Nachdem ich die erste Hälfte gesehen habe: Wie komme ich raus aus der Nummer, über Danis Das Leben ist zu lang schreiben zu wollen? – Darüber schreiben, warum ich doch nicht über den Film schreiben will? Spielerische Annahme: Vielleicht hat er mein Exposé gelesen und äußert sich lieber nicht darüber. Und so sollte ich es auch halten? – Bei der Gelegenheit auch gleich noch erklären, warum ich lieber doch nicht über Sasha Grey schreiben will? Denn ich schaffe es einfach nicht, mir die ganze Szene anzuschauen, die ich von ihr auf der Festplatte habe. Linda Williams´s Kategorisierung in ihrem Standardwerk Hard Core: Filme, die den Körper bewegen (body genres). Zum Beispiel: Melodramen lassen uns weinen. Horrorfilme machen uns eine Gänsehaut. Komödien bringen uns zum Lachen. – Und so sind auch Hardcore Pornos Filme, die den Körper bewegen. Das Ansehen der Szene mit Sasha Grey bewegt nicht meinen Körper. Das Ansehen von Das Leben ist zu lang bewegt auch nicht meinen Körper, zumindest nicht im Sinn einer Komödie. Nach über 50 Minuten habe ich noch nicht ein Mal lachen müssen. Ich habe nur an einigen Stellen unwillig das Gesicht verzogen wegen nicht losgehender Pointen. Und immer wieder das Gewicht verlagert habe ich von einer Sitzbacke auf die andere wegen Gelangtweiltseins. – Unbehagen habe ich empfunden über die allgegenwärtige Absichtlichkeit, dem Spekulativen des Films. Er weiß zu genau, was er macht. Unbehagen, weil mich das an alles Schlechte erinnert hat, was ich gemacht habe in meinem Bemühen, mit meiner Komödienauffassung beim Fernsehen zu reüssieren. Kein Erzählen, sondern das Verkaufen eines Erzählens. So bei Das Leben ist zu lang: das Verkaufen einer Absicht. Das Gewollte des Witzes. Angestrengtes Gezappele. Angeklebte Pappnase. Aufgemaltes Grinsen. – Alles nicht echt. Es berührt nicht. Weil es nicht ernst gemeint ist, nicht empfunden. Das ist etwas, das Deutsche nie kapieren werden: dass der Witz, der große Witz, der anarchische Witz aus tiefstem Ernst kommt, er ist eine Radikalisierung des Ernstes, nicht sein Veralbern (*). Wenn ich so jetzt weiter schreibe, in dieser trockenen Sprache über Humor schreibe, dann fängt das an irgendwann komisch zu werden. Unfreiwillig komisch, wenn ich es nicht merke. Richtig komisch, wenn ich es merke und es übertreibe. – Anstrengend das Hausierengehen mit der Jüdischkeit bei Dani (und damit sich unter den Verdacht stellen zu wollen des jüdischen Humors). Dabei ist er in Das Leben ist zu lang mehr Schweizer als jüdisch (die Schweizer, denen man nachsagt, sie seien die perfekteren Deutschen).
(*) Max Brod hat erzählt, dass Kafka sich manchmal schief gelacht hat beim Vorlesen seiner Texte. Wahrscheinlich nicht bei In der Strafkolonie. Aber ganz bestimmt bei Die Verwandlung.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen