(...) So wie ich mich auch nicht beschäftigen will mit der Geschichte, die ich mit dem Dreiunddreißigjährigen erlebt habe in den letzten Tagen. Eine Geschichte in sechs Mails. Drei von ihm, drei von mir. Gestern habe ich mich noch geärgert über ihn und Sätze geschrieben wie: Die Vokabel unlauter gehört Ihnen in den Rachen gestoßen. Über seine Mail von heute freue ich mich, weil er was ab kann und so ehrlich ist, vor allem zu sich selbst. In seinem Alter war ich noch nicht so ehrlich mir selbst gegenüber. Das hätte ich ihm schreiben sollen, aber es kam mir so gönnerhaft vor. Die Geschichte mit ihm hat damit angefangen, dass er erschrocken war darüber, dass er das, was er mir so freimütig erzählt hatte, plötzlich im Internet stehen sah. Google-Treffer auf Seite 10 der Treffer-Liste zu seinem Namen. Am Montag nahm ich mir vor, diesen Moment des Erschreckens einmal aufzufalten in all seinen Aspekten. Wie die Leute überrumpelt sind von meiner Art zu schreiben. Wie Leute dann dazu stehen, wie sie sich mir dargestellt haben, während andere entsetzt sind über das, was ich geschrieben habe, weil sie nicht so dastehen wollen, wie sie sich mir gezeigt haben. Sie sind entsetzt über sich selbst. Und ihr Entsetzen hüllen sie in eine Empörung über meinen Blogstil. Beim Dreiunddreißigjährigen schien das zuerst auch so. Deshalb wollte ich an seinem Beispiel einmal veranschaulichen, was da vorgeht, auch um für mich herauszufinden, was ich anders machen kann. Sogar einen mir persönlich bekannten Medienanwalt wollte ich hinzuziehen. Zur Klärung. Denn einen Streit gab es nicht, nachdem ich die geforderten Streichungen vorgenommen hatte. Nur ein Hin und Her gab es um die Deutung des Vorfalls. Dabei wurde die Geschichte mit dem Dreiunddreißigjährigen so sehr zu seiner Geschichte, dass ich ihm am Ende nur wünschen konnte: Machen Sie es gut, und ich ihn mit seiner Geschichte nicht hineinziehen wollte in meine Geschichte. Deswegen hätte ich ein gutes Gefühl haben können, nachdem ich seine Mail heute Morgen beantwortet und die Geschichte mit ihm versöhnlich beendet hatte. Aber so war es nicht (...).
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