Montag, 18. April 2011

Fimmel

Noch von gestern: Das Denken macht die Räume eng. Der Verstandesmensch, als der ich unterwegs bin mit meinem Ehrlichkeitswahn und meinem Authentizitätsfimmel, ist auch so einer, der die Räume eng macht und damit das Spiel verhindert.

Das innere Biest träumt davon, ein Schauspieler zu sein. Nicht, weil es in einem Film von Dani Levy mitspielen will. Es möchte zum Schauspieler seiner selbst werden, um so doch noch zu kriegen vom Leben, was es sich wünscht.

Von heute: Das Liebespaar an der Ecke. Von weitem schon gesehen, wie es sich umarmt. Eine weiße Gestalt, die Frau, und eine andere, der Mann. Als ich hinkomme, kenne ich die beiden auch noch. Wie hingestellt für mich, damit ich meinen komischen Kommentar abgeben kann. Und damit ich nachher über sie schreiben kann. Wenn ich es nicht tue, weil es etwas anderes zu erzählen gibt, flicke ich meinen Kommentar hier ein. – Und nicht vergessen den kleinen Hund, den coyotenähnlichen, den so geliebten; er muss sich die Liebe der Frau jetzt mit dem Mann teilen. Weiß der Hund das schon?

Beim Schwimmen heute Morgen Bernd. Er begrüßt mich mit einer Erinnerung an unseren Dialog von letzter Woche. Ich hatte gesagt, dass ich zu ihm gegangen wäre und bei ihm geklingelt hätte, wenn er noch länger nicht zum Schwimmen gekommen wäre. Darauf bezieht er sich jetzt, als er sagt, dass ihm das gefallen hat, dass ich zu ihm gekommen wäre, um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist bei ihm. – Darauf erklärt er noch einmal seine vierwöchige Abwesenheit beim Schwimmen. Die Grippe hat nur zehn Tage gedauert; aber danach ist er erst mal lieber nicht schwimmen gegangen, weil er nichts riskieren wollte wegen des geplanten Besuchs bei seinem Sohn in Dubai, der dort bei einer Bank arbeitet. – Warst du dann da? – Ja. Und nun erzählt er von Dubai. Die künstliche Welt da, nur in ganz weiter Ferne sieht man die Wüste. Das höchste Hochhaus der Welt (800 Meter). Die größte Shopping Mall der Welt. – Dort hält man sich dann auf, weil im Freien ist es am Tag nicht auszuhalten. Jetzt schon deutlich über 30 Grad. Der Sohn arbeitet als Investmentbanker. Bernd stolzer Vater: Investmentbanker sind die Speerspitze des Bankwesens. Sohn ist 24, seine erste Anstellung. Verdient jetzt schon mehr Geld als Bernd. Wird das Engagement ein Jahr durchziehen, aber danach will er etwas anderes machen. Der Arbeitstag 12, 14 Stunden. Sie kaufen dir deine Lebenszeit ab für viel Geld. Dann noch eine Szene aus der Shopping Mall. Buchladen. Ein Scheich, wie Bernd sagt, der in seinem traditionellen weißen Gewand lässig sich in einem Sessel fläzt, und seine Frauen in traditionellen Gewändern und verschleiert stehen zwischen den Regalen und blättern in Büchern. – Während er erzählt, überlege ich, ob er meine Mail vielleicht gar nicht bekommen hat; aber wie kann das sein? – Es kann so sein, dass das jetzt seine Art ist, damit umzugehen. Er weiß, dass ich über ihn schreibe. Er hat nichts dagegen. Und er nimmt mein Angebot an, mitzumachen – mit dem, was er mir erzählt. Heute von Dubai, von seinem Sohn und dem Scheich mit seinen Frauen, drei Frauen, wenn ich es richtig verstanden habe. Und der Übergang am Anfang mit Bezug auf meine Sorge, wo er abgeblieben ist, war auch gut gewählt. So geht das. Gut. - Es ist besser, wenn die Schreiberei nicht zum Thema wird. So ist es mir auch lieber. Aber ich bleibe bei meiner Transparenz-Politik. – Nächster Adressat Dani. Da ist es Teil der Schreibaktion. – Schade, dass ich gestern nicht mehr machen konnte aus dem überfallartigen Interview mit Dani. Sprache wie aus Karton. Schreibkrampf. Lag nicht an ihm. Lag auch nicht an mir in der Szene. Folgeschaden der Erstarrung in den Tagen zuvor. Aber auch: nichts Neues. Was ich geschrieben habe, und was passiert war in der Szene, war ein Remake eines Posts von hier.

Erste Episode der ersten Staffel Skins. Gucke ich mir mehr an? – Englische Teenager (in Bristol ist das, glaube ich). Ablenkung? Von was?

Vielleicht heute mal wieder ein Musik-Link in BzB:
There´s a limit to your love (...)
Like a map with no ocean

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