Sonntag, 3. April 2011

Antwort

Eine Märchenfigur ist sie nicht. Und eine Stier-Frau ist sie auch nicht. Das hat sie klar gemacht gestern Abend mit dem unerwarteten Licht-hinter-Vorhang-Signal. So unerwartet allerdings auch wieder nicht. Nur hatte ich in dem Moment, als ich das Licht gesehen habe, vergessen, dass ich eine Frage gestellt hatte: Bist du etwa eine Stier-Frau? – Darauf hat sie geantwortet. So etwas klappt zwischen uns. Es würden noch ganz andere Verständigungen klappen und Gemeinsamkeiten möglich sein auf dieser Schreib-und-Zeichenebene. Da sind wir gut zusammen und sie ist eine findige und witzige Partnerin auf dieser Ebene. Aber das mitzukriegen, zu erleben, was ich mit ihr machen kann, und mir dabei vorzustellen, wie es erst mit ihr sein könnte, wenn wir auf eine andere als diese verwunschene Art miteinander umgehen könnten, das war schließlich eine solche Qual, dass ich es nicht mehr aushalten wollte. So habe ich nun gar nichts mehr. Das Verwunschene nicht, weil ich es nicht mehr aushalten will, und einen Umgang, wie ich ihn mit allen anderen Menschen haben kann, den habe ich schon gar nicht, weil sie das nicht will, nicht kann oder nicht darf wegen Professor. Deshalb habe ich mit dem Stier-Frau-Verdacht nicht nur eine Frage gestellt, sondern wieder einmal einen Versuch gemacht, unsere Geschichte zu beenden. Mit einer simplen Erklärung für ihr Scheitern. Plumpe Erklärung. Egal. Alles, was hilft dabei, unser (groteskes) Scheitern zu erklären, soll mir recht sein. – Die Verständigung hat geklappt. Das Beenden hat nicht geklappt. Obwohl es so einfach sein könnte. Wozu brauche ich eine Erklärung? Ich muss doch nur loslassen. Was hindert mich daran? – Warum habe ich gestern im Text zu Peters Mail die nebenbei gemachte, aber nicht nebenbei gemeinte Bemerkung über die Nachbarin gelöscht? Bemerkung: Die Geschichte ist abgeschlossen. Ich muss nur noch loslassen. – Weil es nicht stimmt? Oder weil ich nicht will, dass es so ist? – In meiner optimistischen Laune gestern hatte ich kurz vorher das tatsächlich gedacht: Jetzt muss ich nur noch loslassen. Doch sogleich gemerkt, dass es nicht reicht mir das zu sagen. Dass es so nicht geht, sich das zu sagen und dann ist es getan. – Deshalb habe ich die Bemerkung gelöscht. Loslassen kann nicht beschlossen werden. Loslassen passiert. Man kann sagen: Und dann habe ich einfach losgelassen und der trostlose Zustand war beendet. Aber man kann nicht sagen: Ich muss nur noch loslassen und das mache ich jetzt. – Trostloser Zustand. Trostloser Text. Deshalb schreibe ich so ungern über den Zustand. Das wenigstens kann ich mir vornehmen: Nicht mehr darüber zu schreiben. Weil es Schreiben ist, das zu nichts führt.

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