Freitag, 4. März 2011

Mäkelig

Anruf Peter: Ich habe Entzugserscheinungen. – Er konnte meinen Blog heute Früh nicht finden, weil er immer über eine Umleitung von Das tägliche Biest zu Biest zu Biest reingekommen ist. Die hat nicht mehr funktioniert, weil ich gestern Das tägliche Biest gelöscht habe. – Ist es Hunderttausenden anderer Leser heute Morgen ebenso ergangen? – Kann ich mir nicht vorstellen. Habe trotzdem, um sicher zu gehen, Das tägliche Biest wiederhergestellt und müsste jetzt eigentlich im Blog gleich darüber schreiben. Titel: Störung. Habe dazu aber nicht die geringste Lust. Dann bleibt Das tägliche Biest eben ungelöscht. Und dass die Leute heute Früh einen Schock erlebt haben, ist auch kein Fehler. Dann sehen sie mal, was sie an meinem Blog haben.

Heute, wie ich Adriana Altaras kennengelernt und mit ihr im Sinn die Schicksengeschichte geschrieben habe. Auch dazu habe ich keine Lust. Doch wenn nichts Überraschendes passiert, mache ich das, um endlich den Schicksenplot in Das alte Biest reinzustellen und damit dann gut für immer. – Mir fehlt es an Energie heute. Müde. Zu früh aufgewacht (5.15 Uhr) und danach nicht mehr richtig eingeschlafen. Aufgewacht mit Konzeptionsgedanken. Es arbeitet weiter in mir: Über die beschränkten Verhältnisse hinausgehen. Mit dem Plotten, aristotelisch hin, aristotelisch her, ist mir das gelungen. Das fehlt jetzt. Ich sitze fest im Wie es ist. Reagiere mehr, als dass ich agiere. Produziere nichts, was für sich selbst steht: Produkt, das der Welt etwas Neues hinzufügt, das es vorher noch nicht gegeben hat, autonom, glatt, opak, singulär wie ein Kieselstein. Das war immer das Ideal. – Doch das muss ich nicht aufgeben, nachdem ich nichts mehr erfinden will, meint der Morgengedanke. Statt der (formatierten) Plotphantasien lasse ich meine paranoische Empathie auf die beschränkten Verhältnisse los – und das Schreiben selbst. Wenn das noch freier und unabhängiger wird, wenn ich andere Sätze schreibe als die hier, dann muss ich über die Beschränktheit meiner Verhältnisse nicht mehr nachdenken und kann durchschlafen.

Keine Schlafstörung ohne die Frau von gegenüber. Ich habe es gewusst, dass es so kommt: Wenn sie mir ihr Licht wieder zeigt - Dachlukenlicht, Licht hinter dem geschlossenen Vorhang im kleinen Apartment fka Contessa-Zimmer –, wenn sie mir ihr Licht zeigt, dann zeigt sie es mir auch wieder nicht. Das habe ich gedacht noch während ich mich gefreut habe, dass sie es mir wieder gezeigt hat und deshalb habe ich weiter gedacht, dass es mir lieber wäre, sie würde es nicht tun, weil ich dann wieder anfange nach dem Licht zu schielen, und weil ich dann darüber grüble, warum sie es mir nicht mehr – oder nur kurz – zeigt wie gestern. – Sie zeigt mir ihr Licht nur, um eine Semiotik zu haben, mit der sie ihre urteilende, mäkelige Art ausleben kann, könnte ich denken. Kann mir aber auch vorstellen, dass sie einfach nur kommunizieren will mit mir, sich äußern will und dabei kommt dann eben ihre mäkelige urteilende Art zum Vorschein. Doch gegen die kann ich alleine schon deshalb nichts haben, weil ich selbst auch so bin. Aber wie! – Nur ohne Verständigung über die Mäkeleien und die kritischen Urteile ist es lästig und nervig ihnen ausgesetzt zu sein. Deshalb: Bitte die Licht-Semiotik einstellen! – Die kritischen Bemerkungen notieren und mir mitteilen an dem schönen Tag, an dem wir auch alles andere besprechen werden. Und bis dahin sich freuen auf diesen Tag und eine viel lebendigere Vorstellung haben vom anderen als durch diese Licht-Phantomatik. - Lebendiger die Vorstellung, da gebildet aus all den realen Eindrücken, die ich von ihr gesammelt habe in den vergangenen zwei Jahren. - Ausgerechnet heute, da ich so müde bin, muss ich dieses schwer zu fassende Phänomen beschreiben. Mal provisorisch, so einfach wie möglich: Seit ich sie nicht mehr Tess oder Contessa nenne – und wenn ich kein Licht sehe oder erwarte oder vermisse -, ist sie mir näher und ich habe ein stärkeres und schöneres Gefühl beim Gedanken an sie.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen