Er schreibt mir hinterher, dass er das alles erst mal ein paar Tage auf sich wirken lassen muss. Beim zweiten Treffen erzählte er, dass er begonnen habe, meinen Blog zu verfolgen, und vorhabe, seine Website mit meinem Blog zu verlinken. Ich schätze mal, dass er das nicht tun wird. Er hat auch gesagt, dass er das Gespräch mit mir fortsetzen will, um dann auch mal was über mich zu erfahren und über den Blog, zum Beispiel möchte er wissen, warum der Biest zu Biest heißt. Darauf habe ich geantwortet, dass das alles im Blog steht, was ich für einer bin, und wie es zu Biest zu Biest kam, das wird auch klar, wenn er die älteren Postings liest. Und mich einladen wolle er auch, wenn er und seine Frau demnächst mal wieder Gäste einladen, keine große Sache, kleiner Kreis, so ist es ihnen am liebsten. Ich freue mich immer, wenn ich eingeladen werde, der Einladung zu folgen, finde ich dann aber oftmals anstrengend. Um nicht abweisend zu sein, habe ich auf seine Frage, was ich für einer bin, eine Antwort gegeben, die mich selbst überrascht hat. Mein Leben ist gar nicht so schlecht, habe ich gesagt, weil ich meist gemacht habe, was ich wollte, wenn auch manchmal zu spät. Es gibt nur eins, was ich versäumt habe: dass ich keine Kinder habe. Das ist der Schatten, der über meinem Leben liegt. Und dann habe ich noch gesagt: ich bin ein einsamer Mensch und das bin ich immer schon gewesen, schon als Kind (Einzelkind), und dass ich keine Kinder habe ist ein weiterer Aspekt meiner Einsamkeit. Er meinte, er hätte eine 21jährige Stieftochter und sonst sei es eben so gewesen, dass er, wenn er ein Kind hätte haben wollen, dass es dann ein Sohn hätte sein müssen, aber da man sich das nicht aussuchen kann so wie den Feinheitsgrad beim Schreddern, habe er eben keine Kinder. Das hat er in einer witzigen Formulierung gesagt und ohne die Assoziation mit dem Schreddern. Ich habe ganz ernst geantwortet, dass ich mich auch über eine Tochter gefreut hätte, sogar mehr als über einen Sohn, weil wie Jungs sind, das weiß ich von mir selbst. Er hat darauf nichts mehr gesagt. Das ist einige Male vorgekommen, dass ich etwas Persönliches gesagt habe und er hat darauf geschwiegen. Er war auch einige Male genervt von meinen Fragen. Das habe ich erst nachträglich bemerkt, eine unterdrückte Gereiztheit bei ihm, als ich in die Aufzeichnung des Gesprächs reingehört habe, die ich gemacht habe beim zweiten Treffen, weil er beim ersten Mal mehrfach gute Sätze gesagt hatte, an deren genauen Wortlaut ich mich später nicht mehr erinnern konnte. Beim zweiten Treffen kamen dann aber keine solchen Sätze mehr und überhaupt war unser Gespräch immer weniger ein gutes Gespräch. Am besten ist es gewesen, solange ich begeistert war von seinen Arbeiten – von seinen Arbeiten im Original. Wobei ein Teil der Begeisterung sicher auch Erleichterung war darüber, dass ich nun Ulianes Hochschätzung von Burchards Arbeit verstehen konnte. Aufgrund der Abbildungen auf seiner Website konnte ich das nämlich zunächst nicht. Und es ist jetzt auch im Blog nicht verständlich, warum das Objekt Persil mich so begeistert hat, als ich es bei Burchard vergangenen Dienstag gesehen habe. Weil das Foto im Detail unscharf ist. Um einen Eindruck vom Original zu vermitteln, müsste es noch eine Detailansicht geben. Das wollte ich zuerst am Freitag mit Burchard machen – Nahaufnahmen seiner Arbeiten, die ich im Blog zeige, aber wir sind dann nicht mehr auf meinen Vorschlag eingegangen. Er nicht, weil er ohnehin nichts davon gehalten hat, ich nicht, weil es mir zu aufwändig erschien und weil ich dann auch weg wollte, nachdem wir noch mal 2 ½ Stunden lang Arbeiten von ihm angeschaut und darüber geredet hatten. Das war der zweite Fehler, dass ich nicht auf den Nahaufnahmen bestanden habe, um so rüberzubringen den Moment der Begeisterung über Burchards Arbeiten und seine Welt. Und der erste Fehler war, dass ich nicht gleich nach dem ersten Besuch bei ihm über diese Begeisterung geschrieben habe, um es dabei dann zu belassen. Statt mich anschließend tagelang zu fragen, was passiert in Burchards Arbeiten und wie macht er das. Was sich mir dabei gezeigt hat, das hat mir nämlich immer weniger gefallen (*). Ich war zu nah rangegangen. Unangemessen nah. Übertrieben nah. Die Unangemessenheit, die Übertriebenheit mein Fehler. Mit Burchards Arbeiten hat das nichts zu tun.
(*) Kein Wagnis, kein Abenteuer. Es passiert nichts, das nicht schon anderswo passiert ist. Kunst als Liebhaberei. Die Beschäftigung mit seiner Welt hat mich zunehmend gelangweilt und genervt. Die Biederkeit, die ich an ihm wahrgenommen habe, die begann ich auch in seinen Arbeiten zu sehen. Im Text vom Sonntag habe ich die Biederkeit dann Einfachheit genannt, weil ich ihm nicht weh tun wollte.
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