Mittwoch, 7. September 2011

Beweis

Bericht vom Geheimtreffen. Geheim ist der Ort. Denn ich treffe mich mit meinem Schutzmann in seinem Kontaktbereich; wegen Anonymisierung des Schutzmanns soll der nicht genannt werden. Und geheim ist, worüber wir sprechen. Denn es soll dem Gesprächspartner bewiesen werden, dass es auch einmal möglich ist, dass wir miteinander reden, ohne dass es hinterher Wort für Wort im Blog steht. Wir sitzen an einem der Tische vor einem sehr gediegenen Restaurant, das ich noch nicht kannte. Gegenüber dem Restaurant befindet sich eine Kirche. Der Ort ist ein legendärer Ort in der Stadt, an dem ich nie zuvor gewesen bin. Wir sitzen da eineinhalb Stunden. Wir essen nichts; der Gesprächspartner trinkt zwei Capuccino, ich ein Glas Mineralwasser. Das ist in Ordnung. Es ist nicht so viel Betrieb, dass wir jemandem den Platz wegnehmen. Zwischendurch wechseln wir von einem Tisch zu einem anderen, weil ich nicht in der Sonne sitzen will. Ich hatte vor sieben Jahren Hautkrebs, erkläre ich dem Gesprächspartner meinen Wunsch, den Platz zu wechseln. So sehr ich die Sonne mag, ich will mich ihr nicht mehr aussetzen. Er sagt dazu nichts. Was soll er dazu sagen? – Als der Kellner die Rechnung bringt, ist die Frage, wer bezahlt. Der Gesprächspartner sagt, dass er nur zehn Euro in der Tasche hat. Ich sage, dass ich ihn gerne einladen würde, aber dass das nicht geht. Jeder zahlt für sich, sage ich zum Kellner. Der Gesprächspartner lacht und sagt, dass er das gut findet. Er meint: wie wir damit eben umgegangen sind.  Das Wasser kostet 1,80 Euro. Ich gebe dem Kellner 2,20 Euro. Er ist einen Moment irritiert, weil es ihn überrascht, dass jemand, der sich eineinhalb Stunden lang an einem Glas Wasser festgehalten hat, ihm ein (verhältnismäßig) großzügiges Trinkgeld gibt. - Eben deswegen. So geht das. Zusammen gehen wir zurück. Ich nach Hause, der Gesprächspartner zum Abschnitt 41. Als wir fast da sind, ergibt sich aus dem Gespräch, was ich ohnehin vorhatte: Ich biete dem Gesprächspartner das Du an. Er freut sich darüber. Das hätte ich nicht gedacht, dass er sich darüber so freut. Er reicht mir die Hand und sagt seinen Vornamen, der mir bekannt ist. Aber so macht man das. Ich gebe ihm die Hand, sage aber nicht meinen Vornamen. So bin ich. Jemand hat mal über einen anderen gesagt: Er muss immer irgendwo einen Zipfel raushängen lassen. So bin ich. 

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