Donnerstag, 21. April 2011

Don´t

Bemühen Sie sich nicht! – Noch hinzuzufügen zu der Liste der Oder-Sätze von gestern: In movies, when they say, ‘Action,’ you don’t have to do it. Hat Marlon Brando mal gesagt als Rat für Schauspieler, wenn sie so gut werden wollen wie er. Al Pacino hat es sich gemerkt und davon erzählt in einem Interview.

Nachdem ich die erste Hälfte gesehen habe: Wie komme ich raus aus der Nummer, über Danis Das Leben ist zu lang schreiben zu wollen? – Darüber schreiben, warum ich doch nicht über den Film schreiben will? Spielerische Annahme: Vielleicht hat er mein Exposé gelesen und äußert sich lieber nicht darüber. Und so sollte ich es auch halten? – Bei der Gelegenheit auch gleich noch erklären, warum ich lieber doch nicht über Sasha Grey schreiben will? Denn ich schaffe es einfach nicht, mir die ganze Szene anzuschauen, die ich von ihr auf der Festplatte habe. Linda Williams´s Kategorisierung in ihrem Standardwerk Hard Core: Filme, die den Körper bewegen (body genres). Zum Beispiel: Melodramen lassen uns weinen. Horrorfilme machen uns eine Gänsehaut. Komödien bringen uns zum Lachen. – Und so sind auch Hardcore Pornos Filme, die den Körper bewegen. Das Ansehen der Szene mit Sasha Grey bewegt nicht meinen Körper. Das Ansehen von Das Leben ist zu lang bewegt auch nicht meinen Körper, zumindest nicht im Sinn einer Komödie. Nach über 50 Minuten habe ich noch nicht ein Mal lachen müssen. Ich habe nur an einigen Stellen unwillig das Gesicht verzogen wegen nicht losgehender Pointen. Und immer wieder das Gewicht verlagert habe ich von einer Sitzbacke auf die andere wegen Gelangtweiltseins. – Unbehagen habe ich empfunden über die allgegenwärtige Absichtlichkeit, dem Spekulativen des Films. Er weiß zu genau, was er macht. Unbehagen, weil mich das an alles Schlechte erinnert hat, was ich gemacht habe in meinem Bemühen, mit meiner Komödienauffassung beim Fernsehen zu reüssieren. Kein Erzählen, sondern das Verkaufen eines Erzählens. So bei Das Leben ist zu lang: das Verkaufen einer Absicht. Das Gewollte des Witzes. Angestrengtes Gezappele. Angeklebte Pappnase. Aufgemaltes Grinsen. – Alles nicht echt. Es berührt nicht. Weil es nicht ernst gemeint ist, nicht empfunden. Das ist etwas, das Deutsche nie kapieren werden: dass der Witz, der große Witz, der anarchische Witz aus tiefstem Ernst kommt, er ist eine Radikalisierung des Ernstes, nicht sein Veralbern (*). Wenn ich so jetzt weiter schreibe, in dieser trockenen Sprache über Humor schreibe, dann fängt das an irgendwann komisch zu werden. Unfreiwillig komisch, wenn ich es nicht merke. Richtig komisch, wenn ich es merke und es übertreibe. – Anstrengend das Hausierengehen mit der Jüdischkeit bei Dani (und damit sich unter den Verdacht stellen zu wollen des jüdischen Humors). Dabei ist er in Das Leben ist zu lang mehr Schweizer als jüdisch (die Schweizer, denen man nachsagt, sie seien die perfekteren Deutschen). Wenn jemand einen Oberarzt mit Heino Ferch besetzt und ihn dann anspielt mit dem Satz: Sie sehen aus wie Heino Ferch, worauf der Oberarzt sagt, das habe man ihm schon häufiger gesagt, und das soll dann auch schon der ganze Witz gewesen sein, dann braucht es keinen Kommentar und keine Analyse mehr, dann muss ich nur diese Stelle zitieren und es ist alles gesagt über die Humorlosigkeit des Films. – So aber auf keinen Fall über den Film schreiben. Kein Verriss. Gar nicht darüber schreiben oder immanent. Der Film hat was, hat Dani gesagt. Was hat er? – Die Absicht, die er verfolgt hat damit. Welche Absicht war das noch mal? – Die Absicht porträtieren. Wenn ich es schaffe, den Film ein zweites Mal anzusehen mit Daniels Audiokommentar. - Wenn der Film nichts als Absicht ist, dann eben seine Absicht beschreiben.

(*) Max Brod hat erzählt, dass Kafka sich manchmal schief gelacht hat beim Vorlesen seiner Texte. Wahrscheinlich nicht bei In der Strafkolonie. Aber ganz bestimmt bei Die Verwandlung.

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