Oguzhan war am vergangenen Wochenende mit seiner Freundin und einem anderen Paar in Friedrichshain in einer Bar, hat sich einen Whiskey bestellt und gesagt, der darf ein bisschen teurer sein. Es war dann auch der gewünschte bessere Whiskey. Und als es ans Zahlen ging, betrug die Rechnung für die vier Leute zusammen 270 Euro. 270! Die anderen hatten Cocktails, nichts Besonderes. Etwas mehr als 60 Euro kosteten die zusammen. Der Whiskey von Oguzhan hatte also über 200 Euro (207) gekostet. Schottisch. 18 Jahre alt. Hey! Aber 207 Euro! - Oguzhan: Und dann musste ich auch noch so tun, als würde es mir nichts ausmachen. – Vor den Freunden mit denen er da war. Und vor dem Barmann, der ihm den teuren Whiskey hingestellt hatte. Heimtückischer Spaßvogel, wenn Oguzhan den dicken Maxe markiert haben sollte beim Bestellen. Oder Abzocker, der wusste, dass der junge türkische Mann zu stolz sein würde, um sich vor seinen Freunden bei ihm zu beschweren. Oder Spieler, der einen Stresstest bei Oguzhan machen und sehen wollte, wie cool er ist. Wahrscheinlich alles zusammen und Oguzhan hatte so oder so verloren. Denn selbst, wenn er - wie ich in einem solchen Fall - sogar Spaß daran gehabt hätte, eine hässliche Figur zu machen und damit das Arschloch hinter der Bar einem Stresstest zu unterziehen, wäre er der Dumme gewesen, der versäumt hatte nach dem Preis zu fragen, bevor er den Whiskey getrunken hat.
Das hat er am Montag erzählt und heute und übers Wochenende macht er Diät. Er nimmt sich eine Mandarine aus einer großen weißen Plastiktüte. Willst du auch eine haben? – Obstdiät. 85 Kilo wiegt er! Bei seiner Größe und in seinem Alter (22)! Mehr bewegen will er sich auch. – Am 19. Dezember öffnet das Hallenbad in der Hauptstraße wieder. Sie lassen schon das Wasser ein. – Das Obstessen beschwingt ihn. Kann mich nicht erinnern, ihn mal so charmant erlebt zu haben beim Bedienen der Kunden. Nur das Posting, auf das ich ihn schon zweimal aufmerksam gemacht habe – Bilderbuchfamilie -, das hat er wieder nicht gelesen. Das letzte Mal hatte er meine Blogadresse verloren. Heute sagt er: Das habe ich völlig verplant. Neuer Wortgebrauch von verplanen. Ich verstehe es so: Wenn wir uns das nächste Mal sehen, werde ich nicht mehr nachfragen. So wie ich irgendwann zu ihm gesagt habe, vergiss das mit dem Auftragsporträt, das ich dir geschenkt habe. Worauf er erleichtert war und sich noch mal höflich bedankt hat für das Geschenk, obwohl er nichts damit anfangen konnte, so wie er nun nichts anfangen kann mit meiner Geschichte über die junge türkische Verkäuferin und ihre Frau. Ich erlebe meine Geschichten. Er erlebt seine und erzählt sie mir. Was will ich mehr?
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