( Chaos. Dieser Text ist von gestern Nachmittag. Jetzt erscheint er plötzlich mit dem Veröffentlichungsdatum von heute.)
Das Unglück lässt nicht locker: Keine vertraute Person, um mit ihr zu sprechen. Keine Reaktion auf das Schreiben. Keine Chance, an Geld heranzukommen außer mit einem Bettelbrief, den ich jetzt schreiben müsste, in dieser Verfassung aber besser nicht. Womit rette ich mich heute? Nicht schon wieder Konversation mit dem Unglück. Was über Peter? Dessen Unglück lässt auch nicht locker. Es packt ihn an seinen Körper. Er kotzt und scheißt schwarz. Blut. Ein aufgebrochenes Magengeschwür? Heute Vormittag will er zum Arzt. Meine Beobachtung: wie dissoziiert er ist von seinem Körper. Schlimmer noch als körperdumm. Er wundert sich, was mit ihm passiert, aber eigentlich hat er nichts damit zu tun. Er habe eben sein Leben lang anderen geholfen und deshalb habe er jetzt eine Scheu, sich von anderen helfen zu lassen. Was hat das damit zu tun, dass er ein Loch in seiner Magenwand hat? – Mich gestern gefragt, ob ich vielleicht auch so dissoziiert bin – nicht von meinem Körper - von den Tatsachen meines Lebens. Von meiner Existenz, vor der ich genauso kopfschüttelnd und ratlos stehe wie Peter vor seinem Blut kotzenden und scheißenden Körper. Er ist zum Arzt gegangen. Was mache ich? Was kann ich machen? Kann nur heißen: Worüber will ich heute schreiben? – Zu dem Mann im Taschenladen gehen nachher? Mich überwinden dazu, so wie ich mich gestern überwunden habe, über den Fall der konkurrierenden Geschäftsinteressen zu schreiben. Von mir absehen? Es ist mir nicht bekommen. – Also doch wieder Konversation mit dem Unglück? Mich ihm stellen. Nur auf eine andere Art, als immer nur denken,denken, denken. Rausgehen und schauen, was passiert. Wie es sich aufführt, mein Unglück, wenn ich unter Menschen bin.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen