Samstag, 16. Juni 2012

Marlboros

Auf dem Rückweg hat es aufgehört zu regnen und ich begehe eine strafbare Handlung. Aber es ist nicht Verführung Minderjähriger. Es ist eine Beihilfe. Aber nicht zur Verführung Minderjähriger. Verführt sind die beiden Mädchen schon, die in der Winterfeldtstraße vor mir hergehen. Freundinnen. Das ist zu erkennen daran, dass sie gleich angezogen sind: schwarze Leggings (wann wird es endlich heiß?) und beige Jäckchen. Die eine größer und schlank, die andere füllig. Die Größere dreht sich nach mir um und ich denke noch, warum hat das Mädchen sich jetzt nach mir umgedreht, da bleiben sie stehen und die Kleine spricht mich an: Ob ich Zigaretten für sie kaufen kann, fragt sie. In dem Laden dort, ein Haus weiter. Marlboros. Sie hat einen Fünf-Euro-Schein in der Hand. Ich sage, ohne eine Sekunde zu überlegen: Ja, mache ich. Und dabei weiß ich schon, dass das nicht richtig ist juristisch und gesundheitspolitisch auch nicht. Und so schaue ich die beiden auch an, als ich den Geldschein nehme und frage: Ganz normale Marlboros? Keine Lights oder so, meine ich damit. - Normale Marlboros, antwortet die Große und die Kleine lächelt. Als ich mit dem Päckchen Zigaretten zurückkomme, haben sich die beiden in einen Hauseingang gestellt. Sie fragen mich, ob ich eine Zigarette haben möchte. Ich sage, nein danke, ich gewöhne es mir gerade ab. Ich auch, sagt die Große. Ich lache und gehe weiter. Nach ein paar Schritten drehe ich mich um und frage: Wie alt seid ihr? - Fünfzehn, sagt die Kleine und die Große sagt: Ich bin sechzehn. - Das glaube ich nicht. Je länger ich sie angucke, desto mehr sieht sie aus wie vierzehn. Die Kleine wiederholt: Ich bin fünfzehn. Und sie sagt es so, als wolle sie sagen: Wir sind fünfzehn. Ihr glaube ich.

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