Sonntag, 23. Oktober 2011

Erregung

Mir liebe Person. Ich kenne sie noch nicht lange. Dass sie sehr ausführlich redet, das habe ich zuvor schon bemerkt. Im Moment geht es um eine Person, der meinte ich die ganze Zeit helfen zu müssen, so scheu war sie, als ich mit ihr alleine zu tun hatte. Jetzt erzählt die mir liebe Person, wie fordernd und im Grunde genommen unverschämt die vermeintlich scheue Person war ihr gegenüber. Darüber hat die mir liebe Person angefangen zu reden und hört nun nicht mehr auf damit, obwohl schon nach wenigen Sätzen alles gesagt war. Ich beobachte die zweite anwesende Person. Eine Frau; alle drei sogenannten Personen sind Frauen. Die andere Frau hat zuvor darüber gesprochen, wie wenig Zeit ihr der Beruf lässt; sie hat an diesem Samstag sicher noch vieles andere vor, zu dem sie unter der Woche nicht gekommen ist. Sie fragt dann auch zweimal, ob die mir liebe Person zu dem kommen könnte, worum es eigentlich geht. Denn das, was sie über das unverschämte Verhalten der fordernden Person sagt, ist eine Abschweifung, es hat nichts zu tun damit, worum es im Gespräch mit der Person mit dem Zeitmangel geht. Die mir liebe Person scheint das nicht mitzukriegen, dass die Person mit dem Zeitmangel nun endlich zum Punkt kommen möchte. Sie redet weiter über die fordernde Person und das Erstaunliche dabei ist, dass ihr immer wieder etwas Neues einfällt, um nicht zum Ende zu kommen. Sie wiederholt sich nicht. Allerdings ist das Neue auch nicht so wichtig, dass sie es nicht getrost weglassen könnte. Die Rede der mir lieben Person ist eine Erregung (über das unverschämte Verhalten der fordernden Person). Ich mache einen Vorschlag, wo und wann die mir liebe Person der fordernden Person ihr unverschämtes Verhalten vorhalten könnte. Aber darum geht es der mir lieben Person nicht. Sicher wird sie der fordernden Person sagen, was ihr nicht gepasst hat. Also wovon reden wir? – Das wird nicht geklärt. Denn nun muss die mir liebe Person weg. Deshalb, nur deshalb beendet sie ihre Erregung und mit wenigen Sätzen wird besprochen, was zwischen den beiden Frauen zu besprechen ist. – Keine Konsequenz: die mir liebe Person bleibt eine liebe Person. Keine Erkenntnis: nichts gelernt fürs nächste Mal. Es könnte nur sein, dass die mir liebe Person das hier liest, sich darin erkennt und dann mal sieht, wie es ist, wenn sie anfängt zu reden und einfach nicht mehr aufhört damit. Ein Gespräch  ist das auf jeden Fall nicht.

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