Vor einem Jahr, am 9.02.10, an die Tess:
Am Donnerstag ist Welt-Contessa-Tag.
11. Februar 2009, Stadtbad Schöneberg: „Vielleicht, wenn wir zehn oder zwanzig Minuten warten, das Wasser ist wieder gesund.“
Die Geschichte dazu, die ganze Geschichte dazu, wenn wir uns im Leben sehen.
Das Liebesspiel, die Sehnsuchts-Rhetorik. Ich habe in dieser Rhetorik gelebt. Wie in einem Film. Der Realitätsverlust dabei war mir schon klar. Ich habe ihn hingenommen. Allerdings hatte ich immer mal wieder einen Moment, in dem ich fürchtete, dass der Film plötzlich abbricht und ich mich in meiner Ernüchterung nur noch als den Deppen sehe, zu dem ich mich gemacht habe. Aber es hat nicht plötzlich aufgehört. Die Ernüchterung kommt allmählich. Gestern: Dass ich mich über ein Fernsehpublikum stelle und herabschaue auf den Gefühlskitsch, den es sich gibt. Ich habe mir meinen Kitsch selbst angerichtet. Zwei Jahre lang habe ich in einer Romantic Comedy gelebt. Statt abends fernzusehen, habe ich an die Frau in der Dachwohnung gegenüber geschrieben. Ich schreibe ihr immer noch. Mit einer anderen Rhetorik. Neuer Versuch: Jetzt mit Realismus. – Der Unterschied zu vorher: Ich feiere den Welt-Contessa-Tag nicht mehr, ich zitiere ihn nur noch.
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