Freitag, 11. März 2011
Zeichen
Selbstgespräch am frühen Morgen nach dem Blick auf die Dachwohnung gegenüber und das Arrangement des geschlossenen Vorhangs, das über Nacht veränderte Arrangement des Vorhangs. - Selbstgespräch: Die Zeichengeberin! Was will sie mir damit sagen? – Ende Selbstgespräch. Fortsetzung in Gedanken: Es ist nicht so, dass es mich nicht interessiert. Aber nicht mehr lange, dann wird es so sein. – Das glaubst du ja selbst nicht. Aber was, wenn du sie jemals treffen solltest? Was kommt nach der ersten Freude? Was anfangen mit einer Frau, die so lange dieses dämliche Zeichenspiel mit dir gespielt hat? – Werde ich dann nicht meinen angesammelten Groll gegen sie loslassen und sie beschimpfen, so wie ich sie schon mal beschimpft habe, in dem Brief an sie, wegen des dämlichen McGeiz-Ladens, in den sie mich gelotst hatte? – Aber da, wenn es passiert, es immer anders kommt als gedacht, und da ich das nun schon häufiger gedacht habe, wird es so wahrscheinlich nicht kommen. Und sei es nur, weil dieses Treffen aller Voraussicht nach nie stattfinden wird - weil es immer nur dieses Zeichenspiel geben wird, von dem ich noch nicht sagen kann, dass es mich nicht mehr interessiert, aber nicht mehr lange, dann wird es so sein. – Jedenfalls hat das Selbstgespräch zu einem neuen Namen geführt für die Frau von gegenüber. Die Zeichengeberin. Zeichenspielerin wäre der passendere Ausdruck, das ist aber kein Wort. Sie spielt mit mir wie die Katze mit der Maus: Komm, kleine Maus, stell dich nicht tot! Lass uns noch weiter spielen, bis du richtig tot bist. – Nein, so ist sie nicht. Sie will wahrscheinlich nur auf sich aufmerksam machen: Hey, du da drüben, vergiss mich nicht! – Keine Sorge, so schnell geht das nicht bei mir.
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