Freitag, 9. September 2011

Spatzen

Im Text über Taewoo geht es darum, jemanden zu nehmen, wie er ist. Im Text über das Sterben Peters geht es um das Gleiche. Mit der Botschaft: wenn du stirbst, musst du ohne mich sterben, denn ich kann dein Gerede nicht mehr ertragen. Die ständigen Wiederholungen machen mich böse. Und das kann ich keinem Sterbenden zumuten, dass ich ihn nur noch beschimpfe. Stirb so, wie es dir am angenehmsten ist, umgeben von deinen Lieblingssätzen und Geschichten - und verschont von meinen Vorhaltungen. Ich bin kein gewohnheitsmäßiger Lügner; so hat mich noch niemand genannt, hat er mir geschrieben diese Woche. Niemand außer mir hat ihn jemals so genannt, meint er damit. Er will, dass wir unser Gespräch fortsetzen und dass ich aufhöre, ihm seine Lügen vorzuhalten. Aber beides geht nicht. Ich werde aufhören, ihm seine Lügen vorzuhalten.  

Das Leben soll besser werden. Heute habe ich es verpasst. Die Frau an der Ampel in der Bundesallee nicht gefragt, ob ich sie fotografieren darf. Die so schön schwarz angezogene Frau, die aussah wie Katja Riemann, aber es nicht war. Und Norbert, der am Baum vor seinem Laden ein kleines Sandbad für die Spatzen gebaut hat. Aber sie kommen nicht. Ist ihnen zu klein. Jetzt scheißen die Katzen rein. Spatzen baden im Sand, um sich von Flöhen zu befreien; weil es nur noch so wenig Sand gibt in der Stadt, gibt es immer weniger Spatzen. Habe ich noch gar nicht bemerkt. Habe ich auch nicht gewusst, dass Spatzen Flöhe haben. Habe noch nie einen Spatz im Sand baden sehen. Norbert erzählt von Schwärmen von Spatzen, die in der Bergmannstraße im Sand baden, weil es da noch welchen gibt oder vor kurzem noch gegeben hat. Darüber hätte ich schreiben sollen am Nachmittag: wie er mir das erzählt hat.

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