Dienstag, 15. Februar 2011

Loop

Gestern: Soll ich auf Das innere Biest hinweisen im Hauptblog? – Auf dem Rückweg vom Potsdamer Platz: Wenn ich es bekannt mache, die harte, undezente Formulierung am Ende von Spur rausnehmen? – Ich habe die Phantasie, wie sie riecht, wenn sie riecht – statt: wie sie stinkt, wenn sie stinkt. – Zu Hause sehe ich, dass die Tess den Vorhang am Fenster des Contessa-Zimmer dicht gemacht hat. Im Gegenüber-Szenario ist so etwas kein Zufall, das ist Sprache. – Entwurf des Posts für Biest zu Biest: Deutliche Geste der Missbilligung von der anderen Straßenseite. – Warum jetzt? – Mehrere Gründe möglich. Ein möglicher Grund: der neue Blog. Das innere Biest heißt der, wurde letzte Woche gestartet. Ich wollte mich noch eine Weile in aller Stille reinschreiben. Nicht nur in die anderen Themen (hier Ausgeklammertes und Internes), sondern auch eine andere Schreibweise finden dafür. Aber jetzt nach der Missbilligungsgeste, von der ich glaube, dass sie mit dem neuen Blog zu tun hat, weise ich jetzt schon auf ihn hin. So bin ich. – Später lasse ich die Passage weg, verzichte auch auf den Hinweis auf den neuen Blog. Ich will mit ihm noch eine Weile im Stillen bleiben. Aber stinken ändere ich zu riechen. Und als ich am Abend an die Tess schreibe, gehe ich auf die Vorhang-Botschaft ein. Zusammengefasst: Es interessiert mich überhaupt nicht, was sie mir damit zeigen will. Andererseits interessiert es mich doch. – Beide Sätze stimmen. Beide Sätze stimmen nicht. Es ist tatsächlich so, dass ich beides sagen kann. Ich albere damit herum, dass dieses Phänomen in die Wissenschaft der Logik als der Contessa-Loop eingehen wird. – Am Ende des Abends, nachdem ich Schlaf gut, Tess hingeschrieben habe, obschon unzählige Male wiederholt immer noch eine Geste, bei der ich Zärtlichkeit für sie empfinde – danach schreibe ich noch: Ich fühle mich nicht gut. Etwas ist falsch. – Was? – Sie ist unglücklich in ihrem Leben. Ich bin unglücklich in meinem Leben. Aber wir können einander nicht helfen. Wir können nicht einmal miteinander reden. – Aber warum bin ich unglücklich? – Ich bin einsam. Wenn ich darunter leide, bin ich unglücklich. Wenn ich mich damit abfinde, bin ich nicht mehr unglücklich. Wenn ich mich damit abfinde, indem ich es annehme und etwas daraus mache. Die schattenspielartige Affäre mit der unglücklichen Frau gegenüber (mein Schreiben, ihre Zeichensprache mit dem Licht und mit dem Vorhang) ist eine Art, etwas aus dieser Einsamkeit zu machen. Aber es ist eine Art, etwas aus der Einsamkeit zu machen, die mich immer wieder meine Einsamkeit schmerzhaft spüren lässt. Immer dann, wenn die Tess sich wieder mit ihrem Unglück arrangiert hat und die Kommunikation mit mir nur noch nebenbei betreibt, um sie sich zu erhalten für das nächste Mal, wenn sie wieder unglücklich ist und sie braucht, um sich an ihr zu wärmen oder als ein Mittel im Streit mit ihrem Lebenspartner (um ihn eifersüchtig zu machen). – Doch kann mir das nicht egal sein? Hauptsache, ich habe jemanden, dem ich zärtlich Schlaf gut schreiben kann und dahinter einen Namen. Auch völlig unwichtig, dass es nicht ihr richtiger Name ist, sondern ein Name, den ich ihr gegeben habe. – Der Loop. – Korrektur: Ich bin ihr verfallen, habe ich geschrieben letzte Woche. Unzufrieden mit dem Wort gewesen. Melodramatisch. Es trotzdem stehen lassen. Weil es nun mal zutrifft. – Nein, es trifft nicht zu. – Ich bin ihr ausgeliefert. So ist es: Ich bin ihr ausgeliefert, weil ich mich ihr ausliefere. Ich liefere mich ihr aus, weil ich aus meiner Einsamkeit nichts anderes zu machen weiß, als fortzufahren mit dem, was mir mit ihr passiert ist, was aber zu nichts geführt hat als zu dem, von dem ich nun gleich wieder feststellen werde, dass es immer noch besser ist als niemanden zu haben, dem ich mich ausliefern kann. Loop. Falsch.

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