Fortsetzung Guter Hacker, böser Hacker. Interventionen. Härteste Intervention ist, meine Rechner zum Absturz zu bringen. In letzter Konsequenz nicht zu beweisen, dass das durch einen Eingriff von außen geschehen ist. Rechner stürzen ab. Meine beiden Rechner haben sich allerdings immer durch große Systemstabilität ausgezeichnet. Plus: Die Abstürze passierten in Kontexten, in denen es so schien, dass die andere Seite etwas verhindern wollte oder ihr äußerstes Missfallen an einem Text, den ich gerade schrieb, zum Ausdruck brachte. Das ist nur wenige Male vorgekommen. Ich konnte es mir immer erklären. Neulich ist es passiert, als ich zum ersten Mal über den Fall Strauss-Kahn geschrieben habe; da konnte ich es mir nicht erklären. Andere Arten der Intervention. Eingriffe in den Text, den ich gerade schrieb. Das ist auch sehr selten vorgekommen. Zum ersten Mal, als ich eine Frage stellte im Text und dann stand plötzlich ein Wort da, das ich nicht getippt hatte, und es war auch unwahrscheinlich, dass es ein Tippfehler von mir war. Das Wort konnte gelesen werden als eine Antwort auf meine Frage. Die Antwort war allerdings so, dass ich daran gezweifelt habe, dass das vom guten Hacker (sie) kam und zum ersten Mal es für möglich gehalten habe, dass es eine zweite Person gibt, die sich einmischt. Die zweite Person ist (mutmaßlich) ihr Freund aka böser Hacker. - Eine weitere Art des Eingriffs in den Text: Es erscheinen Markierungen, die ich nicht vorgenommen haben und die einen Sinn ergeben zum Beispiel als Kommentare oder Warnungen oder Drohungen. In meinem Text steht: es wurde eine Grenze überschritten. Das erscheint nun als markiert und könnte bedeuten, dass die andere Seite meint: Du hast eine Grenze überschritten, also: Du hast zuerst eine Grenze überschritten (als Du bei uns vor der Tür gestanden hast und sie sprechen wolltest). Oder in meinem Text steht: es gibt andere Wege, sich zu verständigen. Eine Markierung, die nicht von mir vorgenommen wurde, erscheint bei: es gibt andere Wege. Das kann als eine Drohung verstanden werden. Diese Art der Intervention hat mich bestärkt in der Annahme, dass ihr Freund mitmischt. Denn diese Art der Intervention ist nicht ihr Stil. Ihr Stil ist die Intervention über die Zwischenablage. Word-Funktion Kopieren und Einfügen. Ich kopiere ein Textstück a, füge es an anderer Stelle ein und nun erscheint nicht das kopierte Textstück, sondern ein Textstück b. – Ich schreibe die Entwürfe für den Blog in Dateien, die heißen BlogText1, 2 oder 3. BlogText 3 ist zuletzt angewachsen bis auf mehr als 250 Seiten. Am Anfang der Datei standen also Texte, die ich Monate zuvor geschrieben hatte. Der erste Text in der Datei war der Entwurf zu einem Text über den Film Void (vom 14. 1. 2011), den ich dann aber nicht gepostet habe, nur auszugsweise zitiert habe ich ihm im Post des nächsten Tages, Leer. – Das zum Verständnis des Folgenden: einer Variante der Intervention über die Zwischenablage.
Am Donnerstag vergangener Woche habe ich am Abend das Posting Homestory 3 überarbeitet. Dazu gab es diese Fußnote (nur zur Orientierung und wegen der Vollständigkeit):
(*) Das Dachfensterlicht ist das zweite große Rätsel in der Geschichte: Wie schafft sie es, mit diesem Licht, das ein mit einer Zeitschaltuhr gekoppeltes Treppenhauslicht ist, so differenziert Zeichen zu geben? – Und es ist das Treppenhauslicht. Es gibt nur diese Glaskuppel auf dem Dach des Hauses, die sich über dem Treppenhaus befindet. Das habe ich mit Google Earth überprüft. Aber wenn das Licht das Treppenhauslicht ist, warum sehe ich es dann nicht häufiger? Zum Beispiel am frühen Abend im Winter. Fünf große Wohnungen gibt es in dem Haus. Da muss es doch am frühen Abend im Treppenhaus Aktivität geben, da muss das Licht doch immer wieder ein- und nach kurzer Zeit von der Zeitschaltuhr wieder ausgeschaltet werden. Ich kann es mir nicht erklären. So wenig, wie ich es mir erklären kann, dass er die Existenz der Frau leugnet, die ich mit ihm in seiner Wohnung gesehen habe und die nicht identisch ist mit seiner Frau, sondern seine Freundin war oder es immer noch ist. Wegen der Korrektheit muss ich es prinzipiell für möglich halten, dass er die Wahrheit sagt. Aber ich weiß, dass er lügt. Und ich weiß jetzt auch, wie gut er lügt. Er lügt so gut, dass ich mich frage, wer ist er, was macht er sonst noch, wenn er so gut lügt? Den gesamten Text des Postings hatte ich am späten Nachmittag bei Blogger bereits als Entwurf gespeichert. Als ich ihn am Abend aufgerufen habe, um ihn zu überarbeiten und zu veröffentlichen, fehlte der Fußnotentext. Hätte auch ein Versehen von mir sein können. Öffnen der Datei Blogtext 3, in der ich den Text entworfen hatte und wo er vollständig abgespeichert war. Kopieren des Fußnotentextes in die Zwischenablage und Einfügen in den Text für das Posting auf Blogger. Anklicken der Funktion Einfügen: Nichts. Zwischenablage offenbar leer. Text wie von Geisterhand gelöscht. Ich wiederhole den Vorgang. Ohne Erfolg. Als ich ihn ein weiteres Mal wiederholen will, sehe ich am Ende der Datei Blogtext 3 einen Text, den ich selbst nicht dorthin kopiert habe. Warum auch? – Es ist der Anfang des Textentwurfs zum Film Void vom Januar:
Void
Die Tess hat lange schlanke Beine. Ihre Oberschenkel sind muskulös. Auf eine zarte Art muskulös. Wenn sie nicht muskulös wären, dann wären ihre Oberschenkel dünn. Entweder die Tess macht einen Sport oder hat einen Sport gemacht, bei dem sie diese muskulösen Oberschenkel bekommen hat. Oder sie hat sie sich gezielt antrainiert (body shaping), weil ihr ihre dünnen Oberschenkel nicht gefallen haben. Weil sie nicht so lange dünne Beine haben wollte wie Linda, Schwester von Oscar, in dem Film Enter the Void, von Gaspar Noé, gestern Abend gesehen auf DVD. Die langen dünnen Beine Lindas ein key visual des Films. Immer wieder Lindas nackte lange Beine mit den dünnen Oberschenkeln. Linda ohnehin die meiste Zeit halbnackt zu sehen in dem Film. Deshalb, weil sie als Tänzerin in einem Nachtclub arbeitet. Aber auch, um uns ihre Schutzlosigkeit spüren zu lassen. – Plot: Geschichte von Oscar und Linda, Geschwistern, die sich als Kinder versprochen haben, immer zusammen zu bleiben, nach dem Tod der Eltern getrennt voneinander in Waisenhäusern aufwachsen, viele Jahre später in Tokio wieder zusammenkommen und ihren Treue-Pakt erneuern. Doch dann wird Oscar schon nach … Minuten des Films auf der Toilette eines Clubs von der Polizei bei einem Drogengeschäft erschossen. Kurz vor seinem Tod spricht er mit seinem Freund Alex über Das tibetanische Totenbuch, das der Freund ihm geliehen hat. Oscar ist fasziniert von der Lektüre, aber da er sich ständig mit Drogen zuballert (DMT, Ecstasy, Kokain), fehlt es ihm auch an Konzentration. Deshalb lässt er sich die Quintessenz des Buches von seinem Freund noch mal erklären. Die Quintessenz des Tibetanischen Totenbuches ist eine präzise, detaillierte Vorstellung vom technischen Ablauf von Seelenwanderung. Davon, wie der Geist (spirit) den Körper nach dem Tod verlässt, darauf wie in einem Wunderspiegel (magic mirror) noch einmal sein ganzes Leben betrachtet und danach durch die Welt schwebt, bis er einen neuen Körper findet, in dem er sich reinkarieren kann. - Wie? – Indem er verschmilzt mit einem Leben, das gerade gezeugt wird. – Und das ist es in groben Zügen, was in den verbleibenden … Minuten von Enter the Void passiert, nachdem Oscars Körper zusammengekrümmt in einer Blutlache auf dem Boden der Toilette in dem Club liegt und sein Geist und wir mit ihm seinen Körper verlassen. Erst der Blick zurück auf sein Leben. Auf die Kindheit mit der Schwester und die Umstände ihrer Trennung. Schließlich Oscars Seelenwanderung durch Tokio, bis zu dem Moment,
(hier endet das Textstück aus der Zwischenablage, der Originaltext geht noch weiter)
Ich überfliege den Text. Ich könnte mir jetzt alles Mögliche denken, vor allem könnte ich gerührt sein, und das ist vielleicht auch die Absicht: mich dazu zu bringen, dass ich gerührt bin und akzeptiere, dass die andere Seite nicht will, dass ich den Fußnotentext in das Posting von Homestory 3 aufnehme. Die andere Seite ist in diesem Fall der gute Hacker, also sie aka die Frau von gegenüber aka Contessa aka Tess. Das ist ihre Handschrift, ihre Mitteilungsart. Und es macht auch einen Sinn als Botschaft, was sie mir da mit meinem eigenen Text mitteilt. Begründung, warum ich den Fußnotentext nicht veröffentlichen soll. – Ich lese den Fußnotentext mehrfach durch. Was steht da, weshalb sie nicht will, dass ich den Fußnotentext veröffentliche? Etwas, womit ich ihr schaden könnte? – Wenn ich zu dem Schluss gekommen wäre, dass es etwas darin gibt, dass ihr schaden könnte, hätte ich ihn weggelassen. Denn ich bin gerührt von ihrer Mitteilung. Doch ich kann nichts finden in dem Text, das ihr schaden könnte. Gegenprobe: Wenn ihr so sehr daran gelegen ist, dass ich den Text weglasse, brauche ich ihn überhaupt? – Ich komme zu dem Ergebnis, dass er unverzichtbar ist. Aber wie kriege ich ihn in den Text für das Posting, wenn sie mir weiter die Zwischenablage löscht? – Ich bin nicht nur gerührt, ich bin auch wütend und empört über die Intervention. Das bringe ich zum Ausdruck, indem ich an sie schreibe. Und das tue ich, indem ich in die BlogText 3-Datei schreibe, und da sie eingehackt ist in meinen Rechner, kann sie es lesen:
Ich bin nicht mehr weit davon entfernt, Anzeige zu erstatten wegen der Spuk-Phänomene auf meinem Rechner. Ich würde mich dann zwar in die Gefahr begeben, vor der Polizei als Verrückter dazustehen, aber das wäre es mir wert, dass damit diese Spuk-Phänomene aktenkundig werden und jeder weitere Übergriff mit erhöhtem Risiko für die Übergreifer verbunden ist. - Verschwinde! Beim nächsten Übergriff gehe ich zur Polizei. Kein Spaß mehr! Es gibt andere Wege sich mitzuteilen. Andernfalls Klappe halten oder weiter lügen! Damit gelingt es mir anscheinend, sie einzuschüchtern. Habe ich nicht unbedingt erwartet. Sie lässt es jetzt auf jeden Fall zu, dass ich den Fußnotentext kopieren und einfügen kann. Ich veröffentliche das Posting mit der Fußnote. Anschließend schreibe ich einen weiteren Text an sie. Ich bin nicht mehr gerührt, ich bin verbittert und wende mich an sie und ihren Freund als Ihr.
Wenn es etwas gibt, das ich nicht tun sollte, damit ich niemandem schade, dann kann man mir das sagen. Dann reicht es vielleicht sogar, mir nur zu sagen, dass ich es nicht tun soll, dann muss das gar nicht begründet werden, falls es nicht möglich ist, das zu begründen. Aber: man muss es mir sagen. So wie das vorhin versucht wurde, so läuft das nicht. – Man kann mit mir reden. Ich lasse mit mir reden. – Aber bei dem, was vorhin versucht wurde, schaue ich nicht mehr länger ohnmächtig zu. Es wurde schon längst eine Grenze überschritten. Das war einer der Gründe dafür, warum ich am Montag zu Euch gekommen bin. Ich hatte geglaubt, ich könnte mit Euch reden, so wie man mit mir reden kann. Das ist offenbar nicht der Fall. Also bleibt mir nur Ohnmacht oder zur Polizei zu gehen. Was würdet Ihr an meiner Stelle tun? – Na, also! – Dritte Möglichkeit: Da Ihr nicht reden wollt, lasst mich in Ruhe! Ihr habt kein Recht zu dem, was Ihr tut. Und es gibt keinen Grund, warum ich länger Vertrauen haben sollte in die Gutwilligkeit Eurer Absichten.Ihr seid Fremde. Ihr habt mir gezeigt, dass Ihr Fremde bleiben wollt. Verhaltet Euch nun auch wie Fremde. Haltet Euch fern von mir!
Am Tag darauf sehe ich diesen und den Text durch, den ich zuvor an sie geschrieben habe, um beide Texte in Das innere Biest zu veröffentlichen. Dabei kommt es zu der Intervention mit den Markierungen, die als Warnung und Drohung verstanden werden können: es wurde eine Grenze überschritten – es gibt andere Wege. – Kommt das von ihr oder von ihm oder von ihnen beiden? - Meine Überlegungen und Beobachtungen, die ich auf der anderen Straßenseite mache, bringen mich zu dem Ergebnis, dass das von ihm gekommen ist. Ich entwickle die Vorstellung vom guten und vom bösen Hacker. Weil ich es so sehen will?
Ich wollte nie einen Text wie diesen schreiben. Ich wollte nie eine solche Geschichte erleben. Ich habe mich auch als Leser oder Zuschauer nie für so eine Art von Geschichten interessiert. Wenn ich diesen Text lesen würde von einem anderen Autor, der das Beschriebene als reales Geschehen ausgibt, würde ich ihn für geisteskrank halten und bedauern. Ich habe dokumentiert, was ich wahrgenommen habe. Mein Ziel war es immer, wegzukommen von dieser gespensterhaften Art von Kontakt. In Homestory 2 und 3 beschreibe ich, wie mein bislang energischster Versuch mit dieser Absicht ausgegangen ist.
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