Sonntag, 26. Februar 2012

Eilig und kühl

Am Nachmittag fotografiere ich das Fenster des Contessa-Zimmers, um das Foto der Frau zeigen zu können, die hier mit dem Alias irotaS kommentiert hat - wenn ich sie wieder treffen sollte. Was ich nicht weiß, denn der Abschied bei unserem Treffen am Freitag war eilig und kühl. Aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, weil der Abschied nicht so herzlich war, wie ich es mir nachträglich vorgestellt habe, dass er hätte sein können.

Posten werde ich das Foto des Fensters gegenüber nicht, auch nicht hier im Nebenblog, der nicht googlebar ist. Stillschweigende Übereinkunft, die ich mit denen da drüben habe: kein Name, keine Adressangaben und eben auch kein Foto. 

Mittwoch, 22. Februar 2012

Aufsehen

Anderes Schwimmmeister-Team im Hallenbad als gestern. Ich erzähle den Männern was gestern Früh los war. Sie wundern sich und erklären mir, dass das nicht stimmt mit der Personalknappheit, jedenfalls nicht im Stadtbad Hans Rosenthal. Vier SchwimmmeisterInnen sind eingeplant pro Schicht. Eine Person mehr als vorgeschrieben, falls ein Schwimmmeister ausfällt. Und das kann nur heißen, dass gestern zwei ausgefallen sind.

Wegen Rosenmontag am Vortag? fragt der Rheinländer Bernd und gibt sich selbst die Antwort: Unwahrscheinlich in Berlin. – Bernd jetzt auch vom Sachsendamm zurückgekehrt in die Hauptstraße. Jetzt ist fast alles wieder so wie es war, sage ich am Beckenrand sitzend zu ihm und tätschle ihm die Schulter. Wer fast ist, ist klar, und auch, dass wir sie beim Schwimmen nicht mehr sehen werden. Sie kommt alleine schon wegen des Aufsehens nicht, das sie erregen würde.

Dafür habe ich gestern bei Videoworld die Frau vom Schöneberger Rathaus wieder gesehen, von der ich geglaubt hatte, es sei die Contessa aus dem Stadtbad. Während ich mit ihr geredet habe und auch noch, als ich wegging, war ich mir sicher, dass sie es nicht ist. Später allerdings immer weniger. Das erzähle ich ihr gestern und sage dann: Jetzt ist es aber ganz klar, dass Sie es nicht sind. Doch später ist es wieder so, dass ich mir dann nicht mehr ganz so sicher bin. Als sie mich gesehen hat gestern, da hat sie gelacht, in Erinnerung an die Szene von neulich. Ich habe darauf auch gelacht. – Alleine schon, dass in dieser Geschichte mal jemand lacht und ich kann mitlachen! Über diese Geschichte, in der es nie etwas zu lachen gegeben hat. – Ich habe ihr meine Karte mit der Biest-Adresse gegeben, damit sie die Geschichte lesen kann, über die wir gelacht haben. Und sie hat mir ihre Karte gegeben. So dass ich jetzt weiß, wie sie heißt und dass sie auch einen Blog schreibt. Lyrik-Blog. Sie schreibt Gedichte wie ich in meinen besten Momenten Prosa. Sie sucht einen Rhythmus beim Schreiben und wenn sie ihn gefunden hat, lässt sie sich von ihm mitnehmen. 

Mittwoch, 15. Februar 2012

Kluge

Manchmal ist es nur Eitelkeit. Morgens waren die Feuilletons voll mit Kluge-wird-80-und-was-ist-er-für-ein-jolly-good-fellow. Beim Abendessen erinnere ich mich daran und mir fällt die Formulierung: Klugscheißen als Dünnschiss ein zu Kluge und weil mir die Formulierung so gut gefällt, muss ich jetzt auch was machen zu seinem 80. Geburtstag. Der kurze Text schreibt sich wie von selbst, ist aber völlig unnötig. Klar, halte ich ihn für einen Schwätzer, vergleichbar nur noch mit Sloterdijk. Spielarten des Nichts-Sagens: Sloterdijk die Leere als Volldröhnung. Kluge die Leere als Geblubbere. Im direkten Vergleich ist mir Kluge da noch lieber. Und deshalb muss ich ihm jetzt ans Bein pinkeln? Was sonst ist denn mein Posting? Bin ich darüber nicht hinaus? Soll ich den Text löschen und in Das innere Biest stellen? Da passt er nicht hin. Also lass ich ihn stehen. Neben der Geschichte zum Valentinstag. Wohl fühle ich mich dabei nicht. Schon den ganzen Tag fühle ich mich unwohl. Tendenz: immer schlimmer. – Aber doch nicht wegen dem Kluge-Text. – Nein, wegen allem.

1979 oder 1980, Kluge hatte gerade Die Patriotin herausgebracht, habe ich ihn besucht in Frankfurt, um ein Interview mit ihm zu machen. Es wurde eines der längsten Interviews, die ich je gemacht habe. Als ich nach Hause fuhr, hatte ich das Gefühl, Gold in Händen zu haben. Fast 15 DIN A4 Seiten lang war die Abschrift des Interviews. Aber am Ende hatte ich Mühe, zwei brauchbare DIN A4 für den Abdruck zusammenzukriegen. – Ich kenne auch Literatur von ihm. Erinnerung an einen dicken edition suhrkamp-Band voll mit Geschichten, keine Ahnung, wo er die her hat. Als ich das Buch durchgelesen hatte, hätte ich nicht sagen können, was drin steht. Nur eine Geschichte ist mir im Gedächtnis geblieben: Von einer Prostituierten, die in Island oder in Grönland arbeitet, auf einer Bohrinsel oder einer Polarforschungsstation. und sie wird immer dicker und dicker, bis sie kugelrund ist von dem, was sie alles schlucken muss von Berufs wegen. Titel des Buches: Lernprozesse mit tödlichem Ausgang. Der Kluge-Sound. Die Kluge-Masche. Die Betriebsamkeit. Die Ausdauer. Der immer gleiche dunkle Anzug und das zum Anzug passende Strickhemd ... .  

Montag, 13. Februar 2012

Eskimo




Sonntag 14:36

Wenn ich einen mir bekannten Afrikaner schon zum dritten Mal innerhalb von 14 Tagen bei Eiseskälte so entspannt rauchend vor einem Café sitzen sehe, als würde er sich in der Sommersonne fläzen, darf ich ihn dann mit den Worten begrüßen: Na, du Eskimo! oder ist das politisch unkorrekt?

Sonntag, 12. Februar 2012

Berge

Ich möchte über Menschen schreiben so wie Olav Berge malt: vom Eis geformt - und dann sie beleben.

Sonntag, 5. Februar 2012

Zettl

Rest eines verworfenen Textes:
... Und weil in meinem Leben immer alles so zusammenpasst, geht es gleich beim Frühstück weiter mit Fake-Journalismus, als ich auf Bild.de Helmuth Karaseks Beitrag über die Berliner Premiere des Dietl-Films Zettl lese. Hätte der Artikel Beine, stünde er knietief im Schleim. Er ist so widerlich, dass ich mit vollem Mund Lohnf***e zische und mir dabei fast das Müsli herausfällt. Zur Erinnerung: Ich benutze das böse Wort F***e nur in Beziehung auf Männer (und auch nur dann, wenn es niemand hört). In Verbindung mit Lohn als Steigerung von Lohnschreiber höre ich das Wort in diesem Augenblick zum ersten Mal von mir und muss lachen wegen des Drastischen des Ausdrucks. Zutreffend ist er allerdings nicht. Denn beim Weiterlesen wird mir klar, dass der Artikel ein Freundschaftsdienst des Karasek für Dietl ist. So sehr in Not der Dietl an der Kinokasse? Kann doch nicht sein, da sein Film erst am Donnerstag angelaufen ist. Also angeschossen in seiner Eitelkeit der Dietl von den Verrissen, die er durchweg gekriegt hat. Und das von dem Karasek soll jetzt helfen? Dann hat er es nicht besser verdient, der Dietl, der überschätzte, und irgendwann ist halt Schluss, der letzte Film war doch auch schon ein Flop, der davor auch und Rossini war ein Menschenzoo und Schtonk war Götz George und Christiane Hörbiger und Kir Royal war Fernsehen und Co-Autor war Patrick Süskind.

Samstag, 4. Februar 2012

@ariztweet

Google. Von einer Person will ich wissen, ob sie noch in Berlin ist. Keine aktuellen Infos. Was von Die Welt, wo sie mal eine Kolumne geschrieben hat über Glück, aber anscheinend nur bis 2010. Als Rednerin kann man sie buchen bei Bertelsmann, wahrscheinlich immer noch. Ihre Haare früher blond, sind jetzt schwarz. Und sie twittert fast täglich, meistens über das Wetter, in Reimen:

Der Schnee liegt still/Die Sonne scheint/Der Winter hat es/Gut gemeint

Es wird immer kälter/Und der Wind pfeift hart/Gut, wenn man beim Parka/Diesmal nicht gespart

Jedenfalls weiß ich jetzt, dass sie noch in Berlin ist:

Lässiges Grau/Guten Morgen Berlin/Wo ist die Sonne/Wo ist sie hin?

Donnerstag, 2. Februar 2012

Palaver

Auf dem Treppchen vor dem Laden von Oleg steht ein Mann und ist auffallend individuell gekleidet. Das ist Oleg auch, aber nicht so elegant wie der Mann vor seiner angelehnten Ladentür. Die Eleganz des Mannes ist eine, die man nicht kaufen kann. Jedenfalls nicht hier. Deshalb bleibe ich zweimal stehen, nachdem ich an ihm vorbei gegangen bin, und überlege, ob ich zu im zurück soll und ihn fragen, ob ich ihn fotografieren darf. Die Zukunft des Blogs sind Leute wie er. Aber zweimal gehe ich weiter. Zu kalt für ein Palaver auf der Straße und ich will nicht die Handschuhe ausziehen, was ich müsste, um die Kamera zu bedienen, wenn er ja sagt. 

Mein Gesellschaftsleben findet heute bei Reichelt statt, weil es auf der Straße zu kalt ist, sage ich zur Kubacki, als ich mich zu ihr an die Kasse stelle, nur um mit ihr zu reden, denn ich habe noch gar nichts eingekauft. Es ist das erste Mal, dass wir uns beim Einkaufen treffen. Ich sage, dass ich Rosenkohl essen möchte, sie geht darauf ein. Man kann bestimmt gut mit ihr über alles Mögliche reden. Aber unser Gespräch kommt nicht in Fluss. Das kann daran liegen, dass wir noch keinen gemeinsamen Ton gefunden haben. Oder dass sie mir nicht traut wegen des Blogs, nur das Nötigste sagt und so muss ich das Gespräch mit Fragen in Gang halten. Da die Fragen nur diesen Zweck haben, ist es gleichgültig, was sie darauf antwortet. Nur eine Antwort würde mich interessieren. Als wir auf Peter Lindenberg zu sprechen kommen, sagt sie, dass er ihr erzählt hat, dass wir uns getroffen und ich über ihn geschrieben habe. – Und? Hat er was gesagt, wie er das Treffen fand und was ich geschrieben habe? – Nö. - Sie würde lieber barfuß nach Hause gehen bei der Kälte, als auch nur eine Andeutung zu machen, wie Peter sich geäußert hat. Und ganz sicher hat er sich geäußert. Aber sie ist entweder (vorbildlich) diskret. Oder jemand, der auch sonst nicht viel sagt. Oder sie will kein vertrautes Gespräch mit mir, weil sie es nicht hinterher im Blog lesen will, was sie gesagt hat. Das kann ich verstehen. Also warum habe ich es überhaupt versucht? Warum habe ich sie nicht einfach nur gefragt, ob ich ihre pinkfarbenen Gummistiefel fotografieren darf, mit denen ich sie heute bereits zum zweiten Mal gesehen habe. Pinke Gummistiefel und alles andere schwarz: Mantel schwarz, Pullover schwarz, Hosen schwarz, die Hosen über den Stiefeln getragen, die Stiefel halbhoch, denke ich mir, ohne einen Anhaltspunkt dafür zu haben. Wieder erst hinterher darauf gekommen, dass ich die pinken Stiefel hätte fotografieren sollen. Die Zukunft des Blogs sind die pinken Gummistiefel.