Sonntag, 10. April 2011

Schmus

Nicht unterzubringen gewesen im Posting von gestern: Dieter S., mit dem ich so gerne rede. Aber wie ich ihm gesagt habe, als wir uns seit mehr als einem Jahr wieder gesehen haben gestern vor der Back-Factory (die wird hier allmählich zur Institution), ist unsere Bekanntschaft nun mal eine Kneipenbekanntschaft, und da ich nicht mehr in Kneipen gehe, ist sie schwer fortsetzbar, denn uns anrufen oder uns Mails schreiben, das ist einfach nicht unsere Sache. – Dieter war Journalist (Politik), hat unter anderem für den Stern gearbeitet und einige Jahre lang für die Frankfurter Rundschau aus London berichtet. Er ist jetzt 73 Jahre alt und verbringt in Schöneberg seinen Lebensabend. Es ist nicht so sehr, was er zu erzählen hat (das ist ab irgendwann auch immer das Gleiche gewesen), sondern seine sehr feine intellektuelle und rhetorische Art, mit der er antwortet und kommentiert und wegen der ich ihn als Gesprächspartner vermisse. Dass ich ihn vermisse als Gesprächspartner habe ich ihm gesagt, das mit seiner Art habe ich lieber weggelassen. Denn das hätte er ironisch abgewehrt als Gesülze. Als Schmus, wie mein Vater gesagt hätte, an den er mich ein wenig erinnert. Erinnerung an meinen Vater mit Walter-Ulbricht-Spitzbart maskiert, den Dieter trägt, weil er, nehme ich an, ohne den Spitzbart ein unvorteilhaftes Kinn hätte. – Schreibst du immer noch wild rum? hat er mich bei der Begrüßung gefragt. – Ja, habe ich geantwortet und dann haben wir das Thema gewechselt.

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