Sonntag, 4. Dezember 2011

Matt

Keine Reaktion des Schöneberger Galeristen, das war der Sachverhalt. Die Formulierung: Nicht einmal zu einer Reaktion bereit war er. Was für eine Reaktion? Matte Reaktion. Nicht einmal zu einer matten Reaktion bereit war er. Das verlangte nach Präzisierung. Matt im Sinne einer Charakterisierung: nicht einmal zu einer seiner matten Reaktionen bereit war er. Doch das war nun ein nicht beabsichtigter Seitenhieb und vielleicht sogar ungerecht. Wieder ein guter Text, hatte er vor kurzem einmal geschrieben zu einem Posting von mir. Das hatte ich als obenhin empfunden und so matt, dass ich jetzt, als eine Reaktion von ihm ganz ausgeblieben war, mir gedacht habe, besser keine Reaktion als wieder so eine matte wie beim letzten Mal. Gewurmt hat es mich trotzdem, dass nichts kam. Wenn man eine Abneigung gegen jemanden hat, kann er machen, was er will, er wird es einem nicht recht machen, es sei denn, er würde ein ganz anderer werden, gegen den man keine Abneigung hat.

Die Abneigung ist gewachsen statt Sympathie. Er hat mir nichts getan, ich habe ihm nichts vorzuwerfen. Ich habe nur mehr, als ich wollte, von ihm mitgekriegt und das hat bewirkt, dass die Abneigung gewachsen ist, ohne dass ich es wollte. Es ist eine Abneigung im Sinne von: Was haben Hunde gegen Katzen? Antwort: Hunde hassen, es wie Katzen sich bewegen. – Alleine schon das missfällt mir, dass ich mich mit meiner Abneigung nun in der Rolle des Hundes finde. Der Hund kläfft die Katze an oder jagt ihr hinterher. Das würde ich nicht machen, hinterher jagen. Aber gekläfft habe ich mit meinem Seitenhieb. Der war nicht beabsichtigt und doch Ausdruck eines Bedürfnisses: zu kläffen wegen der Abneigung. Einen kläffenden Hund, das hat meine Abneigung aus mir gemacht. Dabei wollte ich immer eine Katze sein, die sich um das Gekläffe der Hunde nicht kümmert. Und das bin ich jetzt auch wieder. 

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