Da es sein kann, dass ich die Kommentarfunktion irgendwann abschalte, dokumentiere ich den Kommentar Inges zu Belletristik 2 hier, damit er nicht verloren geht.
Oi, das geht zu weit ohne kommentar! War nicht so, wie Von dir geschildert: verschmähen kann man nur bei einer gewissen verfügbarkeit und das war definitiv nicht der fall. Ergo auch keinerlei verletzung - das Weiss ich. Und außerdem bin ich noch nicht 55. Wenn du so kommentare rauslocken möchtest, hat es funktioniert ;) gruß inge
Gru
Auftritte von Inge im Blog sind immer gut. Aber dieser kam zu früh. Weil er der Erzählung vorgreift und sie damit vermutlich unterbindet – abwürgt, meine ich. Möglicherweise gibt er ihr aber auch nur eine ungeplante Wendung. In diesem Fall würde sich bestätigen: Auftritte Inges im Blog sind immer gut.
Was Inges Alter angeht, war ich auch voreilig, denn sie wird nun mal erst im Juli 55. - Was meine Absicht in der angefangenen Erzählung angeht: die war nicht, Kommentare rauszulocken, sondern ein Gespräch zu führen mit Hanne über unsere 12 Jahre zurückliegende Begegnung, bei der ich mich erst für sie interessierte und dann nicht mehr. Ich wollte heute und in den folgenden Tagen die Umstände der Begegnung schildern und ihre Folge, das Unausgesprochene, das zurückgeblieben ist. Über dieses Unausgesprochene wollte ich mit Hanne reden und das alles zusammen wäre die Erzählung gewesen. Indem sie mit mir gesprochen hätte, hätte Hanne die Erzählung mitgeschrieben. Jetzt hat Inge mitgeschrieben.
Auf die Idee zu dieser Erzählung kam ich vor drei Wochen. Siehe Post Zögern. Auf diesen Text bezieht sich Inge mit verschmähen. – So hatte ich das damals erlebt. Ich hatte Hanne kennengelernt, als meine damalige Freundin, Inge und ich uns trafen und Hanne mitkam – ins Kino, Olympia in der Kantstraße, US-Remake von Himmel über Berlin. Hinterher waren wir im Café Savigny. Hanne saß neben meiner Freundin und hat sich mit ihr unterhalten. Ich habe mich mit Inge unterhalten, habe meine Freundin und Hanne beobachtet und Hanne hat mir besser gefallen als meine Freundin, mit der es zwei Monate später aus sein sollte. – Monate später habe ich Inge erzählt, dass mir Hanne gefällt. Darauf hat Inge gesagt, dann sollten wir mal dafür sorgen, dass ihr euch wieder trefft, und das passierte dann etwa ein Jahr, nachdem ich Hanne zum ersten Mal begegnet war. Sonntagnachmittag, erst in der Wohnung von Inge und Marco, danach im Biergarten am Neuen See. – Ich habe damals recherchiert für eine Stoffentwicklung (Frauen in der Mafia). Es hätte sein können, dass Hanne darüber etwas weiß, das war der Anlass zu dem Treffen in der Wohnung von Inge und Marco. Sie wusste nicht viel darüber, aber das machte nichts. Denn der eigentliche Grund für das Treffen war, dass wir uns kennenlernen. Sie war alleine, ich war alleine. Ich hatte Inge gesagt, dass ich mich für Hanne interessiere. Inge hatte es Hanne gesagt. Sie interessierte es, wer der ist, der sich für sie interessiert. Das war der Grund, warum wir nach dem Gespräch über die Frauen in der Mafia zu viert (Marco war noch dabei) zum Neuen See gefahren sind. Obwohl ich da schon wusste, dass Hanne nicht die war, die ich in ihr gesehen hatte im Café Savigny. So etwas kommt vor, über so etwas kann man mit Leichtigkeit hinweg gehen, aber nicht, wenn man zusammen mit einem anderen Paar, das ein Kennenlerntreffen arrangiert hat, in einem Biergarten sitzt, und wenn die Erwartung besteht, dass nun das Kennenlernen stattfindet. – Für mich war es quälend. Für Hanne, wie ich jetzt zu meiner Erleichterung erfahre, war es irgendwas, aber auf keinen Fall quälend und schon gar nicht kränkend, dass ich kein Interesse mehr verfolgt habe und froh war, mich aus der für mich beklemmenden Situation verabschieden zu können, nachdem die drei anderen mich nach Hause gefahren hatten. Es war nicht quälend und nicht kränkend für Hanne, sondern irgendwas anderes, weil es keine gewisse Verfügbarkeit gegeben hat, wie Inge schreibt.
Obwohl Inge und ich über alles reden können, haben wir später nie über diesen Sonntagnachmittag gesprochen. Mir war das gerade recht, da mir mein Verhalten nachträglich peinlich war und mir, auch wenn es keine Alternative dazu gegeben hatte, bizarr vorkam. Ich empfand ein Schuldgefühl gegenüber Hanne, das sich jedes Mal aktualisierte, wenn ich ihr zufällig begegnete, was häufiger der Fall, als sie in einer Buchhandlung in meinem Kiez arbeitete. Ich glaubte, sie gekränkt zu haben zu haben. Ich war mir sicher, sie gekränkt zu haben. Daran war nichts mehr zu ändern. Es hatte nicht gefunkt. Anders als ich es getan habe, hätte ich mich nicht verhalten können. Trotzdem: Es ging mir nach.
Die Geschichte wollte ich erzählen. Indem ich mit Hanne darüber spreche. Vielleicht hätte sie dann einfach nur gesagt, dass ich mir das alles nur eingebildet habe. Darauf hätte ich gesagt, dass ich mir sicher bin, es mir nicht nur eingebildet zu haben. Was hätte sie dann gesagt? Wie wäre das Gespräch weiter verlaufen? Wie hätte es geendet? – Das hat mich interessiert. Das wollte ich erzählen. Hat Inge eine bessere Idee?
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