Dienstag, 27. März 2012

Trainiert

Den Katzenclip wollte ich gestern schon zeigen, gleich nachdem ich ihn entdeckt hatte. Leser, die keine Tiere mögen oder nur Hunde, sollen erst gar nicht versuchen zu verstehen, was an dem Clip so wundervoll ist. Was wir sehen, ist ein Fotoshooting für den Aufmacher einer Shortstory im Magazin The New Yorker. Am Set die Fotografin, vier Katzentrainer sowie sechs Katzen: erfahrene trainierte Katzen, trainierte Katzen, die noch nicht so lange im Geschäft sind, und untrainierte Katzen, die aber nicht zum ersten Mal bei so einer Aktion dabei sind. Viereinhalb Stunden dauerte es, bis die Fotografin hatte, was sie brauchte. Ich hätte gerne die Katze in der Mitte, die am Boden sitzt zwischen der Liege und dem Tisch, denke ich. Und dann schaue ich den Clip noch mal an und denke, ich wäre gerne die Katze in der Mitte, die am Boden sitzt zwischen der Liege und dem Tisch. Okay: Ich bin die Katze in der Mitte. - Untrainiert? - Trainiert, zu meinem Bedauern.

Montag, 26. März 2012

Café Eitel

Wir kommen zum Punkt gemeinsame Bekannte. – Herbert Fritsch und die späte Regiekarriere, die er gerade macht, jeder gönnt sie ihm. Herbie! – Und was ist eigentlich aus dem Typ geworden, der den Besitzer des Café Eitel spielte? – Rainer Bock? – Rainer Bock. Hätte ich nie gecastet. Den hat der Programmdirektor des Radiosenders gecastet, der auch Regie führen wollte, und ich musste dann mit ihm zusammenarbeiten, nachdem der Programmdirektor zwei Wochen später an einer Embolie gestorben und mir die Regie übertragen worden war. Am Ende der Produktion gab es ein großes Fest. Davon habe ich erst viele Monate später erfahren. Alle Beteiligten waren eingeladen, nur ich nicht. Vor mir hatten sie es geheim gehalten. Wahrscheinlich hätte ich mich auch nicht eingeladen. Ich war einfach nicht nett zu den Schauspielern: Ich verlangte von ihnen, dass sie die Dialoge so sprachen, wie ich sie beim Schreiben (in meinem Kopf) gehört hatte. Im Laufe der Produktion hatte ich mit jedem der Schauspielerinnen und Schauspieler einmal Krach. Aber mit Rainer Bock war es mehr: Wir konnten uns nicht nur nicht leiden, wir verachteten uns.
Er galt bei euch Schauspielern als hochtalentiert. Aber ich fand ihn überhaupt nicht gut. Ich mochte den scharfen, schneidenden Ton in seiner Stimme nicht und fand seine Schauspielerei aufgesetzt. Er hatte immer so was von Staatsschauspieler.
Harald: Das ist er ja nun auch geworden. Residenztheater München, Bayerisches Staatsschauspiel.
Ach.
Ja. Und dann erzählt Harald, dass R.B. gerade eine Filmkarriere macht, die er nie angestrebt hat. Eine Casterin hat ihn mit Michael Haneke bekannt gemacht und das führte dazu, dass er den Doktor spielte, der am Anfang von Das weisse Band vom Pferd fällt. Inzwischen hat R.B. bei Spielberg mitgewirkt in War Horse (dt. Gefährten), bei Petzold in Barbara und sein nächster Dreh ist mit Brian de Palma.
Das höre ich nicht gerne. Aber Neid und Missgunst sind nun mal nicht mein Ding. Also wundere ich mich nur, dass ich so daneben gelegen habe mit meiner Einschätzung bei ihm. Sonst bin ich nämlich ganz gut bei so was und erkenne Talent auch (an), wenn ich jemanden nicht mag, selbst wenn ich ihn so sehr nicht mag, wie ich R.B. nicht mochte. So sehr, dass ich mich jetzt noch gut daran erinnern kann und deswegen geht es jetzt doch los, nicht mit Neid, nicht mit Missgunst, wie wollen wir es nennen? –Das weisse Band ist natürlich die Ehrennadel in Gold mit Brillanten, denke ich. Aber sonst? War Horse ist weltweit ein Flop. Würde ich mir nie angucken. Barbara? Zu Petzold ist alles gesagt. Brian de Palma? Ist es zehn oder zwanzig Jahre her, dass der seinen letzten relevanten Film gemacht hat? – Also doch Missgunst? – Nein, das wäre, wenn ich denken würde, was ich denken könnte: aus dem R.B. ist was geworden, aus mir nicht, und deshalb schmälere ich das, was aus dem geworden ist. Aber so denke ich nicht, weil ich dadurch, dass ich ihn klein mache, selbst nicht größer werde. Es geht mir nur darum, dass ich ihn damals für überschätzt hielt und seine Schauspielerei für so fucking german und dass er jetzt eben damit Erfolg hat. Mit diesem markigen Schauspielstil, der mir damals so missfallen hat, mit dem hat der R.B. jetzt international Erfolg. Kannste mal sehen. 


Sonntag, 25. März 2012

Anna



Anna sagt: Du siehst gut aus.
Ich bedanke mich für die Höflichkeit.
Anna ist nur wenige Monate jünger als ich und sie beharrt darauf: Du siehst natürlich nicht mehr aus wie mit 15. Aber du siehst immer noch gut aus. Und interessant.
Ich lenke ein: Ich sehe nicht aus wie ein Versicherungsvertreter. Das ist schon mal ein Glück. Aber wenn ich mich anschaue, dann sehe ich einen Mann, der kein schönes Leben hat.
Anna: Dann mach dir ein schönes Leben!
Anna ist Süditalienerin.

Ich fotografiere die Goldfische im Volkspark. Ich überlege mir, was ich noch tun kann, um mir ein schönes Leben zu machen. Ich gehe über die Wiese und schaue, was die Leute haben, was ich nicht habe und worüber ich froh bin, dass ich es nicht habe. Ich sehe Vieles, was ich nicht haben will. Davon wird mein Leben nicht schöner. Aber es ist ein guter erster Versuch.

Sonntag, 18. März 2012

Last Waltz




18 Uhr Ausstellungseröffnung in der 18m Galerie. Die mit Schal ist die ausstellende Fotografin Beatrice Minda.


Gesicht wie aus einem alten Schwarzweißfilm und missmutig, weil die Bilder für ihre Körpergröße zu hoch aufgehängt sind. 


Als ich merkte, dass ich ihr im Weg stand, sagte ich: Wollen Sie vorbei? Bitte! - Darauf antwortete sie mit einem Rümpfen der Nase und ging an mir vorbei. Sie hat auch sonst mit niemandem geredet und niemand mit ihr. Guter Haarschnitt. 

Morgen mehr über den Abend bei Julie.                                         

Samstag, 17. März 2012

Immobilie




Ich bin so übermütig und weiß nicht wohin damit, Oleg.
Da kann ich nichts zu sagen.
Was ist´n das für ein Rot?
Genau genommen ist das Scharlachrot.
Guter Kontrast zu dem strahlenden Weiß der Fenster. 
Das Haus gehört der Hamburg-Münchner.
Hamburg-Mannheimer.
Die wollen das Haus verkaufen und haben es anmalen lassen, damit man nicht gleich sieht, wie heruntergekommen es ist.
... . 

Freitag, 16. März 2012

Blume


Frühling auf dem Grünstreifen Hauptstraße / Ecke Eisenacher. Als ich aus der Hocke hochkomme, und mich zur Ampel wende, steht neben mir eine junge schwarzgekleidete Frau und schaut mich verächtlich an aus ihrem hübschen blassen Gesicht. Hätte ich sie nur gefragt: Kann ich ein Foto von Ihnen machen für meinen Blog? Dann hätte sie entweder zurückgefragt: Warum? oder: Was für ein Blog? Wenn sie gefragt hätte, warum, hätte ich geantwortet: Weil Sie auch eine Blume sind. Allerdings eine Winterblume.

Samstag, 10. März 2012

Treptow

17:29 
Falscher Weg. Wo bin ich? 




11:00 - 13:30
Vormittagsschreiben. Was habe ich mir angetan drei Jahre lang? Und wie komme ich da wieder raus?