Gestern schrecklicher Mensch. Heute schrecklicher Text. Text von gestern. Dahin die schöne Harmonie, als ich gesagt habe, ich mache es so wie ich es will und wie es mir einfällt und das ist das Beste, was ich machen kann. So habe ich gestern geschrieben und heute frage ich mich, wer soll das warum lesen und was sind Tampons in verschiedenen Stadien der Verwesung? – Falsches Bild! Tampons trocknen ein, dann verstauben sie vielleicht noch, wenn sie unter einem Bett liegen, aber es sind keine biologischen Prozesse mehr in Gang. Aber so ist es mir eingefallen beim Schreiben und in keiner Phase des Überarbeitens habe ich es korrigiert, weil mir nichts Treffendes eingefallen ist mit der gleichen Anzahl von Wörtern, die ich brauche für den Rhythmus an dieser Stelle. – Und schade ist es einfach um die Brötchen-Szene mit der jungen türkischen Frau. Ich habe den Kern der Szene nicht zu fassen gekriegt. Nicht mal angedeutet die Rührung, die ich empfunden habe bei der Begegnung mit der Frau. Ausgelöst durch das Betrachten ihres Kaufs: das süße Backwerk, das sie für sich gekauft hat zum Naschen und die zehn Brötchen aus einer Nützlichkeitserwägung, die aber mit einem Irrtum verbunden gewesen sein könnte (Hereinfallen auf ein Sonderangebot?). – Nichts davon im Text. Schlusspassage, mit der ich dem Text noch einen Drall geben wollte, um meine menschliche Verbundenheit zu bekunden mit den Frauen mit den Kopftüchern und den langen Mänteln, so unbeholfen und plakativ, dass ich sie gestrichen habe. – Ist aber auch schwer. Schon der dritte oder vierte misslungene Versuch, meine Sympathie mit den Kopftuchträgerinnen zu erklären. Weil sie auch mehr ist als nur eine Parteinahme in einem Kulturkampf – gegen die totalitäre Übergriffigkeit des Kopftuchverbietens, gegen die dumpfe Intoleranz, die sich in frecher Anmaßung als Eintreten für Menschen- und Freiheitsrechte maskiert. – Und weil dieses Mehr schwer zu vermitteln ist, paradoxal wie es ist. Ein zärtlicher Blick, den ich habe auf diese Frauen, die nicht angeblickt werden wollen und nicht angeblickt werden sollen als Frauen. Achtung vor ihrer Verweigerung, mit der sie sich der Aufdringlichkeit entziehen. An ihnen vorbeischauen, sie streifen mit einem Blick, der ein zärtlicher ist, nicht im Sinne eines Begehrens, sondern einer großen Sympathie für ihr Anderssein. – Erneuter misslungener Versuch einer Erklärung. Weil es auch gar nicht erklärbar ist? – Eine Intuition, ein Reflex. – Vorhin überlegt, ob ich es heute in BzB einmal beschreiben soll, was im Text von gestern wieder nicht geklappt hat. Aber wenn ich erlebe, wie es hier schon wieder zäh geworden ist und die Begriffe von Satz zu Satz immer allgemeiner werden, es lieber lassen.
Der gestrichene Text:
Und dass ich ein Sympathisant von Frauen mit Kopftuch und in langen Mäntel bin, heißt: froh bin, in einer Stadt zu leben, in der es sie gibt, das konnte sie natürlich nicht wissen. - Variante: Was schade ist. Denn ich bin ein Sympathisant von Frauen mit Kopftuch und in langen Mänteln. Heißt: Ich bin froh, in einer Stadt zu leben, in der es sie gibt. Aber das konnte sie natürlich nicht wissen.
Zum schrecklichen Text noch: Wo ist der Fehler? – Ich bin mir zur Zeit allzu bewusst, dass das, was ich im Blog mache, sehr klein und abseitig ist. Ich will es größer und relevanter haben. Und dabei verhebe ich mich. Schreiberisch. Weil das schreiberisch alleine nicht möglich ist. Wenn es mehr sein soll, dann muss ich mehr machen. Aus meinem Leben. Das ist mein Thema und bleibt es.
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