Das Link zu Harmlos habe ich Brigitte gemailt mit dem Zusatz:
wie Du siehst, habe ich nachträglich schon angefangen, mich über Dich zu ärgern. Aber dann ist mir der Schluss meines Textes über Dich eingefallen und es ist mir gelungen so zu tun, als sei das alles nicht so schlimm.
Und dann hatte ich noch die Idee, mit Brigitte die Galerie von Tanja Wagner in der Pohlstraße zu besuchen, die eine Frauengalerie ist: Tanja Wagner stellt dort nur Künstlerinnen aus. Vor kurzem war ich mal da. Nachmittags. Abends erst sollte Ausstellungseröffnung sein. Tanja Wagner hat mich trotzdem die Ausstellung anschauen lassen. documenta-Kunst habe ich zu Brigitte gesagt, als ich ihr meinen Eindruck schilderte, aber auch zugegeben habe, dass ich noch nicht verstanden habe, was da künstlerisch passiert. Deshalb will ich noch mal hin. Wenn es geht, mit Tanja Wagner reden – und wie wäre es, wenn ich das zusammen mit Brigitte tue, habe ich mir überlegt, weil ich schon seit längerem denke, dass ich für Abwechslung sorgen und nicht immer alleine unterwegs sein sollte, auch nicht immer nur aus meiner Perspektive schreiben sollte, und deshalb nun die Ausstellung Antworten auf den Neumond: Prolog mit den Augen Brigittes sehen und beschreiben könnte im Blog. Aber:
Brigitte will nicht zu Tanja Wagner mitkommen, schreibt sie mir zurück, plus: Sie möchte nicht, dass ich weiter über sie schreibe. Und unter dem Text die Grüße, die immer herzliche Grüße waren in ihren Mails, die sind jetzt zu besten Grüßen geworden.
Meine Antwort vom späten Freitagabend:
Liebe Brigitte, nimm die Hand, die ich Dir gegeben habe (und die Du angenommen hast) vorhin am Eingang von subjectobject als Antwort auf Deine Mail (die ich da bereits gelesen hatte). Es ist jetzt so, es wird auch wieder anders sein.
Meine Grüße weiter herzlich, obwohl ich mir nicht sicher bin, dass es auch wieder anders sein wird: es könnte auch sein, dass es das war mit Stamm und Gensheimer. Mein Standardsatz: Interviewpartner lernt man erst richtig kennen, wenn man über sie geschrieben hat und sie es gelesen haben. Dass Brigitte nun so empfindlich reagiert, es hat mich nicht überrascht. Ich habe es 50:50 erwartet, dass sie so reagiert oder anders. Deshalb bin ich nicht enttäuscht. Dumpfer, aber wahrer Satz: Jeder wie er kann. Ich hatte gehofft, sie kann auch anders.
Zwei oder drei Gründe, warum ich Respekt vor ihr habe. Zwei oder drei Gründe, warum ich sie mag. Und ein Erlebnis mit ihr, bei dem sie mich überrascht hat und weswegen ich bei ihr vieles für möglich halte, was es bei anderen nicht ist. Letzter Juni. Fotoausstellung in ihrer Galerie.
![]() | |
|
Das spektakuläre Titelbild der Ausstellung. Ein Frosch, sage ich. – Sie: Nein, das ist kein Frosch. Das ist ein Lurch. – Ach so. – Wie es weiter ging, bitte nachlesen im Blogeintrag Fotoarbeiten 2. – Für Lesefaule: ich habe dann nachgeschaut, wie das ist taxonomisch mit den Fröschen und den Lurchen, und gelernt: Frösche sind Lurche. Davon ausgehend habe ich über das Foto und die Statue, die es zeigt, geschrieben. Und wie hat Brigitte reagiert auf den Text? Als ich sie danach in ihrer Galerie besucht habe, hat sie mir einen Ausdruck gezeigt, den sie von meinem Posting gemacht hatte. Die Seiten abgegriffen von häufigem Gebrauch, da sie jedem Ausstellungsbesucher, der Fragen zu dem Frosch-Foto stellte, den Text zu lesen gegeben hat. Meinen Text, in dem ich erzählte, wie ich von ihrer Belehrung beeindruckt war, dann aber beim Verifizieren festgestellt habe, dass ich in meiner unbedarften Art völlig richtig gelegen hatte: es ist ein Frosch, der auf dem Foto zu sehen ist. – Von da an hatte ich Achtung vor ihr. Denn so stelle ich mir das vor im Leben: dass man dazu steht, wenn man sich geirrt hat und kein Getue darum macht aus verletzter Eitelkeit, sondern seine Eitelkeit darauf gründet, souverän mit seinem Irrtum umzugehen. Das hat sie getan damals. Und jetzt? Geht es nicht um einen Irrtum. Jetzt wünscht sie, dass ich nicht mehr über sie schreibe. Den Wunsch erfülle ich ihr. Sie muss mir nur aus dem Weg gehen.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen