Mit ihr kommunizieren wollte ich, sie zurückholen in den Hauptblog mit dem Post von gestern - und ausprobieren, wie sich das anfühlen wird hinterher. Es würde sich besser anfühlen, wenn mir der Text nicht abgeknickt wäre im letzten Teil. Das mit meiner Entschlossenheit, endlich herauszufinden, wie sie heißt, ist eine leere Behauptung, so wie es jetzt da steht. Und dass ich nicht mehr verrückt nach ihr bin, das ist auch nicht plausibel. Da hätte ich näher auf das Vorher/Nachher eingehen müssen. Und dann hätte sich gezeigt, dass die Aussage so nicht stimmt, dass ich jetzt nur auf eine andere Art verrückt bin als bislang. Aber was ist denn so verkehrt daran verrückt zu sein?
Die Behauptung der Entschlossenheit ist leer, weil ich die Entschlossenheit nicht hatte, als ich den Text schrieb. Ich hätte also nur erzählen können davon, dass ich sie hatte Mitte vergangener Woche, und erzählen müssen, wie es zu ihr gekommen ist. Aber das war mir nicht präsent gestern, als ich den Text schrieb. Das ist mir vorhin erst wieder eingefallen: Es war im Kontext der Überlegungen zum Erzählen. Konzeptionelle Vorstellung, die ich hatte, von drei Erzählungen. Dreimal Misslingen. Das misslungene Kennenlernen, weil das Interesse jäh erlischt (die Geschichte mit Hanne). Das misslungene Leben (gezeigt an einem sehr anschaulichen Beispiel; ich werde darauf noch zurückkommen). Die misslungene Liebe: doch immerhin Liebe; das Leben wird gerettet, aber die Liebe misslingt. Das die Erzählung von der Nachbarin. Die hieß mal Contessa, dann Tess, dann nur noch Nachbarin, Frau von gegenüber, schließlich Contessa-Frau – was ist das denn für eine Bezeichnung? – Sie hat keinen Namen, weil ich ihren richtigen Namen nicht kenne. Wenn ich von ihr erzählen will, dann muss sie einen Namen haben. Und selbst, wenn ich am Ende einen erfundenen Namen verwende, muss ich ihren richtigen Namen kennen, damit ich einen zu ihr passenden Namen erfinden kann. Also, wenn ich von ihr erzählen will, muss ich wissen, wie sie heißt. So kam es zu diesem Satz, der auch im Posting von gestern steht: das sollte doch möglich sein, dass sollte ich doch hinkriegen, endlich ihren Namen herauszufinden. Das war der Moment der Entschlossenheit. In diesem Moment war ich auch überzeugt, dass mir das jetzt gelingen wird – da es jetzt nicht mehr um alles geht (die Liebe), sondern nur noch um die bescheidene Zielsetzung, herauszufinden wie sie heißt. Und davon sollte die Erzählung von der misslungenen Liebe handeln: wie ich nun, nachdem alles verloren ist, wenigstens ihren Namen erfahren will. – Sollte? Soll! Es bleibt dabei.
Gut am Text von gestern, dass ich endlich wieder ohne Bitterkeit über sie geschrieben habe. Und: dass ich die früher schon mehrfach erwähnte Szene in der Akazienstraße mit ihrem Blick über die Schulter zu mir her nun einmal vollständig beschrieben habe. Kein Schmus: Ohne die Erinnerung an diesen Blick hätte ich längst aufgegeben. – Die Szene allerdings nur äußerlich vollständig. Was fehlt: Ich hatte mich damals nicht nur gefragt, was sie beruflich macht. Mir war natürlich klar, dass eine Frau wie sie, nicht alleine ist. Also mit wem ist sie zusammen? – Mann oder Frau? – Mann war klar. – Was für eine Art von Mann? – Mit der kurzen Szene in der Akazienstraße wurde auch diese Frage beantwortet. – So ungefähr hatte ich mir ihren Freund/Mann auch vorgestellt, wie den Mann, der neben ihr ging. Wenn ich mich recht erinnere, hatte sie sich eingehakt bei ihm. Also kein Zweifel. Das war ihr Freund/Mann. Junger Mann, gut aussehender Mann. Einen Kopf größer als ich. Aber sein Kopf in den Wolken, er so eingenommen von sich selbst, dass er nicht mitkriegt, was um ihn herum geschieht: wo seine Freundin hinguckt und wer nach ihr guckt. Als den mir aus der Ferne vom Sehen bekannten Nachbarn habe ich ihn nicht erkannt. Wie hätte ich darauf auch kommen sollen? Denn in der Wohnung gegenüber sollte ich sie erst zwei Monate später bemerken.
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