Samstag, 2. April 2011

Märchen

Letzter Satz gestrichen im Post von gestern: Sie (die Phantasie) kann ja dann weiter Plotphantasie sein – nur dass der Plot nun mein Leben ist. – Gemerkt, was für ein Blödsinn das ist. Erst erklären, der Plotismus ist grob, konventionell, vulgär und dann der Vulgarität in meinem Leben mit Plotphantasie entkommen wollen. Der Denkfehler zeigt, dass es da eine Schwierigkeit gibt. - Festzustellen: Meine Phantasie ist ausgebildet für das Plotten; deshalb sitzt sie da fest; denn sie hat nichts anderes gelernt. – Meinen Handlungen, meinem ganzen Leben fehlt es an Phantasie. – Plot ist nicht Plotismus. Plot ist jede Handlung, die ein Ziel hat.

Gestern Abend: Wenn die Contessa-Frau jetzt aufhört mit ihren Vorhang- und Lichtzeichen, dann habe ich sie vertrieben mit meiner Mutmaßung, dass sie eine Stier-Geborene ist, und mit meinem Verdikt: mit Stier-Frauen kann ich nicht. Dann hat sich die Mutmaßung als zutreffend erwiesen. Oder sie will mit einem Typ, der in solchen Kategorien denkt, nichts mehr zu tun haben. – Heute Morgen: Löwe, Steinbock, Stier spielt alles keine Rolle. So nahe wären wir uns sowieso nie gekommen. Denn nachdem das Kennenlernen misslungen war, wollte sie mir nur noch bei meinem Leben zuschauen. So wie ich - tief im Inneren davon überzeugt, dass ich bei meiner Armut, nicht erwarten kann, dass eine Frau wie sie sich mit mir einlässt und ich es deshalb gar nicht erst darauf ankommen lassen sollte – so wie ich deswegen nur noch wollte, dass die Illusion aufrechterhalten wird und ich darüber schreiben kann. Über meine Selbsterregung. – Phantasma einer Affäre: Sie will ihm nur zugucken. Er will nur darüber schreiben, wie sie ihm zuguckt und wie er darunter leidet, dass sie nicht mehr will von ihm. – Plotphantasie. Die reduziert die Akteure auf Motive und Ziele. Die berücksichtigt nicht, dass ich das Illusorische zwar als Möglichkeit immer gesehen habe, als Tatsache aber nicht anerkannt. Weil die Contessa-Frau alles getan hat, um die Illusion aufrecht zu erhalten? – Das vergröbert sie zu einer Drahtzieherin – die Zuschauerin als Puppenspielerin. Das Kind bei der Ameisenbeobachtung. Wie es Hindernisse baut in eine Ameisenstraße und dann fasziniert beobachtet, wie die Ameisen ihre Straße verlegen. Fasziniert von der Unermüdlichkeit der Ameisen. So wie die Contessa-Frau fasziniert war von der Zähigkeit meiner Leidenschaft? Von meiner Selbsterregung, die ihr galt? – Plotphantasie. – Festzuhalten: Dass meine Materialismus-Unterstellung eine Projektion ist. Ausgelöst von meiner von Anfang an bestehenden Unsicherheit: Warum sollte sich eine solche Frau einlassen mit einem Mann, der nicht nur deutlich älter als sie ist, sondern auch noch mittellos? – Eine Märchenfigur müsste sie dazu sein. Das ist sie nicht. Und das ist alles, was ich mit Sicherheit über sie sagen kann. Alles andere ist Projektion und Plotphantasie.

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