Inge gemailt, dass ich mit ihr telefonieren möchte. Antwort: Sie kann erst am Sonntag. Das kenne ich schon, dass dann nichts draus wird. Macht nichts. Sie darf das. Wir kennen uns seit mehr als dreißig Jahren. Wir haben uns nie nahegestanden, sind uns allerdings näher gekommen in den letzten Jahren. Verbundenheit aufgrund der Länge der Bekanntschaft. Gegenseitiges Wohlwollen hat es immer schon gegeben. Mein Wohlwollen ist unverwüstlich. – Ihre Intervention mit dem Kommentar hat mich aufgeregt. Geärgert wäre das falsche Wort. Aufgeregt habe ich mich darüber. Weil mir sofort klar war, dass sie mir damit die angefangene Geschichte abgeschossen hat. Ungewollt oder in der Absicht, eine Zumutung abzuwehren im Interesse von Hanne. Und dann war da noch eine Spitze in der Intervention, eingebildet oder auch nicht, von mir jedenfalls so empfunden: dass ich als blamiert hingestellt werden sollte. – Das ist nicht gelungen, aber nur die Absicht zu spüren, war scheußlich.
Die Fadheit. Die Beklemmung. Das Verkorkste. Es hat sich alles wiederholt. Das ist die Geschichte: Der Versuch, zu erzählen von einer Begegnung, aus der nichts geworden ist, misslingt aus den gleichen Gründen, aus denen aus der Begegnung nichts geworden ist. Der Versuch, zugegeben, eine Zumutung. Aber meine Güte, sie ist Buchhändlerin, sie handelt mit Belletristik. Warum soll sie nicht mitmachen bei einer solchen Unternehmung? Sie hätte das nicht für mich tun müssen. Sie hätte eine Erzählung mitschreiben, mitgestalten können mit ihrem Verhalten. Das. Und sie hätte sich ihr eigenes Erlebnis dabei verschaffen können. – Mein Fehler: Dass ich so sachte vorgegangen bin. Dass ich nicht von vornherein klar gemacht habe, worauf ich hinaus will
Und der erzählerische Anlauf? – Lektion: Keinen Anlauf mehr in der Vergangenheit nehmen. – Die Vergangenheit ist verkorkst, weil ich verkorkst war. Es kann nur besser werden. Nächster erzählerischer Anlauf in der Gegenwart.
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