Montag, 23. Mai 2011
Fremd
Wusste es gar nicht genau. Dachte, es ist erst in dieser Woche, dass es ein Jahr her sein wird, dass ich den Blog gestartet und dann mit dem täglichen Posten begonnen habe. Samstagabend mal nachgeguckt: ach ja, morgen schon. Gutes Gefühl, etwas geschafft, etwas abgeschlossen zu haben. Aber das war ohnehin klar, keine große Sache, denn eine große Sache ist daraus nun mal nicht geworden. Nun merke ich aber, dass es mehr ist als ein Kalenderereignis. Das Selbstzweckhafte des Projekts (jeden Tag über mein Leben zu bloggen) kommt zum Vorschein in dem Moment, da dieser Zweck erfüllt ist. Was bleibt ist das Biest. Das war nicht vorherzusehen, dass eine Wortwahl so lebendig Gestalt annimmt. Das andere, was entstanden ist, sind Schreibweisen, ein Schreibfluss, so nicht geplant, aus dem Verfolgen des Selbstzwecks entstanden. Und dann das, was ich nicht erreicht habe: auf Geld zuzugehen. Das Geld ist jetzt weiter weg als vor einem Jahr, weil ich jetzt nicht mehr die Illusion habe, mit dem Bloggen Geld verdienen zu können. Auch nicht erreicht, die Contessa kennenzulernen, um die es im zweiten Post gegangen ist und eigentlich auch schon im programmatischen ersten Post mit den beiden Susan Sontag-Zitaten. Lange Zeit schien es nur um sie zu gehen, dann erschien es möglich, dass ihre Rolle in meinem Leben nur sein sollte, mich auf die Idee des Blogs zu bringen und mir dabei zu helfen, aus der Idee etwas zu machen. Aber was heißt hier nur. – Gestern mal in einem unguten Moment gedacht, dass es sein könnte, dass ich den Blog beende und dass das konsequent wäre. Was ich mir vorgenommen habe, ist getan, ich gehe weiter, statt weiterzumachen nur, um weiter zu machen. Gibt es noch andere Gründe weiter zu machen? - Was habe ich? – Ein paar Schreibweisen, die ich nicht aufgeben möchte. Einen Tagesablauf, den ich allerdings auch gerne mal wieder ändern würde. Themen: Meine Anteilnahme am Öffentlich-Menschlichen. Gut, wenn es nicht Feuilleton ist. – Zentral-Schöneberg. Womit ich es hier zu tun habe. Noch fremdle ich mit dem Thema. Kann auch nicht anders sein, da ich fremd bin. Kann sich das ändern, wenn ich mich schreibend einmische? Experiment. Ich gebe zu, es ist ein Willensakt. Es zieht mich nicht an. Was daran liegen kann, dass das Thema mich nicht haben will. Finde es heraus! Aktion. – Die Geschichte von/mit ihr aka Contessa weiter oder zu Ende erzählen. Noch fremdle ich damit. Kann auch nicht anders sein … . – Das war ein Witz. Das war kein Witz.
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