Impuls, die Passage über das I Ging im Post Brunnen zu löschen. Aber dann muss ich den Titel ändern. Oder soll ich gleich den ganzen Text löschen? Doch wenn ich so anfange, dann kann ich auch gleich alle Posts löschen in dem Blog. Alles nur Variationen darüber, wie ich es mir nicht vorgestellt habe. Tagebuch auf eine Art, wie ich es nie schreiben wollte und es deshalb auch immer unterlassen habe ein Tagebuch zu schreiben. – Post von gestern nicht mal Tagebuch. Weil für die Galerie geschrieben. Zuerst nicht. Zuerst authentisches Notizenmachen (Nakadate, Abramovic), in der Folge schreibend nachdenken, Assoziation mit dem I Ging-Zitat gehört dazu. Danach für die Galerie. Statt meinen Gedanken weiter zu folgen, die Nummer mit dem Orakel durch Assoziieren von I Ging-Zitaten. Hatte ich vor, das mal zu machen. Aber warum? – Als Richtigstellung. Um klarzumachen, dass das keine Praxis von Aberglauben ist, sondern eine Lektüreform, dem uralten Text angemessen. – Nur, dass die Textaktion, mit der ich das erzählen will, nicht stimmt. Das I Ging spielt keine Rolle mehr in meinem Leben. Ich habe die Assoziationen, mir fallen Zitate ein aus dem I Ging. Aber wenn ich nicht gemeint hätte, darüber schreiben zu sollen, hätte ich das I Ging nicht aufgeschlagen, es nicht zu Rate gezogen. Und deshalb konnte die Lektüre des Textes auch zu nichts führen. Ich habe mich nur mit dem Text beschäftigt, um darüber zu schreiben, um etwas vorzuführen. – Jetzt ist es mir peinlich, mit diesem Text und seiner stumpfen Wichtigtuerei dazustehen vor den Lesern, so dass ich ihn löschen möchte. – Ich mache es nicht. Lasse ihn stehen als Schreibunfall. Weiteres Beispiel, wie es nicht geht. Ende Unfallbericht. - Gelernt? – Was ich schon wusste: Vergangenes funktioniert nicht. I Ging ist Inventar meines alten Lebens. Erklären zu müssen, was es mit dem I Ging auf sich hat, ist Verhalten aus meinem alten Leben. Die Person, die mich darauf gebracht hat (A. beim Anruf zu ihrem Geburtstag), gehört zu einem Personenkreis, der keine Rolle mehr spielt in meinem Leben. Jetzt ist mein Leben so, dass es keinen Personenkreis im früheren Sinn mehr gibt. Jetzt bin ich in der vorteilhaften Lage, mir ohne Rücksicht auf irgendeine andere Person mir ein neues Leben – zu schreiben. Aber auf die tranige Tagebuchart geht das nicht. – Es geht auf die Art, in der ich in Biest zu Biest schreibe. Rücksichtlose Beobachtung meiner selbst und von anderen in einem täglichen Schreib-Auftritt. - A u f t r i t t. Das ist der Fokus von BzB. – Was kann dann DiB sein? – Nicht noch ein Auftritt. Nicht Tagebuch für die Galerie. – Trotzdem Tagebuch, Skizzenbuch, vor allem Skizzenbuch bleibt eine gute Idee. - Aber was ist der Fokus? – Was mache ich für wen? – Behind the scenes für alle Leser? - Was sonst noch geschah, geschieht – vor dem Auftritt, nach dem Auftritt. – Was im Hauptblog rausgefallen ist, was ausgeklammert wird. So war es geplant. Intern sollte es sein. Für alle, die es genauer, die noch mehr wissen wollen – Das funktioniert nicht. – Das ist kein Gegenüber, keine vorstellbare Adressierung. – In BzB schreibe für all die Leser, die ich haben will, und immer mehr sollen es werden. Das ist eine plastische Vorstellung. - Aber alle, die es noch genauer und die mehr wissen wollen? – Wie kriege ich die zu fassen? – Nicht, indem ich mich an sie wende. Besser: Indem ich sie zuschauen lasse. Eine Tür einen Spalt öffne, den Vorhang vor einem Fenster zurückziehe, damit sie reinschauen können und mir zusehen können – bei was? – Wie ich Tagebuch schreibe; ein Tagebuch, das zugleich Skizzenbuch ist. Also doch. Und wenn ich mich nicht wohlfühle mit der Art, wie ich Tagebuch schreibe, muss ich mir eben meine eigene Art schaffen, erfinden, entwickeln. – Oder – komm, nun lass es schon raus, was dir die ganze Zeit schon durch den Kopf geht: ich schreibe den Blog an die Tess. Ich setze hier das Schreiben an sie fort, mit dem mein Bloggen begonnen hat. - Die Tess. Was spricht dagegen? Doch alleine schon, dass ich diesen Namen nur noch ungern gebrauche. Dass ich ihn nicht mehr verwenden will für die reale Person in der Dachwohnung gegenüber. Dass ich mir, nachdem ich alle Hoffnungen und Erwartungen (wirklich) aufgegeben habe, die reale Person lieber ohne diesen Namen vorstelle - als die Person, deren Namen ich immer noch nicht kenne. Also auch Tess ist Vergangenheit. Hat in dem Leben, das ich mir jetzt schreibe, keinen Platz mehr. Mit dem Namen Tess wollte ich mir über ein Jahr lang eine Liebe schreiben. Das hat zu nichts geführt. Geblieben ist nur die reale Person, der ich die Liebesnamen Contessa und Tess gegeben habe. An die reale Person kann ich aber nicht schreiben, weil ich sie nicht kenne. Und an die vorgestellte Person, der ich die Namen Contessa und Tess gegeben habe, kann ich nicht m e h r schreiben, weil sie zu einer Geschichte gehört, die abgeschlossen ist. Das habe ich in den letzten Tagen schon gemerkt. Jetzt ist es mir vollends klar geworden. – Also Tagebuch. - Tagebuch, bei dem mir die Leser, auch die reale Frau in der Dachwohnung gegenüber, über die Schulter schauen können. Tagebuch, für das ich mir eine eigene Form finden muss. Vor allem anderen.
Die Tess gibt es nicht mehr. Es gibt nur mehr die reale Frau, deren Namen ich nicht kenne. Die Frau in der Dachwohnung gegenüber.
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