Samstag, 23. Juli 2011

Nachlieferung

Nachlieferung und Berichtigung zum Post Özgür vom 18. Juli 2011:

Hier die Fotos, die am Montag fehlten. Anregung/Inspiration: Blick auf die Unterseite des Brückenbogens der March-Brücke, Landwehrkanal in Tiergarten. Nicht im Tiergarten, wie ich falsch verstanden hatte.


Zweites Missverständnis. Die Reliefs sind keine Arbeiten aus diesem Jahr. Sie sind entstanden 2008/09/10

Positiv/Negativ    Gips    50 x 65 cm    2008/09

Positiv/Negativ   Gips    50 x 65 cm    2008/09

Kein Missverständnis, Geständnis: ich wollte es nicht noch komplizierter machen im Posting über den Atelierbesuch bei Özgür. Die Reliefs führen die Spiegelung unter dem Brückenbogen nicht nur auf ihren Ursprung, die Wasseroberfläche, zurück. Sie kontern den Ursprung, indem sie die Wasseroberfläche von unten zeigen. Verdeutlicht durch die das Wasser teilende Keilform, stilisierter Kiel eines Bootes. 

Positiv/Negativ    Gips    50 x 65 cm    2010 

Schließlich noch Korrektur eines Erinnerungsfehlers. Das Institut in der Nähe des Breitenbachplatzes, wo die Ausstellung stattfand, bei der ich Özgürs Familie kennengelernt habe, ist kein FU-Institut, sondern das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Außerdem glaubte ich am Montag den Namen von Özgürs Lebensgefährtin, die an der UDK studierte und die Mutter seiner Tochter wurde, nicht nennen zu sollen. Da mir das im Nachhinein unverständlich ist und ihr Name im Posting Emeklier genannt wird: sie heißt Miriam.

Positiv/Negativ    Gips, Blattsilber   50 x 65 cm   2008/09
Fotos: © Özgür Emeklier

Donnerstag, 21. Juli 2011

Herzchenreflex

Es geht mir nach, dass ich mich gestern so hart geäußert habe über Jakob Augstein. Was kam von der empfundenen Dumpfbackigkeit bei der Lektüre seiner Kolumnen. Was mache ich jetzt? – Erstens: Sie nicht mehr lesen. Zweitens: Ich mache deutlich, dass das keine Tatsachenfeststellung ist, dass er nur wegen seiner Anteileignerschaft beim Spiegel in der Online-Ausgabe des Magazins schreiben darf, sondern eine Zuspitzung meiner Polemik. Drittens: Ich weise die Leser auf den aktuellen Beitrag von Jakob Augstein auf Spiegel Online hin. Wortmeldung aus aktuellem Anlass: Zwei Helmuts für Europa. Die beiden Altkanzler Schmidt und Kohl, meint er: Die beiden Männer, die deutsche Geschichte geprägt haben wie kein anderer ihrer Zeitgenossen, sollten gemeinsam das Wort für Europa ergreifen und für die deutsche Zukunft. - Tja, habe ich doch wieder seine Kolumne gelesen. Aber nur, damit ich weiß, was ich hier verlinke, damit die Leser sich ihr eigenes Urteil bilden können. Ich äußere mich dazu nicht. Die beiden Männer, die deutsche Geschichte geprägt haben, wie kein anderer ihrer Zeitgenossen. Helmut Schmidt, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland von 1974 bis 1982, und Helmut Kohl, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland von 1982 bis 1998. Sie haben deutsche Geschichte geprägt wie kein anderer in dieser Zeit.  

Samstag, 16. Juli 2011

Weich

Weil es einen Mann der Woche gegeben hat, den Schutzmann, und es von dem so viel zu berichten gab, hat es keinen Künstler der Woche gegeben. Das wäre der Namensvetter gewesen: Wolfgang Schmeding. Die Verabredung am Mittwoch habe ich abgesagt, ich treffe ihn morgen. Am Montag treffe ich Özgür. Der wird mit seinen Skulpturen der Künstler der nächsten Woche sein. Von Özgür gibt es derzeit eine Ausstellung in der Merseburger Straße. Bis Ende Juli sicher, vielleicht auch noch im August. Wegen der Ausstellung Özgür vor Wolfgang.

Die Galerie, in der Özgür ausstellt, ist UNDER THE MANGO TREE. Die Galeristin habe ich eben getroffen. Mini Kapur. Kommt aus Neu Delhi. Grafik Designerin. UNDER THE MANGO TREE ist auch das Label ihres Grafik Studios (Arbeiten u.a. für Industriefirmen, Organisationen wie die Welthungerhilfe und die Indische Botschaft). Seit 23 Jahren lebt sie mit ihrem Mann in Berlin. UNDER THE MANGO TREE ist – ja was? – Wording, poetische Chiffre, sehnsüchtiger Seufzer aus der Zeit, als sie sich überhaupt nicht wohl fühlte in Berlin. Keine Sonne, keine Wärme, kein Lächeln, keine Farben. – Heute fühlt sie sich wohl. Deshalb, weil sie den zu ihr passenden Kreis von Menschen gefunden hat. Den Ort UNDER THE MANGO TREE, Galerie, Grafik Studio und auch Laden versteht sie als einen Treff- und Anziehungspunkt. Eröffnet hat sie ihn im März mit der Ausstellung der Skulpturen von Özgür Emeklier. Parallel dazu hat sie seitdem zwei Konzerte veranstaltet (indische Musik, europäische Musik) und eine Vortragsreihe begonnen (erster Vortrag über Yoga). Laden, ich glaube, so würde sie es nicht nennen, denn sie hat mich auch gebeten, nicht die Preise zu nennen der Textilien, die sie dort anbietet: Tücher aus Seide, zum Teil verziert mit traditionellen indischen Stickereien und Shawls aus reinem Pashmina, uns bekannt unter dem Namen Kaschmir, aber diese Wolle von einer Reinheit und Qualität, wie wir sie in Europa nicht kennen. Sie hat mich einen Shawl befühlen lassen und meinte, er sei so weich wie Butter. Meine Empfindung: Er fühlte sich an wie ein Blütenblatt. Was für ein Gefühl muss es erst sein, solch einen Shawl um den Hals zu tragen? – Wie geborgen muss man sich fühlen. eingehüllt in den Flaum dieser Wolle, an einem grauen feuchten kalten Berliner Tag, an dem einen nirgendwo ein Lächeln begegnet? – Sie wollte es mir erst gar nicht sagen, was dieser Shawl kostet, und nachdem sie mir den Preis gesagt hatte, bat sie, wie erwähnt, um Diskretion. – Das Biest kann diskret sein. In diesem Fall nicht. Mehr als 250 Euro kostet der Shawl. – Also 300? – Sie nickt. – Ja, und? Reines Pashmina! Handgearbeitet. Ein nie gehabtes Tragegefühl. Das ist den Preis mehr als wert. Das weiß Mini Kapur natürlich auch. Aber für sie steht im Vordergrund nicht das Geschäft. Für sie geht es darum, uns bekannt zu machen mit der traditionellen Handwerkskunst ihres Landes und zu zeigen, dass es dort seit vielen Jahrhunderten eine Qualität gibt, von der man hier nichts weiß. – Qualität, das ist das eine Wort, das sie immer wieder gebraucht, das andere ist Einfachheit. Als ich sie frage, ob es eine Religion oder Weisheitslehre gibt, von der sie inspiriert ist, da schüttelt sie den Kopf und sagt nur dieses eine Wort: Einfachheit. Das ist es, worum es ihr geht. - Einfachheit, das ist auch das erste, was sie sagt, als ich sie frage, was ihr gefällt an den Skulpturen Özgürs: Ihre Einfachheit, sagt sie. Die Kraft darin. Und ihre Harmonie. – Eine Harmonie, die nicht gefällig ist, füge ich hinzu. Und auch das mit der Kraft und der Einfachheit sehe ich so wie sie. Mehr über Özgürs Arbeiten nächste Woche. Mehr über Mini Kapur und UNDER THE MANGO TREE demnächst. Und sonst, einfach mal hingehen, sie kennenlernen – und dann unbedingt sich von ihr einen Shawl aus reinem Pashmina zum Befühlen in die Hand geben lassen.    
UNDER THE MANGO TREE
Merseburger Straße Nr. 14 
10823 Berlin
030 787 184 75
mini.kapur@utmt.net

Lose Erzählfäden. Das Stéphane Hessel-Buch. Oguzhan hat es gelesen. Wem gebe ich es jetzt? – Von Günter aus dem Felsenkeller höre ich ein triumphierendes NÄ! Ich will es lieber nicht wissen, worüber oder weswegen er da triumphiert hat. Norbert vom Schönebag hat mit sich selbst im Moment gerade genug zu tun. – Sind ohne Fußnoten nur 19 Seiten. – Ich habe nicht mal Zeit, um eine Seite zu lesen. – Geschäft? - Nee, Wohnung gekündigt. Wohnung auf der Schöneberger Insel. 27 Jahre hat er dort gewohnt. Jetzt muss er sich eine neue suchen.

Die Wichtigkeit der Pfirsiche. Am liebsten wäre es mir gewesen, ich hätte von den Edeka-Leuten eine befriedigende Antwort bekommen und mein Experiment mit dem unreifen harten Pfirsich, den ich am Mittwoch gekauft habe, um ihn zwei Tage liegen zu lassen, wäre so ausgegangen, dass ich sagen  könnte: Das mit den klimakterischen Früchten und dem Nachreifen habe ich nicht gewusst. Der Pfirsich war nach zwei Tagen vom Feinsten. Ich habe mich verstiegen. Ich gebe es zu. So kann es gehen. Was dazu gelernt. – Jetzt war der Pfirsich als ich ihn gestern aufgeschnitten habe, um ihn in zwei Hälften zu teilen, zwar so saftig, dass mir der Saft durch die Finger geronnen ist, und so weich, dass es mir nicht gelungen ist, das Fruchtfleisch im Ganzen vom Kern zu lösen, so dass der Weichheitsgrad auch als matschig bezeichnet werden kann. Aber vielleicht war das mein Fehler. Hätte ich den Pfirsich statt zwei Tage nur einen Tag liegen lassen, wäre er vielleicht noch von fester Konsistenz gewesen. Allerdings hätte das nichts geändert an seinem Geschmack. Irgendwas muss da beim Umbau von Stärke in Fruchtzucker schief gelaufen sein. Denn der Pfirsich schmeckte so sauer, dass ich, nachdem ich zwei Probierbissen genommen hatte, den Rest (zwei Drittel) weggeworfen habe. – Was ist jetzt das? Und mit wem kommuniziere ich es? Die Mitarbeiter im Supermarkt werden mich wieder an die Geschäftsleitung verweisen. Von der habe ich gehört – aus Hamburg: dass sie die Kunden bedienen wollen, die es so gut finden, wie sie, die Edeka-Leute es machen; - und aus Minden haben sie mir geschrieben, dass sie sofort jemanden in den Supermarkt in der Gleditschstraße schicken werden, um mit dem Personal zu reden und Maßnahmen einzuleiten.. Was für Maßnahmen? Wieso mit dem Verkaufspersonal reden? – Das Personal in der Gleditschstraße kauft doch nicht die Pfirsiche in Frankreich ein. – Kann es sein, dass die sich gar nicht mit mir austauschen wollen? Dass die mich nur loswerden wollten? Ist es ihnen lieber, wenn ich mit meiner Unzufriedenheit dem Edeka-Markt fern bleibe oder wenigstens darauf verzichte, dort Pfirsiche zu kaufen? Es wäre die einfachste Lösung. So würde ich mich auch verhalten, wenn ich nicht das Thema hier im Blog aufgegriffen hätte und es jetzt zu einem für die Leser und mich zufriedenstellenden Ergebnis bringen wollte. Also habe ich mir heute (13.30 Uhr) bei Edeka in der Gleditschstraße wieder einen harten unreifen Pfirsich gekauft und werde das Experiment fortsetzen. Angebot war: Pfirsiche aus Frankreich/Spanien / gelb&weißfleischig /Kilopreis 2.99 Euro. 

Montag, 11. Juli 2011

Unfug

Von gestern:
Der Hacker lässt nicht locker. Versuch misslungen, ihn zu besänftigen mit einem Passwortwechsel, indem ich das bisherige Passwort für die Facebook-Seite, verpissdich, ersetzt habe durch eine unagressive Wortwahl. Darauf schließlich gekommen, mit dem Hacker über die Passwörter zu kommunizieren. Nach der derben nun die friedensstiftende Variante. Geduld. Vielleicht tut sie doch noch ihre Wirkung. Und wenn nicht? Geduld!

Thema: 34jährige Frauen, die Kohorte der um das Jahr 1977 Geborenen. Mit Caty, die mich darauf gebracht hat (Anlass), mit ihr gibt es keine Verständigungsschwierigkeiten mehr, seit ich in ihren Laden komme als Erdbeeren, Kirschen und Äpfel kaufender Kunde und nicht mehr, um über sie zu schreiben. Und die berühmte andere Vertreterin der Kohorte, die Frau von gegenüber (Ursache), ist nicht zu sehen, sendet Signale, wenn sie es tut, die so vage sind, dass sie auch von jemandem anderen kommen könnten, und, um das mal festzuhalten: sie tut nichts, um den Hacker-Unfug zu beenden. Was sie auch dann könnte, wenn es so ist, wie ich es mir vorstelle, dass es nicht ihr Unfug ist. Wenn es so ist. Das kann ich mit letzter Bestimmtheit nicht sagen. Und Sätze über Unbestimmtes mag ich nicht schreiben.

Ich mag überhaupt Sätze wie hier nicht mehr schreiben. Das innere Biest in der Krise. Wann war es das nicht? Jetzt auch noch Schreibkrise. Die Sätze hier ziehen mich runter. Und reicht es nicht, wenn andere mich runterziehen? – Was ist das Gegenteil von runterziehen? – Zum Beispiel andere Sätze schreiben.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Phrase

Hoffnung, dass es aufhört mit den Hacker-Übergriffen erfüllt sich nicht. Meine Friedensgesänge bleiben ungehört. Ich habe es geahnt, in dem Moment, als ich vorhin die Facebook-Seite aufgerufen habe. So war es dann auch: Page Visibility deaktiviert. Vorläufig kein Kommentar. Am besten wär´s, es bliebe dabei. Das ist keine Drohung. Das ist meine Meinung zu dem Plot. Immer nur ich im Dialog mit einem Gegenüber, der sich nicht äußert, nur zeigt, dass er da ist. Was soll das?

Hoffnung, dass mein Text Kontaktbereich gut aufgenommen wird von Herrn K. und seinen Kollegen, mit denen ich das Thema fortsetzen möchte: Blick auf meine Umgebung mit den Augen der Polizei und: das Revier, als einen markanten Ort in meiner Umgebung möchte ich noch besser kennenlernen. Wer sitzt da alles und wer macht was?

Gestern hatte ich eine Verabredung mit der Malerin und Grafikerin Judith Brunner in ihren Räumen in der Crellestraße. Das wurde mir  klar, als ich am frühen Abend in meinem Notizbuch nachgesehen habe, ob ich die Verabredung mit ihr am nächsten Tag, also heute, um 11 oder um 12 Uhr habe. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, der Termin sei am 6. 07. Nun sah ich: 5.07. – ich hatte Judith Brunner versetzt. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass mir so etwas passiert ist. Der Satz funktioniert gut, so lange ich mit ihm alleine bin. Als ich ihn gegenüber Judith Brunner ausspreche, die ich anrufe, um mich zu entschuldigen, klingt der Satz wie eine Phrase. Hohle Phrase, wollte ich eben zuerst schreiben. Als wäre eine Phrase nicht  immer schon hohl.

Nachdem ich ihr mein Missgeschick geschildert hatte, sagte Judith Brunner: Der Welt ist nichts fremd. - Schöne Phrase. 

Montag, 4. Juli 2011

Wünschen

Empfindungsloses Draufhalten. Ein Meister des Draufhaltens hat die Empfindungslosigkeit impassibilité genannt und sie als literarisches Verfahren kultiviert. Bei Peter habe ich – trotz freundschaftlicher Gefühle – empfindungslos draufgehalten. Und aufgehört damit nur, weil mich sein Alkoholismus als Thema nicht interessiert hat und ich entdeckt habe, dass das sein eigentliches Thema ist. Sein anderes Thema (zusammenhängend mit dem Alkoholismus?) ist das Lügen. Jetzt die Lügengeschichte mit der kolumbianischen (nicht spanischen) Kunststudentin, die er im KDW kennengelernt hat Anfang letzter Woche und am Samstag getroffen zum Mittagessen um 12 Uhr in einem Restaurant, wo sie bis 18 Uhr, also 6 Stunden lang, gesessen und geredet haben, wie er erzählt. Er hält an der Geschichte fest, was soll er auch sonst machen? Soll er sagen, also gut, du hast mich ertappt, ich gebe es zu, ich habe dir einen Tagtraum erzählt, der zugleich eine Kritik an dir war und mit dem ich dich neidisch machen wollte. Das wirft er mir so oft vor, dass ich neidisch auf ihn bin, dass es nicht anders sein kann: er wünscht sich, dass ich ihn beneide. Es kann natürlich auch sein, dass ich mich täusche. Es ist unwahrscheinlich, aber eine geringe Wahrscheinlichkeit gibt es. Die muss ich in Betracht ziehen. Und das bedient er, indem er nicht nur festhält an seiner Geschichte mit der Kunststudentin, sondern sie nun unterfüttert mit Details: der Cheddar-Käse, den er im KDW gekauft hat, das Budweiser, das er dort getrunken hat zum Preis von 4 Euro 10 (er, der sagt, Bier sei eklig, und Weißwein bevorzugt, von dem man auch viel schneller besoffen wird) und dann war da die Kolumbianerin, hat wahrscheinlich auch Budweiser getrunken oder doch lieber ein Bit? Sie kamen ins Gespräch, er hat sie fotografiert, sie ihn, er hat ihr seine Wände-Fotos gezeigt, sie will sie ihrem Professor zeigen an der Kunsthochschule, und am Samstag wollte sie ihn treffen … . Er schickt mir sogar die Mail-Adresse von ihr und die Weiterleitung einer Mail, die sie an ihn geschrieben hat. In einem so malerisch falschen Deutsch, dass es zu viel ist. - Er bietet mir an, ihr zu schreiben und mir von ihr bestätigen zu lassen, dass sie ihn getroffen hat. Ich sage, er soll mir ihre Telefonnummer geben, sonst glaube ich es nicht. Die gibt er mir allerdings nicht. – Was für ein Blödsinn! Hat der nichts anderes zu tun, als mir seine Lügengeschichte zu verkaufen? Habe ich nichts anderes zu tun, als mich damit zu beschäftigen. Wahr oder gelogen ist doch egal. Gönne es ihm doch, seinen Tagtraum dir gegenüber als Realität auszugeben und in dem Moment, da er es erzählt, selbst daran zu glauben. Offensichtlich gelingt mir das nicht. Nicht aus Kleinlichkeit, sondern weil es interessanter ist dagegen zu halten: Peter, hör auf! Es ist peinlich, was du erzählst. Ich weiß, dass du lügst. – Dem Lügner seine Lüge nicht durchgehen lassen. Was macht er dann? Peter legt nach mit seiner kleinen Phantasie. Baut die Lüge aus wie ein Haus, Zimmer für Zimmer. Ist das der Ursprung des fiktionalen Erzählens? Der Tagtraum, der als reales Geschehen weitererzählt wird. Einer erzählt von dem Säbelzahntiger, der ihn verfolgt hat, und vor dem er sich nur retten konnte, indem er auf einen  Baum geklettert ist. Doch dann – Wendepunkt zu Ungunsten des Helden – hat sich der Tiger unter den Baum gelegt, will nicht eher weichen, als bis ihm die Beute vor die Tatzen fällt. Da hat er jetzt gesessen, der Erzähler, im Geäst des Baumes. Da hat er wirklich gesessen und geträumt und sich dabei seine Geschichte ausgedacht, mit der er den Angehörigen seines Stammes nun erklärt, warum er so lange weggeblieben ist. Es war dann nämlich so, dass es einen drei Tage und drei Nächte währenden Kampf gab zwischen dem Tiger und ihm,  in dem es darum ging, wer zuerst einschlafen würde, ob er auf dem Baum da oben, in Gefahr, dann herunterzufallen dem Tiger vor die Tatzen, oder der Tiger, so dass er da oben leise heruntersteigen und auf Zehenspitzen an dem schnarchenden Tiger vorbei entkommen kann. Immer noch lebensgefährlich, aber seht, hier bin ich. Ich habe es geschafft. – Der Säbelzahntiger. Die schöne Fee. Das Erdmännlein, so klein, dass ihr es euch gar nicht vorstellen könnt. Was einem im Wald so alles begegnet. – Das Träumen, das Lügen. Die Kritik des Lügens. Aber geträumt wird weiter. Der einsame Mann, der sich nichts Schöneres vorstellen kann im Leben als jeden Tag Seiten zu füllen mit seiner Schrift, träumt von einer Leserin von Schundromanen. Voller Sehnsucht nach Gefühlen, die ihr das Leben vorenthält in der Provinz, an der Seite eines Mannes, der das Gegenteil der Männer in den Romanen ist. Doch das ist noch keine Geschichte. Eine Geschichte wird es erst, wenn ihr Wunsch in Erfüllung geht, wenn sie so einem Mann wie in den Schundromanen begegnet und mit ihm ihren Traum lebt. Und eine wahrhaftige Geschichte wird es, wenn es ein böses Erwachen gibt aus dem Traum. Und dann das Rattengift und elende Verrecken. Impassibilité. Tagtraum eines Lesers, der es als Autor besser machen will. Nicht der Wunsch, die Wirklichkeit zählt. Aber auf den Wunsch kommt es weiter an. Ohne Wünschen kein Erzählen? The World Is Not Enough (Titel eines James-Bond-Films). Das Leben ist auch nie genug. Warum eigentlich nicht? – It is only shallow people who do not judge by appearances. The problem of the world is the visible, not the invisible. Ausgerechnet Oscar Wilde. Aber da geht es nicht ums Erzählen, da geht es ums Verstehen. In place of a hermeneutics we need an erotics of art. Susan Sontag, auch eine Leserin. Lausige Romanautorin. Brillante Erzählerin von Lektüren. Das ist es auch nicht. – Erzählen ohne zu lügen. Wünschen ohne zu träumen. Geht das? Der Wunsch ist, zu erzählen ohne zu lügen, ohne die Verstrickung ins Lügen durch das Träumen.

Samstag, 2. Juli 2011

Glaubwürdig

Morgenlektüre: Strauss-Kahn Accuser´s Call Alarmed Prosecutors. Danach erscheint mir meine Folgerung, Strauss-Kahn sei unschuldig im Sinne der Anklage, nicht mehr nur als voreilig, sondern als unhaltbar. Denn was die Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens am meisten erschüttert, das beweist sie zugleich. 28 Stunden nach der sexuellen Handlung im der Suite 2806, von der sie behauptet, sie sei nicht einvernehmlich gewesen, hat sie mit ihrem Freund telefoniert, der zur Zeit in einer Haftanstalt in Arizona einsitzt. Das Telefongespräch wurde von den Ermittlern aufgezeichnet. Ausgewertet konnte es aber erst jetzt werden. Es hat offenbar Wochen gedauert, bis die Ermittler jemanden fanden, der das Gespräch übersetzen konnte. Denn es wurde in einem nicht weit verbreiteten Dialekt des Fulani, der Sprache Guineas, geführt. Was die Ermittler aufhorchen ließ, als ihnen die komplette Übersetzung des Gesprächs vorlag, war die Stelle, an der die Frau zu ihrem Freund sinngemäß sagt: Mach dir keine Sorgen. Der Typ hat jede Menge Geld. Ich weiß, was ich tue. – Diese Aussage gab den Ausschlag dafür, dass die Staatsanwaltschaft den Fall neu bewertet und Strauss-Kahn gestern auf freien Fuß gesetzt hat, zumal der Frau zuvor schon in anderen Punkten Lügen nachgewiesen worden waren (zum Beispiel bei den Angaben die sie bei der Einwanderungsbehörde gemacht hatte; unter anderem, sie sei in ihrem Heimatland von mehreren Männern vergewaltigt worden). Einerseits verständlich, dass die Staatsanwaltschaft nun einen Rückzieher macht, nachdem sich herausgestellt hat, dass die Frau keineswegs die fromme Muslimin mit der tadellosen Lebensführung ist, als die sie sich dargestellt hatte, sondern eine Frau, die (wie Millionen Andere vor ihr) gelogen hat, um in die USA einwandern zu können, und die mit einem kriminellen Liebhaber darüber spricht, aus einem Unrecht, das ihr angetan wurde, Kapital zu schlagen. Andererseits hat sie in dem Gespräch, bei dem sie glaubte frei und offen sprechen zu können, dem kriminellen Liebhaber den sexuellen Angriff des reichen Mannes genau so geschildert, wie sie ihn auch in ihren Aussagen gegenüber den Ermittlern dargestellt hat. Keine Ahnung, was das vor einem US-amerikanischen Gericht wert ist, im Leben würde ich das für einen Beweis ihrer Glaubwürdigkeit im entscheidenden Punkt halten: die sexuelle Handlung wurde ihr von dem reichen Mann aufgezwungen.

Unstimmigkeiten auch in ihren Aussagen darüber, was sie unmittelbar nach dem Vorfall gemacht hat: dass sie sich aus Scham in einem Korridor versteckte, hat sie zuerst zu Protokoll gegeben; inzwischen hat sie diese Aussage korrigiert: sie hat zunächst weiter ihre Arbeit gemacht, erst eine andere Suite, darauf die Suite 2806 geputzt, und dann erst hat sie sich an einen Vorgesetzten gewandt. In welcher Verfassung sie da war und was sie zu ihm gesagt hat, das ist nun allerdings unzweifelhaft. Denn das hat ihr Vorgesetzter ausgesagt. Sie hat ihn gefragt, Can any guest at the hotel do anything they want with us?  - Können Hotelgäste mit uns alles machen, was sie wollen? 

Freitag, 1. Juli 2011

Unschuldig

Strauss-Kahn Prosecution Said to Be Near Collapse,  meldet die New York Times heute Morgen, denn es gibt begründete Zweifel an der Aussage des Zimmermädchens aus dem Sofitel, dass die sexuelle Handlung zwischen dem prominenten französischen Gast und ihr nicht einvernehmlich gewesen ist. Diese überraschende Wende im Fall Strauss-Kahn habe ich auf dem Zettel gehabt: siehe Missverständnis. Und trotzdem habe ich falsch gelegen. Wegen Sympathie mit Die Verdammten dieser Erde habe ich der Frau aus der Bronx gewünscht, dass sie so geschickt ist, dass sie mit ihrer Version des Vorfalls durchkommt, ob sie nun stimmt oder nicht. Ohne Rücksicht auf den Beschuldigten, der schließlich auch ein Mensch ist, nur eben kein Verdammter dieser Erde. Was das alles für ihn bedeutet, daran denke ich jetzt erst, da es ganz danach aussieht, dass er unschuldig ist (*). Was nun juristisch übrig bleibt, ist ein Vergehen (misdemeanor). Und worin soll das bestehen? Dass er in den Mund des Zimmermädchens ejakuliert hat – und sich hinterher auf keine Diskussion mit ihr einlassen wollte, als sie sich darüber beschwert hat, weil das vorher so nicht abgesprochen worden war? Ihr eine deswegen von ihr verlangte Zusatzzahlung verweigert hat, indem er sich schweigend angezogen, seinen vorher schon gepackten Rollkoffer genommen hat und weggegangen ist, um die zeternde Frau sich selbst zu überlassen? – Aber dafür ist er doch schon gestraft genug. Seine Schnödigkeit hat ihn den Job beim Internationalen Währungsfond gekostet und dazu geführt, dass er wochenlang am Pranger stand, so dass alle Welt jetzt weiß: was immer Strauss-Kahn sonst für ein Mensch sein mag, er ist keiner, der sich an Absprachen hält, und großzügig ist er auch nicht.

(*) Voreilige Folgerung eines juristischen Laien nach der Morgenlektüre. Die New Yorker Staatsanwaltschaft hält die Anklage aufrecht und der Verteidiger der Frau beharrt auf dem Wahrheitsgehalt ihrer Beschuldigungen. Dass sie in nebensächlichen Punkten gelogen hat, ändere nichts an ihrer Glaubwürdigkeit im Hauptpunkt: der Nicht-Einvernehmlichkeit der sexuellen Handlung.  

Zum Stand von heute Abend siehe