Donnerstag, 3. März 2011

Leere

Nachher endlich mal Das tägliche Biest löschen. Aufräumen. Nur das. Keine symbolische Handlung. Die Frau von gegenüber soll nicht denken, dass das eine weitere Geste des Abstandnehmens ist. Es gibt kein Abstandnehmen. Die Distanz ist da, sie muss nicht hergestellt werden. Sie wird nur inzwischen akzeptiert und hingenommen. Doch das Löschen des Blogs unter seinem ursprünglichen Namen, eingerichtet an einem Abend aus dem Schreiben an die Tess heraus, hat damit nichts zu tun.

Es ist alles schon da. Das neue Leben. Meine Rolle. Meine Sphäre. Meine Art, Geschichten zu erzählen. Alles, was ich tun muss, ist, es weiter zu treiben, es besser, mehr daraus zu machen. In den Morgenseiten vorhin hat es sich noch nicht so platt angehört. Weil es konkreter formuliert war. Reaktion auf gestern, auf die Unzufriedenheit, die sich verborgen hat hinter der Erinnerung an die Zeit der ständigen Ploteinfälle: das Bloggen ist zu wenig, mir fehlt ein größeres Projekt, der große Wurf, für den ich mich begeistern kann. – Jetzt: Das Bloggen ist so viel, wie ich daraus mache. Ich kann Reporter sein, ich kann Erzähler sein, ich kann Romancier meines Lebens sein in meinem Schreibladen mit den beiden Blogs. – Und ich habe es nicht mehr nötig, mich der Hohlheit des Konzipierens und Planens auszusetzen. Für alles, was ich tun will, finde ich Ansatzpunkte im Blog. Es hat alles schon begonnen. Auf alle Fragen gibt es hier eine konkrete Antwort. Alle Entscheidungen sind hier zu treffen. Der nächste Schritt ist immer hier. Und die Unzufriedenheit kommt auch von hier. Sie ist Reaktion auf die Leere, die die Namen Contessa und Tess hinterlassen haben, seit ich sie nicht mehr benutze und mir noch nicht im Klaren bin, was das bedeutet, was bleiben wird und wie ich damit umgehe: mit der Präsenz der realen Person auf der anderen Straßenseite, mit dem Verlangen nach ihrem Körper beim Aufwachen heute Morgen, mit der Erinnerung an ein Leidenschaftsdrama, das beendet ist, aber (noch) nicht vorbei.

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