Mittwoch, 16. Februar 2011

Widerspruch

Oh nein! Nicht schon wieder über den Vorhang, den ich sehe am Fenster des Contessa-Zimmers, wenn ich nach rechts blicke. Gestern Nachmittag der Vorhang wieder einen Spalt geöffnet, jetzt wieder geschlossen. Die schattenspielartige Affäre als Kasperletheater. Andererseits will die Tess mir damit etwas sagen. – Schon wieder der Loop. - Die reale Person, auf die sich meine von mir Tess genannte Vorstellung bezieht. Die Person, die ich ins Herz geschlossen habe – unabhängig von meinem Begehren der realen Person, in die ich mich verliebt habe vor zwei Jahren im Hallenbad in der Hauptstraße. - Die reale Person aus dem Hallenbad, mit der es nichts geworden ist. Und: Die reale Person da drüben, die dieses Spiel mit mir spielt mit den Lichtzeichen und der Sprache des Vorhangs. Ein manchmal mutwillig erscheinendes Spiel einer launischen Person, die sich langweilt, unglücklich ist, sich etwas anderes vorstellen könnte in ihrem Leben als das, was sie da drüben hat. Aber ich bin es nicht, nach allem, was sie inzwischen von mir weiß (es war mir wichtig, dass sie das alles weiß). Also eine Frau, die sich – vielleicht – schon mit mir eingelassen hätte, wenn ich ihr mehr zu bieten hätte als einen Liebeswunsch und schöne Worte. So ist das. Deswegen kann ich sie nicht verachten. Eine Liebesheldin ist sie mit der Einstellung allerdings auch nicht. Bleibt: ihre Beständigkeit. Bleibt: ihr Unglück. Bleiben die Momente, in denen sie mir gezeigt hat, dass sie unglücklich ist - wie am 24. Dezember, als sie alleine war, und auf meine Frage (geschrieben), ob sie traurig ist, weil Weihnachten ihr etwas bedeutet, mit Ja antwortete (mit dem Licht): ja, Weihnachten bedeutet ihr etwas; ja, sie ist traurig.  – Mein Impuls: Ich kann sie nicht im Stich lassen. Aber was kann ich für sie tun? – Weiter der unglücklich Liebende sein, der ihr von seiner Sehnsucht schreibt? – Das kann ich nicht mehr. Nicht, dass ich keine Sehnsucht mehr hätte. Doch ich weiß inzwischen, dass sie unerfüllbar ist. – Was kann ich sonst für sie tun? – Was soll ich ihr schreiben, wenn ich ihr nicht mehr von meiner Sehnsucht schreibe? – Ihr vom Blog erzählen, der – ideell – auch ihr Blog ist, weil der Blog aus dem Schreiben an sie entstanden ist? – Das kann ich tun. An ihrem Leben teilnehmen kann ich, soweit es sich mir zeigt. Ein Freund kann ich für sie sein. Nachbar mit freundschaftlichen Gefühlen, die übrig geblieben sind von der Verliebtheit in sie, die zu nichts führte. - Begonnen habe ich diesen Text mit dem Ziel, endlich wegzukommen von der Vorhangbeobachtung und der Lichtbeobachtung. Doch wie sonst kann ich Freundschaft mit ihr pflegen als dadurch, dass ich auf ihre Vorhang- und Lichtzeichen eingehe? - Wieder der Loop. – Nein, das ist nun traditionelle Logik. Das ist ein Widerspruch. Und der Schluss daraus ist ein klares Entweder – Oder. Dazu muss ich abwägen, was mir wichtiger ist: die Freundschaft oder die Befreiung von dieser mich nervenden, mich verblödenden emotionalen Abhängigkeit von den Vorhangzeichen und den Lichtzeichen? - Ich schiebe die Entscheidung auf. Ein Schritt nach dem anderen. Erster Schritt; den mache ich gerade: Nichts mehr von ihr wollen, deshalb auch nichts mehr von ihr erwarten. Zweiter Schritt folgt, wenn der erste getan ist. Folgt dann ohne Willensakt und Denkanstrengung, die doch nur wieder im Loop enden würde. – Besinnungsaufsatz. Ging nicht anders. Lächerlich für jeden Leser, womit ich mich da beschäftige. Für mich nicht. Aber ich will es ändern. – In Biest zu Biest heute gleich noch ein Besinnungsaufsatz? Noch eine Entscheidung? In Zukunft auf Links zur FAZ und zur Süddeutschen zu verzichten und deshalb gleich ganz auf die Erwähnung von Texten aus den beiden Zeitungen zu verzichten? - Grund: FAZ und SZ wollen nicht zitiert werden. - Deshalb sie gar nicht mehr lesen? Weil das Zeitungslesen ist ein Bestandteil meines Lebens. Aber da ich nun mal über mein Leben blogge, muss ich auch über die Zeitungen schreiben können, die ich lese. Kann ich es nicht, verzichte ich lieber darauf, sie zu lesen. So wie ich auch schon zu jemandem gesagt habe, wenn du nicht willst, dass ich über dich schreibe, dann will ich auch nicht mehr mit dir reden. Wenn ich nicht über dich schreiben kann, will ich dich nicht in meinem Leben drin haben. – Solche Überlegungen. Nur Überlegungen. So ein Tag ist das heute.

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