Dienstag, 28. Juni 2011

Curiosity

Nichts, was man auch auf Wikipedia nachlesen kann. Was dort nicht steht über Truman Capote: Als er 1959 nach West-Kansas gereist ist, um den Mordfall zu recherchieren, dessen Geschichte er in seinem 1966 (*) erschienenen Tatsachenroman (nonfiction novel) Kaltblütig (In Cold Blood) erzählt, hat ihn sein Lebensgefährte gewarnt mit dem Sprichwort: Curiosity killed the cat. Und Truman Capote hat darauf geantwortet: And satisfaction brought it back. – Recht sollten sie beide behalten, zumindest nach der Interpretation des Capote-Biographen Gerald Clarke. Mit In Cold Blood wurde Capote reich und weltberühmt, erlebte dabei aber einen Absturz (Nachtleben, Alkohol, Drogen, Schreibblockade), von dem er sich nie wieder erholt hat. Gerald Clarke vertritt die These, dass Truman Capote bei den Recherchen und der Arbeit an dem Roman Erfahrungen gemacht hat, die ihn gebrochen haben. Als ich das vor 20 Jahren las, hat mir das eingeleuchtet, jetzt, da ich mich daran erinnere, erscheint es mir zweifelhaft. Zitiert habe ich den Dialog in Pädagogisch, weil mit ihm alles zum Thema Neugier gesagt ist. Dabei hatte ich schon im Hinterkopf, dass ich es würde erklären müssen und dass ich dann auch von Harper Lee erzählen kann, mit der Capote seit seiner Kindheit befreundet war und die ihn begleitet hat nach Kansas. Alles, was es zu Harper Lee und ihrer Freundschaft mit Truman Capote zu wissen gibt, steht auf Wikipedia: Harper Lee, Wer die Nachtigall stört (To Kill a Mockingbird). Hätte ich gestern darüber geschrieben, hätte ich von meiner Bewunderung für diese Freundschaft erzählt. Heute habe ich mir das Spiel verdorben, indem ich an den Anfang des Textes geschrieben habe: Nichts, was man auch auf Wikipedia nachlesen kann. Wer eine Vorstellung davon bekommen will, wie sehr Truman Capote seine Freundin Harper Lee verehrt und geliebt hat, lese das Kapitel in Other Voices, Other Rooms, in dem Capotes Alter Ego Joel Harrison Knox mit seiner Freundin Idabel Thompkins fischen geht. 

(*) Im deutschen Wikipedia-Artikel wird als Erscheinungsjahr von In Cold Blood 1965 angegeben, im englischen 1966. Dem englischen Wikipedia-Artikel vertrauen. Siehe auch  NYT.  

Montag, 27. Juni 2011

Lachen

Erkläre ich das auf Facebook oder im Blog: was es mit der Katze auf sich hat, der ihre Neugier das Leben gekostet hat, und was mit der trotzigen Antwort, dass die Befriedigung ihrer Neugier die Katze wieder zum Leben erweckt hat?

Anneli hat gestern gleich zweimal gesagt, dass sie früher lachen konnte/ musste beim Lesen meines Blogs; jetzt nicht mehr, wollte sie damit sagen. Ich habe vergangene Woche in den Morgenseiten mal festgestellt, was für eine Verbesserung meines Lebens und Schreibens es ist, dass ich keine Witzigkeit mehr von mir erwarte. – An Anneli, wenn sie das lesen sollte, weil sie gerade Zeit hat: Wenn Du lachen willst, empfehle ich die TV-Sender Pro7 und SAT 1. Da gibt es ganze Abende lang nur Programm zum Lachen. Bei mir ist ohne Lachen. Und es wird keine Anstrengungen im Blog geben, das zu ändern, solange es im Leben nichts zu lachen gibt. 

Sonntag, 26. Juni 2011

Unfall

Facebook-Plot. Meine Statusmeldung auf der Facebook-Seite von BzB gestern: Ganz machtlos bin ich nicht. Es gibt eine Möglichkeit, mich zu wehren. Doch die halte ich noch zurück. Denn dann wird es kitzlig. Dann darf die andere Seite nicht die Nerven verlieren und muss bereit sein, ein Patt zu akzeptieren. Sonst gibt es ein Gemetzele. Aber vielleicht geht es auch so. Heute kein Übergriff.

Inzwischen hat es einen neuen Übergriff gegeben. Page visibility eingestellt auf: Only admin can see this page. Nicht von mir eingestellt. Die andere Seite hat meine Notiz von gestern nicht als Angebot eines Waffenstillstands gelesen, sondern als Drohung, über die sie nur lachen kann. Sie will es wissen, sie will es mir zeigen. Weiß sie, worauf sie sich einlässt? Will sie, dass ich mich wehre? Will sie die Eskalation? – Das wäre dann schon der erste Grund, mich nicht zu wehren auf diese Art. Der zweite Grund ist, dass ich diesen Plot nicht leiden kann. Dass es mir keinen Spaß macht darüber zu schreiben, weil es ist wie schlecht ausgedacht. Was mache ich? – Ich habe mir angeschaut, was Facebook an Sicherheitsmaßnahmen anbietet. Registrierung der Logins. Damit müsste es möglich sein, unzulässige Logins zu identifizieren und beweiskräftig zu dokumentieren. Im Prinzip. Aber die Funktion ist nicht genau; ich gehe auf die Seite gegen 11:00 am und registriert wird 9:58 am. Ich werde es beobachten und wenn ich damit nicht weiter komme, werde ich entweder die Seite deaktivieren oder das Risiko-Spiel spielen, auf das die andere Seite es anzulegen zu scheint.

Was hat gestern zu dem Schreibunfall geführt? – Bei Brigitte Stamm in ihrer Galerie gewesen. Weil sie mir KünstlerInnen vorschlagen wollte, über die ich schreiben könnte. Sie hat zwei Frauen ausgewählt und beide auch schon gefragt, ob sie mich treffen wollen. Die eine der Künstlerinnen ist Anfang 50, die andere 56. Frauen ist schon mal gut. Nach Hermann Spoerel und dem Künstler der Woche, mit dem es nichts geworden ist. Allerdings hatte ich mir gedacht, dass nach dem Mittfünfziger Hermann und dem Künstler der Woche, der sein Alter mit Ende 40 angibt, jetzt mal eine jüngere Künstlerperson auftreten sollte. – Da müssen Sie in die UDK gehen, wenn sie Sie junge KünstlerInnen treffen wollen, sagt Brigitte Stamm. – Ich erzähle ihr von meiner Begegnung mit Caty Schernus, der 34jährigen, und dass ich mich mittlerweile frage, ob es sein könnte, dass ich Verständigungsschwierigkeiten mit Frauen dieser Altersgruppe habe. Mit Frauen, denn mit Catys Freund, der beim zweiten Gespräch dabei war, war es nicht schwierig. Ich sage, dass ich in allen Phasen meines Lebens mühelos mit Personen aller Altersgruppen mich verständigen konnte. Aber irgendwann geht das vielleicht nicht mehr. Kurz: Das Nicht-Können miteinander im Gespräch mit Caty war so, dass ich es für möglich halte, dass mir das jetzt zum ersten Mal passiert ist. Und um das zu überprüfen, möchte ich nun mit anderen Frauen der Altersgruppe (Kohorte) von Caty zusammentreffen. – Brigitte Stamm darauf: Dann müssen Sie in die Modeläden in der Goltzstraße gehen wie Der kleine Laden oder Shoeting, da treffen Sie Frauen in diesem Alter. – Gute Idee, Frau Stamm. Das mache ich. – Auf dem Nachhauseweg fällt mir ein, dass die Frau von gegenüber, die Frau aus dem Hallenbad aka Contessa aka Tess, in etwa im gleichen Alter ist wie Caty. 32, 33, 34, wenn sie alt ist, dann ist sie 36, habe ich immer geschätzt. Dass ich da jetzt erst drauf komme! – Dann habe ich doch schon reichlich Erfahrung mit einer Frau dieser Altersgruppe. Das Rätsel der Contessa mal unter diesem Aspekt sehen. Die unüberwindbare Kluft zwischen ihr und mir, das Vorbeischrammen aneinander, so dass es schon weh getan hat, als eine Kluft zwischen Generationen? - Das halte ich für eine so bedeutende Entdeckung, dass ich mich entschließe darüber zu schreiben in einem Text mit dem Titel Kluft. Ich erzähle die Vorgeschichte, den Besuch bei Brigitte Stamm in ihrer Galerie, um dann zum Moment der überraschenden Entdeckung zu kommen, der die Hauptsache des Textes sein soll. Endlich mal wieder über sie schreiben, mal wieder schreiben Contessa – das Rätsel des Contessa – das Rätsel der Contessa erforschen unter dem Aspekt der Generationenkluft. Solche Formulierungen. Aussagen mit dieser Allgemeinheit. Theatralische Sätze. Ich suche andere Formulierungen. Setze mehrmals neu an, um zum Ausdruck zu bringen, worin die Entdeckung besteht. Und dabei merke ich, wie ich ins Leere greife. Es gibt nicht mehr zu berichten, weil nicht mehr passiert ist: nur, dass ich an sie gedacht habe, weil sie in etwa im gleichen Alter sein dürfte wie Caty und dass mit ihr, der Contessa, das Nichtverstehen so groß war, dass es nie zu einem Dialog gekommen ist, in dem wir darüber hätten reden können. Das ist bekannt. Nach zweieinhalb Jahren kenne ich nicht einmal ihren Namen. Wie oft will ich das noch feststellen und beklagen. - Ich beklage mich doch gar nicht. Ich stelle es nur fest. - Wozu? Worum geht es? - Um nichts. – Das war der Schreibunfall. 

Mittwoch, 22. Juni 2011

Fall

Wiederholung. Wie letzte Woche: Erst Kunst in der Belziger Straße, danach Polizei im Laden von Sülo und Sinan. Dort gestern der KOB vom Bülowbogen. – Ist der Laden hier euer Treffpunkt? frage ich. Er: Für mich nicht. Mit den Kollegen kann ich auf dem Revier reden. Hierher kommt er, um das Schutzgeld einzutreiben (Witz) und danach noch mit Sinan und Sülo zu quatschen. Und: Um sich seinen Stoff zu kaufen für seine E-Zigarette. Giftreduktion auf das, worauf es ankommt: auf das Nikotin. - Geht das los? Befriedigt das? – Auf jeden Fall ist es gesünder. Ich rauche nämlich schon seit mehreren Jahrzehnten. – So alt sind Sie doch noch gar nicht. – 42. Und mit dem Rauchen angefangen mit 13. – Oh! – Ja. – Frage, ob er sich mit mir mal treffen will, um mir von seinem Dienst als KOB zu erzählen. – Macht er. Aber das, was ich mir vorstelle, dass ich ihn mal begleite, wenn er unterwegs ist in seinem Kontaktbereich, das geht gleich aus mehreren Gründen nicht. Wegen der Vertraulichkeit, denn die ist nicht gegeben, wenn eine Person in seiner Begleitung ist, die die Leute, die ihn ansprechen (sich ihm anvertrauen), nicht kennen und nicht einordnen können. Und wegen meiner Sicherheit nicht und der Verantwortung, die er für meine Sicherheit hat, wenn ich ihn begleite. Das leuchtet mir ein, habe ich mir schon halb gedacht, enttäuscht bin ich trotzdem, habe nun aber auch schon einen ersten kurzen Einblick gekriegt in die KOB-Arbeit: sie ist nicht ungefährlich, es kann kritische Momente geben, zumindest in einem Kontaktbereich wie dem seinen. Anders als in dem Kontaktbereich, in dem ich wohne. Da sehe ich an Personen, von denen eine Gefahr ausgeht, eigentlich nur mich mit meiner hemmungslosen Neugier und meine Nachbarn auf der Dachgeschossebene. Gähn. Also streng genommen nur mich. – Der Fall der Nachbarn ermüdet mich. Wenn meine verschlüsselte Botschaft von gestern angekommen sein sollte und das Rumgezaubere auf meinen Rechnern aufhört, habe ich gute Lust, die Akte bei den anderen unerledigten Fällen meines Lebens abzulegen. – Aber die Geschichte ist doch noch nicht zu Ende erzählt! - Gähn. Könnte ich sie nicht zu Ende erzählen, indem ich eine andere, weniger ermüdende Geschichte beginne? Eine Möglichkeit. Die andere: Keine andere Möglichkeit. Nur noch der Satz meines Vorbilds Dr. Hunter S. Thompson: Never mind the story. It will take care of itself.     

Dienstag, 21. Juni 2011

Aufmerksamkeit

Close encounter of the third kind. Unheimliche Begegnung der dritten Art mit dem Nachbarn und eine überraschende Entdeckung. Identisches Verhalten von ihm und seiner Freundin bei der unheimlichen Begegnung. Aliens? – Text für die Facebook-Seite von BzB zu Verschlossen. Werde ich nachher in der Bibliothek posten, um mein neues Passwort zu schützen und zu überprüfen, ob auch dann noch die Publish-Einstellung der Seite immer wieder zurückgesetzt wird. – Das Nachbarschaftsthema lässt mich nicht los. Nicht, weil ich so besessen davon bin; ich bin nicht mehr besessen davon. Sondern weil immer, wenn ich mich gerade mal wieder zurückziehen will, etwas Neues passiert, das meine Aufmerksamkeit auf sich zieht – und einen Schwall neuer Erwägungen auslöst, die festgehalten sein wollen und mich ablenken von anderen Vorhaben. Deshalb werden die neuen Erwägungen von gestern nicht festgehalten. Ich werde mich auf das beschränken, was geschieht. Und die Erwägungen, die bespreche ich bei nächster Gelegenheit mit dem Nachbarn. Wenn es mir gelingt, ihn zu erreichen telefonisch oder mit einer Mail. oder indem ich einfach mal wieder vor seiner Tür stehe.

Werde ich abgelenkt oder lenke ich mich selbst ab? – Mein Privatleben und das mythologische Schreiben (Gespenst, Aliens). Mein Unterwegssein mit dem Blog im öffentlichen Leben. Aufpassen, dass mein Privatleben nicht überhand nimmt und mich abhält von den wirklichen Menschen. 


Nicht erwähnt: Als wir uns gestern über den Weg gelaufen sind, trug der Nachbar Earphones. Mit weißem Kabel. iPod-Kabel. Würde mich mal interessieren, was er für Musik hört.


In der Bibliothek: Ich noch nicht versiert im Umgang mit dem Internet-PC. Für 40 Cent 48 Minuten Online-Zeit gekauft. Zugangscode auf dem aus dem Automaten gezogenen Ticket. Jetzt weiß ich nicht, wo ich den Code eingeben soll, um loslegen zu können. Mann mir schräg gegenüber. Entschuldigen Sie bitte! Mann reagiert nicht. Kann ich Sie bitte kurz was fragen? Mann reagiert immer noch nicht. Jetzt ist eigentlich schon klar, dass er nicht reagieren will. Denn Earphones trägt er nicht. Er ist zu jung (Ende 30, Anfang 40), um schwerhörig zu sein. Taub könnte er sein, aber den Eindruck macht er nicht. Ich will es jetzt wissen: Hallo! Keine Reaktion. Haaalloooo!! Keine Reaktion. Wollen Sie nicht mit mir reden? – Richtig! sagt er. Ohne mich anzusehen. Und ich sage: Starker Auftritt. Und damit gebe ich mich gelassener als ich es bin, Nicht wütend. Nicht mal verärgert. Nur fassungslos. Ich finde den Zugang zum Internet mit Hilfe der zuständigen Bibliotheksfachkraft, mache meine Sachen und gucke dabei immer mal wieder zu dem mir schräg gegenüber sitzenden Mann. Jedes Mal kurz davor, etwas zu sagen. Es gelingt mir, diesen Impuls zu unterdrücken, bis ich die Bibliothek verlasse. Obwohl ich schon weiß, dass es an diesem Tag nichts werden wird mit dem Thema Apfelgalerie, weil ich über den Nachbarn schreiben werde, gehe ich in die Goltzstraße, um mit der Besitzerin des Ladens zu sprechen - und um mein Karma
zu testen, wie wir Hippies sagen. Ergebnis: Sie ist nicht abweisend. Sie geht auf mich ein. Sie beantwortet alle meine Fragen. Ich komme ihr nicht komisch vor. – Lerne (Ratschlag für die andere Seite): Wenn man es mir richtig geben will, so dass es nicht aufhört, mich zu wurmen, dann muss man mich nicht verunsichern oder einschüchtern mit Hacker-Aktionen oder mit archaischen Imponiergebärden (funktioniert alles nicht), wenn man mich tief im Innern treffen will, dann muss man mir die Aufmerksamkeit verweigern. Mich nicht beachten. So einfach geht das.

Sonntag, 19. Juni 2011

Feedback

Zum ersten Mal geschummelt in Biest zu Biest. Den Text von gestern erst heute Morgen gepostet - mit dem Datum von gestern und der Uhrzeit (23.00 Uhr), als ich auf dem Tiefpunkt der Schlappheit das Überarbeiten des Textes abgebrochen habe. Zusätzlich entnervt von einem Übergriff der anderen Seite (Abmelden meines Google-Accounts, der auch mein Blog-Account ist), mit dem sie/er mir zeigen wollte, dass sie/er da ist oder was? –  Titel und Insiderwitz im Post Feigling sind Sticheleien über die andere Seite und über das abrupte Schließen des weißen Vorhangs im Gespensterzimmer (aka Contessa-Zimmer) am Freitagnachmittag. Von mir wahrgenommen und bestimmt auch so gemeint gewesen als Geste der Empörung – entweder über den Textentwurf Sexobjekt, den ich gerade geschrieben hatte, oder das Posting vom Nachmittag mit dem Titel Detektive: Ich bin Emil. Die KOBs sind die Detektive, die mir helfen sollen dabei, wichtige offene Fragen zu beantworten und die Invasion meiner Rechner zu beenden. Nicht, weil ich jetzt tückisch werde in meinem Enttäuschtsein (ich bin nicht enttäuscht, ich bin ernüchtert), sondern weil ich an der Gutartigkeit der Absichten zweifle, zumindest beim Freund der Frau, die es nach seinen Aussagen nicht gibt. Außerdem was soll´s? Sie hacken sich in meine Rechner ein und dann werden sie zimperlich, wenn ich bei ihnen vor der Tür stehe, verstecken sich oder lügen mir die Hucke voll. Wenn das der anderen Seite nicht passt, wie ich die Geschichte nun ohne ihre Mitwirkung zu einem Ende bringen will und dabei vielleicht mehr Wirbel mache, als ich will, dann soll sie sich was anderes einfallen lassen, als Vorhänge hin und her zu bewegen, und endlich den Mund aufmachen. Sie hat meine Telefonnummer und weiß, wo ich wohne.

Feedback von Hermann. Gefällt mir, ist ja auch Werbung für mich, schreibt er mir zum Posting Ausstellung. Nur: der Ausdruck fleißig sei doof. Das soll ich bitte korrigieren. Außerdem sind die Pastellfarben nicht von Castell, sondern von Schmincke. Der Herstellername wird umgehend von mir korrigiert. Aber das mit dem Fleiß ist nun mal mein Eindruck, das ist meine Ausdrucksweise - fleißig im Gegensatz zu faul und einem anderen Maler, an den ich bei faul denke. Über den Eindruck können wir reden, über die Formulierung auch, aber korrigieren werde ich sie nicht. Richtig: Es ist Werbung. So ist es von mir gedacht und gemacht. Aber es ist keine bei mir in Auftrag gegebene Werbung (die würde kosten). Ich schreibe im eigenen Auftrag und deshalb so wie ich will. Wenn es um eines seiner Bilder ginge, die ich ausgewählt habe für das Posting, wenn er gesagt hätte, das lieber nicht, nimm ein anderes Bild, das hätte ich gemacht. Seine Arbeit. Meine Arbeit.

Feedback von Frau Stamm. Das hole ich mir ab gestern Nachmittag in ihrer Galerie. Haben Sie meinen Text gerne gelesen? frage ich. Sie antwortet, dass es für sie die erste Begegnung gewesen sei mit diesem Medium (gemeint Blogs) und dann zeigt sie mir einen Ausdruck meines Postings und sagt, dass sie den Text Besuchern ihrer Galerie in die Hand gibt, wenn sie Fragen zu dem Foto mit dem Frosch stellen. – Ende der Woche wird sie mir einige KünstlerInnen empfehlen, die in ihrer Galerie ausgestellt haben und die interessante Gesprächspartner für mich sein können. Ich will sie nicht länger aufhalten, da eine eben hereingekommene Besucherin ihre Aufmerksamkeit erfordert, und verlasse die Galerie mit dem Gefühl, dass das der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit ist. 

Freitag, 17. Juni 2011

Detektive

… und dann bin ich gestern noch im Laden von Sülo und Sinan mit dem Polizisten ins Gespräch gekommen, der dort häufiger anzutreffen ist. Kontaktbereichsbeamter (KOB) am Nollendorfplatz, allerdings nicht Vollzeit, zweimal in der Woche muss er Streife fahren (Funkwagen, wie er es nennt) und Verpflichtungen auf dem Revier hat er außerdem noch. Die Gelegenheit genutzt, um das Thema KOB einzufädeln. Seinen Namen und eine Telefonnummer mir geben lassen, über die ich auch an den KOB herankomme, der für mich, also für meine Straße, zuständig ist. Kontakt mit dem KOB vom Nollendorfplatz Mitte nächster Woche. Er ist sehr kooperativ, kann sich nur noch nicht vorstellen, was ich von ihm will. – Was will ich? – Meine Sympathie für die Berliner Polizei zeigen. Herausfinden, was ein KOB macht – und erlebt. Mit seinen Augen auf Schöneberg schauen (auf den Kiez am Nollendorfplatz auch mit der Erinnerung daran, dass der ein Schauplatz von Emil und die Detektive ist). Und dann erzählen von meiner Nachbarschaftsgeschichte, die mir schon so viel Freude gemacht hat in meinem Leben, nicht nur Leid bereitet - das wäre ungerecht und undankbar, wenn ich das so darstellen würde -, mit der ich aber inzwischen auch meine liebe Not habe, weil es mir allmählich auf den Sack geht das Eingehacktsein der Frau von gegenüber, von der ich immer weniger weiß, was sie will, und ihres eifersüchtigen Ehemannes, mit dem ich mir noch so viel Mühe geben kann, ihn zu seinen Gunsten zu sehen und zu verstehen, der Mann ist mir beklemmend. Nur erzählen und fragen, was macht man denn in einem solchen Fall; man will ja auch keine falschen Beschuldigungen erheben. So. Die ganze mittlerweile ins Epische gewachsene Liebes- und Gespenstergeschichte einem Gesprächspartner erzählen, für den von Berufs wegen nur Sachverhalte und Tatbestände zählen. Alleine schon das wahrscheinlich bewusstseinserweiternd. Und wenn ich Glück habe, gibt er mir noch einen Rat, sagt mir etwas, auf das ich selbst nie gekommen wäre. Vorher aber die harte Arbeit für mich, die Geschichte KOBgerecht zu erzählen. Dem mich aussetzen. Das ist die Idee. Abhängig allerdings davon, in was für ein Gespräch ich komme mit dem KOB vom Nollendorfplatz und mit seinem Kollegen, der für mich zuständig ist und – dem Vernehmen nach – schon ein älterer Mann sein soll. Am Ende vielleicht in meinen Alter. Ich bin auch ein älterer Mann. Ich muss es mir immer wieder sagen. Denn so oft kann ich gar nicht in den Spiegel schauen, um es zu glauben.

Bei alldem die Frage, ob der ganze Aktionismus der gesuchte Weg ist, um mich glücklich zu machen. Mein Gefühl hat seit gestern Abend schon mehrmals nein gesagt. Es stimmt etwas nicht. Es droht mir etwas verloren zu gehen. Es fehlt mir jetzt schon. Ich weiß, was es ist. Doch ich behalte es für mich. Denn ich will es nicht glauben, dass es verloren geht.