Freitag, 6. Juli 2012
Impossible Things
Six impossible things, sechs unmögliche Dinge sollen die Zwerge nehmen, um aus ihnen eine Fessel zu weben für den großen bösen Wolf, den nichts halten konnte, nicht einmal eine eiserne Kette. The impossible things sind: a bear's sinews, a bird's spit, a fish's breath, a mountain's root, a woman's beard, and the sound a cat's paws made as it walked. Es klappt, obwohl die Fessel nicht dicker ist als ein Seidenband, kann der böse Wolf sich nicht von ihr losmachen. Ratschlag des Spaß-Horoskops von Rob Brezsny, das ich jede Woche lese: Ich soll mich von der Geschichte inspirieren lassen und bei mir würde es schon reichen, wenn ich drei oder zwei unmögliche Dinge sammle, um mit dem Dilemma zurecht zu kommen, indem ich stecke. Dilemma? Lese das gestern Früh, bin fasziniert von der Idee der impossible things: besonders der Speichel eines Vogels und der Atem eines Fisches haben es mir angetan und das Geräusch, das die Pfoten einer Katze beim Gehen machen. Verstehe intuitiv, was gemeint ist, aber als ich es aufschreiben will, entzieht es sich mir, bis ich gar nichts mehr verstehe und erwäge, dass das auch nicht nötig ist, weil ich der große böse Wolf bin. Das bin ich aber schon lange nicht mehr und es ist doch auch nur ein Spaß-Horoskop und lachen muss ich dann auch noch: Als ich auf der Vernissage im Kunstraum Ko Sabine fotografiere, bemerke ich am Kinn einer Frau, mit der sie spricht, eines der sechs impossible things: a woman´s beard, einen Frauenbart und die Barthaare sind so lang, dass sie sich schon kräuseln, und - jetzt mal ganz ohne Mythologie - die Frau trägt ihren Bart gerne und ganz selbstbewusst. Denn natürlich bemerkt sie es, dass ich sie fotografiere und auf ihr Kinn halte, aber sie wendet sich nicht ab und unternimmt nichts, um mich zu verscheuchen. Wie ein kleiner Junge sage ich später zu Judith: Guck mal, die Frau hat einen Bart! Worauf Tante Judith nur mit den Schultern zuckt, weil sie so cool ist, wie ich es auch nicht sein werde, wenn ich doch noch mal erwachsen werden sollte - oder weil sie das tägliche Rasieren auch leid ist.
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