Hoffentlich passiert noch etwas, damit ich nachher nicht schreiben muss über den frühen Morgen, über meine Verstocktheit und über die alte Frau mit ihrer herrischen Empfindlichkeit, die mir den Spaß verdorben hat an der Abschiedsszene mit dem Kassierer und sie damit verhindert hat. Aber dann habe ich es nicht zugelassen, dass mir die Stimmung noch mehr verdorben wird, indem ich mich schweigend abgewandt habe, was schon mal gut war, besser, als wenn ich mich mit der Frau angelegt hätte.
Bilder von ihr. Am besten wäre es, wenn es neue Bilder gäbe und ich so endlich ein Gefühl für sie bekommen könnte, das etwas mit ihr zu tun hat und nicht nur eine Reaktion ist auf meine unerfüllten Wünsche. Gestern war für kurze Zeit das Fenster mit dem Vorhang geöffnet. Aha! Antwort von ihr? Sehe ich sie jetzt mal wieder in der Wohnung gegenüber? Antwort auf die Frage, ob sie überhaupt noch da drüben in der Wohnung ist? – Antwort auf diese Frage nun, dass das Fenster eine halbe Stunde später wieder geschlossen war, die Vorhänge zugezogen. Das war es und nicht mehr. - Was bleibt, wenn ich alle meine Phantasien über sie mir aus dem Kopf schlage? Wenn ich dann alles noch einmal erzählen würde? Nur das, was war, und nicht mehr. Um so ein Gefühl für sie zu bekommen, frei von Enttäuschung, Verbitterung, Resignation. Die, die du gesehen und in die du dich verschaut hast; von der du wissen wolltest, wer sie wohl ist, wie sie wohl ist. - Sie ist, was du erlebt hast mit ihr seither, wie sie umgegangen ist mit deinen unbeholfenen Bemühungen und deiner Verwirrung und deiner Sehnsucht nach ihr. So wie sie damit umgegangen ist, so ist sie. Das ist sie, das weißt du jetzt. Nicht so, wie du sie dir vorgestellt, erträumt, gewünscht hast. Aber immer noch die, die du gesehen und in die du dich verschaut hast.
Nicht noch mal erzählen. Besser neue Bilder. Oder das war es und mehr ist nicht gewesen mit ihr, die ich gesehen, in die ich mich verschaut habe und mit der es dann nichts geworden ist.
Samstag, 30. April 2011
Freitag, 29. April 2011
Regung
Gelöschter Anfang des Textentwurfs für das BzB-Posting von gestern:
Meine romantische Egozentrizität. Einsicht beim Schreiben im anderen Blog. Schreiben unter dem Arbeitstitel: Bemühen Sie sich nicht! Und darum geht es - dass Bemühen nicht gut ist. Sich anstrengen, sich etwas machen aus etwas oder jemandem, an nichts anderes mehr denken können, hinter jemandem her sein, niemals aufgeben, alles gut und auch gar nicht zu ändern, wenn es dazu kommt. Aber auf keinen Fall sich bemühen, weil Bemühen nur zu Bemühtem führt und das ist genauso schlecht wie meine romantische Egozentrizität. Weg von der, weg vom Liebeswahn und von Vorwurf, Klage, Enttäuschung, Verbitterung, Resignation. Wohin? – Erst mal nur weg. Das ist schon schwer genug, wie heute erlebt, als es um Bilder von ihr ging, der Ton sofort wieder bitter wurde und ich kein gutes Wort fand für sie/über sie. Weil ohne Egozentrizität keine Romantik? Und wenn der Blick nicht romantisch verklärend ist, dann wird er böse? Weil das bei mir so ist?
Gestrichen diesen Anfang, weil Gedanken, keine Erzählung. Aus der Erwähnung des Tagtraums ist dann der Text entstanden. So nicht geplant. Entstanden aus dem Wunsch, dem kalten, distanzierten Bilder/Gefühle-Text eine zärtliche Geste entgegenzusetzen. Wieder: Es ist so und es ist anders. Es gibt die Undurchschaubarkeit von ihr und das Verwirrende meiner Beobachtungen, es gibt den Überdruss an der Rätselhaftigkeit, die immer wieder eine neue Gestalt annimmt, und es gibt meinen Verdacht, dass die Rätselhaftigkeit gewollt ist, wenn ich mir auch nicht vorstellen kann, aus welchem Motiv, und es für genauso möglich halten muss, dass ich selbst die Rätselhaftigkeit erzeuge mit meiner Unbeholfenheit und meinen zu vielen Gedanken. So oder so, genug davon. Wenn sie nichts anderes ist als dieses Geheimnis, das sie aus sich macht oder aus sich machen muss, dann habe ich mittlerweile zu viel davon gesehen. Aber dann gibt es auch gleich die Regung, dass ich das nicht über mich bringe, mich abzuwenden. Dass ich es ihretwegen nicht über mich bringe. Das erkläre ich nicht, was ich damit meine. Kann ich nicht, denn ich verstehe es nicht. Brauche ich auch nicht. Es genügt, zu bekennen, dass es diese Regung gibt. Der nicht geplante BzB-Text von gestern ist diese Regung.
Meine romantische Egozentrizität. Einsicht beim Schreiben im anderen Blog. Schreiben unter dem Arbeitstitel: Bemühen Sie sich nicht! Und darum geht es - dass Bemühen nicht gut ist. Sich anstrengen, sich etwas machen aus etwas oder jemandem, an nichts anderes mehr denken können, hinter jemandem her sein, niemals aufgeben, alles gut und auch gar nicht zu ändern, wenn es dazu kommt. Aber auf keinen Fall sich bemühen, weil Bemühen nur zu Bemühtem führt und das ist genauso schlecht wie meine romantische Egozentrizität. Weg von der, weg vom Liebeswahn und von Vorwurf, Klage, Enttäuschung, Verbitterung, Resignation. Wohin? – Erst mal nur weg. Das ist schon schwer genug, wie heute erlebt, als es um Bilder von ihr ging, der Ton sofort wieder bitter wurde und ich kein gutes Wort fand für sie/über sie. Weil ohne Egozentrizität keine Romantik? Und wenn der Blick nicht romantisch verklärend ist, dann wird er böse? Weil das bei mir so ist?
Gestrichen diesen Anfang, weil Gedanken, keine Erzählung. Aus der Erwähnung des Tagtraums ist dann der Text entstanden. So nicht geplant. Entstanden aus dem Wunsch, dem kalten, distanzierten Bilder/Gefühle-Text eine zärtliche Geste entgegenzusetzen. Wieder: Es ist so und es ist anders. Es gibt die Undurchschaubarkeit von ihr und das Verwirrende meiner Beobachtungen, es gibt den Überdruss an der Rätselhaftigkeit, die immer wieder eine neue Gestalt annimmt, und es gibt meinen Verdacht, dass die Rätselhaftigkeit gewollt ist, wenn ich mir auch nicht vorstellen kann, aus welchem Motiv, und es für genauso möglich halten muss, dass ich selbst die Rätselhaftigkeit erzeuge mit meiner Unbeholfenheit und meinen zu vielen Gedanken. So oder so, genug davon. Wenn sie nichts anderes ist als dieses Geheimnis, das sie aus sich macht oder aus sich machen muss, dann habe ich mittlerweile zu viel davon gesehen. Aber dann gibt es auch gleich die Regung, dass ich das nicht über mich bringe, mich abzuwenden. Dass ich es ihretwegen nicht über mich bringe. Das erkläre ich nicht, was ich damit meine. Kann ich nicht, denn ich verstehe es nicht. Brauche ich auch nicht. Es genügt, zu bekennen, dass es diese Regung gibt. Der nicht geplante BzB-Text von gestern ist diese Regung.
Donnerstag, 28. April 2011
Bilder/Gefühle 1
Das aktuelle tägliche Bild von ihr ist ein Fenster mit zugezogenen weißen Vorhängen. Variationen des Faltenwurfs. Ganz zugezogen wie jetzt oder spaltbreit geöffnet. Licht im Zimmer oder nicht; gedämpftes Licht, helles Licht. Das ist eine Zeichensprache. Mit den Zeichen antwortet sie auf das, was ich schreibe. Sie selbst habe ich in der Wohnung gegenüber schon lange nicht mehr gesehen. Einmal vor zwei Wochen habe ich im Wohnzimmer gegenüber ihren Freund gesehen und eine Frauengestalt. Im Halbdunkel des Zimmers nur als Silhouette auszumachen; deutlich zu erkennen war nur, dass die Frau in dem Zimmer lange Haare hatte. Als ich sie die letzten Male draußen gesehen habe, zweimal im Januar und letzte Woche in der Passage vor der Rolltreppe hatte sie kurze Haare. Die kurzen Haare passen zu ihr, habe ich gedacht, und dass es etwas zu bedeuten hat, wenn eine Frau sich ihre langen Haare abschneidet, dass sie dann in ihrem Leben etwas verändern will. Ein paar Wochen zuvor hatte ich geschrieben, sie soll doch endlich mal was Neues machen, nicht immer das Gleiche, wenn sie sich mir zeigt im Zimmer gegenüber. Das hat sie damals noch getan. Da waren die Vorhänge noch offen und manchmal konnte ich sehen, wie sie vor dem Spiegel stand und sich ihre nassen, frisch gewaschenen Haare gebürstet hat. Mach doch mal was Neues, schneid Dir doch mal Deine Haare ab, habe ich geschrieben. Als ich sie dann zum ersten Mal mit den kurzen Haaren gesehen habe, da habe ich mir eingebildet, dass das etwas mit dieser Aufforderung zu tun haben könnte, und sie mir damit zeigt, dass sie etwas ändern will in ihrem Leben, was in meiner Einbildung nur bedeuten konnte, dass sie weg will von dem Mann da drüben in der Wohnung. Ich habe mir das wieder ausgeredet, wie ich mir alles auszureden versuche, von dem ich erkenne, dass es eine Einbildung ist. Und es hat sich auch nichts geändert. Auf jeden Fall nichts zwischen ihr und mir. Es war, wie es immer war, als wir uns begegnet sind. Keine Unbefangenheit, keine Selbstverständlichkeit von zwei Personen, die sich seit mehr als zwei Jahren immer wieder sehen und auf eine merkwürdige Art miteinander zu tun haben. Nur ernste Blicke des Erkennens, einmal ein Lächeln, aber dann ist sie auch schon gegangen, und als ich ihr hinterher gehen wollte, war sie verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt. Auch das immer wieder erlebt von ihr. Alles so wie es immer war. Und sonst die Zeichensprache mit dem Fenster und dem Licht. Der nicht abreißende Kontakt auf diese Art. Ihre Beharrlichkeit. Dass sie nicht aufgibt. Aber was gibt sie nicht auf? Und ist sie denn überhaupt noch da drüben in der Wohnung? Warum habe ich sie noch nie in der Wohnung gesehen mit ihren kurzen Haaren? War die Frau im Halbdunkel neulich die Ex-Frau ihres Freundes, mit der er jetzt wieder zusammen ist? Nachdem sie ihn verlassen hat? Oder wohnt sie nur nicht mehr in der Wohnung gegenüber? Aber wenn sie nicht mehr da wohnt, was hat es dann mit dem Fenster und den Lichtzeichen auf sich? – Verwirrung. Seit ich sie zum ersten Mal bemerkt habe, seit ich sie kenne, Verwirrung: Fragen mit zu vielen möglichen Antworten, Mutmaßungen. Phantasien. Wenn sie das doch war neulich im Halbdunkel des Wohnzimmers gegenüber? Wenn sie sich gar nicht ihre langen Haare abgeschnitten hat? Wenn sie eine Kurzhaarperücke getragen hat, als ich ihr begegnet bin die letzten Male? Aber warum sollte sie das tun? Was für ein Aufwand! Nur um mich zu verwirren? Warum denn mich verwirren? Wer bin ich denn für sie? Jemand, den sie ernst anblickt, allenfalls knapp anlächelt und danach so schnell wie möglich verschwindet, um mir bloß nicht die Möglichkeit zu geben, sie anzusprechen. Unmöglich. Keine Perücke. Ihre kurzen Haare. Ein Schnitt, der aussieht, als hätte sie sich selbst die langen Haare abgeschnitten oder eine Freundin hätte es gemacht für sie. Das Gegenteil eines 80-Euro-Schnitts und auch das Gegenteil der künstlichen Perfektheit, wie eine Perücke sie hat. Ihre Haare. Haare, die mal so, mal anders liegen. Die manchmal einen schlechten Tag haben. Die nicht so wollen, wie sie will. An denen immer zu sehen ist, wie es ihr gerade geht. Als ich sie das letzte Mal sah, als sie so blass war, die Haare so, dass sie aussahen, als müssten sie mal nachgeschnitten werden. Aber das kann sie sich nicht leisten. Eine Frau, die sich keinen Haarschnitt leisten kann bei einem Friseur, und schon gar keinen teuren. Das ist sie. Und das ist auch eine Phantasie. Alles nur Phantasien. Zu viele Fragen. Verwirrung. – Ist Verwirrung ein Gefühl? – Ein Bewusstseinszustand ist Verwirrung. Geisteszustand, state of mind. Selbst kein Gefühl. Aber Gefühle auslösend. Überdruss. Resignation. Genug von der Verwirrung, von den Fragen mit den zu vielen Antworten. Ärger. Groll. Sie legt es darauf an, mich zu verwirren. Sie spielt mit mir, um sich die Langeweile zu vertreiben, die sie hat im Leben mit ihrem Freund, mit dem sie sich vertan hat, ernüchternde Erfüllung eines kitschigen Mädchentraums. Aber jetzt sitzt sie da fest, aus Gründen, die ich mir nicht erklären kann. Lieber nicht darüber phantasieren. Und nichts Schlechtes mehr über ihn. Ihm habe ich es zu verdanken, dass es sie gibt in meiner Nähe. Wäre sie nicht bei ihm, wäre ich ihr nie begegnet. Hätte ich diese merkwürdige Geschichte nicht erlebt. Wäre ich allein.
Mittwoch, 27. April 2011
Feucht
Draußen ist heute drinnen. In meiner Wohnung drei Leute mit Chef von einer Abrissfirma und zwei Dachdecker. Die bauen Abdeckungen für die beiden Balkone. Kleiner Balkon zur Straße raus, größerer Balkon zum Hof raus. Böden undicht; bei den Mietern in der Wohnung darunter tropfte im Winter literweise Wasser von der Decke. Jetzt alte Böden raus. Fliesen weg, Estrich weg, das Stahlgitter darunter weg, die Abdämmung weg. Das machen zwei Männer mit Presslufthämmern. Einem nehme ich seine Kapuzenjacke ab, um sie für ihn aufzuhängen. Durchgeschwitzt. Den Männern zugucken. Fragen stellen. Und was ist unter der Dämmung? – Beton. – Und wenn der auch feucht ist? – Klar, ist der feucht. – Wollt ihr den auch rausreißen? – Nein, der wird getrocknet. Mit einem Brenner. - Das findet morgen statt oder auch nicht. Kann sein, dass es nächste Woche erst weiter geht. Im großen Zimmer, meinem Wohn-, Ess- und Arbeitszimmer, ist dann solange Halbdunkel, weil es sich von der Hausverwaltung nicht bis zu den Dachdeckern rumgesprochen hat, dass transparente Planen für die Abdeckung verwendet werden sollen. Grün und blau sind die Planen, die sie nun verwendet haben - und blickdicht, heißt: sie lassen kaum Licht durch. Zeltatmosphäre im Zimmer. Am Ende werde ich sie noch vermissen, wenn alles vorbei ist. Die Pingeligkeit im Vorfeld – ich arbeite hier, ich brauche Tageslicht – weicht Gelassenheit. Kommt vielleicht von der Anwesenheit der Handwerker.
Bilder von ihr, jedes Bild ein Gefühl von mir für sie. Dafür reicht die Konzentration heute nicht. – Ich versuche es mit der melancholischen Geschichte für BzB, Nachtrag zu den Feiertagen. Ob ich die hinkriege? Will ich überhaupt? Sie ist so sentimental. Und nur so zu schreiben, wie ich immer schreibe. Ich möchte anders schreiben. Nur Beschreibung. Nur Außen. Von außen nach innen blicken. Statt von innen nach außen.
Lacher beim Frühstück, beim Lesen des Spaßhoroskops von Rob Brezsny: With a fortune of $27 billion, business tycoon Larry Ellison is the sixth richest person in the world. His monumental sense of self-importance is legendary. One of his colleagues says, "The difference between God and Larry is that God does not believe he is Larry." ... .
Bilder von ihr, jedes Bild ein Gefühl von mir für sie. Dafür reicht die Konzentration heute nicht. – Ich versuche es mit der melancholischen Geschichte für BzB, Nachtrag zu den Feiertagen. Ob ich die hinkriege? Will ich überhaupt? Sie ist so sentimental. Und nur so zu schreiben, wie ich immer schreibe. Ich möchte anders schreiben. Nur Beschreibung. Nur Außen. Von außen nach innen blicken. Statt von innen nach außen.
Lacher beim Frühstück, beim Lesen des Spaßhoroskops von Rob Brezsny: With a fortune of $27 billion, business tycoon Larry Ellison is the sixth richest person in the world. His monumental sense of self-importance is legendary. One of his colleagues says, "The difference between God and Larry is that God does not believe he is Larry." ... .
Dienstag, 26. April 2011
Abstand
Vormittags Brief an die Gönnerin. Erholung: Schreiben an eine bekannte, vertraute Person. Und: Abstand nehmen von der Verbissenheit, in die ich mich hier reingeschrieben habe in den letzten Tagen. – In den nächsten Tagen Handwerker in der Wohnung. Möglich, dass ich schon froh sein kann, wenn ich Biest zu Biest weiter schreiben kann. – Wenn es hier weiter geht, geht es weiter mit: Bilder von ihr. Und jedes Bild ist ein Gefühl von mir für sie.
Montag, 25. April 2011
Kreis
Sich das Herz brechen, wie man sich ein Bein bricht oder einen Arm aus Ungeschick oder wegen einer Waghalsigkeit. Nicht ihr und mein, nicht unser Drama. Mein Drama. Weil sie hat mit meinem Drama gar nichts zu tun, jedenfalls nicht so, wie ich es mir vorstelle in meiner romantischen Egozentrizität. Warum sie trotzdem sich nicht schon längst zurückgezogen hat und immer wieder auftaucht in meinem Drama, das kann ich mir nicht erklären. Dazu müsste ich mit ihr sprechen. Das kann ich aber nicht, weil ich nicht auf sie zugehen kann, aus Gründen, von denen der wichtigste möglicherweise der ist, dass ich Angst vor ihr habe. Was aber vielleicht auch eine Übertreibung ist. Denn kann es nicht auch so sein, dass es einfach nur keine Selbstverständlichkeit und keine Unbefangenheit gibt zwischen ihr und mir? Dass ich, der mit so gut wie jedem reden kann, der vor nichts so wenig Angst hat wie vor anderen Menschen, das eben nicht kann, auf sie zugehen, und es deswegen auch bleiben lassen sollte. Denn es wird schon etwas zu bedeuten haben, dass es keine Unbefangenheit gibt zwischen uns und keine Selbstverständlichkeit mit ihr. Wenn es so ist, was will ich dann noch? – Verstehen, was mir da passiert ist? – Wozu? – Das Verstehen wird nichts daran ändern. Es wird ein Sich-Drehen im Kreis sein. Denn immer wieder wird es diesen die Kreisbewegung fortsetzenden Drall geben: Es ist so, aber es ist auch anders. Es ist wohl so, wie ich es gestern verstanden habe, dass es bei dem nicht zustande gekommen Treffen im Restaurant nicht um mich gegangen ist, dass ich da nur eine Randfigur war. Und das tut weh, das nachträglich zu begreifen. Dann kann ich mir dumm vorkommen und zerknirscht sein. Doch dann muss ich mir sagen, dass es schon so gewesen sein mag, aber dass es auch Eindrücke gibt, die dem widersprechen. Dass bei dem anderen Treffen, aus dem nichts geworden ist, im Einstein in der Kurfürstenstraße, dass ihr da nicht ihr Freund hinterher telefoniert hat und ihr Druck gemacht oder sie besänftigt hat nach einem Streit, sondern dass sie sich da ganz offensichtlich nicht getraut hat, herzukommen an den Tisch, an dem ich saß und auf sie gewartet habe, den Eingang im Blick. So dass ich sie gesehen habe, wie sie hereinkam, im Vorraum stand, sich umgeschaut hat, mich bestimmt entdeckt hat, doch dann auf dem Absatz kehrt machte und verschwand. Andere Eindrücke: Sie auf der anderen Straßenseite vor der Ausfahrt des Hauses, in dem sie wohnt. Sie winkend. Und ich habe ihr zugelächelt und bin nicht zu ihr hingegangen, weil ich mir eingebildet habe, dass sie das nicht will, und weil ich sie nicht bedrängen wollte. – Sie, wie sie sich am Fenster gezeigt hat, stumm, bewegungslos und dann hat sie sich zurückgezogen ins Halbdunkel des Zimmers. Weil ich nur dastand und nichts getan habe, als ihr zuzulächeln, nicht zu ihr hinüber gerufen habe, nicht versucht habe, mich mit Zeichen zu verständigen mit ihr, um mich draußen mit ihr zu treffen, jetzt, sofort? Oder wollte sie sich mir nur zeigen, wollte sie gar nicht mehr? – Wie an einem anderen Abend zuvor, einem späten Abend, als sie in einem langen weißen Nachthemd ans Fenster trat und dann vor meinen Augen ihr Nachthemd ausgezogen hat und mir ihre ganze Schönheit gezeigt hat – nackt vor mir stand, lange genug, dass ich das Bild nie wieder vergessen konnte, und darauf sich abwandte, ihr Nachthemd wieder anzog, ihr Bettzeug aufschüttelte und dann das Licht löschte. Was wollte sie da? Wirklich nur, sich mir zeigen? Oder würde ich, wenn ich diesen Moment so betrachten würde, wie ich die Situation der Restaurant-Verabredung betrachtet habe, auch darauf kommen, wie dumm ich da war? Verblüfft, verzaubert, verwirrt – nur verblüfft, nur verzaubert, nur verwirrt, statt zu verstehen, was sie mir damit sagen wollte, als sie mir ihren Körper gezeigt hat. Dass es eine Aufforderung war. Kann das sein? – So und auch wieder anders: All die anderen Gelegenheiten, bei denen ich auf sie zugehen wollte, ich sie aufgefordert habe zu einem Treffen, jetzt, sofort – und sie sich scheu zurückgezogen hat, zurückgeschreckt ist und dann hat es gleich darauf einen dieser ganz besonders eindrucksvollen Auftritte ihres Freundes gegeben, mit denen er mir gezeigt hat: Ich bin hier, wo die Prinzessin ist, du bist dort drüben und da hast du zu bleiben. – Immer weiter, im Kreis. Denn immer wieder: es ist so und es ist auch anders. – Soll das die Erzählung sein? – Die gibt es doch schon. Steht alles im Blog. Kann allenfalls ergänzt werden mit Momentaufnahmen von ihr, die noch nicht beschrieben sind. So viele sind das nicht mehr. Was noch fehlt, um die Merkwürdigkeit ein wenig verständlicher zu machen, das ist, wie alles angefangen hat, wie es angefangen hat, bevor es für mich angefangen hat. Doch so weit ist es noch nicht, das zu erzählen. Noch denke ich, dass ich das gar nicht erzählen sollte. Kann allerdings auch sein, dass ich nur deshalb meine, es nicht erzählen zu sollen, weil ich noch nicht weiß, wie ich das tun soll – damit es nicht missverstanden wird, damit es in der Selbstverständlichkeit erscheint, die es hat für mich und für sie. Es ist die einzige Selbstverständlichkeit, die es zwischen uns gibt. Wobei es sein kann, dass es diese Selbstverständlichkeit nur für uns hat, und es deshalb besser ist, wenn ich das für mich behalte, was ich darüber weiß, was ich zweifelsfrei weiß darüber, wie alles angefangen hat.
Sonntag, 24. April 2011
Korrektur
Text von gestern Abend zum größeren Teil gelöscht, weil mal wieder viel zu gedanklich. Das viel zu viele Denken kommt auch vom zu vielen Alleinsein. Bezeichnend: Den Text habe ich gelöscht, nachdem ich eine Episode Skins (3) angesehen und einen Eindruck vom wirklichen Leben bekommen hatte. Das kann als Ironie verstanden werden, ist aber genau so gewesen. – Worum ging es in dem Text? – Um einen Wunsch: Ich möchte eine Erzählung in Gang setzen. Titel soll sein: Bemühen Sie sich nicht! Die Personen darin sind ich und sie. Und es soll darum gehen, dass es sein könnte, dass ich Angst vor ihr habe.
Beim Überarbeiten von Telefonieren. Die Stelle, an der ich die Bizarrerie beschreibe, wie sie auf der anderen Straßenseite geht und telefoniert; sich versteckend im Telefonieren, weil sie nicht die Traute hat etc. oder will, dass ich ihr hinterher laufe etc.. Allerdings nicht auszuschließen, dass sie wirklich einen Anruf bekommen hat. Aber das muss sie doch nicht daran hindern ins Restaurant zu kommen. Es sei denn – darauf gestern Abend erst gekommen –, es sei denn, es ist ein Anruf ihres Freundes. Er telefoniert ihr hinterher. Er macht ihr Druck: wenn du da jetzt hingehst, dann brauchst du nicht mehr zurück zu kommen; dann kannst du nachher deine Sachen abholen, und das war es dann. Also überlege dir gut, was du machst! – Nach dem, was vorher gelaufen war - es hatte einen Streit zwischen den beiden gegeben, das hatte ich gesehen -, kann es gut sein, dass es so war. Dann war sie in dem Moment in einer Klemme. Er hat um sie gekämpft (das ist so, dass er um sie kämpfen muss) und sie vor eine Wahl gestellt. Es ging für sie also nicht einfach nur darum, zu einem Treffen zu gehen, um einen anderen Mann kennenzulernen, es ging um viel mehr. Und dabei um mich nur am Rande. Dass sie mich treffen wollte, galt weniger mir, es war eine (Re)Aktion im Streit mit ihrem Freund, zu dem sie dann zurückgekehrt ist, als sie meinem Blick entschwand. Es muss auch nicht so sein, dass sie sich nur dem Druck ihres Freundes gebeugt hat (romantisch-egozentrische Vorstellung von mir), es kann auch sein, dass er sie besänftigt hat, dass sie nicht reumütig, sondern versöhnt zurückgekehrt ist, und ganz versöhnt haben sie sich dann, als sie nach Hause gekommen ist. So könnte es gewesen sein. Es spricht viel dafür, dass es so war. – Wäre ich auf die andere Straßenseite gegangen und ihr gefolgt, wüsste ich es, hätte ich es damals schon gewusst – und es wäre nicht weiter gegangen. Weil es keine Rätselhaftigkeit gegeben hätte (ihr bizarres Verhalten), sondern eine Tatsache wäre geschaffen worden: dass ich nur eine Art Fluchtpunkt bin für sie, eine Figur, die sie ins Feld führt im Streitszenario mit ihrem Freund. Und da die beiden oft streiten, da das ihre Art von Beziehung und das heftige Streiten wahrscheinlich Teil ihrer Leidenschaft füreinander ist, wurde/werde ich immer wieder gebraucht als Fluchtpunkt und als Figur. – Das ist nicht zum ersten Mal, dass ich das denke. Dass es mir jetzt gerade fast schlecht geworden ist bei der Vorstellung von meiner Rolle in einem Spiel, über dessen Charakter ich mich täusche, das kommt daher, dass es mir nie zuvor so anschaulich wurde wie gerade eben beim Richtigstellen der gestern beschriebenen Szene, die dazu führte, dass aus der Verabredung nichts geworden ist.
Habe ich jetzt immer noch den Wunsch, eine Erzählung zu schreiben mit dem Titel: Bemühen Sie sich nicht! mit den Personen sie und ich, und es soll darum gehen, dass es sein könnte, dass ich Angst vor ihr habe? Reicht es nicht zu erkennen, wie dumm ich war, und damit gut? Oder will ich herausfinden, wie dumm ich wirklich war, weil das schon wieder interessant ist?
Später: Was will ich denn? Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Die Erzählung ist schon in Gang gekommen. Alles, was ich tun muss, ist von hier aus jetzt andere Eindrücke betrachten. Wenn ich das aushalte.
Beim Überarbeiten von Telefonieren. Die Stelle, an der ich die Bizarrerie beschreibe, wie sie auf der anderen Straßenseite geht und telefoniert; sich versteckend im Telefonieren, weil sie nicht die Traute hat etc. oder will, dass ich ihr hinterher laufe etc.. Allerdings nicht auszuschließen, dass sie wirklich einen Anruf bekommen hat. Aber das muss sie doch nicht daran hindern ins Restaurant zu kommen. Es sei denn – darauf gestern Abend erst gekommen –, es sei denn, es ist ein Anruf ihres Freundes. Er telefoniert ihr hinterher. Er macht ihr Druck: wenn du da jetzt hingehst, dann brauchst du nicht mehr zurück zu kommen; dann kannst du nachher deine Sachen abholen, und das war es dann. Also überlege dir gut, was du machst! – Nach dem, was vorher gelaufen war - es hatte einen Streit zwischen den beiden gegeben, das hatte ich gesehen -, kann es gut sein, dass es so war. Dann war sie in dem Moment in einer Klemme. Er hat um sie gekämpft (das ist so, dass er um sie kämpfen muss) und sie vor eine Wahl gestellt. Es ging für sie also nicht einfach nur darum, zu einem Treffen zu gehen, um einen anderen Mann kennenzulernen, es ging um viel mehr. Und dabei um mich nur am Rande. Dass sie mich treffen wollte, galt weniger mir, es war eine (Re)Aktion im Streit mit ihrem Freund, zu dem sie dann zurückgekehrt ist, als sie meinem Blick entschwand. Es muss auch nicht so sein, dass sie sich nur dem Druck ihres Freundes gebeugt hat (romantisch-egozentrische Vorstellung von mir), es kann auch sein, dass er sie besänftigt hat, dass sie nicht reumütig, sondern versöhnt zurückgekehrt ist, und ganz versöhnt haben sie sich dann, als sie nach Hause gekommen ist. So könnte es gewesen sein. Es spricht viel dafür, dass es so war. – Wäre ich auf die andere Straßenseite gegangen und ihr gefolgt, wüsste ich es, hätte ich es damals schon gewusst – und es wäre nicht weiter gegangen. Weil es keine Rätselhaftigkeit gegeben hätte (ihr bizarres Verhalten), sondern eine Tatsache wäre geschaffen worden: dass ich nur eine Art Fluchtpunkt bin für sie, eine Figur, die sie ins Feld führt im Streitszenario mit ihrem Freund. Und da die beiden oft streiten, da das ihre Art von Beziehung und das heftige Streiten wahrscheinlich Teil ihrer Leidenschaft füreinander ist, wurde/werde ich immer wieder gebraucht als Fluchtpunkt und als Figur. – Das ist nicht zum ersten Mal, dass ich das denke. Dass es mir jetzt gerade fast schlecht geworden ist bei der Vorstellung von meiner Rolle in einem Spiel, über dessen Charakter ich mich täusche, das kommt daher, dass es mir nie zuvor so anschaulich wurde wie gerade eben beim Richtigstellen der gestern beschriebenen Szene, die dazu führte, dass aus der Verabredung nichts geworden ist.
Habe ich jetzt immer noch den Wunsch, eine Erzählung zu schreiben mit dem Titel: Bemühen Sie sich nicht! mit den Personen sie und ich, und es soll darum gehen, dass es sein könnte, dass ich Angst vor ihr habe? Reicht es nicht zu erkennen, wie dumm ich war, und damit gut? Oder will ich herausfinden, wie dumm ich wirklich war, weil das schon wieder interessant ist?
Später: Was will ich denn? Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Die Erzählung ist schon in Gang gekommen. Alles, was ich tun muss, ist von hier aus jetzt andere Eindrücke betrachten. Wenn ich das aushalte.
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