Wir kommen zum Punkt gemeinsame Bekannte. – Herbert Fritsch und die späte Regiekarriere, die er gerade macht, jeder gönnt sie ihm. Herbie! – Und was ist eigentlich aus dem Typ geworden, der den Besitzer des Café Eitel spielte? – Rainer Bock? – Rainer Bock. Hätte ich nie gecastet. Den hat der Programmdirektor des Radiosenders gecastet, der auch Regie führen wollte, und ich musste dann mit ihm zusammenarbeiten, nachdem der Programmdirektor zwei Wochen später an einer Embolie gestorben und mir die Regie übertragen worden war. Am Ende der Produktion gab es ein großes Fest. Davon habe ich erst viele Monate später erfahren. Alle Beteiligten waren eingeladen, nur ich nicht. Vor mir hatten sie es geheim gehalten. Wahrscheinlich hätte ich mich auch nicht eingeladen. Ich war einfach nicht nett zu den Schauspielern: Ich verlangte von ihnen, dass sie die Dialoge so sprachen, wie ich sie beim Schreiben (in meinem Kopf) gehört hatte. Im Laufe der Produktion hatte ich mit jedem der Schauspielerinnen und Schauspieler einmal Krach. Aber mit Rainer Bock war es mehr: Wir konnten uns nicht nur nicht leiden, wir verachteten uns.
Er galt bei euch Schauspielern als hochtalentiert. Aber ich fand ihn überhaupt nicht gut. Ich mochte den scharfen, schneidenden Ton in seiner Stimme nicht und fand seine Schauspielerei aufgesetzt. Er hatte immer so was von Staatsschauspieler.
Harald: Das ist er ja nun auch geworden. Residenztheater München, Bayerisches Staatsschauspiel.
Ach.
Ja. Und dann erzählt Harald, dass R.B. gerade eine Filmkarriere macht, die er nie angestrebt hat. Eine Casterin hat ihn mit Michael Haneke bekannt gemacht und das führte dazu, dass er den Doktor spielte, der am Anfang von Das weisse Band vom Pferd fällt. Inzwischen hat R.B. bei Spielberg mitgewirkt in War Horse (dt. Gefährten), bei Petzold in Barbara und sein nächster Dreh ist mit Brian de Palma.
Das höre ich nicht gerne. Aber Neid und Missgunst sind nun mal nicht mein Ding. Also wundere ich mich nur, dass ich so daneben gelegen habe mit meiner Einschätzung bei ihm. Sonst bin ich nämlich ganz gut bei so was und erkenne Talent auch (an), wenn ich jemanden nicht mag, selbst wenn ich ihn so sehr nicht mag, wie ich R.B. nicht mochte. So sehr, dass ich mich jetzt noch gut daran erinnern kann und deswegen geht es jetzt doch los, nicht mit Neid, nicht mit Missgunst, wie wollen wir es nennen? –Das weisse Band ist natürlich die Ehrennadel in Gold mit Brillanten, denke ich. Aber sonst? War Horse ist weltweit ein Flop. Würde ich mir nie angucken. Barbara? Zu Petzold ist alles gesagt. Brian de Palma? Ist es zehn oder zwanzig Jahre her, dass der seinen letzten relevanten Film gemacht hat? – Also doch Missgunst? – Nein, das wäre, wenn ich denken würde, was ich denken könnte: aus dem R.B. ist was geworden, aus mir nicht, und deshalb schmälere ich das, was aus dem geworden ist. Aber so denke ich nicht, weil ich dadurch, dass ich ihn klein mache, selbst nicht größer werde. Es geht mir nur darum, dass ich ihn damals für überschätzt hielt und seine Schauspielerei für so fucking german und dass er jetzt eben damit Erfolg hat. Mit diesem markigen Schauspielstil, der mir damals so missfallen hat, mit dem hat der R.B. jetzt international Erfolg. Kannste mal sehen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen