Sonntag, 24. April 2011

Korrektur

Text von gestern Abend zum größeren Teil gelöscht, weil mal wieder viel zu gedanklich. Das viel zu viele Denken kommt auch vom zu vielen Alleinsein. Bezeichnend: Den Text habe ich gelöscht, nachdem ich eine Episode Skins (3) angesehen und einen Eindruck vom wirklichen Leben bekommen hatte. Das kann als Ironie verstanden werden, ist aber genau so gewesen. – Worum ging es in dem Text? – Um einen Wunsch: Ich möchte eine Erzählung in Gang setzen. Titel soll sein: Bemühen Sie sich nicht! Die Personen darin sind ich und sie. Und es soll darum gehen, dass es sein könnte, dass ich Angst vor ihr habe.

Beim Überarbeiten von Telefonieren. Die Stelle, an der ich die Bizarrerie beschreibe, wie sie auf der anderen Straßenseite geht und telefoniert; sich versteckend im Telefonieren, weil sie nicht die Traute hat etc. oder will, dass ich ihr hinterher laufe etc.. Allerdings nicht auszuschließen, dass sie wirklich einen Anruf bekommen hat. Aber das muss sie doch nicht daran hindern ins Restaurant zu kommen. Es sei denn – darauf gestern Abend erst gekommen –, es sei denn, es ist ein Anruf ihres Freundes. Er telefoniert ihr hinterher. Er macht ihr Druck: wenn du da jetzt hingehst, dann brauchst du nicht mehr zurück zu kommen; dann kannst du nachher deine Sachen abholen, und das war es dann. Also überlege dir gut, was du machst! – Nach dem, was vorher gelaufen war - es hatte einen Streit zwischen den beiden gegeben, das hatte ich gesehen -, kann es gut sein, dass es so war. Dann war sie in dem Moment in einer Klemme. Er hat um sie gekämpft (das ist so, dass er um sie kämpfen muss) und sie vor eine Wahl gestellt. Es ging für sie also nicht einfach nur darum, zu einem Treffen zu gehen, um einen anderen Mann kennenzulernen, es ging um viel mehr. Und dabei um mich nur am Rande. Dass sie mich treffen wollte, galt weniger mir, es war eine (Re)Aktion im Streit mit ihrem Freund, zu dem sie dann zurückgekehrt ist, als sie meinem Blick entschwand. Es muss auch nicht so sein, dass sie sich nur dem Druck ihres Freundes gebeugt hat (romantisch-egozentrische Vorstellung von mir), es kann auch sein, dass er sie besänftigt hat, dass sie nicht reumütig, sondern versöhnt zurückgekehrt ist, und ganz versöhnt haben sie sich dann, als sie nach Hause gekommen ist. So könnte es gewesen sein. Es spricht viel dafür, dass es so war. – Wäre ich auf die andere Straßenseite gegangen und ihr gefolgt, wüsste ich es, hätte ich es damals schon gewusst – und es wäre nicht weiter gegangen. Weil es keine Rätselhaftigkeit gegeben hätte (ihr bizarres Verhalten), sondern eine Tatsache wäre geschaffen worden: dass ich nur eine Art Fluchtpunkt bin für sie, eine Figur, die sie ins Feld führt im Streitszenario mit ihrem Freund. Und da die beiden oft streiten, da das ihre Art von Beziehung und das heftige Streiten wahrscheinlich Teil ihrer Leidenschaft füreinander ist, wurde/werde ich immer wieder gebraucht als Fluchtpunkt und als Figur. – Das ist nicht zum ersten Mal, dass ich das denke. Dass es mir jetzt gerade fast schlecht geworden ist bei der Vorstellung von meiner Rolle in einem Spiel, über dessen Charakter ich mich täusche, das kommt daher, dass es mir nie zuvor so anschaulich wurde wie gerade eben beim Richtigstellen der gestern beschriebenen Szene, die dazu führte, dass aus der Verabredung nichts geworden ist.

Habe ich jetzt immer noch den Wunsch, eine Erzählung zu schreiben mit dem Titel: Bemühen Sie sich nicht! mit den Personen sie und ich, und es soll darum  gehen, dass es sein könnte, dass ich Angst vor ihr habe? Reicht es nicht zu erkennen, wie dumm ich war, und damit gut? Oder will ich herausfinden, wie dumm ich wirklich war, weil das schon wieder interessant ist?

Später: Was will ich denn? Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Die Erzählung ist schon in Gang gekommen. Alles, was ich tun muss, ist von hier aus jetzt andere Eindrücke betrachten. Wenn ich das aushalte.

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