Am meisten ärgert mich der Titel: Kneipengespräch. Klar, darum geht es. Trotzdem wollte ich ihn nicht haben. Doch es ist mir den ganzen Abend lang kein besserer eingefallen. So wie es mir auch nicht gelungen ist, die Vergröberungen und Unbeholfenheiten beim Überarbeiten des Textes abzuschleifen. Kein guter Schreibtag gestern? Oder lag es am Sujet? – Hauptsache in diesem Fall, dass ich es gemacht habe, nachdem ich das Thema zweimal angekündigt hatte – und dass ich es aus dem Kopf habe. Auch im Blog muss es nie wieder um Kneipe gehen. Auch nichts mehr mit Freud und Kneipenleben (*); das habe ich mit dem Schlusssatz elegant abgebogen. Die Aktion des Textes war, mir das Thema vom Hals zu schaffen. Das ist mir gelungenen, gar nicht so schlecht.
(*) Die aus dem Freud-Text abzuleitende These ist: Alle Kneipen sind Schwulenkneipen. Im tiefenpsychologischen Sinn. Orte, an denen Männer mit Hilfe von Alkohol als Regressions-Katalysator ihre unbearbeitete homosexuelle Neigung zum Vater ausleben. Homosexuell hier nicht zu verstehen im Sinne praktizierter Sexualität, sondern im Sinne der Ausrichtung von Libido – gerichtet auf den Vater in einer kindlichen Entwicklungphase, unbearbeitet bleibend, verdrängt bei späterer heterosexueller Orientierung… . Genug. Granum salis die Bemerkungen Freuds zum Größenwahn in diesem Zusammenhang. Kneipen auch als Orte des ausgelebten Größenwahns. Alles sehr abstrakt. Am jungen Bürger Großkotz hätte es sich anschaulich machen lassen. Doch dazu hätte ich mehr als Beobachtungen, die jeder bei ihm machen kann, ins Spiel bringen müssen. Biographische Informationen hätte ich dazu verwenden müssen, die er sicher nicht nur mir, sondern auch anderen anvertraut hat, die aber trotzdem biographische Informationen bleiben. Deshalb darauf verzichtet. Es ging auch so. Bemerkenswert: Ich wollte ihm nicht weh tun. Obwohl ich ihn verachte, habe ich eine menschliche Loyalität ihm gegenüber.
Ich will überhaupt niemandem mehr weh tun. Fehden, Feindschaften, davon habe ich genug gehabt. Mit der Aggressivität was Besseres anfangen. Offensiver werden dabei, den Blog unter die Leute zu bringen. Ihre Herzen fliegen mir nicht zu. Sie sind nicht begeistert. Sie sind eher befremdet von meiner Art. Sie brauchen sie nicht. So ist das. - Mich beliebt machen, das will ich nicht, das schaffe ich auch nicht. Der Beliebte ist nicht meine Rolle. – Wenn sie nicht zu mir kommen, dann zu ihnen hingehen. Sie hineinziehen in den Blog. Was mit ihnen machen im Blog auf meine Art. Ob die ihnen gefällt oder nicht. Es ihre Sache sein lassen, um die es geht, und sie damit zwingen, nötigen, den Blog zu lesen. – Bislang schreibe ich für meinesgleichen. Das sind zu wenige.
Das alles noch konzeptionell. Leerlaufend. Thema von heute auf der Linie des Bisherigen. Der Kassierer im Hallenbad hat es gesetzt. Und ein Kommentar in der taz hat es fortgesetzt. Empathie mit den von der Naturkatastrophe betroffenen Menschen in Japan. Der GAU in Fukushima Teil der Naturkatastrophe. Physik. Nur, weil man weiß, wie es geht, hat man es noch lange nicht unter Kontrolle. Das ist das eine. Das andere ist die spezifische Dummheit – Dummheit in sozialen Prozessen. Die Dummheit, eine Küste, die in einer Erdbebenhochrisikozone liegt, mit Kernkraftwerken zu säumen. – Empathie mit Menschen, die alles verlieren durch entfesselte Naturgewalten. Aber wie ist es mit Empathie mit Menschen, die sich für dumm verkaufen lassen von Industrie und Politik? – Deren Schicksal kann allenfalls als abschreckendes Beispiel angesehen werden, um daraus zu lernen. – Letzten Endes ist das ein Fall von Evolutionsgeschehen - und kruder Biologismus so etwas festzustellen? - Selbstverständigung. Kein Kommentar im Blog. Darstellung, Erzählung. Vom Kassierer, mit seiner Diskurskritik, und vom taz-Kommentar, auch er mit Diskurskritik. Das ist das Verbindende. – Fehlt noch was? – Wen könnte ich befragen? – Fällt mir kein Drittes ein, dann eben nur Kassierer und Kommentar. Dann heute nur kurz.
Später: Beim Schreiben ist es mal wieder ganz anders gekommen. Statt Kommentar aus der taz nun mein Kommentar. Schwerer Verstoß gegen die Blogregeln und die Selbstverpflichtung zum Erzählen. Doch anders war es nicht rüberzubringen, dass es schwer fällt, Mitleid zu haben im Falle des GAUs in Japan.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen