Das Unglück sagt: du interessierst dich gar nicht für andere Menschen. Du interessierst dich nur für Geschichten.
Stimmt das?
Für sie habe ich mich interessiert.
Zu sehr.
Mehr als sie sich für mich interessiert hat.
Daran hat es nicht gelegen.
Woran dann?
Finde es heraus.
Zu spät.
Was das Unglück gesagt hat über mein Desinteresse an anderen Menschen, das hat es wirklich gesagt. Der Rest des Dialogs ist gestellt. Deshalb gibt es diese Variante. Der wollte ich erst den Vorzug geben. Aus einem Grund, auf den ich – noch – nicht eingehen will, habe ich mich schließlich für die andere Version entschieden.
Aber stimmt das denn, was das Unglück gesagt hat, dass ich mich nicht für andere Menschen interessiere, nur für Geschichten? – Ich war lange Zeit unterwegs mit dem Satz: Nichts interessiert mich so sehr wie Menschen. Und das stimmte auch. Inzwischen merke ich, dass ich mich überwinden muss, auf Menschen zuzugehen, wenn es sich nicht gerade um Feuerwehrleute handelt oder Polizisten oder eine neue Angestellte im Tabakwarenladen, sondern zum Beispiel um den schönen Mann auf der Carl-Zuckmayer-Brücke. Weil ich bei dem fürchte, dass er eine ganz banale Person ist, die sich nur auszeichnet durch ihre Wichtigtuerigkeit, mit der er da an jedem sonnigen Sonntag steht und sich produziert. Eine weitere Enttäuschung also. Er banal. Andere hässlich oder dumm oder verschlagen oder langweilig. Nur ich großartig und alles überstrahlend? – Keineswegs. Aber das ändert nichts daran: Banal oder hässlich oder dumm oder verschlagen oder langweilig.
Das Unglück hätte auch sagen können: Du bist auf dem Weg, ein Menschenfeind zu werden. Es hat mich gewundert, dass es das nicht gesagt hat, denn das trifft es viel besser, als die Aussage, mir seien Geschichten wichtiger als Menschen, obwohl an dieser Aussage etwas dran ist, wie ich zugebe. Und es ist auch sympathischer jemand zu sein, dem die Geschichten über Menschen wichtiger sind als die Menschen, sympathischer, als ein Menschenfeind zu sein.
Ich weiß, wie ich es verhindern kann, ein Menschenfeind zu werden. Es ist ganz einfach, aber ich weiß nicht, ob es mir gelingt.
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