Sonntag, 6. März 2011

Angst

Wenn ich mir mehr Mühe gegeben hätte, wenn ich den Gedankenprozess vor dem Schreiben nicht nur so hingehuscht hätte, wäre Zicke der beste Text seit langem geworden. Weil beim Schreiben etwas passiert ist, das zu etwas anderem geführt hat, als das, was ich vorher schon wusste. Weil der Text eine Lebensäußerung ist. Unschönes Kartonwort von heute Morgen, aber es trifft, wie der Blog sein soll. Die Texte sollen Lebensäußerungen sein. So auch zu verstehen: ich schreibe mir ein neues Leben. – Das berücksichtigen bei den konzeptionellen Überlegungen. Die konzeptionellen Überlegungen sind übrigens auch Lebensäußerungen. Von jemand, der gerade nicht weiß, wie es weiter gehen soll. Weil das bisherige Ziel sich als unerreichbar erwiesen hat und ich immer noch dabei bin, mich damit abzufinden, dass ich nichts mehr tun kann, nur noch mich abfinden, dass es nichts geworden ist mit der Frau von gegenüber. – Das ist die Geschichte, die ich hier erzähle. Naturgemäß keine schöne Geschichte.


Warum mir nicht mehr Mühe gegeben mit Zicke? – Am Ende steht es: Vergangenheit interessiert mich nicht. Mit Vergangenheit mich abzugeben, tut mir nicht gut. – Die Aktion war: Vergangenheit hinter mir lassen. Widerwillen gegen diese Vergangenheit. Taewoo begegnet im Hallenbad. Kennengelernt aber in der Kneipe. – Zugleich Widerstreben gegen diese Art von Text. Zu persönlich. Nicht die Art von Text, die ich jetzt schreiben will, gestern immer wieder gedacht. Den jetzt noch und dann gut. – Falsch! Das erkannt durch den Text. Ich erreiche nicht mehr Leser, indem ich von mir absehe. – Wie dann? – Indem ich mehr mit mir anfange. – Was heute? – Den Exposé-Text lesen und formatieren und darüber schreiben? – Bei dem schönen Wetter? – Außerdem auch Vergangenheit. Muss nun aber mal sein. Angekündigt.


Verschwiegen: Existenzangst wegen der nicht eingetroffenen Überweisung. – Kommt sie morgen? Hat die Gönnerin dieses Mal zu spät überwiesen? Oder ist es aus mit ihrer Großzügigkeit? – Warum? – Diese Frage kann dann schon mal übersprungen werden, weil die Antwort nicht weiterhelfen wird. – Das Lebensthema von vorgestern, von gestern, von heute ist die Existenzangst, die Ungewissheit wegen der Überweisung, das Grübeln über die Gründe des Ausbleibens, wenn sie ausbleibt. Kein Thema für den Blog. Weil es nur Klage sein könnte. Weil so schlimm es ist, so banal ist es auch: das Lähmende, Paralysierende von Geldsorgen. – Kommen Sie wieder, wenn Sie einen Plan haben, wie Sie aus den Geldsorgen rauskommen wollen. 

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