Die Gönnerin hat überwiesen. Bevor ich den Post von gestern überarbeitet habe, nachgeschaut auf meinem Konto und festgestellt, dass die Überweisung gestern eingetroffen ist. Vorher nachgeschaut, weil ich die Passage über die nicht eingetroffene Überweisung, die Mutlosigkeit, die Ablehnung, den neuen Mut und dann gehe ich eben betteln, damit ich mir das schreiben leisten kann – weil diese Passage streichen wollte, wenn ich feststelle, dass sie wider Erwarten doch überwiesen hat. Mich gestern Abend schon nicht wohl gefühlt beim Gedanken an diese Passage, heute Früh noch viel weniger. Gefühl der Peinlichkeit. Dass ich da zu viel von mir preisgebe, vor allem: dass es kläglich ist. – Beim Überarbeiten dann aber ohne langes Überlegen entschieden, die Passage stehen zu lassen. Scheu davor, einzugreifen in den Text, so wie ich ihn nun mal gestern verfasst habe. Stimmig verfasst habe. Kein falsches Wort. Im Gegenteil: besser hätte ich das Panikdenken der letzten Tage nicht veranschaulichen können. Aber kläglich. - Ist nicht der Text, ist die Lage, in der ich mich befinde.
Was mache ich? – Das mit dem jungen Bürger Großkotz? Ist das nicht auch kläglich? – Er kläglich. Und kläglich, über ihn zu schreiben - zu schreiben doch nur, weil ich bei der Erinnerung an seinen Auftritt vom letzten Sonntag im Nachhinein mich angegriffen fühlte von ihm, seine Bemerkungen als abfällig gemeint erkannte. Wirklich mich angegriffen fühlte? Oder nur die Abfälligkeit im Nachhinein erkannt habe? Im Gerede von jemandem, der am Nachmittag um 15 Uhr schon so viel Bier getrunken hatte, dass er zwar immer noch weitschweifig abfällig daher reden kann, aber wie sich zeigte nicht einmal eine Erinnerungsspanne von 5 Minuten hat?
Unbehagen II: Unbehagen an der Passage über die nicht eingetroffene Überweisung. Letztlich wegen dem Satz über das Betteln. Den habe ich tatsächlich gedacht in den letzten Tagen. Deshalb habe ich auch so genau hingeguckt am Montag bei den Pennern und bei der jungen Bettlerin. Ich habe gespielt mit dem Gedanken meines Bettelns. Die Leser anzubetteln. Auch deshalb habe ich die Passage über die Geldnot wegen der nicht eingetroffenen Überweisung geschrieben. Als Einführung. Geschickte Vorbereitung. Wenn schon Bettler, dann ein gewitzter Bettler sein. – Bin ich aber nicht, zeigt mir das Gefühl der Peinlichkeit. Gewitzt vielleicht. Aber kein Bettler. Will ich nicht sein. Darf nicht sein, dass ich diese Grenze überschreite. Meine Gewitztheit einsetzen für ein Geschäftsmodell, das mich vor dem Betteln bewahrt. Die Hand aufhalten. Aber dafür, dass ich den Leuten etwas gebe, was die Leute wollen. – Die peinliche Passage lasse ich trotzdem stehen. Als Dokument. - Blog-Ethos: Geschrieben ist geschrieben und was geschrieben ist, bleibt stehen.
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