Wie habe ich mich angestellt mit dem Text von gestern! – Ich habe ihn nicht mehr ertragen gestern Abend. Das Kleine, das Enge! Der Hickhack! Was mache ich da? Hatte ich gestern Vormittag nichts Besseres zu tun? – Offenbar nicht. Deshalb habe ich den gestern Abend gelöschten Text wieder reingestellt. Und wenn ich es jetzt genau nehme, ist es immer noch nicht gut damit. Dann erkläre ich, warum ich was daraus lernen wollte (siehe BzB von gestern). Fürs nächste Mal, wenn ich diesem Muster wieder begegne. Wenn ich jemandem gegenüber stehe und die andere Person leugnet, was für mich eine Tatsache ist, und mir klar machen will, dass ich mir das alles nur einbilde. Da ich nur selten schlagfertig bin, da es mir in den meisten Fälle erst nachträglich einfällt, was ich hätte sagen oder tun sollen in einem Moment der Verblüffung, wollte ich es mir nun vorher überlegen, wie ich mich dann verhalten könnte.
Es geht um die Frau ohne Namen. Zweimal bin ich abgeblitzt, als ich auf sie zugegangen bin. Vielleicht zu plump. Vielleicht, weil sie nicht will, dass ich auf sie zugehe. Vielleicht es auch nur nicht wollte in dem jeweiligen Moment, weil es gerade unpassend war. – Einmal hat sie sich selbst verleugnet, indem sie sich nicht zu erkennen gegeben hat, sich als eine andere ausgegeben hat (was ich ihr leicht gemacht habe, weil ich sie nicht gleich erkannt habe; kann auch sein, dass ich damit es ausgelöst habe, dass sie sich verstellt hat; könnte sein, dass sie beleidigt war, weil ich sie nicht erkannt hatte). Das zweite Mal hat sie sich verleugnen lassen oder wurde verleugnet von der Ex-Frau ihres Freundes, die behauptet hat, die Frau, nach der ich frage, sei abgereist, zurück in die USA. Das war dann nachweislich nicht so. Und ich habe mir die Gelegenheit entgehen lassen, noch einmal mit der Ex-Frau des Freundes zu sprechen. Denn nun war ich beleidigt, wie ich immer beleidigt bin, wenn ich angelogen werde. Was ich mir gerade abgewöhne in der Freundschaft mit Peter, indem ich lerne, seine Lügerei als seine Art sich mitzuteilen zu akzeptieren und die Lügen zu lesen – als verräterische persönliche Bekundungen, die mehr Einblick geben als jede ehrliche Aussage es könnte. – Der Wahrheitsfanatiker ist am Ende nur jemand, der zu faul ist, die Chiffren der Verlogenheit zu entschlüsseln. So wie der Wahrheitsfanatiker vielleicht auch nur deshalb nicht lügt, weil es ihm zu kompliziert und zu anstrengend ist, mit verschiedenen Versionen seiner selbst umzugehen; er macht es sich einfach, indem er nur mit einer Fassung seiner selbst auftritt – der, die er für die Wahrheit hält. – Das sind zwei Sätze, die genau so bei Proust stehen könnten. Humorversuch an einem völlig humorlosen Tag.
Die Frau ohne Namen ist keine verlogene Person, denke ich mir. Sie ist jemand, der mit Lügen ein Problem hat; das weiß ich; sie hat ein Problem mit der Verlogenheit ihres Freundes, wenn ich es richtig verstanden habe. Das gehört zu dem Wenigen, was zwischen uns kommuniziert wurde. – Doch das hilft nicht weiter. Und es hilft auch nicht weiter, komplizierte Überlegungen anzustellen, um mich vorzubereiten für den Fall, dass wieder sie sich selbst oder jemand anderer sie verleugnet. Das ist mir gestern klar geworden und das war das Verlieren des Fadens. Als ich merkte, dass ich mit diesen komplizierten Überlegungen nur mein Vorhaben kompliziert mache. Als ich letzte Woche den Moment der Entschlossenheit hatte: das muss doch möglich sein, dass ich wenigstens herausfinde, wie sie heißt – da erschien es zugleich auch ganz einfach. Alles, was ich tun muss, ist, wieder so einen Moment zu haben, in dem ich davon überzeugt bin, dass es einfach ist, und dann auch gleich das Einfache tun.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen