lange dauert es bei mir, wie lange denke ich immer das Gleiche und erschöpfe mich in Gedanken, bis ich endlich mal was ändere. Ändern kann. So ist es zu sehen. Veränderungen der Persönlichkeit gehören zum Schwersten überhaupt. Also Nachsicht. Also Geduld mit Peter. Und wie er sich im Kreis seines selbstverliebten, nachdem die Liebe unglücklich geworden ist, selbstmitleidigen Geredes dreht, das kann ich ihm sagen, damit ihm sogar helfen. Trotzdem würde ich heute Abend lieber nicht wieder eine Stunde lang mit ihm telefonieren. Es war gut gestern Abend, es nicht zu tun. Ich will ihn nicht im Stich lassen. Ich will nur nicht mehr jeden Abend eine Stunde lang mit ihm telefonieren. – Gestern hat er gesagt: Das einzig Gute in meinem Leben ist, dass es Leute gibt, die mich emotional unterstützen. Und du bist einer davon.
Nachher Google-Anzeige schalten. Es ist nicht so, dass ich mir davon etwas verspreche. Deshalb auch kein unternehmerisches Kribbeln. Nicht nur, weil ich keine zündende Idee habe für den Anzeigentext. Das Unternehmerische ist im Schreiben des Blogs. Jeden Tag. Wenn ich da wieder in eine andere Spur kommen könnte! Wieder mehr Spaß haben dabei. Dann haben auch die Leser Spaß und dann wird sich ihre Zahl vergrößern. Von alleine. Ja. In diesem Fall wird wirklich mal etwas von alleine gehen, wenn ich die richtigen Impulse gebe. Das ist das Großartige an dem ganzen Unternehmen. Es hängt alles nur von mir ab und meiner Schreiberei. Die Begeisterung darüber hat sich zuletzt im Alltag verloren. Die hole ich mir jetzt zurück. Am Ende doch über die Anzeige und eine Aktion, die ich darin initiiere? Wenn ich nur schon wüsste, wie die konkret aussehen soll. Es ist wie mit den überfallartigen Interviews. Ich muss es machen, um es herauszufinden.
Passage über die Anzeigentexte gestrichen.
Und heute? – Trost? Alleine schon wegen des Titels wäre das gut. Trost für die Leser nach dem verschwurbelten Dame-Post, den wahrscheinlich kein Mensch versteht. – Heute deshalb über Annika Line Trost aus Spandau, die geschrieben hat den Artikel in der Bild am Sonntag über ein Gespräch mit dem Sohn von Gudrun Ensslin Im Vorspann der Satz: Noch bevor seine erste Geburtstagskerze brannte, brannten in Frankfurt zwei Kaufhäuser.
Später: Einer Eingebung folgend mich im letzten Moment dafür entschieden unter dem Titel Trost über das Drama mit Peter zu schreiben. Die Eingebung hat mich dann beim Schreiben im Stich gelassen. Mit Annika Line Trost hätte ich mehr Spaß gehabt. Aber Peter musste sein.
Anzeige geschaltet:
Biest zu Biest
Frühling in Berlin.
Lesen und mitmachen! Täglich.
www.biestzubiest.blogspot.com
Von Anneli gelernt den Begriff Opferunterstützung. - Keine Opferunterstützung! sagt sie, als ich darüber spreche, wie mich das sich im Kreis drehende Reden mit Peter erschöpft.
Samstag, 19. März 2011
Messer
Wie herzlos die Zeichengeberin und Missbilligerin ist. Wie kann ich sie dazu bringen, dass sie aufhört mit ihren Zeichen und ihrer Missbilligung? – Ich brauche keine Zustimmung und keine Missbilligung. Und herzlos kann ich selbst sein. Dem Peter gegenüber bin ich es gerade. War ich es, als ich ihn gestern ins Messer laufen ließ. Das ist eine Eigenheit von mir: jemanden ins Messer laufen lassen. Erst Nachsicht und Duldsamkeit und dann plötzlich – für den anderen plötzlich, für mich wohlüberlegt: Ablehnung und Eiseskälte. – Ich habe die Schnauze voll von deinen Lügen. Wir können weiter Freunde sein. Aber an deiner Geschichte will ich nicht mehr Anteil nehmen. Halte mich trotzdem auf dem Laufenden. Sage mir, wenn du eine Diagnose hast, hoffentlich eine gute, und wenn du stirbst, sag mir auch rechtzeitig bescheid. – Möglich, dass ich ihm Unrecht tue. Weil er zwar gelogen hat, was die MRT am Montag anging, aber vielleicht war er gestern wirklich bei der MRT. Hat sich überwunden, musste das mir gegenüber hindrehen in seinem Bericht: die Bilder vom Montag sind nichts geworden, deshalb musste er noch mal hin. Dumm nur, dass er auch Anfang Januar, als er entgegen seinem Bekunden garantiert nicht bei der MRT war, das auch schon erzählt hat: die Bilder sind nichts geworden. Kommt aus seiner Vorstellungswelt eines Fotografen. Bei einer MRT stellt das wahrscheinlich den extremen Ausnahmefall, dass die Bilder nichts werden. – Aber angenommen er war gestern wirklich da, dann hätte ich noch einmal duldsam sein können und nachsichtig mit ihm. So hatte ich nun aber die Schnauze voll. Was auch ein Beitrag sein kann zur Entwicklung unserer Kommunikation. Stresstest für ihn: Hält er das aus, kann er das zulassen, dass seine Lügenhaftigkeit zum Thema wird zwischen uns? – Anders geht es nicht. Schon alleine technisch nicht. Weil ich seine Lügen inzwischen durchschaue; ich nehme sie ihm nicht mehr ab. – Erinnerung, dass ich einmal gespielt habe mit dem Plot eines lügenhaften Charakters. Da habe ich ihn jetzt also.
Die Zeichengeberin und Missbilligerin. Ist es ein Fall von: das Medium ist die Botschaft? – Mit Licht an/aus, Vorhang/Nicht-Vorhang sind gar keine anderen Äußerungen möglich? Oder ist sie so? – Urteilend. Liebesbeweis/ Liebesentzug. – Eine Mutter habe ich schon. Gute Mutter. Die reicht mir für mein ganzes Leben. – Und urteilend bin ich selbst. Wäre gerne anders. Wie interessant wäre es, jemandem nahe zu sein, der genauso ist. Aber über die Straße hinweg, von Dachwohnung zu Dachwohnung, das ist keine Nähe. So lieber nicht.
An nichts glauben. Aber es mir nehmen, woher ich es kriege. Das Konzept des Schattens in dem Selbstoptimierungsdiskurs für Kreative (New-Yorker-Artikel), das ist nichts anderes als bei mir das Biest. Das ist sehr zahm geworden in letzter Zeit. Mehr Opfer als Täter. Zu den Leuten hingehen mit dem Blog kann doch nur heißen, das Biest auf sie loszulassen. Sage es mir und verspreche mir davon, so rauszukommen aus der Phase von Passivität, Hemmung, Ängstlichkeit, Opfersein.
Schatten:
At the center of Michels’s practice is the Jungian figure of the Shadow, the occult aspect of the personality that Jung defined as “the sum of all those unpleasant qualities we like to hide, together with the insufficiently developed functions and the contents of the personal unconscious.”
As the liaison to the unconscious, Michels says, the Shadow is the source of all creativity and agility in life, business, and art, which he calls “flow.” “If you can really know your own Shadow, you start to know the Shadows of everyone,” he says. “People who can write that way start to articulate universal themes, which not only makes them more successful on that level”—in other words, commercially—“but it’s a more gratifying endeavor.”
Part X:
One recent afternoon, Michels put on his glasses, pulled out a file, and began to leaf through a pile of yellow legal-pad pages. It was a difficult case—a writer who had been blocked for two years. He was a type Michels sees frequently: someone vacillating between thinking he is God’s gift to mankind and thinking he is garbage. “Mmm, now this is interesting,” he said, looking at his notes. “That voice, the voice that says ‘I’m shitty’ or ‘I’m above this,’ is going to increase in volume the closer you get to actually doing the deed. You have to anticipate it, label it, and reject it every time it comes up.”
The voice belongs to what Stutz refers to as Part X, a deeply primitive dimension of the personality he identified after he began to work with show-business patients; its characteristics are petulance, rage, arrogance, hypersensitivity, a sense of victimization, and, above all, a resistance to process. Michels explains it by invoking the behavior of a two-year-old. “It’s the part that’s pounding on the table because nothing’s good enough,” he says. “They’re saying no to everything, even the color of the sippy cup—unacceptable. Most of us grow beyond the expectation that life will meet our needs in every instance. Some don’t.
Sharon Stone:
The novelist Bret Easton Ellis told me that he went to see Michels after he moved to Los Angeles to help with the production of a movie based on one of his books. The situation had grown sour—he was no longer speaking to his best friend, Nicholas Jarecki, with whom he wrote the screenplay, and the director, he felt, had misinterpreted the material. After working with Michels for a few months, he called Jarecki and invited him to a makeup dinner. Jarecki brought along his friend Sharon Stone. Ellis recalls that when the dinner conversation turned to the work that he had been doing with Michels, Stone interjected, “Barry and Phil and all that Shadow shit, all that Part X shit. I love my Part X, I’m not letting go of my Part X. Fuck Barry!”
Zitate aus: Hollywood Shadows. A cure for blocked screenwriters. By Dana Goodyear
Die Zeichengeberin und Missbilligerin. Ist es ein Fall von: das Medium ist die Botschaft? – Mit Licht an/aus, Vorhang/Nicht-Vorhang sind gar keine anderen Äußerungen möglich? Oder ist sie so? – Urteilend. Liebesbeweis/ Liebesentzug. – Eine Mutter habe ich schon. Gute Mutter. Die reicht mir für mein ganzes Leben. – Und urteilend bin ich selbst. Wäre gerne anders. Wie interessant wäre es, jemandem nahe zu sein, der genauso ist. Aber über die Straße hinweg, von Dachwohnung zu Dachwohnung, das ist keine Nähe. So lieber nicht.
An nichts glauben. Aber es mir nehmen, woher ich es kriege. Das Konzept des Schattens in dem Selbstoptimierungsdiskurs für Kreative (New-Yorker-Artikel), das ist nichts anderes als bei mir das Biest. Das ist sehr zahm geworden in letzter Zeit. Mehr Opfer als Täter. Zu den Leuten hingehen mit dem Blog kann doch nur heißen, das Biest auf sie loszulassen. Sage es mir und verspreche mir davon, so rauszukommen aus der Phase von Passivität, Hemmung, Ängstlichkeit, Opfersein.
Schatten:
At the center of Michels’s practice is the Jungian figure of the Shadow, the occult aspect of the personality that Jung defined as “the sum of all those unpleasant qualities we like to hide, together with the insufficiently developed functions and the contents of the personal unconscious.”
As the liaison to the unconscious, Michels says, the Shadow is the source of all creativity and agility in life, business, and art, which he calls “flow.” “If you can really know your own Shadow, you start to know the Shadows of everyone,” he says. “People who can write that way start to articulate universal themes, which not only makes them more successful on that level”—in other words, commercially—“but it’s a more gratifying endeavor.”
Part X:
One recent afternoon, Michels put on his glasses, pulled out a file, and began to leaf through a pile of yellow legal-pad pages. It was a difficult case—a writer who had been blocked for two years. He was a type Michels sees frequently: someone vacillating between thinking he is God’s gift to mankind and thinking he is garbage. “Mmm, now this is interesting,” he said, looking at his notes. “That voice, the voice that says ‘I’m shitty’ or ‘I’m above this,’ is going to increase in volume the closer you get to actually doing the deed. You have to anticipate it, label it, and reject it every time it comes up.”
The voice belongs to what Stutz refers to as Part X, a deeply primitive dimension of the personality he identified after he began to work with show-business patients; its characteristics are petulance, rage, arrogance, hypersensitivity, a sense of victimization, and, above all, a resistance to process. Michels explains it by invoking the behavior of a two-year-old. “It’s the part that’s pounding on the table because nothing’s good enough,” he says. “They’re saying no to everything, even the color of the sippy cup—unacceptable. Most of us grow beyond the expectation that life will meet our needs in every instance. Some don’t.
Sharon Stone:
The novelist Bret Easton Ellis told me that he went to see Michels after he moved to Los Angeles to help with the production of a movie based on one of his books. The situation had grown sour—he was no longer speaking to his best friend, Nicholas Jarecki, with whom he wrote the screenplay, and the director, he felt, had misinterpreted the material. After working with Michels for a few months, he called Jarecki and invited him to a makeup dinner. Jarecki brought along his friend Sharon Stone. Ellis recalls that when the dinner conversation turned to the work that he had been doing with Michels, Stone interjected, “Barry and Phil and all that Shadow shit, all that Part X shit. I love my Part X, I’m not letting go of my Part X. Fuck Barry!”
Zitate aus: Hollywood Shadows. A cure for blocked screenwriters. By Dana Goodyear
Freitag, 18. März 2011
Hemmung
Morgen, allerspätestens übermorgen will ich die Google-Anzeige schalten für den Blog und zugleich habe ich das Gefühl, von Tag zu Tag mehr in Schwierigkeiten zu geraten mit meinem kleinen Schreibunternehmen. Gestern: Die Passage über den Story-Journalismus. Dass es nur den Bannas gibt in Deutschland, der anders schreibt, ist eine unhaltbare Behauptung. Er ist ein hervorragendes Beispiel für das andere Schreiben. Aber weniger hervorragend gibt es das doch bestimmt auch im Schwarzwaldboten. Nun steht es da, weil ich den Textfluss brauche an der Stelle, weil ich den Übergang brauche und zu faul gewesen bin. es zu ändern. Pfusch! – Den hätte ich vermeiden können, wenn ich auf die Meinungsabsonderung verzichtet hätte. – Das einzig Gute ist: Ich kann es jeden Tag besser machen. – Keine Meinungsabsonderungen mehr ab heute!
Zu Peter gestern: Dass er sein Reden mit der Realität verwechselt. So wie ich mein Denken mit der Realität verwechsle. – Und dann auch noch lügen. – Plötzlich spricht er gestern wieder vom Radiologen, bei dem er einen Termin hat heute. – Radiologe? Meint er die medizintechnische Praxis, wo er die MRT gemacht hat am Montag? Heute soll doch die Biopsie gemacht werden. Bei seinem HNO-Arzt. – Nein, der ist in Urlaub, da könne er erst nächste Woche hin. – Und die machen auch eine Biopsie in der Apparate-Praxis? – Ja, sagt er und ich denke, da stimmt doch was nicht. – Dann noch: Am Montag ist er beim Amtsarzt (Psychiater). – Der hat doch gesagt, dass er erst mal den Knubbel-Befund abwarten will. – Jetzt ist das auf einmal nicht mehr so. Es ist es auch nicht mehr so, dass heute Biopsie gemacht wird und nächste Woche gibt es erst den Befund. Er erweckt den Eindruck, dass er heute schon was erfahren wird. – Peter, du eierst schon wieder herum. Hast du wieder geflunkert? – Nein. – Er hat wieder geflunkert. So wie es aussieht, war er nicht bei der MRT am Montag. Er hat den Termin auf heute verschoben. Deshalb auch am Montag diese merkwürdige Bemerkung, dass da so ein Krach ist in der Röhre. Das hat er irgendwo gelesen und mir erzählt, um seine Lüge zu illustrieren, um sie glaubwürdiger zu machen. – Also heute MRT-Termin. Was macht er heute in seiner panischen Angst, Todesangst eines Feiglings? Hat er jetzt genug Druck, um sich zu überwinden? Oder drückt er sich wieder? – Heute Früh gedacht, wenn er wieder nicht da war, dann gehe ich raus mit dem Blog aus seiner Geschichte. – Persönlich nehme ich es ihm nicht krumm, wenn er so ein Feigling und ein Lügner ist. Aber im Blog will ich ihn dann nicht mehr haben. Oder anders? Dann muss es um die Feigheit gehen und die Verlogenheit? Dann kann ich mir allerdings noch nicht vorstellen, wie das kommuniziert werden soll bei der Art von Gespräch, die wir haben. Dann braucht es mehr Distanz. Dann nehme ich vielleicht doch mal Kontakt auf mit seiner Freundin Caro. - Mal sehen, wie es heute ausgeht. Wenn es sich bestätigt, dass er gelogen hat und wieder nicht bei der MRT war, dann erlaube ich mir die schlicht-menschliche Reaktion, die Schnauze von ihm voll zu haben. Erst mal. Und blogtechnisch ist er dann auf jeden Fall draußen. Keine Lust, die Geschichte eines bei lebendigem Leib verwesenden Alkoholikers zu erzählen. Dann evakuiere ich ihn nach hier. Dann kommt er wahrscheinlich auch gar nicht mehr so oft vor. Weil es dann besser ist für mich, nicht mehr täglich mit ihm zu telefonieren. Ich stagniere selbst. Da sollte ich nicht auch noch ein ganz besonders elendes Stagnations-Schicksal in meiner Nähe haben.
Es geht nicht weiter. Die konzeptionellen Impulse greifen nicht. Keine überfallartigen Interviews. – Ist nicht wahr. Gestern habe ich eines gemacht. Mit der Dame in der Galerie. Aber es hat mir nicht gefallen. Die Dame hat mir nicht gefallen. Ich habe mir nicht gefallen. Was dabei herausgekommen ist, gefällt mir nicht. – Aber es ist nun mal passiert. Darüber habe ich heute zu schreiben. Wieder so ein Text, vor dem es mir graut, wenn ich ihn überarbeite? – Bin ich nur erschöpft? Oder stoße ich an eine Grenze in meiner Persönlichkeit? - Hemmung! – Hemmung ist ein großes, vernachlässigtes Thema bei mir. – Ein Fall für die beiden Jungianischen Therapeuten in Los Angeles, die Schreibblockaden und andere Fälle von Kreativitätsbehinderung therapieren. Artikel im New Yorker. Das von Jung via Joseph Campbell inspirierte Erzählparadigma von der Reise des Helden – mit dem Ergebnis, dass alle Filnplots gleich aussehen. Jetzt die Formatierung der Kreativität durch zwei Jungianische Scharlatane. – Keine kritische Stimme in dem Text, nur Staunen und Bewunderung. Bis gegen Ende Sharon Stone bei einer Essenseinladung von Brett Easton Ellis auftaucht (mitgebracht von dem Mann, den er eingeladen hat; sie wollte wahrscheinlich mal B.E.Ellis kennenlernen). Sharon Stone voller Geringschätzung für die beiden Scharlatane und ihre Kreativitätsrezepte, die anscheinend augenblicklich die herrschende Ideologie sind in der amerikanischen Filmindustrie. Von Sharon Stone muss man wissen, dass sie in dem Ruf hoher Intelligenz steht.
These: Wenn du keinen eigenen Weg findest, deine Kreativitätsprobleme zu lösen, dann wirst du auch nie etwas Eigenes schaffen.
Zu Peter gestern: Dass er sein Reden mit der Realität verwechselt. So wie ich mein Denken mit der Realität verwechsle. – Und dann auch noch lügen. – Plötzlich spricht er gestern wieder vom Radiologen, bei dem er einen Termin hat heute. – Radiologe? Meint er die medizintechnische Praxis, wo er die MRT gemacht hat am Montag? Heute soll doch die Biopsie gemacht werden. Bei seinem HNO-Arzt. – Nein, der ist in Urlaub, da könne er erst nächste Woche hin. – Und die machen auch eine Biopsie in der Apparate-Praxis? – Ja, sagt er und ich denke, da stimmt doch was nicht. – Dann noch: Am Montag ist er beim Amtsarzt (Psychiater). – Der hat doch gesagt, dass er erst mal den Knubbel-Befund abwarten will. – Jetzt ist das auf einmal nicht mehr so. Es ist es auch nicht mehr so, dass heute Biopsie gemacht wird und nächste Woche gibt es erst den Befund. Er erweckt den Eindruck, dass er heute schon was erfahren wird. – Peter, du eierst schon wieder herum. Hast du wieder geflunkert? – Nein. – Er hat wieder geflunkert. So wie es aussieht, war er nicht bei der MRT am Montag. Er hat den Termin auf heute verschoben. Deshalb auch am Montag diese merkwürdige Bemerkung, dass da so ein Krach ist in der Röhre. Das hat er irgendwo gelesen und mir erzählt, um seine Lüge zu illustrieren, um sie glaubwürdiger zu machen. – Also heute MRT-Termin. Was macht er heute in seiner panischen Angst, Todesangst eines Feiglings? Hat er jetzt genug Druck, um sich zu überwinden? Oder drückt er sich wieder? – Heute Früh gedacht, wenn er wieder nicht da war, dann gehe ich raus mit dem Blog aus seiner Geschichte. – Persönlich nehme ich es ihm nicht krumm, wenn er so ein Feigling und ein Lügner ist. Aber im Blog will ich ihn dann nicht mehr haben. Oder anders? Dann muss es um die Feigheit gehen und die Verlogenheit? Dann kann ich mir allerdings noch nicht vorstellen, wie das kommuniziert werden soll bei der Art von Gespräch, die wir haben. Dann braucht es mehr Distanz. Dann nehme ich vielleicht doch mal Kontakt auf mit seiner Freundin Caro. - Mal sehen, wie es heute ausgeht. Wenn es sich bestätigt, dass er gelogen hat und wieder nicht bei der MRT war, dann erlaube ich mir die schlicht-menschliche Reaktion, die Schnauze von ihm voll zu haben. Erst mal. Und blogtechnisch ist er dann auf jeden Fall draußen. Keine Lust, die Geschichte eines bei lebendigem Leib verwesenden Alkoholikers zu erzählen. Dann evakuiere ich ihn nach hier. Dann kommt er wahrscheinlich auch gar nicht mehr so oft vor. Weil es dann besser ist für mich, nicht mehr täglich mit ihm zu telefonieren. Ich stagniere selbst. Da sollte ich nicht auch noch ein ganz besonders elendes Stagnations-Schicksal in meiner Nähe haben.
Es geht nicht weiter. Die konzeptionellen Impulse greifen nicht. Keine überfallartigen Interviews. – Ist nicht wahr. Gestern habe ich eines gemacht. Mit der Dame in der Galerie. Aber es hat mir nicht gefallen. Die Dame hat mir nicht gefallen. Ich habe mir nicht gefallen. Was dabei herausgekommen ist, gefällt mir nicht. – Aber es ist nun mal passiert. Darüber habe ich heute zu schreiben. Wieder so ein Text, vor dem es mir graut, wenn ich ihn überarbeite? – Bin ich nur erschöpft? Oder stoße ich an eine Grenze in meiner Persönlichkeit? - Hemmung! – Hemmung ist ein großes, vernachlässigtes Thema bei mir. – Ein Fall für die beiden Jungianischen Therapeuten in Los Angeles, die Schreibblockaden und andere Fälle von Kreativitätsbehinderung therapieren. Artikel im New Yorker. Das von Jung via Joseph Campbell inspirierte Erzählparadigma von der Reise des Helden – mit dem Ergebnis, dass alle Filnplots gleich aussehen. Jetzt die Formatierung der Kreativität durch zwei Jungianische Scharlatane. – Keine kritische Stimme in dem Text, nur Staunen und Bewunderung. Bis gegen Ende Sharon Stone bei einer Essenseinladung von Brett Easton Ellis auftaucht (mitgebracht von dem Mann, den er eingeladen hat; sie wollte wahrscheinlich mal B.E.Ellis kennenlernen). Sharon Stone voller Geringschätzung für die beiden Scharlatane und ihre Kreativitätsrezepte, die anscheinend augenblicklich die herrschende Ideologie sind in der amerikanischen Filmindustrie. Von Sharon Stone muss man wissen, dass sie in dem Ruf hoher Intelligenz steht.
These: Wenn du keinen eigenen Weg findest, deine Kreativitätsprobleme zu lösen, dann wirst du auch nie etwas Eigenes schaffen.
Donnerstag, 17. März 2011
Verdeckt
Heute hat es endlich geklappt: Besuch bei der Dame in der Galerie. Schreiben darüber gleich im Anschluss abgebrochen. Gemerkt, dass sich die Eindrücke erst setzen müssen. Bis morgen wird es vielleicht eine Geschichte. Heute war es noch keine. Wovon könnte die Geschichte handeln? - Von der Dame oder von mir? - Ich war nicht hinterhältig, was ich sein kann, wenn es fürs Schreiben ist. Da würde ich meine Schwestern auf dem Sklavenmarkt in Timbuktu verkaufen, wenn ich Schwestern hätte, wenn es in Timbuktu noch einen Sklavenmarkt gäbe und wenn es nötig wäre, um an Informationen heran zu kommen für einen Text. - Ich habe allerdings auch nicht offen darüber gesprochen, dass ich neugierig bin, was mit ihr war und wie es ihr noch ergangen ist an dem Nachmittag nach ihrem Sturz. Ich habe den Eindruck erweckt, dass ich mir später Vorwürfe gemacht habe, weil ich nicht mit der hilfsbereiten Frau zu ihr gegangen bin, um nachzusehen, was mit ihr ist. Das war nicht geheuchelt. Aber es war nur die halbe Wahrheit. Dass ich über den Vorfall geschrieben habe und sie nun aufsuche, um die Geschichte weiter erzählen zu können, habe ich nicht erwähnt. Hätte ich es tun sollen? - Ich habe ihr meinen Namen und meine Adresse notiert, damit sie mir für ihre nächste Ausstellung eine Einladung schicken kann. Sie sitzt da mit ihrem iBook (*). Sie hat mir das Archiv der Website gezeigt mit all den Ausstellungen, die sie gemacht hat in der Galerie (30 Ausstellungen in vier Jahren). Anzunehmen, dass sie hinterher meinen Namen gegoogelt hat. Dann hat sie meinen Blog gefunden und dann wird sie auch gelesen haben, was ich an dem Samstag ihres Sturzes gepostet habe. Dann kann ich doch, wenn ich über meinen Besuch bei ihr geschrieben habe, ihr das schicken, und endlich mal aufhören damit, immer so verdeckt (konspirativ) umzugehen mit dem Blog. Das zu ändern, das gehört auch dazu: mit dem Blog zu den Leuten hinzugehen, sie zu verwickeln, sie hineinzuziehen in mein Schreiben. So offensiv wie ich beim Schreiben bin, es auch im Leben sein - wenigstens im Leben mit dem Blog.
(*) Weißes iBook. Ist jedes iBook weiß? - Das iBook weiß wie alles in der Galerie. Nur die Bilder sind in Gold gehalten. Passend zur 30. Ausstellung. Allerdings nicht so gewollt; passender Zufall. - Wird das iBook aktiviert, leuchtet das Apfel-Icon auf der Rückseite auf. Das ist Tineff, Mr. Jobs! Die Dame kann dafür nichts.
Notiz für morgen: Dass sie mich für einen möglichen Käufer gehalten hat. Wie ich wirke auf andere. Das unterstrichen noch mit meinem Verhalten, als ich ihr die Hand gegeben habe zur Begrüßung und mich förmlich vorgestellt habe. - Die Geschichte wird von mir handeln. Mich ehrlich machen.
(*) Weißes iBook. Ist jedes iBook weiß? - Das iBook weiß wie alles in der Galerie. Nur die Bilder sind in Gold gehalten. Passend zur 30. Ausstellung. Allerdings nicht so gewollt; passender Zufall. - Wird das iBook aktiviert, leuchtet das Apfel-Icon auf der Rückseite auf. Das ist Tineff, Mr. Jobs! Die Dame kann dafür nichts.
Notiz für morgen: Dass sie mich für einen möglichen Käufer gehalten hat. Wie ich wirke auf andere. Das unterstrichen noch mit meinem Verhalten, als ich ihr die Hand gegeben habe zur Begrüßung und mich förmlich vorgestellt habe. - Die Geschichte wird von mir handeln. Mich ehrlich machen.
Mittwoch, 16. März 2011
Schwer
Gestern schrecklicher Mensch. Heute schrecklicher Text. Text von gestern. Dahin die schöne Harmonie, als ich gesagt habe, ich mache es so wie ich es will und wie es mir einfällt und das ist das Beste, was ich machen kann. So habe ich gestern geschrieben und heute frage ich mich, wer soll das warum lesen und was sind Tampons in verschiedenen Stadien der Verwesung? – Falsches Bild! Tampons trocknen ein, dann verstauben sie vielleicht noch, wenn sie unter einem Bett liegen, aber es sind keine biologischen Prozesse mehr in Gang. Aber so ist es mir eingefallen beim Schreiben und in keiner Phase des Überarbeitens habe ich es korrigiert, weil mir nichts Treffendes eingefallen ist mit der gleichen Anzahl von Wörtern, die ich brauche für den Rhythmus an dieser Stelle. – Und schade ist es einfach um die Brötchen-Szene mit der jungen türkischen Frau. Ich habe den Kern der Szene nicht zu fassen gekriegt. Nicht mal angedeutet die Rührung, die ich empfunden habe bei der Begegnung mit der Frau. Ausgelöst durch das Betrachten ihres Kaufs: das süße Backwerk, das sie für sich gekauft hat zum Naschen und die zehn Brötchen aus einer Nützlichkeitserwägung, die aber mit einem Irrtum verbunden gewesen sein könnte (Hereinfallen auf ein Sonderangebot?). – Nichts davon im Text. Schlusspassage, mit der ich dem Text noch einen Drall geben wollte, um meine menschliche Verbundenheit zu bekunden mit den Frauen mit den Kopftüchern und den langen Mänteln, so unbeholfen und plakativ, dass ich sie gestrichen habe. – Ist aber auch schwer. Schon der dritte oder vierte misslungene Versuch, meine Sympathie mit den Kopftuchträgerinnen zu erklären. Weil sie auch mehr ist als nur eine Parteinahme in einem Kulturkampf – gegen die totalitäre Übergriffigkeit des Kopftuchverbietens, gegen die dumpfe Intoleranz, die sich in frecher Anmaßung als Eintreten für Menschen- und Freiheitsrechte maskiert. – Und weil dieses Mehr schwer zu vermitteln ist, paradoxal wie es ist. Ein zärtlicher Blick, den ich habe auf diese Frauen, die nicht angeblickt werden wollen und nicht angeblickt werden sollen als Frauen. Achtung vor ihrer Verweigerung, mit der sie sich der Aufdringlichkeit entziehen. An ihnen vorbeischauen, sie streifen mit einem Blick, der ein zärtlicher ist, nicht im Sinne eines Begehrens, sondern einer großen Sympathie für ihr Anderssein. – Erneuter misslungener Versuch einer Erklärung. Weil es auch gar nicht erklärbar ist? – Eine Intuition, ein Reflex. – Vorhin überlegt, ob ich es heute in BzB einmal beschreiben soll, was im Text von gestern wieder nicht geklappt hat. Aber wenn ich erlebe, wie es hier schon wieder zäh geworden ist und die Begriffe von Satz zu Satz immer allgemeiner werden, es lieber lassen.
Der gestrichene Text:
Und dass ich ein Sympathisant von Frauen mit Kopftuch und in langen Mäntel bin, heißt: froh bin, in einer Stadt zu leben, in der es sie gibt, das konnte sie natürlich nicht wissen. - Variante: Was schade ist. Denn ich bin ein Sympathisant von Frauen mit Kopftuch und in langen Mänteln. Heißt: Ich bin froh, in einer Stadt zu leben, in der es sie gibt. Aber das konnte sie natürlich nicht wissen.
Zum schrecklichen Text noch: Wo ist der Fehler? – Ich bin mir zur Zeit allzu bewusst, dass das, was ich im Blog mache, sehr klein und abseitig ist. Ich will es größer und relevanter haben. Und dabei verhebe ich mich. Schreiberisch. Weil das schreiberisch alleine nicht möglich ist. Wenn es mehr sein soll, dann muss ich mehr machen. Aus meinem Leben. Das ist mein Thema und bleibt es.
Der gestrichene Text:
Und dass ich ein Sympathisant von Frauen mit Kopftuch und in langen Mäntel bin, heißt: froh bin, in einer Stadt zu leben, in der es sie gibt, das konnte sie natürlich nicht wissen. - Variante: Was schade ist. Denn ich bin ein Sympathisant von Frauen mit Kopftuch und in langen Mänteln. Heißt: Ich bin froh, in einer Stadt zu leben, in der es sie gibt. Aber das konnte sie natürlich nicht wissen.
Zum schrecklichen Text noch: Wo ist der Fehler? – Ich bin mir zur Zeit allzu bewusst, dass das, was ich im Blog mache, sehr klein und abseitig ist. Ich will es größer und relevanter haben. Und dabei verhebe ich mich. Schreiberisch. Weil das schreiberisch alleine nicht möglich ist. Wenn es mehr sein soll, dann muss ich mehr machen. Aus meinem Leben. Das ist mein Thema und bleibt es.
Dienstag, 15. März 2011
Zögern
Bis zum 20.03. ist der Gutschein für eine Google-Anzeige 75 Euro wert, danach bis zum 31.03. nur noch 50 und danach nur noch 10 Euro. Vier Tage noch, um mir etwas einfallen zu lassen für meine Blog-Anzeige. Zögern, Scheu, weil ich das Gefühl habe, noch nicht so weit zu sein mit dem Blog. Und wenn ich dieses Gefühl nie loskriege? Dann ist es doch am besten, wenn ich den Blog so nehme, wie er nun mal ist, so schlecht auch wieder nicht. Und einen Preis für den besten Google-Werbetext will ich auch nicht gewinnen. – Anzeigentext bis Freitag. Anzeige schalten am Samstag. Hoffentlich erweist sich die Installationsgebühr nicht als der Haken an der Sache. Das sehe ich dann.
Und die Idee der Aktion, die ich bewerbe und zugleich mache im Blog? – Noch nicht in Sicht. – Zur Qualität von Biest zu Biest gehört, dass die Texte (fast) nie gewollt sind. Weil das Schreiben aus meinem Leben kommt. Das soll unbedingt so bleiben. Auch wenn ich jetzt initiativer werde und nicht mehr nur re-agiere. – Aber da ist auf jeden Fall ein Dilemma. – Zu den Leuten hin mit dem Bloggen. Leute dem Alles-Zulassen und Alles-Aussprechen aussetzen, dem ich mich selbst aussetze. – Das ist eine ausgezeichnete Idee konzeptionell. Nur, mir fehlt der Impuls dazu. Es treibt mich nicht dahin. Das Gefühl ist so, dass ich mich lieber treiben lassen würde – draußen – und dann wird schon was passieren. Das wird es auch, nur wird es etwas sein, was auf eine nur wenig andere Art schon mal passiert ist.
Weiter zu spinnende Fäden: Die Dame in der Galerie; am Schaufenster steht nicht mehr, dass die Galerie wegen Krankheit geschlossen ist. Es interessiert mich aber auch nicht. Der Einwand gilt nicht. Die Geschichte ist angefangen, sie muss zu Ende erzählt werden. Nimm es als Übung. – Hermann, der Maler. Im Gegensatz zum faulen Taewoo ein sehr fleißiger Maler. Kann er leben von seiner Kunst? Ich nehme an, eher schlecht. Die Lebensgefährtin, Elisabeth, die Hebamme, unterstützt ihn finanziell, glaube ich. Elisabeth, die einmal in einer Kneipennacht den schönen Satz gesagt hat: Ich hatte eine feine Jugend. Sie interessiert mich eigentlich mehr als er. Eine Frau, die als Hebamme arbeitet – prosaischer, zugleich dramatischer, guter Beruf - und mit einem Maler zusammen ist und ihn finanziell unterstützt. Um da ran zu kommen, muss ich irgendwo anfangen. Also Hermann besuchen. Und wie rangehen? Doch am besten, indem ich so schnell wie möglich auf den Punkt komme. So wird er sich aber nicht darstellen wollen. Er will sich darstellen, er hat ein Interesse daran, dass ich über ihn schreibe. Über ihn. Als Maler. - Dilemma. Aber auch eine Geschichte. – Michaela? Mit der wollte ich über ihre Nebentätigkeit als Nachlassverwalterin reden, um zu kommen auf sie als Wirtin des Felsenkellers und ihre Warnehmung von mir als Gast. Abgehaktes Thema? – Einfall von heute Morgen: Hanne. Die Buchhändlerin, die in der Buchhandlung in der Xxxxxxxstraße arbeitet und eine Frau ist, die mir einmal gefallen hat und die ich dann verschmäht habe, weil sie mir dann nicht mehr so gut gefallen hat. Darüber ist nie gesprochen worden. Auch mit Inge nicht, der ich erzählt hatte, dass mir Hanne gefällt und dass ich sie kennenlernen möchte. Worauf Inge mit Marco es eingefädelt hat, dass wir uns zu viert getroffen haben und dabei habe ich schnell gemerkt, dass mir Hanne nicht so gefällt, dass ich sie näher kennenlernen möchte. Ich habe sie verschmäht und das steht jetzt immer noch unausgesprochen da, wenn ich ihr begegne oder wenn ich mit Inge spreche und das Gespräch auf Hanne kommt. Das ist eine Geschichte. Nur wieder Vergangenheit. Grund, sie zu erzählen? – Könnte sich ergeben, wenn ich sie besuche in der Buchhandlung. Aus welchem Grund?
Und dann all the lonely people / where do they all come from? – the faceless crowd – warum gibt es eigentlich keine deutsche Bezeichnung für sie? – Sie interessieren mich viel mehr als die Leute, die ich schon kenne (mit Ausnahme einer Person, versteht sich, die aber unerreichbar ist; warum noch mal?). – Überfallartige Interviews. Immer noch kein einziges gemacht. Das hat etwas zu bedeuten. Zugleich das sichere Gefühl, dass das mein Weg ist. Situationen ohne Vergangenheit. Alles neu. Unbelastet.
Lahm heute. Und das Gefühl, ein schrecklicher Mensch zu sein.
Und die Idee der Aktion, die ich bewerbe und zugleich mache im Blog? – Noch nicht in Sicht. – Zur Qualität von Biest zu Biest gehört, dass die Texte (fast) nie gewollt sind. Weil das Schreiben aus meinem Leben kommt. Das soll unbedingt so bleiben. Auch wenn ich jetzt initiativer werde und nicht mehr nur re-agiere. – Aber da ist auf jeden Fall ein Dilemma. – Zu den Leuten hin mit dem Bloggen. Leute dem Alles-Zulassen und Alles-Aussprechen aussetzen, dem ich mich selbst aussetze. – Das ist eine ausgezeichnete Idee konzeptionell. Nur, mir fehlt der Impuls dazu. Es treibt mich nicht dahin. Das Gefühl ist so, dass ich mich lieber treiben lassen würde – draußen – und dann wird schon was passieren. Das wird es auch, nur wird es etwas sein, was auf eine nur wenig andere Art schon mal passiert ist.
Weiter zu spinnende Fäden: Die Dame in der Galerie; am Schaufenster steht nicht mehr, dass die Galerie wegen Krankheit geschlossen ist. Es interessiert mich aber auch nicht. Der Einwand gilt nicht. Die Geschichte ist angefangen, sie muss zu Ende erzählt werden. Nimm es als Übung. – Hermann, der Maler. Im Gegensatz zum faulen Taewoo ein sehr fleißiger Maler. Kann er leben von seiner Kunst? Ich nehme an, eher schlecht. Die Lebensgefährtin, Elisabeth, die Hebamme, unterstützt ihn finanziell, glaube ich. Elisabeth, die einmal in einer Kneipennacht den schönen Satz gesagt hat: Ich hatte eine feine Jugend. Sie interessiert mich eigentlich mehr als er. Eine Frau, die als Hebamme arbeitet – prosaischer, zugleich dramatischer, guter Beruf - und mit einem Maler zusammen ist und ihn finanziell unterstützt. Um da ran zu kommen, muss ich irgendwo anfangen. Also Hermann besuchen. Und wie rangehen? Doch am besten, indem ich so schnell wie möglich auf den Punkt komme. So wird er sich aber nicht darstellen wollen. Er will sich darstellen, er hat ein Interesse daran, dass ich über ihn schreibe. Über ihn. Als Maler. - Dilemma. Aber auch eine Geschichte. – Michaela? Mit der wollte ich über ihre Nebentätigkeit als Nachlassverwalterin reden, um zu kommen auf sie als Wirtin des Felsenkellers und ihre Warnehmung von mir als Gast. Abgehaktes Thema? – Einfall von heute Morgen: Hanne. Die Buchhändlerin, die in der Buchhandlung in der Xxxxxxxstraße arbeitet und eine Frau ist, die mir einmal gefallen hat und die ich dann verschmäht habe, weil sie mir dann nicht mehr so gut gefallen hat. Darüber ist nie gesprochen worden. Auch mit Inge nicht, der ich erzählt hatte, dass mir Hanne gefällt und dass ich sie kennenlernen möchte. Worauf Inge mit Marco es eingefädelt hat, dass wir uns zu viert getroffen haben und dabei habe ich schnell gemerkt, dass mir Hanne nicht so gefällt, dass ich sie näher kennenlernen möchte. Ich habe sie verschmäht und das steht jetzt immer noch unausgesprochen da, wenn ich ihr begegne oder wenn ich mit Inge spreche und das Gespräch auf Hanne kommt. Das ist eine Geschichte. Nur wieder Vergangenheit. Grund, sie zu erzählen? – Könnte sich ergeben, wenn ich sie besuche in der Buchhandlung. Aus welchem Grund?
Und dann all the lonely people / where do they all come from? – the faceless crowd – warum gibt es eigentlich keine deutsche Bezeichnung für sie? – Sie interessieren mich viel mehr als die Leute, die ich schon kenne (mit Ausnahme einer Person, versteht sich, die aber unerreichbar ist; warum noch mal?). – Überfallartige Interviews. Immer noch kein einziges gemacht. Das hat etwas zu bedeuten. Zugleich das sichere Gefühl, dass das mein Weg ist. Situationen ohne Vergangenheit. Alles neu. Unbelastet.
Lahm heute. Und das Gefühl, ein schrecklicher Mensch zu sein.
Montag, 14. März 2011
Kommentar
Am meisten ärgert mich der Titel: Kneipengespräch. Klar, darum geht es. Trotzdem wollte ich ihn nicht haben. Doch es ist mir den ganzen Abend lang kein besserer eingefallen. So wie es mir auch nicht gelungen ist, die Vergröberungen und Unbeholfenheiten beim Überarbeiten des Textes abzuschleifen. Kein guter Schreibtag gestern? Oder lag es am Sujet? – Hauptsache in diesem Fall, dass ich es gemacht habe, nachdem ich das Thema zweimal angekündigt hatte – und dass ich es aus dem Kopf habe. Auch im Blog muss es nie wieder um Kneipe gehen. Auch nichts mehr mit Freud und Kneipenleben (*); das habe ich mit dem Schlusssatz elegant abgebogen. Die Aktion des Textes war, mir das Thema vom Hals zu schaffen. Das ist mir gelungenen, gar nicht so schlecht.
(*) Die aus dem Freud-Text abzuleitende These ist: Alle Kneipen sind Schwulenkneipen. Im tiefenpsychologischen Sinn. Orte, an denen Männer mit Hilfe von Alkohol als Regressions-Katalysator ihre unbearbeitete homosexuelle Neigung zum Vater ausleben. Homosexuell hier nicht zu verstehen im Sinne praktizierter Sexualität, sondern im Sinne der Ausrichtung von Libido – gerichtet auf den Vater in einer kindlichen Entwicklungphase, unbearbeitet bleibend, verdrängt bei späterer heterosexueller Orientierung… . Genug. Granum salis die Bemerkungen Freuds zum Größenwahn in diesem Zusammenhang. Kneipen auch als Orte des ausgelebten Größenwahns. Alles sehr abstrakt. Am jungen Bürger Großkotz hätte es sich anschaulich machen lassen. Doch dazu hätte ich mehr als Beobachtungen, die jeder bei ihm machen kann, ins Spiel bringen müssen. Biographische Informationen hätte ich dazu verwenden müssen, die er sicher nicht nur mir, sondern auch anderen anvertraut hat, die aber trotzdem biographische Informationen bleiben. Deshalb darauf verzichtet. Es ging auch so. Bemerkenswert: Ich wollte ihm nicht weh tun. Obwohl ich ihn verachte, habe ich eine menschliche Loyalität ihm gegenüber.
Ich will überhaupt niemandem mehr weh tun. Fehden, Feindschaften, davon habe ich genug gehabt. Mit der Aggressivität was Besseres anfangen. Offensiver werden dabei, den Blog unter die Leute zu bringen. Ihre Herzen fliegen mir nicht zu. Sie sind nicht begeistert. Sie sind eher befremdet von meiner Art. Sie brauchen sie nicht. So ist das. - Mich beliebt machen, das will ich nicht, das schaffe ich auch nicht. Der Beliebte ist nicht meine Rolle. – Wenn sie nicht zu mir kommen, dann zu ihnen hingehen. Sie hineinziehen in den Blog. Was mit ihnen machen im Blog auf meine Art. Ob die ihnen gefällt oder nicht. Es ihre Sache sein lassen, um die es geht, und sie damit zwingen, nötigen, den Blog zu lesen. – Bislang schreibe ich für meinesgleichen. Das sind zu wenige.
Das alles noch konzeptionell. Leerlaufend. Thema von heute auf der Linie des Bisherigen. Der Kassierer im Hallenbad hat es gesetzt. Und ein Kommentar in der taz hat es fortgesetzt. Empathie mit den von der Naturkatastrophe betroffenen Menschen in Japan. Der GAU in Fukushima Teil der Naturkatastrophe. Physik. Nur, weil man weiß, wie es geht, hat man es noch lange nicht unter Kontrolle. Das ist das eine. Das andere ist die spezifische Dummheit – Dummheit in sozialen Prozessen. Die Dummheit, eine Küste, die in einer Erdbebenhochrisikozone liegt, mit Kernkraftwerken zu säumen. – Empathie mit Menschen, die alles verlieren durch entfesselte Naturgewalten. Aber wie ist es mit Empathie mit Menschen, die sich für dumm verkaufen lassen von Industrie und Politik? – Deren Schicksal kann allenfalls als abschreckendes Beispiel angesehen werden, um daraus zu lernen. – Letzten Endes ist das ein Fall von Evolutionsgeschehen - und kruder Biologismus so etwas festzustellen? - Selbstverständigung. Kein Kommentar im Blog. Darstellung, Erzählung. Vom Kassierer, mit seiner Diskurskritik, und vom taz-Kommentar, auch er mit Diskurskritik. Das ist das Verbindende. – Fehlt noch was? – Wen könnte ich befragen? – Fällt mir kein Drittes ein, dann eben nur Kassierer und Kommentar. Dann heute nur kurz.
Später: Beim Schreiben ist es mal wieder ganz anders gekommen. Statt Kommentar aus der taz nun mein Kommentar. Schwerer Verstoß gegen die Blogregeln und die Selbstverpflichtung zum Erzählen. Doch anders war es nicht rüberzubringen, dass es schwer fällt, Mitleid zu haben im Falle des GAUs in Japan.
(*) Die aus dem Freud-Text abzuleitende These ist: Alle Kneipen sind Schwulenkneipen. Im tiefenpsychologischen Sinn. Orte, an denen Männer mit Hilfe von Alkohol als Regressions-Katalysator ihre unbearbeitete homosexuelle Neigung zum Vater ausleben. Homosexuell hier nicht zu verstehen im Sinne praktizierter Sexualität, sondern im Sinne der Ausrichtung von Libido – gerichtet auf den Vater in einer kindlichen Entwicklungphase, unbearbeitet bleibend, verdrängt bei späterer heterosexueller Orientierung… . Genug. Granum salis die Bemerkungen Freuds zum Größenwahn in diesem Zusammenhang. Kneipen auch als Orte des ausgelebten Größenwahns. Alles sehr abstrakt. Am jungen Bürger Großkotz hätte es sich anschaulich machen lassen. Doch dazu hätte ich mehr als Beobachtungen, die jeder bei ihm machen kann, ins Spiel bringen müssen. Biographische Informationen hätte ich dazu verwenden müssen, die er sicher nicht nur mir, sondern auch anderen anvertraut hat, die aber trotzdem biographische Informationen bleiben. Deshalb darauf verzichtet. Es ging auch so. Bemerkenswert: Ich wollte ihm nicht weh tun. Obwohl ich ihn verachte, habe ich eine menschliche Loyalität ihm gegenüber.
Ich will überhaupt niemandem mehr weh tun. Fehden, Feindschaften, davon habe ich genug gehabt. Mit der Aggressivität was Besseres anfangen. Offensiver werden dabei, den Blog unter die Leute zu bringen. Ihre Herzen fliegen mir nicht zu. Sie sind nicht begeistert. Sie sind eher befremdet von meiner Art. Sie brauchen sie nicht. So ist das. - Mich beliebt machen, das will ich nicht, das schaffe ich auch nicht. Der Beliebte ist nicht meine Rolle. – Wenn sie nicht zu mir kommen, dann zu ihnen hingehen. Sie hineinziehen in den Blog. Was mit ihnen machen im Blog auf meine Art. Ob die ihnen gefällt oder nicht. Es ihre Sache sein lassen, um die es geht, und sie damit zwingen, nötigen, den Blog zu lesen. – Bislang schreibe ich für meinesgleichen. Das sind zu wenige.
Das alles noch konzeptionell. Leerlaufend. Thema von heute auf der Linie des Bisherigen. Der Kassierer im Hallenbad hat es gesetzt. Und ein Kommentar in der taz hat es fortgesetzt. Empathie mit den von der Naturkatastrophe betroffenen Menschen in Japan. Der GAU in Fukushima Teil der Naturkatastrophe. Physik. Nur, weil man weiß, wie es geht, hat man es noch lange nicht unter Kontrolle. Das ist das eine. Das andere ist die spezifische Dummheit – Dummheit in sozialen Prozessen. Die Dummheit, eine Küste, die in einer Erdbebenhochrisikozone liegt, mit Kernkraftwerken zu säumen. – Empathie mit Menschen, die alles verlieren durch entfesselte Naturgewalten. Aber wie ist es mit Empathie mit Menschen, die sich für dumm verkaufen lassen von Industrie und Politik? – Deren Schicksal kann allenfalls als abschreckendes Beispiel angesehen werden, um daraus zu lernen. – Letzten Endes ist das ein Fall von Evolutionsgeschehen - und kruder Biologismus so etwas festzustellen? - Selbstverständigung. Kein Kommentar im Blog. Darstellung, Erzählung. Vom Kassierer, mit seiner Diskurskritik, und vom taz-Kommentar, auch er mit Diskurskritik. Das ist das Verbindende. – Fehlt noch was? – Wen könnte ich befragen? – Fällt mir kein Drittes ein, dann eben nur Kassierer und Kommentar. Dann heute nur kurz.
Später: Beim Schreiben ist es mal wieder ganz anders gekommen. Statt Kommentar aus der taz nun mein Kommentar. Schwerer Verstoß gegen die Blogregeln und die Selbstverpflichtung zum Erzählen. Doch anders war es nicht rüberzubringen, dass es schwer fällt, Mitleid zu haben im Falle des GAUs in Japan.
Samstag, 12. März 2011
5.15
Das wegen dunstigem Himmel fahle Sonnenlicht zeigt mir, dass ich dringend Staub wischen muss. Es würde allerdings auch genügen, die Brille abzusetzen, aber dann … sehe ich nicht, was ich schreibe und damit kippt die Aussage ins Dämliche. Müde bin ich mal wieder. Was ist eigentlich um 5.15 Uhr? – 4.48 Uhr ist Psychose (Sarah Kane); die Uhrzeit, zu der es keinen einzigen rettenden Gedanken gibt. Und 5.15 Uhr, die Zeit, zu der ich neuerdings pünktlich aufwache? – Zu früh, um ausgeschlafen zu sein, zu spät, um noch mal in den Tiefschlaf zu finden. Gute Aufstehzeit, wenn ich wieder früher schlafen gehe. Alleine schon, um nicht so viele Zigaretten zu rauchen am Abend. Eklig, nur noch eklig! – Um früher ins Bett zu gehen, muss ich früher fertig werden mit dem Überarbeiten der Texte. Dazu muss ich meine Schreibzeiten ändern. Heute wird mir das nicht gelingen mit meinem müden Kopf. Zwei Tage einen anderen Tagesablauf erzwingen, dann gibt es einen neuen Rhythmus. Am liebsten würde ich gar nicht mehr rauchen. Aber dann kann ich nicht schreiben; das ist keine Einbildung. Um das zu ändern reichen zwei Tage nicht. Weitverzweigte biochemische Prozesse müssen umgesteuert werden. Das ist jetzt nicht der Moment dafür. Es ist nie der Moment dafür. Dass das so ist, das ist die Sucht.
Heute über Peter oder über den Bürger Großkotz alias Kneipen-Pinocchio alias Verreckling. Die Emotion hinter allen drei Namensgebungen ist weg. Es gibt keinen Anlass mehr über ihn zu schreiben. Der äußere Anlass liegt morgen eine Woche zurück. Einen Groll gegen ihn habe ich nicht (mehr). Die gelassene Position gestern beim Drauflosschreiben gefunden, dass es ein Gewinn für die Menschheit ist, dass ein Charakter wie dieser (schon ein schäbiger Charakter) sich selbst aus dem Verkehr zieht, so ist es zu sehen, mehr gibt es über ihn nicht zu sagen. Das kann ich tun. Was noch? – Zurückblicken auf meine Kneipenexistenz? – Gähn! – Oder das Sujet benutzen, um zu üben, um an meiner Rolle rumzuprobieren? – Übung: Unaufgeregt und friedfertig sein und trotzdem noch nicht tot. Das. – Oder Peter. Das wäre nun mit Anlass, dass er mich anödet mit den paar Geschichten, die er immer wieder erzählt, und mit seinen sexuellen Assoziationen. Aber in aller Freundschaft. Das ist so. Aufhänger: sein Streit mit Caro, dem zu Besuch bei ihm weilenden Skype-Gespenst. Der Gesprächsvorfall, bei dem sie sich über seinen Machismo beschwert, er den Vorfall erklärt damit, dass sie in den Wechseljahren ist und ich inzwischen denke, dass sie sich einfach nur abgestoßen fühlte von seinen als zudringlich empfundenen ständigen sexualitätsbezüglichen Bemerkungen, die mich auch annerven in ihrer Monotonie und Dumpfheit. Beginnen mit dem Bericht vom Besuch des Skype-Gespensts, das Gespräch, in dem sie gesteht, dass sie eine Unterhose auch schon mal zwei Tage trägt. Dann erst mal, wie er sich darauf rühmt, dass er seine Unterwäsche täglich wechselt, rühmt, weil die Selbstverständlichkeit hätte er an dieser Stelle auch für sich behalten können, da sie, darüber sprechend, dass sie nicht so sauber und ordentlich ist wie ihre Mutter es ist und es ihr zu sein eingebläut hat, da sie dieses Geständnis macht und er, nachdem er sich gerühmt hat, gönnerhaft und zotig zu ihr sagt, dass er sie dafür ja a u c h liebt, für ihren Geruch. Leider erinnere ich seine Bemerkung nicht mehr genau; das würde also schon mal Mühe machen. Insgesamt wäre das aber ein guter Einstieg, um darauf zu kommen, womit er mich anödet, mit seinen ständigen sexualitätsbezüglichen Bemerkungen und den ständig wiederholten vier oder fünf Geschichten. Das wirklich nicht zu fassen. Demenz kann das noch nicht sein. Dann ist es entweder der Suff oder Symptom einer schon obszönen Selbstgefälligkeit – er erzählt die Geschichten eben gerne und der Zuhörer ist ihm völlig egal. Ich glaube, es ist der Suff. Er ist definitiv ein Alkoholiker. Erkennbar am Leugnen seines Alkoholproblems. – Unterhose, Übermännchen-Rhetorik, erzählerischer Wiederholungszwang, der Alkoholismus, der mich letztlich aber nichts angeht – der geht nur ihn an, denn nur er kann etwas daran ändern, indem er ihn sich eingesteht -, das also am Rande oder gar nicht. Und das an einem Tag, an dem die Naturkatastrophe in Japan sich möglicherweise ausweitet zu einem Kernkraftwerk-GAU? – Kernschmelze, hat es das schon mal gegeben? In Tschernobyl ist es nicht so weit gekommen, oder? (Später: Doch, du Trollo!) Hat es in Three-Mile-Island eine Kernschmelze gegeben? - Was passiert bei einer Kernschmelze? – Das ist so ein Tag, um ununterbrochen das Fernsehen eingeschaltet zu haben und dann führt das Warten auf neue Nachrichten, die zähe Nachrichtenlage führt schließlich dazu, dass die Zuschauer den schlimmsten anzunehmenden Fall herbeisehnen, damit endlich etwas passiert – denn wozu sitzt man denn hier, bitteschön. Würden sie natürlich nie sich eingestehen. Ist das wirklich so? Kaum vorstellbar, dass ich einer der Wenigen bin, der das erkennt. – Es gibt immer, zu jeder Zeit ein Reservoir dessen, worüber man nicht spricht. Was nicht heißt, das das Verschwiegene nicht gewusst wird.
Wie heißt die amerikanische Stadt, wo es den Reaktor-Unfall in einem Kernkraftwerk namens Three-Mile-Island gab? – Die Frage nehme ich jetzt mit auf den Weg. Besorgungen. Dann Mittagsschlaf. Dann Schreiben. Ist das Leben nicht wundervoll?
Drei Minuten nach Schließen der Datei darauf gekommen: Harrisburg. – Im Reformhaus Höfeler mit Herrn Höfeler über den Reaktorunfall in Japan gesprochen. Ursprünglich geplant, den Post von heute in BzB damit einzuleiten. Mit dem Satz der Kundin in meinem Alter, die uns zugehört hat und sagte: Das würde ich gerne mal erleben, was das für ein Gefühl ist, wenn die Erde bebt. - Bin ich besser? - Satz des Tages, gelesen im Nachrichtenticker von N24, als ich in der Back Factory an der Kasse stand und auf den Flachbildschirm an der Wand schaute, auf dem Bilder zum Reaktorunfall im japanischen Erdbebengebiet zu sehen waren. Satz: Fünf Personenzüge mit Insassen vermisst. – Hinterher eine halbe Stunde lang nicht von dem Kalauer losgekommen: Fünf Personenzüge samt Inhalt vermisst.
+++Gute Nachrichten aus Miyagi+++
[19.29 Uhr] Laut der Zugbetreibergesellschaft Japan Rail sind die in der Präfektur Miyagi vermissten fünf Züge alle wieder aufgetaucht, nachdem jeglicher Kontakt abgebrochen war. Es gibt keine Meldungen über Verletzte, alle Fahrgäste sind in Sicherheit, die Zugbesatzung ist wohlauf.
Heute über Peter oder über den Bürger Großkotz alias Kneipen-Pinocchio alias Verreckling. Die Emotion hinter allen drei Namensgebungen ist weg. Es gibt keinen Anlass mehr über ihn zu schreiben. Der äußere Anlass liegt morgen eine Woche zurück. Einen Groll gegen ihn habe ich nicht (mehr). Die gelassene Position gestern beim Drauflosschreiben gefunden, dass es ein Gewinn für die Menschheit ist, dass ein Charakter wie dieser (schon ein schäbiger Charakter) sich selbst aus dem Verkehr zieht, so ist es zu sehen, mehr gibt es über ihn nicht zu sagen. Das kann ich tun. Was noch? – Zurückblicken auf meine Kneipenexistenz? – Gähn! – Oder das Sujet benutzen, um zu üben, um an meiner Rolle rumzuprobieren? – Übung: Unaufgeregt und friedfertig sein und trotzdem noch nicht tot. Das. – Oder Peter. Das wäre nun mit Anlass, dass er mich anödet mit den paar Geschichten, die er immer wieder erzählt, und mit seinen sexuellen Assoziationen. Aber in aller Freundschaft. Das ist so. Aufhänger: sein Streit mit Caro, dem zu Besuch bei ihm weilenden Skype-Gespenst. Der Gesprächsvorfall, bei dem sie sich über seinen Machismo beschwert, er den Vorfall erklärt damit, dass sie in den Wechseljahren ist und ich inzwischen denke, dass sie sich einfach nur abgestoßen fühlte von seinen als zudringlich empfundenen ständigen sexualitätsbezüglichen Bemerkungen, die mich auch annerven in ihrer Monotonie und Dumpfheit. Beginnen mit dem Bericht vom Besuch des Skype-Gespensts, das Gespräch, in dem sie gesteht, dass sie eine Unterhose auch schon mal zwei Tage trägt. Dann erst mal, wie er sich darauf rühmt, dass er seine Unterwäsche täglich wechselt, rühmt, weil die Selbstverständlichkeit hätte er an dieser Stelle auch für sich behalten können, da sie, darüber sprechend, dass sie nicht so sauber und ordentlich ist wie ihre Mutter es ist und es ihr zu sein eingebläut hat, da sie dieses Geständnis macht und er, nachdem er sich gerühmt hat, gönnerhaft und zotig zu ihr sagt, dass er sie dafür ja a u c h liebt, für ihren Geruch. Leider erinnere ich seine Bemerkung nicht mehr genau; das würde also schon mal Mühe machen. Insgesamt wäre das aber ein guter Einstieg, um darauf zu kommen, womit er mich anödet, mit seinen ständigen sexualitätsbezüglichen Bemerkungen und den ständig wiederholten vier oder fünf Geschichten. Das wirklich nicht zu fassen. Demenz kann das noch nicht sein. Dann ist es entweder der Suff oder Symptom einer schon obszönen Selbstgefälligkeit – er erzählt die Geschichten eben gerne und der Zuhörer ist ihm völlig egal. Ich glaube, es ist der Suff. Er ist definitiv ein Alkoholiker. Erkennbar am Leugnen seines Alkoholproblems. – Unterhose, Übermännchen-Rhetorik, erzählerischer Wiederholungszwang, der Alkoholismus, der mich letztlich aber nichts angeht – der geht nur ihn an, denn nur er kann etwas daran ändern, indem er ihn sich eingesteht -, das also am Rande oder gar nicht. Und das an einem Tag, an dem die Naturkatastrophe in Japan sich möglicherweise ausweitet zu einem Kernkraftwerk-GAU? – Kernschmelze, hat es das schon mal gegeben? In Tschernobyl ist es nicht so weit gekommen, oder? (Später: Doch, du Trollo!) Hat es in Three-Mile-Island eine Kernschmelze gegeben? - Was passiert bei einer Kernschmelze? – Das ist so ein Tag, um ununterbrochen das Fernsehen eingeschaltet zu haben und dann führt das Warten auf neue Nachrichten, die zähe Nachrichtenlage führt schließlich dazu, dass die Zuschauer den schlimmsten anzunehmenden Fall herbeisehnen, damit endlich etwas passiert – denn wozu sitzt man denn hier, bitteschön. Würden sie natürlich nie sich eingestehen. Ist das wirklich so? Kaum vorstellbar, dass ich einer der Wenigen bin, der das erkennt. – Es gibt immer, zu jeder Zeit ein Reservoir dessen, worüber man nicht spricht. Was nicht heißt, das das Verschwiegene nicht gewusst wird.
Wie heißt die amerikanische Stadt, wo es den Reaktor-Unfall in einem Kernkraftwerk namens Three-Mile-Island gab? – Die Frage nehme ich jetzt mit auf den Weg. Besorgungen. Dann Mittagsschlaf. Dann Schreiben. Ist das Leben nicht wundervoll?
Drei Minuten nach Schließen der Datei darauf gekommen: Harrisburg. – Im Reformhaus Höfeler mit Herrn Höfeler über den Reaktorunfall in Japan gesprochen. Ursprünglich geplant, den Post von heute in BzB damit einzuleiten. Mit dem Satz der Kundin in meinem Alter, die uns zugehört hat und sagte: Das würde ich gerne mal erleben, was das für ein Gefühl ist, wenn die Erde bebt. - Bin ich besser? - Satz des Tages, gelesen im Nachrichtenticker von N24, als ich in der Back Factory an der Kasse stand und auf den Flachbildschirm an der Wand schaute, auf dem Bilder zum Reaktorunfall im japanischen Erdbebengebiet zu sehen waren. Satz: Fünf Personenzüge mit Insassen vermisst. – Hinterher eine halbe Stunde lang nicht von dem Kalauer losgekommen: Fünf Personenzüge samt Inhalt vermisst.
+++Gute Nachrichten aus Miyagi+++
[19.29 Uhr] Laut der Zugbetreibergesellschaft Japan Rail sind die in der Präfektur Miyagi vermissten fünf Züge alle wieder aufgetaucht, nachdem jeglicher Kontakt abgebrochen war. Es gibt keine Meldungen über Verletzte, alle Fahrgäste sind in Sicherheit, die Zugbesatzung ist wohlauf.
Freitag, 11. März 2011
Zeichen
Selbstgespräch am frühen Morgen nach dem Blick auf die Dachwohnung gegenüber und das Arrangement des geschlossenen Vorhangs, das über Nacht veränderte Arrangement des Vorhangs. - Selbstgespräch: Die Zeichengeberin! Was will sie mir damit sagen? – Ende Selbstgespräch. Fortsetzung in Gedanken: Es ist nicht so, dass es mich nicht interessiert. Aber nicht mehr lange, dann wird es so sein. – Das glaubst du ja selbst nicht. Aber was, wenn du sie jemals treffen solltest? Was kommt nach der ersten Freude? Was anfangen mit einer Frau, die so lange dieses dämliche Zeichenspiel mit dir gespielt hat? – Werde ich dann nicht meinen angesammelten Groll gegen sie loslassen und sie beschimpfen, so wie ich sie schon mal beschimpft habe, in dem Brief an sie, wegen des dämlichen McGeiz-Ladens, in den sie mich gelotst hatte? – Aber da, wenn es passiert, es immer anders kommt als gedacht, und da ich das nun schon häufiger gedacht habe, wird es so wahrscheinlich nicht kommen. Und sei es nur, weil dieses Treffen aller Voraussicht nach nie stattfinden wird - weil es immer nur dieses Zeichenspiel geben wird, von dem ich noch nicht sagen kann, dass es mich nicht mehr interessiert, aber nicht mehr lange, dann wird es so sein. – Jedenfalls hat das Selbstgespräch zu einem neuen Namen geführt für die Frau von gegenüber. Die Zeichengeberin. Zeichenspielerin wäre der passendere Ausdruck, das ist aber kein Wort. Sie spielt mit mir wie die Katze mit der Maus: Komm, kleine Maus, stell dich nicht tot! Lass uns noch weiter spielen, bis du richtig tot bist. – Nein, so ist sie nicht. Sie will wahrscheinlich nur auf sich aufmerksam machen: Hey, du da drüben, vergiss mich nicht! – Keine Sorge, so schnell geht das nicht bei mir.
Donnerstag, 10. März 2011
Scheu
Die Gönnerin hat überwiesen. Bevor ich den Post von gestern überarbeitet habe, nachgeschaut auf meinem Konto und festgestellt, dass die Überweisung gestern eingetroffen ist. Vorher nachgeschaut, weil ich die Passage über die nicht eingetroffene Überweisung, die Mutlosigkeit, die Ablehnung, den neuen Mut und dann gehe ich eben betteln, damit ich mir das schreiben leisten kann – weil diese Passage streichen wollte, wenn ich feststelle, dass sie wider Erwarten doch überwiesen hat. Mich gestern Abend schon nicht wohl gefühlt beim Gedanken an diese Passage, heute Früh noch viel weniger. Gefühl der Peinlichkeit. Dass ich da zu viel von mir preisgebe, vor allem: dass es kläglich ist. – Beim Überarbeiten dann aber ohne langes Überlegen entschieden, die Passage stehen zu lassen. Scheu davor, einzugreifen in den Text, so wie ich ihn nun mal gestern verfasst habe. Stimmig verfasst habe. Kein falsches Wort. Im Gegenteil: besser hätte ich das Panikdenken der letzten Tage nicht veranschaulichen können. Aber kläglich. - Ist nicht der Text, ist die Lage, in der ich mich befinde.
Was mache ich? – Das mit dem jungen Bürger Großkotz? Ist das nicht auch kläglich? – Er kläglich. Und kläglich, über ihn zu schreiben - zu schreiben doch nur, weil ich bei der Erinnerung an seinen Auftritt vom letzten Sonntag im Nachhinein mich angegriffen fühlte von ihm, seine Bemerkungen als abfällig gemeint erkannte. Wirklich mich angegriffen fühlte? Oder nur die Abfälligkeit im Nachhinein erkannt habe? Im Gerede von jemandem, der am Nachmittag um 15 Uhr schon so viel Bier getrunken hatte, dass er zwar immer noch weitschweifig abfällig daher reden kann, aber wie sich zeigte nicht einmal eine Erinnerungsspanne von 5 Minuten hat?
Unbehagen II: Unbehagen an der Passage über die nicht eingetroffene Überweisung. Letztlich wegen dem Satz über das Betteln. Den habe ich tatsächlich gedacht in den letzten Tagen. Deshalb habe ich auch so genau hingeguckt am Montag bei den Pennern und bei der jungen Bettlerin. Ich habe gespielt mit dem Gedanken meines Bettelns. Die Leser anzubetteln. Auch deshalb habe ich die Passage über die Geldnot wegen der nicht eingetroffenen Überweisung geschrieben. Als Einführung. Geschickte Vorbereitung. Wenn schon Bettler, dann ein gewitzter Bettler sein. – Bin ich aber nicht, zeigt mir das Gefühl der Peinlichkeit. Gewitzt vielleicht. Aber kein Bettler. Will ich nicht sein. Darf nicht sein, dass ich diese Grenze überschreite. Meine Gewitztheit einsetzen für ein Geschäftsmodell, das mich vor dem Betteln bewahrt. Die Hand aufhalten. Aber dafür, dass ich den Leuten etwas gebe, was die Leute wollen. – Die peinliche Passage lasse ich trotzdem stehen. Als Dokument. - Blog-Ethos: Geschrieben ist geschrieben und was geschrieben ist, bleibt stehen.
Was mache ich? – Das mit dem jungen Bürger Großkotz? Ist das nicht auch kläglich? – Er kläglich. Und kläglich, über ihn zu schreiben - zu schreiben doch nur, weil ich bei der Erinnerung an seinen Auftritt vom letzten Sonntag im Nachhinein mich angegriffen fühlte von ihm, seine Bemerkungen als abfällig gemeint erkannte. Wirklich mich angegriffen fühlte? Oder nur die Abfälligkeit im Nachhinein erkannt habe? Im Gerede von jemandem, der am Nachmittag um 15 Uhr schon so viel Bier getrunken hatte, dass er zwar immer noch weitschweifig abfällig daher reden kann, aber wie sich zeigte nicht einmal eine Erinnerungsspanne von 5 Minuten hat?
Unbehagen II: Unbehagen an der Passage über die nicht eingetroffene Überweisung. Letztlich wegen dem Satz über das Betteln. Den habe ich tatsächlich gedacht in den letzten Tagen. Deshalb habe ich auch so genau hingeguckt am Montag bei den Pennern und bei der jungen Bettlerin. Ich habe gespielt mit dem Gedanken meines Bettelns. Die Leser anzubetteln. Auch deshalb habe ich die Passage über die Geldnot wegen der nicht eingetroffenen Überweisung geschrieben. Als Einführung. Geschickte Vorbereitung. Wenn schon Bettler, dann ein gewitzter Bettler sein. – Bin ich aber nicht, zeigt mir das Gefühl der Peinlichkeit. Gewitzt vielleicht. Aber kein Bettler. Will ich nicht sein. Darf nicht sein, dass ich diese Grenze überschreite. Meine Gewitztheit einsetzen für ein Geschäftsmodell, das mich vor dem Betteln bewahrt. Die Hand aufhalten. Aber dafür, dass ich den Leuten etwas gebe, was die Leute wollen. – Die peinliche Passage lasse ich trotzdem stehen. Als Dokument. - Blog-Ethos: Geschrieben ist geschrieben und was geschrieben ist, bleibt stehen.
Mittwoch, 9. März 2011
Zahlenschloss
Spaß-Astrologie von Rob Breszny. Klar, geht das nicht, eine astrologische Aussage zu machen zum Beispiel über alle Löwe-Geborenen für eine Woche. Weiß er auch. Deshalb führt er es manchmal ad absurdum und meist gibt er auch nur witzige Ratschläge zur Lebensweisheit. Doch hin und wieder habe ich das Gefühl, dieses Mal hat er es getroffen. Wie kommt er dazu, woher weiß er von mir? - Nachdem sein Horoskop monatelang an mir vorbei geschrieben war, heute zu meiner Verblüffung:
"Picture a very complicated combination lock, one that requires dialing up eight different numbers to open," writes Arianna Huffington. "You have seven of the numbers, but the lock still won't open until you hit upon that final number. One-eighth may not seem as 'big' as seven-eighths, but without the final click of the combination, the tumblers won't fall into place." Sound familiar, Leo? In my astrological opinion, you have dialed up the first seven numbers but you don't know what the eighth is yet; until you discover it, the lock will stay closed. Where should you look for the missing info? It's now within your reach, and it wasn't before.
"Picture a very complicated combination lock, one that requires dialing up eight different numbers to open," writes Arianna Huffington. "You have seven of the numbers, but the lock still won't open until you hit upon that final number. One-eighth may not seem as 'big' as seven-eighths, but without the final click of the combination, the tumblers won't fall into place." Sound familiar, Leo? In my astrological opinion, you have dialed up the first seven numbers but you don't know what the eighth is yet; until you discover it, the lock will stay closed. Where should you look for the missing info? It's now within your reach, and it wasn't before.
Dienstag, 8. März 2011
Gutschein
Sie wär so nett, wenn sie nur nicht dieses Zahnfleischlächeln hätt. Jeder weiß sofort, was damit gemeint ist. Aber es sagen ist nicht nett. Deshalb lasse ich es lieber weg zu schreiben über die süße, wirklich süße Sparkassenangestellte, die ich gefragt habe, was an Gebühren anfällt, wenn ich bei der Sparkasse ein Girokonto eröffne. – Antwort: 2 Euro; auch bei Online-Banking. – Wenn es gebührenfrei wäre, hätte ich das Konto gestern gleich eingerichtet. So muss ich es mir noch überlegen. Nicht auszuschließen, dass ich das Konto in den nächsten Tagen eröffne. Bei der süßen Sparkassenangestellten. Dann googelt die vielleicht hinterher meinen Namen, findet den Blog, liest, was ich über ihr Zahnfleischlächeln geschrieben habe, und das will ich nicht, weil sie so nett ist. – Das Konto würde ich einrichten, damit die Leser Geld überweisen können, um mich zu unterstützen, damit ich nicht ins Elend falle beim Schreiben des Blogs – Dagegen spricht, dass mir schon der Gedanke daran, die Leser darum zu bitten, Unbehagen bereitet. Vor allem deshalb, weil ich fürchte, dass ich damit in meinen nächsten Misserfolg reinlaufe. Denn a) so viele Leser habe ich nicht, dass sich garantiert eine hinreichend große Zahl Hilfswilliger findet; b) wenn ich mir vergegenwärtige, wie Menschen auf mich in meiner gegenwärtigen Lebensphase reagieren, wie sie sich eher abwenden, als mir entgegenzukommen, tue ich da nicht besser daran, nichts von anderen zu wollen? c) es ist doch für die Leser – als Leser – viel interessanter, wenn ich ins Elend falle; also warum sollten sie sich um dieses Lesevergnügen bringen, indem sie mich unterstützen, und damit meinen Absturz verhindern? – Bleibt der andere Plan: inner circle, beschränkter Zugang für Das innere Biest, Zugang kostet Eintrittsgeld. Aber dazu habe ich hier (noch) nicht genug zu bieten. – Entscheidung in den nächsten Tagen. – Neue Variante. Variante zum Plan: Blog verbessern, dann werben über meine Facebook-Seite, mehr Leser. – Gutschein von Google über 75 € für eine 30tägige Werbekampagne mit einer Google-Anzeige (AdWord). Werbung für den Blog. – Knifflige Aufgabe: Anzeigentext. Schlüsselwörter finden, die maximale Präsenz schaffen durch die Verknüpfung mit Google-Anfragen. Biest ist beispielsweise kein gutes Schlüsselwort, weil so oft wird der Begriff nicht gegoogelt. Nicht so oft wie zum Beispiel Berlin oder Frauen oder Frühling. – Das andere: Umriss eines Profils für den Blog. Warum sollen Leute, die mich nicht kennen, ihn lesen? – Biest zu Biest. Zeitung über mich. Zeitung von mir. Täglich lesen und sich über ein Arschloch ärgern. – Da darf ich mich nicht wundern, wenn mir mit der Anzeige das Gleiche passiert, was bisher mit dem Blog passiert ist: keine Kommentare, keine Resonanz. – Was mir egal war und es auch weiterhin wäre, wenn nicht das mit dem Elend drohen würde.
Bloß jetzt nicht den Blog zurechtstutzen wollen, um ihn attraktiv für Leser zu machen. Weiter wie bisher, wie ich es will und wie ich es kann. Mein Ding. Und die Leute für mein Ding interessieren. Aber das nicht nur mit Worten in einer Anzeige, sondern mit einer Aktion in Biest zu Biest und die dann bewerben. – Worin die Aktion besteht, weiß ich auch schon, wenn auch noch nicht genau, wie das funktionieren soll mit den überfallartigen Interviews, an die ich schon so lange denke, aber ich habe noch nie eines gemacht. Jetzt das machen, jeden Tag eins – das wäre die Aktion. 28 Tage lang, so lange wie ich die Google-Anzeige geschaltet habe. Der Gutschein verfällt nicht. Ich bekomme sicher mehr Leser-Kontakte. Und den Blog bringt es auch weiter. – Idee. Bis 20. 03. gilt der Gutschein. Bis dahin die Aktion konkretisieren, eine schlaue Überschrift dafür finden, während dessen mit den überfallartigen Interviews experimentieren. Viel reizvoller als auf mir bekannte Leute zuzugehen, um über sie zu schreiben, mit ihrem Einverständnis, mit Rücksichten, die ich nehmen muss, und wer interessiert mich von denen denn wirklich? – Und wer interessiert mich draußen? Warum noch kein überfallartiges Interview gemacht? – Die Leute werden interessant von dem Moment an, da ich mit ihnen zu tun habe. Solche Momente kreieren. Es müssen Lebensmomente sein. Was nicht funktioniert: Ich will über dich schreiben. Da verlieren die Leute sofort ihre Authentizität. Und nur auf Leute zugehen, um ein Interview zu machen, das funktioniert auch nicht. Da verliere ich meine Authentizität.
Montag, 7. März 2011
Sprung
Tagebuch und Skizzenbuch war der Plan. Besser Skizzenbuch.
Vergangenheit tut mir nicht gut. Also kommt Erzählen im klassischen Sinn für mich nicht in Frage. – Denn Erzählen im klassischen Sinn ist immer in der Vergangenheit. – Meine Vorstellung von einem anderen Erzählen: Im Präsens. Aktion in der Gegenwart. – Jahrelang als Idee verfolgt. Keinen Ansatz dafür gefunden. Bis ich die Liebesgeschichte mit der Frau von gegenüber im Blog erzählt habe. Da war es, das Erzählen im Präsens, und das Erzählen war eine Aktion. – Zu Ende erzählt. Aus der Liebe ist nichts geworden. Aber schreiberisch hat es geklappt. Es hat sich gezeigt, dass es geht und wie es geht.
Gesucht eine neue Schreib- und Erzählaktion. – Um mich muss es dabei nicht gehen. Ich bin nicht interessant. Mir nicht interessant genug. Als der Liebende, der ich zwei Jahre lang war, habe ich mich überrascht und in Staunen versetzt. Jetzt bin ich nur mehr der, der ich immer war. Nur älter geworden und die Lebensmüdigkeit ist zurück, die ich – wann war das? – vor drei, vier Jahren schon einmal empfunden habe. Damals war ich verwundert darüber, dass mir so etwas passiert. Jetzt ist es nichts Neues mehr. So ist das eben, wenn es nichts gibt, was einen im Leben hält, nichts wofür sich die Anstrengung lohnt, sich mit dem materiellen Elend rumzuschlagen. Es interessiert mich nicht. Deshalb ist aus mir auch nichts geworden. Deshalb jetzt das Elend. – Ist das das neue Ziel für das präsentische Erzählen? Die neue Aktion? Am Leben bleiben. – Ich würde lieber für jemanden anderen etwas tun und darüber präsentisch schreiben. Aber da es so jemanden nicht gibt und nichts, wofür ich mich einsetzen kann, bleibt nur: am Leben bleiben. Mit dem erhöhten Schwierigkeitsgrad, dass es keinen einleuchtenden Grund dafür gibt. Das macht es aber auch schon wieder interessant. Denn dann ist es reiner Selbstzweck. Frei(willig). Autonom. Acte gratuit. Eigentlich Jux und Dollerei. L´art pour l´art. Also Kunst. Alles ist möglich. Vorneweg die alte Hülle zurück lassen. Wenn es mit rechten Dingen zuginge, dann läge die zerschmettert auf einem Bürgersteig (wie gut, dass sie hier noch keine Netze spannen an den hohen Häusern, um die Selbstmörder am Runterspringen zu hindern wie in Shenzen). Vorstellung, dass aus der zerbrochenen blutigen Hülle steigt so etwas wie meine von der Hülle, also von mir befreite Seele, und die ist nun unterwegs als ein Wiedergänger meiner selbst. – Rollenspiel. Ist das die Rolle, die ich gesucht habe? – Tag, Moment, wenn ich springe: Vorne raus auf das Trottoir. Hinten raus ist zu riskant. Im Hof steht die Laterne. Kann ich die von oben sehen vor dem Sprung? Kann ich an der vorbeispringen, so dass ich nicht von ihr aufgespießt werde, mein Fall zugleich abgebremst wird und ich nicht tot, sondern nur zum Schreien schwer verletzt bin? Nichts ist einfach in meinem Leben. Nicht einmal jetzt. – Deshalb lieber vorne raus springen, vom Dach mich fallen lassen auf das Trottoir. Auch da weiß ich nicht, ob ich das Ziel einsehen kann. Ob ich sicherstellen kann, dass, wenn ich springe, nicht gerade jemand vorübergeht, den ich mit meinem Körper, genannt Hülle, erschlage. Aber das ist mir egal. Wenn es ein Kind ist, dann ist es mir nicht egal. Also für den Sprung eine Tageszeit wählen, in der die Kinder in der Schule oder im Kindergarten sind oder schlafen. Hundertprozentig sicher ist das aber auch nicht. Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Nicht einmal in einem solchen Moment. Nichts in meinem Leben ist einfach. Nicht einmal jetzt. Wird schon gut gehen und dann ist es vorbei. Ist doch nur eine poetische Aktion zur Befreiung meiner Seele. – Und was mache ich mit der jetzt?
Als ich zum ersten Mal lebensmüde war und durchgedacht habe, wie ich mich umbringen könnte, bin ich darauf gekommen, dass alles Wichtige, was ich gemacht habe in meinem Leben beim ersten Mal nicht geklappt hat. Slow learner bin ich. Alles, was ich mache, klappt immer erst beim zweiten oder dritten Versuch. So wird es auch gehen, wenn ich mich umbringe. Beim ersten Mal wird es nicht klappen. Aber was, wenn ich nach dem ersten Versuch so beschädigt bin, dass ich mich danach nicht mehr selbständig bewegen kann? Dann gibt es keinen zweiten Versuch. – Konsequenz: Da ich ein slow learner bin und damit rechnen muss, dass mein erster Selbstmordversuch misslingt, so misslingen könnte, dass ich keinen zweiten habe, deshalb ist für mich Selbstmord keine Option und ich muss nie wieder darüber nachdenken. – Da habe ich mich über mich selbst lachen müssen, nachdem ich das gedacht hatte. Von diesem Gedanken-Slapstick habe ich die Vorstellung von Bewusstseinskomödie abgeleitet, die ich seither verfolge. – Jetzt wieder lebensmüde. Das mit dem slow learner vergessen, eben erst mich wieder daran erinnert. Vorher die Idee, meinen Selbstmord zu setzen als poetische Hypothese: meine Hülle, meine Existenz, der ganze verschissene Lebensentwurf liegt zerschmettert am Trottoir und zurückbleibt meine Seele, die nun genau so wenig anzufangen weiß mit sich selbst wie ich, und deshalb Leben um des Lebens willen als l´art pour l´art macht. Sie könnte auch Patiencen legen den ganzen Tag. Aber das ist ihr zu langweilig. Also l`art pour l´art.
Falls die Vorstellung vom Springen als abgeschmackt empfunden wird: ich habe sie nur in diesem Text gebraucht, sonst brauche ich sie im Grunde nicht für den Entwurf meines Lebens als l´art pour l´art. Und die Rede vom l´art pour l´art ist auch nur eine Arabeske für etwas, das ich schon seit längerem weiß: dass mein einziger Daseinszweck das Schreiben ist. Das aber muss ich mir leisten können. Womit ich wieder beim Elend bin.
Vergangenheit tut mir nicht gut. Also kommt Erzählen im klassischen Sinn für mich nicht in Frage. – Denn Erzählen im klassischen Sinn ist immer in der Vergangenheit. – Meine Vorstellung von einem anderen Erzählen: Im Präsens. Aktion in der Gegenwart. – Jahrelang als Idee verfolgt. Keinen Ansatz dafür gefunden. Bis ich die Liebesgeschichte mit der Frau von gegenüber im Blog erzählt habe. Da war es, das Erzählen im Präsens, und das Erzählen war eine Aktion. – Zu Ende erzählt. Aus der Liebe ist nichts geworden. Aber schreiberisch hat es geklappt. Es hat sich gezeigt, dass es geht und wie es geht.
Gesucht eine neue Schreib- und Erzählaktion. – Um mich muss es dabei nicht gehen. Ich bin nicht interessant. Mir nicht interessant genug. Als der Liebende, der ich zwei Jahre lang war, habe ich mich überrascht und in Staunen versetzt. Jetzt bin ich nur mehr der, der ich immer war. Nur älter geworden und die Lebensmüdigkeit ist zurück, die ich – wann war das? – vor drei, vier Jahren schon einmal empfunden habe. Damals war ich verwundert darüber, dass mir so etwas passiert. Jetzt ist es nichts Neues mehr. So ist das eben, wenn es nichts gibt, was einen im Leben hält, nichts wofür sich die Anstrengung lohnt, sich mit dem materiellen Elend rumzuschlagen. Es interessiert mich nicht. Deshalb ist aus mir auch nichts geworden. Deshalb jetzt das Elend. – Ist das das neue Ziel für das präsentische Erzählen? Die neue Aktion? Am Leben bleiben. – Ich würde lieber für jemanden anderen etwas tun und darüber präsentisch schreiben. Aber da es so jemanden nicht gibt und nichts, wofür ich mich einsetzen kann, bleibt nur: am Leben bleiben. Mit dem erhöhten Schwierigkeitsgrad, dass es keinen einleuchtenden Grund dafür gibt. Das macht es aber auch schon wieder interessant. Denn dann ist es reiner Selbstzweck. Frei(willig). Autonom. Acte gratuit. Eigentlich Jux und Dollerei. L´art pour l´art. Also Kunst. Alles ist möglich. Vorneweg die alte Hülle zurück lassen. Wenn es mit rechten Dingen zuginge, dann läge die zerschmettert auf einem Bürgersteig (wie gut, dass sie hier noch keine Netze spannen an den hohen Häusern, um die Selbstmörder am Runterspringen zu hindern wie in Shenzen). Vorstellung, dass aus der zerbrochenen blutigen Hülle steigt so etwas wie meine von der Hülle, also von mir befreite Seele, und die ist nun unterwegs als ein Wiedergänger meiner selbst. – Rollenspiel. Ist das die Rolle, die ich gesucht habe? – Tag, Moment, wenn ich springe: Vorne raus auf das Trottoir. Hinten raus ist zu riskant. Im Hof steht die Laterne. Kann ich die von oben sehen vor dem Sprung? Kann ich an der vorbeispringen, so dass ich nicht von ihr aufgespießt werde, mein Fall zugleich abgebremst wird und ich nicht tot, sondern nur zum Schreien schwer verletzt bin? Nichts ist einfach in meinem Leben. Nicht einmal jetzt. – Deshalb lieber vorne raus springen, vom Dach mich fallen lassen auf das Trottoir. Auch da weiß ich nicht, ob ich das Ziel einsehen kann. Ob ich sicherstellen kann, dass, wenn ich springe, nicht gerade jemand vorübergeht, den ich mit meinem Körper, genannt Hülle, erschlage. Aber das ist mir egal. Wenn es ein Kind ist, dann ist es mir nicht egal. Also für den Sprung eine Tageszeit wählen, in der die Kinder in der Schule oder im Kindergarten sind oder schlafen. Hundertprozentig sicher ist das aber auch nicht. Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Nicht einmal in einem solchen Moment. Nichts in meinem Leben ist einfach. Nicht einmal jetzt. Wird schon gut gehen und dann ist es vorbei. Ist doch nur eine poetische Aktion zur Befreiung meiner Seele. – Und was mache ich mit der jetzt?
Als ich zum ersten Mal lebensmüde war und durchgedacht habe, wie ich mich umbringen könnte, bin ich darauf gekommen, dass alles Wichtige, was ich gemacht habe in meinem Leben beim ersten Mal nicht geklappt hat. Slow learner bin ich. Alles, was ich mache, klappt immer erst beim zweiten oder dritten Versuch. So wird es auch gehen, wenn ich mich umbringe. Beim ersten Mal wird es nicht klappen. Aber was, wenn ich nach dem ersten Versuch so beschädigt bin, dass ich mich danach nicht mehr selbständig bewegen kann? Dann gibt es keinen zweiten Versuch. – Konsequenz: Da ich ein slow learner bin und damit rechnen muss, dass mein erster Selbstmordversuch misslingt, so misslingen könnte, dass ich keinen zweiten habe, deshalb ist für mich Selbstmord keine Option und ich muss nie wieder darüber nachdenken. – Da habe ich mich über mich selbst lachen müssen, nachdem ich das gedacht hatte. Von diesem Gedanken-Slapstick habe ich die Vorstellung von Bewusstseinskomödie abgeleitet, die ich seither verfolge. – Jetzt wieder lebensmüde. Das mit dem slow learner vergessen, eben erst mich wieder daran erinnert. Vorher die Idee, meinen Selbstmord zu setzen als poetische Hypothese: meine Hülle, meine Existenz, der ganze verschissene Lebensentwurf liegt zerschmettert am Trottoir und zurückbleibt meine Seele, die nun genau so wenig anzufangen weiß mit sich selbst wie ich, und deshalb Leben um des Lebens willen als l´art pour l´art macht. Sie könnte auch Patiencen legen den ganzen Tag. Aber das ist ihr zu langweilig. Also l`art pour l´art.
Falls die Vorstellung vom Springen als abgeschmackt empfunden wird: ich habe sie nur in diesem Text gebraucht, sonst brauche ich sie im Grunde nicht für den Entwurf meines Lebens als l´art pour l´art. Und die Rede vom l´art pour l´art ist auch nur eine Arabeske für etwas, das ich schon seit längerem weiß: dass mein einziger Daseinszweck das Schreiben ist. Das aber muss ich mir leisten können. Womit ich wieder beim Elend bin.
Sonntag, 6. März 2011
Angst
Wenn ich mir mehr Mühe gegeben hätte, wenn ich den Gedankenprozess vor dem Schreiben nicht nur so hingehuscht hätte, wäre Zicke der beste Text seit langem geworden. Weil beim Schreiben etwas passiert ist, das zu etwas anderem geführt hat, als das, was ich vorher schon wusste. Weil der Text eine Lebensäußerung ist. Unschönes Kartonwort von heute Morgen, aber es trifft, wie der Blog sein soll. Die Texte sollen Lebensäußerungen sein. So auch zu verstehen: ich schreibe mir ein neues Leben. – Das berücksichtigen bei den konzeptionellen Überlegungen. Die konzeptionellen Überlegungen sind übrigens auch Lebensäußerungen. Von jemand, der gerade nicht weiß, wie es weiter gehen soll. Weil das bisherige Ziel sich als unerreichbar erwiesen hat und ich immer noch dabei bin, mich damit abzufinden, dass ich nichts mehr tun kann, nur noch mich abfinden, dass es nichts geworden ist mit der Frau von gegenüber. – Das ist die Geschichte, die ich hier erzähle. Naturgemäß keine schöne Geschichte.
Warum mir nicht mehr Mühe gegeben mit Zicke? – Am Ende steht es: Vergangenheit interessiert mich nicht. Mit Vergangenheit mich abzugeben, tut mir nicht gut. – Die Aktion war: Vergangenheit hinter mir lassen. Widerwillen gegen diese Vergangenheit. Taewoo begegnet im Hallenbad. Kennengelernt aber in der Kneipe. – Zugleich Widerstreben gegen diese Art von Text. Zu persönlich. Nicht die Art von Text, die ich jetzt schreiben will, gestern immer wieder gedacht. Den jetzt noch und dann gut. – Falsch! Das erkannt durch den Text. Ich erreiche nicht mehr Leser, indem ich von mir absehe. – Wie dann? – Indem ich mehr mit mir anfange. – Was heute? – Den Exposé-Text lesen und formatieren und darüber schreiben? – Bei dem schönen Wetter? – Außerdem auch Vergangenheit. Muss nun aber mal sein. Angekündigt.
Verschwiegen: Existenzangst wegen der nicht eingetroffenen Überweisung. – Kommt sie morgen? Hat die Gönnerin dieses Mal zu spät überwiesen? Oder ist es aus mit ihrer Großzügigkeit? – Warum? – Diese Frage kann dann schon mal übersprungen werden, weil die Antwort nicht weiterhelfen wird. – Das Lebensthema von vorgestern, von gestern, von heute ist die Existenzangst, die Ungewissheit wegen der Überweisung, das Grübeln über die Gründe des Ausbleibens, wenn sie ausbleibt. Kein Thema für den Blog. Weil es nur Klage sein könnte. Weil so schlimm es ist, so banal ist es auch: das Lähmende, Paralysierende von Geldsorgen. – Kommen Sie wieder, wenn Sie einen Plan haben, wie Sie aus den Geldsorgen rauskommen wollen.
Warum mir nicht mehr Mühe gegeben mit Zicke? – Am Ende steht es: Vergangenheit interessiert mich nicht. Mit Vergangenheit mich abzugeben, tut mir nicht gut. – Die Aktion war: Vergangenheit hinter mir lassen. Widerwillen gegen diese Vergangenheit. Taewoo begegnet im Hallenbad. Kennengelernt aber in der Kneipe. – Zugleich Widerstreben gegen diese Art von Text. Zu persönlich. Nicht die Art von Text, die ich jetzt schreiben will, gestern immer wieder gedacht. Den jetzt noch und dann gut. – Falsch! Das erkannt durch den Text. Ich erreiche nicht mehr Leser, indem ich von mir absehe. – Wie dann? – Indem ich mehr mit mir anfange. – Was heute? – Den Exposé-Text lesen und formatieren und darüber schreiben? – Bei dem schönen Wetter? – Außerdem auch Vergangenheit. Muss nun aber mal sein. Angekündigt.
Verschwiegen: Existenzangst wegen der nicht eingetroffenen Überweisung. – Kommt sie morgen? Hat die Gönnerin dieses Mal zu spät überwiesen? Oder ist es aus mit ihrer Großzügigkeit? – Warum? – Diese Frage kann dann schon mal übersprungen werden, weil die Antwort nicht weiterhelfen wird. – Das Lebensthema von vorgestern, von gestern, von heute ist die Existenzangst, die Ungewissheit wegen der Überweisung, das Grübeln über die Gründe des Ausbleibens, wenn sie ausbleibt. Kein Thema für den Blog. Weil es nur Klage sein könnte. Weil so schlimm es ist, so banal ist es auch: das Lähmende, Paralysierende von Geldsorgen. – Kommen Sie wieder, wenn Sie einen Plan haben, wie Sie aus den Geldsorgen rauskommen wollen.
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