Freitag, 13. Mai 2011

Ausführlich

(Text vom 12.05. - siehe dazu Störung)
Ist das tatsächlich Verachtung, die mir der Mann in Weiß gezeigt hat, oder mag er mich einfach nur nicht und sieht es nicht ein, dass er jemanden grüßen soll, der ihm unsympathisch ist oder zuwider, und schon gar nicht sieht er es ein, mir das erklären zu sollen? Denn wer bin ich, wer ist er, und wo leben wir denn? Ganz abgesehen davon, dass er es mir vielleicht auch gar nicht erklären könnte, warum er mich nicht mag oder ich ihm zuwider bin. Das ist nun mal so und mit meiner aufdringlichen Frage: Sag mal! Warum kennen wir uns eigentlich nicht mehr? mit der habe ich ihn am Ende nur bestärkt in seiner Abneigung. So könnte es auch gewesen sein. Und gegen Ende meines Postings beginne ich das zu ahnen, auch wenn ich da immer noch von Verachtung schreibe. Aber das ist in Ordnung, weil ich nun mal Verachtung verspürt habe. Was geht mich das an, wie seine Weigerung, mich zu kennen und meine Frage zu beantworten, gemeint war? Wenn er sich nicht erklärt, dann ist sein Verhalten für mich das, was ich gespürt habe. Verachtung. Und es ist ja keineswegs so, dass ich anderen nicht auch Verachtung entgegenbringen würde. Ihm allerdings nicht, alleine schon deshalb nicht, weil ich dazu viel zu wenig von ihm weiß. Das Wenige, was ich weiß, würde gerade mal zur Geringschätzung reichen. Doch die empfinde ich nicht, die könnte ich mir nur denken – sie mir zurechtlegen aus dem Wenigen, was ich von ihm weiß, aber nicht einmal genau weiß.

Wen interessiert das? Und dazu in dieser Ausführlichkeit? – Im Moment schreibe ich nur für mich. Um von a nach x zu kommen. Wenn ich bei x bin, wird es für andere bestimmt wieder interessanter. Dann gibt es hoffentlich auch was zu lachen. Das ist das Hauptziel, dass es endlich was zu lachen gibt. So weit ist es aber noch lange nicht.

Eine Begebenheit und einen Umstand habe ich weggelassen in Geschnitten. Die Begebenheit: Als ich die Musikbibliothek betreten habe, saß am Rückgabe- und Ausgabe-Platz gleich neben dem Eingang die Frau, die jemand ist, den ich nun nicht mag; sie ist mir zuwider wegen ihrer Pedanterie (die bei ihrer Art von Tätigkeit, u.a. der Rücknahme entliehener CDs, nützlich ist) und wegen ihrer schnippischen Sprödigkeit (für die sie nichts kann). Am Dienstag habe ich Guten Tag gesagt und bin zu ihr hingegangen, um mir einen Chip für ein Schließfach von ihr geben zu lassen. Da sie meinen Gruß nicht erwidert hat, habe ich ihn wiederholt: Guten Tag. Sie hat mich darauf schweigend angeschaut. Worauf ich noch einmal Guten Tag gesagt habe und da sie auf ihrem Schweigen beharrte gleich noch einmal: Guten Tag! – Da erst hat sie gesagt: Ich habe Sie gegrüßt, gleich als Sie hereingekommen sind. – Das habe ich nicht gehört, habe ich darauf ganz leise gesagt und dann weiter flüsternd hinzugefügt: Ich bin gerade sehr sensibel. Können Sie mir bitte einen Chip für das Schließfach geben? – Als ich später die mitgebrachten CDs bei ihr zurückgegeben und ihr die CDs, die ich neu ausleihen wollte, vorgelegt habe, hatten wir zum ersten Mal einen entspannten und erfreulichen Umgang miteinander. Doch das nur am Rande. Der Punkt war, dass mir erst nach der Szene, die ich ihr beim Betreten der Bibliothek gemacht hatte, klar geworden ist, wie angeschossen ich war von dem Vorfall mit dem Mann in Weiß. Und darauf erst habe ich mir eingestehen können, dass seine Weigerung, auf mich einzugehen, mich verletzt hatte, weil ich sie als verächtlich empfunden habe.

Zum Umstand, den ich weggelassen habe, siehe Entwarnung.

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