Samstag, 12. Februar 2011

Spur

Verliebt sein in die Liebe. Und die reale Person stört dabei nur? - Gestern Abend mit kindlicher Freude am neuen Spielzeug der Tess den neuen Biest-Blog gezeigt und den Welt-Contessa-Tag-Post. Danach den Moment vor zwei Jahren erinnert: 
Könnte ich doch zurückgehen zu dem Punkt, als es angefangen hat. – Denken wie ein Kind. Zurückgehen zu den drei Tagen: 11., 12., 13. Februar vor zwei Jahren, als das passiert ist, was mir so noch nie passiert war: als ich immer wieder daran denken musste, wie Du morgens diesen Satz gesagt hast, und jedes Mal gelächelt habe dabei und wie die Belustigung sich unmerklich in ein zärtliches Gefühl verwandelt hat – für eine mir unbekannte Frau, die dann aber gar nicht so unbekannt war, wie ich bemerkt habe, als ich anfing ständig an Dich zu denken und die Eindrücke sammelte und zusammensetzte, die ich bis dahin von Dir aufgenommen hatte.
Verliebt sein in die Liebe. Und die reale Person stört dabei nur? - Soweit ist es zwischen ihr und mir nie gekommen. Zu was nicht gekommen? – Dass die reale Person gestört hat. Wenn der Realitätseindruck nicht mehr zu verdrängen ist und an die Stelle der Verliebtheitsvorstellung tritt. Der kritische Moment in der Liebesgeschichte. Die Krise im Plotmuster der Romantic Comedy: Die Liebenden werden auf die Probe gestellt. – Diese Probe habe ich gesucht, indem ich der Tess von meiner Realität erzählt habe. Das Schreiben an sie und der Blog in der Anfangsphase waren nichts anderes als das: Interessierst du dich dann immer noch für mich, wenn du weißt, wie alt ich bin, wie arm ich bin, wie kompliziert ich bin und wie ich fühle und denke in meiner Kompliziertheit? – Umgekehrt hat es die Probe nur schemenhaft gegeben. Ich habe mir einen Realitätseindruck von ihr geschaffen aus meinen wenigen Wahrnehmungen von ihr. Das Einzige, was dabei störte, war die Tatsache, dass sie mit einem anderen Mann zusammenlebt; vermutlich weil sie ihn liebt, obwohl es mit ihm nicht gut geht. Ein Paar in der Dauerkrise: sie kommen über den Moment der Divergenz von Verliebtheitsvorstellung und Realität des Anderen nicht hinweg. Er mal außen vor. Sie kommt nicht darüber hinweg. Sie gibt ihn nicht auf, sie findet sich aber auch nicht damit ab, wie er ist. Die pragmatische Resignation, welche die Krise überwindet, zu der ist sie nicht bereit. - Auftritt ich. Meine Verliebtheit. Unzählige Male schon beschrieben meine Vorstellung, wie sie in dem romantischen Spiel mit mir findet, was sie bei ihm nicht bekommt. Dazu bin ich da. Meine Verliebtheit in die Liebe ist ihr gerade recht. Mehr braucht sie nicht. Mehr will sie nicht haben. Für die Realität hat sie ihn. Mehr Realität als ihr recht ist.
Wieder nur Rumtapern in dem Geheimnis, das sie aus sich macht – absichtlich oder unfreiwillig. Ich dachte, es kommt mehr heraus dabei, wenn ich dieser Spur folge: Verliebtsein in die Liebe. Und die reale Person stört dabei nur? – Doch mit Gedanken ist da nichts zu holen. Denn alles hängt von ihr ab. Und ich bin ihr weiter verfallen. Gelangweilt nur noch von der Verliebtheit in die Liebe; meiner Rhetorik und meiner träumerischen Vorstellungen überdrüssig. An ihre Stelle ist die Sehnsucht nach ihrer Realität getreten. Letzten September habe ich ihr einmal geschrieben.
Tess,
was von Dir da drüben kommt bedeutet mir nichts mehr. Im Nachhinein erscheint mir das alles wie ein wirrer-irrer Traum. Es müsste endlich was anderes kommen von Dir. Was ich mir schon so lange wünsche: Fleisch und Blut, Geruch und Deinen warmen Atem.
Am nächsten Tag hat sie ein Plumeau ins Fenster des Contesa-Zimmers zum Lüften gehängt und ein Kopfkissen auf die Fensterbank gelegt. – Da habe ich ihr geschrieben:
Wenn Du  (…damit … ) auf meinen Text mit dem Fleisch, dem Blut, dem Geruch und der Wärme Deine Atems reagiert hast, dann war das sehr witzig und dann bist Du so, dass ich Dich noch viel mehr kennenlernen möchte, als ich es ohnehin schon will.
Ich habe immer versucht, erotische Phantasien über die Tess zu unterdrücken. Ganz ist mir das nie gelungen. Eine der aktuellen erotischen Phantasien, die ich von ihr habe, ist die Vorstellung davon, wie sie riecht, wenn sie riecht.

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