Wenn ich nicht mal wieder viel zu früh aufgewacht und jetzt nicht so müde wäre und wenn ich mir nicht aufgehalst hätte, über Danis Film zu schreiben … – was ich angekündigt habe letzten Sonntag als Fortsetzung des Gesprächs mit ihm über Das Leben ist zu lang. Damit ist auch klar, wie über den Film schreiben. Indem ich ihm schreibe, dass ich den Film gesehen habe, inzwischen sogar einen Teil des Audiokommentars, und dass ich immer noch nicht dahinter gekommen bin, worum es ihm in dem Film geht (was er damit meinte, als er sagte, der Film hat was). Weshalb ich jetzt weiter Audiokommentar angucken müsste. Und mit dem Nebbich-Thema müsste ich mich beschäftigen (Annie Hall angucken, den Standardtext zur nebbishness noch mal lesen), um dann zu betrachten, wie Dani es behandelt. Oder es lassen. - Wenn ein Nebbich den Raum verlässt, hat man das Gefühl, es wäre jemand hereingekommen. – So ist es mir mit Das Leben ist zu lang gegangen, nachdem ich ihn zu Ende gesehen hatte. – Zu Beginn des Audiokommentars erklärt Dani, dass der Impuls zu dem Film aus seinen Eingeweiden, seinem Unterbewussten gekommen ist, und dass es deshalb so wichtig – lebensnotwendig? – für ihn war, den Film zu machen. Nur das habe für ihn gezählt. Erfolg oder Misserfolg und was die Kritiker dazu sagen, interessiere ihn deshalb nicht. – Das hat mir eingeleuchtet und dann habe ich mich gefragt, ob mir das diese Woche jetzt zum zweiten Mal passiert, dass ich mich voyeuristisch verirre in etwas, das mich gar nichts angeht (wie bei der Besitzerin der fünf Bücher, die ich interviewt habe, um herauszufinden, was das für eine Frau sein mag). Und wäre das nicht ein guter Grund, um mich davonzustehlen aus der selbstauferlegten Verpflichtung, über den Film zu schreiben? – Denn ich habe nun mal nicht gelacht, er hat nicht zu mir gesprochen, es ist mir dazu nur die Negativ-Analyse eingefallen von gestern. Da muss ich nur noch richtigstellen meine falsche Aussage über den Heino-Ferch-Gag (*) und heute Abend gucke ich mir Skins Episode 3 an und morgen Episode 4 und habe was zu lachen und erfahre etwas über das Leben, das ich verpasse, weil ich keine Kinder habe. Doch der Film, bei dem ich nichts zu lachen hatte, ist das eine, das Gespräch mit Dani und die Fortsetzung davon ist das andere. Ich kann es mir nicht durchgehen lassen, das Vorhaben aufzugeben, nur weil es so schwierig ist, es fortzusetzen, nachdem ich über den Film nichts Gutes sagen kann und deshalb besser gar nichts sagen sollte. Es gibt den Film und es gibt die Person Dani, den ich sehe seit vielen Jahren in meiner erweiterten Nachbarschaft, und wie es geht, wenn man sich immer wieder sieht in einer Nachbarschaft, haben wir uns schließlich kennengelernt. Ich habe ihn angesprochen wegen meines Schicksenplot-Exposés, er hat damals auf eine unerwartet angenehme persönliche Art reagiert, aber er hat es dann nicht gelesen. Ach ja, das ist nicht wirklich schlimm. Geärgert habe ich mich darüber, aber das mit den Rachegedanken, das war nur ein Spiel, und die Boshaftigkeit wegen des Misserfolgs von Das Leben ist zu lang, das war eine Boshaftigkeit, Punkt. Bleibt jemand, den ich kenne aus der Nachbarschaft, der interessante Sachen macht (das kleine Meisterwerk Alles auf Zucker gemacht hat zum Beispiel) und dem ich jetzt erklären muss, dass ich seinen letzten Film für misslungen halte, und mir dabei fast einen abbreche aus dem einfachen Grund, weil ich ihn nicht vor den Kopf stoßen möchte, sondern ihm das sagen möchte, wie man jemandem gegenüber sich äußert, der ein Nachbar ist und von dem man sich wünscht, dass er ein guter Nachbar wird. Das will ich hinkriegen. Am besten heute noch. Denn dann ist da auch noch das mit der Angst, die ich habe - vor ihr. – Wirklich? - Vor ihr? Oder davor, wie sie auftritt mir gegenüber? – Und ist es wirklich Angst? – Schockstarre, Lähmung verursachende Angst? – Oder ist mir sie/ihr Auftritt nur unheimlich? Aus Gründen, die dann allerdings auch erst noch verstanden werden müssten. – Oder wenn es Angst ist, wird sie gar nicht von ihrer Person ausgelöst und damit auch nicht von ihrem Auftritt, sondern ist es die Angst, die ältere Männer prinzipiell vor jüngeren Frauen haben sollten, um wenigstens einen Moment innezuhalten, bevor sie sich einlassen auf etwas, bei dem sie viel gewinnen, aber am Ende nur verlieren können? – Das alles ist zu klären. Dringend. Bald.
(*) Im letzten Drittel des Film erweist sich der faule Witz mit dem Oberarzt, der aussieht wie Heino Ferch, weil er Heino Ferch ist, als Plotbaustein. – Wenn Alfi Seliger erkennt, dass er kein eigenes Leben lebt, sondern nur eine Figur ist in einem Film von Dani Levy, dann ist für ihn das der erste Beweis: dass der Oberarzt deshalb so aussieht wie Heino Ferch, weil er gar kein Oberarzt ist, sondern Heino Ferch, der einen Oberarzt spielt.
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