Nach der Vernissage bei Gondwana Anruf bei einer von Peters Witwen. Vier Witwen. Die Skype-Gespenster. Die Frauen aus der Vergangenheit, mit denen er über Skype täglich telefoniert hat, und ab und zu kam eine von ihnen zu ihm nach Berlin aus Australien, Ecuador, Wien oder Karlsruhe und dann war es ein paar Tage lang wie einst, als sie ein Liebespaar waren. Da war Peter stolz drauf, da hat er ebenso oft davon geredet wie davon, dass er stirbt, und er hat mir unterstellt, dass ich neidisch bin auf ihn, weil ich das nicht habe. Das Peter-Netzwerk hat die Frau aus Ecuador (eine Mannheimerin) es mal in einer Mail genannt und ich wusste wirklich nicht, wie ich ihm verständlich machen sollte, dass ich nicht neidisch bin darauf. Das ihm ein für alle mal verständlich machen, damit wir über anderes reden können und nicht immer wieder über diese abwegige Neid-Unterstellung, die ich mir zugezogen habe, weil ich ihn nicht genug bewundert habe für das, worauf er so stolz war und das meinetwegen auch sein konnte, aber deswegen ihn bewundern konnte ich nicht. Wenn er böse auf mich war, hat er gesagt, du wirst einmal alleine sterben. Womit er meinte, dass niemand bei mir sein wird, wenn ich sterbe. Bei ihm waren in den letzten Tagen sein Sohn, sein Bruder, eine Halbschwester, die polnische Frau, die seine letzte große Liebe war, unglückliche Liebe, nachdem sie sich vor mehr als einem Jahr von ihm getrennt hatte, aber jetzt war sie da und ihre Tochter, eine enge Freundin seines Sohnes. war auch da. Die Witwe aus Karlsruhe, mit der ich telefoniere, war nicht da und das scheint sie zu schmerzen; das erklärt sie dann auch, warum sie nicht da sein konnte, und danach ist kein Gespräch mehr mit ihr möglich, weil sie über alles, was ich sage, nicht sprechen kann oder nicht sprechen will. Wegen dem Witwenschmerz, aber auch, weil sie eine Widersacherin von mir ist, die es nie verstehen konnte, dass Peter sich mit mir abgibt und es zulässt, wie ich über ihn schreibe. Nachdem ich mich zuerst bemüht habe, rücksichtsvoll ihr gegenüber zu sein, verliere ich schließlich die Geduld und sage zweimal zu ihr: du führst dich scheiße auf (weniger emotional und zutreffender wäre gewesen: du führst dich auf, als wärst du und nicht er gestorben). Darauf beendet sie das Gespräch grußlos. Das macht mir nichts aus. Was ich wissen wollte, habe ich erfahren: Als Peter im Sterben lag, waren bei ihm sein Sohn, sein Bruder, seine Halbschwester, die Frau, die ihn unglücklich gemacht, und ihre Tochter, die er so gerne gehabt hat.
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