Facebook-Plot. Meine Statusmeldung auf der Facebook-Seite von BzB gestern: Ganz machtlos bin ich nicht. Es gibt eine Möglichkeit, mich zu wehren. Doch die halte ich noch zurück. Denn dann wird es kitzlig. Dann darf die andere Seite nicht die Nerven verlieren und muss bereit sein, ein Patt zu akzeptieren. Sonst gibt es ein Gemetzele. Aber vielleicht geht es auch so. Heute kein Übergriff.
Inzwischen hat es einen neuen Übergriff gegeben. Page visibility eingestellt auf: Only admin can see this page. Nicht von mir eingestellt. Die andere Seite hat meine Notiz von gestern nicht als Angebot eines Waffenstillstands gelesen, sondern als Drohung, über die sie nur lachen kann. Sie will es wissen, sie will es mir zeigen. Weiß sie, worauf sie sich einlässt? Will sie, dass ich mich wehre? Will sie die Eskalation? – Das wäre dann schon der erste Grund, mich nicht zu wehren auf diese Art. Der zweite Grund ist, dass ich diesen Plot nicht leiden kann. Dass es mir keinen Spaß macht darüber zu schreiben, weil es ist wie schlecht ausgedacht. Was mache ich? – Ich habe mir angeschaut, was Facebook an Sicherheitsmaßnahmen anbietet. Registrierung der Logins. Damit müsste es möglich sein, unzulässige Logins zu identifizieren und beweiskräftig zu dokumentieren. Im Prinzip. Aber die Funktion ist nicht genau; ich gehe auf die Seite gegen 11:00 am und registriert wird 9:58 am. Ich werde es beobachten und wenn ich damit nicht weiter komme, werde ich entweder die Seite deaktivieren oder das Risiko-Spiel spielen, auf das die andere Seite es anzulegen zu scheint.
Was hat gestern zu dem Schreibunfall geführt? – Bei Brigitte Stamm in ihrer Galerie gewesen. Weil sie mir KünstlerInnen vorschlagen wollte, über die ich schreiben könnte. Sie hat zwei Frauen ausgewählt und beide auch schon gefragt, ob sie mich treffen wollen. Die eine der Künstlerinnen ist Anfang 50, die andere 56. Frauen ist schon mal gut. Nach Hermann Spoerel und dem Künstler der Woche, mit dem es nichts geworden ist. Allerdings hatte ich mir gedacht, dass nach dem Mittfünfziger Hermann und dem Künstler der Woche, der sein Alter mit Ende 40 angibt, jetzt mal eine jüngere Künstlerperson auftreten sollte. – Da müssen Sie in die UDK gehen, wenn sie Sie junge KünstlerInnen treffen wollen, sagt Brigitte Stamm. – Ich erzähle ihr von meiner Begegnung mit Caty Schernus, der 34jährigen, und dass ich mich mittlerweile frage, ob es sein könnte, dass ich Verständigungsschwierigkeiten mit Frauen dieser Altersgruppe habe. Mit Frauen, denn mit Catys Freund, der beim zweiten Gespräch dabei war, war es nicht schwierig. Ich sage, dass ich in allen Phasen meines Lebens mühelos mit Personen aller Altersgruppen mich verständigen konnte. Aber irgendwann geht das vielleicht nicht mehr. Kurz: Das Nicht-Können miteinander im Gespräch mit Caty war so, dass ich es für möglich halte, dass mir das jetzt zum ersten Mal passiert ist. Und um das zu überprüfen, möchte ich nun mit anderen Frauen der Altersgruppe (Kohorte) von Caty zusammentreffen. – Brigitte Stamm darauf: Dann müssen Sie in die Modeläden in der Goltzstraße gehen wie Der kleine Laden oder Shoeting, da treffen Sie Frauen in diesem Alter. – Gute Idee, Frau Stamm. Das mache ich. – Auf dem Nachhauseweg fällt mir ein, dass die Frau von gegenüber, die Frau aus dem Hallenbad aka Contessa aka Tess, in etwa im gleichen Alter ist wie Caty. 32, 33, 34, wenn sie alt ist, dann ist sie 36, habe ich immer geschätzt. Dass ich da jetzt erst drauf komme! – Dann habe ich doch schon reichlich Erfahrung mit einer Frau dieser Altersgruppe. Das Rätsel der Contessa mal unter diesem Aspekt sehen. Die unüberwindbare Kluft zwischen ihr und mir, das Vorbeischrammen aneinander, so dass es schon weh getan hat, als eine Kluft zwischen Generationen? - Das halte ich für eine so bedeutende Entdeckung, dass ich mich entschließe darüber zu schreiben in einem Text mit dem Titel Kluft. Ich erzähle die Vorgeschichte, den Besuch bei Brigitte Stamm in ihrer Galerie, um dann zum Moment der überraschenden Entdeckung zu kommen, der die Hauptsache des Textes sein soll. Endlich mal wieder über sie schreiben, mal wieder schreiben Contessa – das Rätsel des Contessa – das Rätsel der Contessa erforschen unter dem Aspekt der Generationenkluft. Solche Formulierungen. Aussagen mit dieser Allgemeinheit. Theatralische Sätze. Ich suche andere Formulierungen. Setze mehrmals neu an, um zum Ausdruck zu bringen, worin die Entdeckung besteht. Und dabei merke ich, wie ich ins Leere greife. Es gibt nicht mehr zu berichten, weil nicht mehr passiert ist: nur, dass ich an sie gedacht habe, weil sie in etwa im gleichen Alter sein dürfte wie Caty und dass mit ihr, der Contessa, das Nichtverstehen so groß war, dass es nie zu einem Dialog gekommen ist, in dem wir darüber hätten reden können. Das ist bekannt. Nach zweieinhalb Jahren kenne ich nicht einmal ihren Namen. Wie oft will ich das noch feststellen und beklagen. - Ich beklage mich doch gar nicht. Ich stelle es nur fest. - Wozu? Worum geht es? - Um nichts. – Das war der Schreibunfall.